Frage von socki68, 82

Warum sieht man nur noch so wenig perfekte Orthographie ?

Heute wimmelt es nicht nur von Rechtschreibfehlern in öffentlichen Texten, sondern vor allem von Grammatikfehlern. Selbst in Nachrichten, Büchern, Zeitschriften etc... Wie kommt es, dass offenbar niemand mehr fehlerfrei schreiben kann? Womit hat der Wandel angefangen? Und ich meine NICHT offensichtliche Tippfehler. Die mache ich auch ständig ;)

Antwort
von Deponentiavogel, 25

Nenn mir ein Beispiel eines Grammatikfehlers! Ich wette, du findest keines.

Rechtschreibung, ja. Die geht zunehmend den Bach runter. Das kann man aber nicht allein dem Internetzeitalter in die Schuhe schieben. Wenn nicht einmal Lektoren das Rechtschreibsystem verstehen und man bei den Verlagen nach Gefühl schreibt, wie sollen sich dann alle ein einziges Schriftbild einprägen?

Die berüchtigte Wurzel liegt schon in der Schule. Es wird niemandem mehr das Schriftbild des Deutschen eingetrichtert. Stattdessen stiftet die neue Rechtschreibung auch noch dazu an, sich Gedanken zu machen.

Ein Artikel? Das muss eine Substantivierung sein!

Der Schreibende soll sich kluge Gedanken machen, steht aber dabei vor unlösbaren Problemen. Wenn es die Reformer nicht verstanden haben, wie soll es dann er als Laie, der nicht vorgibt, sich damit wissenschaftlich zu befassen?

Dass die junge Generation nichts vom Lesen hält, fällt dann noch erschwerend ins Gewicht. 

Kommentar von socki68 ,

Och, ich sehe und höre - auch in den Nachrichten- dauernd Grammatikfehler: falsche Präpositionen, falsche Fälle, falsche Artikel, falsche Zeitformen und Konjugationen ;).

Klar, gesprochene Sprache hält sich nicht sklavisch an Grammatik und durch allgegenwärtige chatfunktionen  verändert sich auch das Schriftdeutsch. 

Menschen die in den 30ern geboren wurden ( hier hätte ich jetzt fast " sind" getippt- und das ist falsch), konnten Briefe schreiben, die gälten ( und nicht " gelten") heute als Literatur ;))

Kommentar von Deponentiavogel ,

Es wird sich gerade in der gesprochenen Sprache sklavisch an die Grammatik gehalten. Wer Grammatik nicht beherrscht, wird als Depp abgestempelt.

Nenn mir ein konkretes Beispiel. Mich würde es interessieren, was du als Grammatikfehler verstehst.

Antwort
von MotorsportFanxD, 12

Den meisten Leuten ist das egal. Ich kriege immer die Krise, wenn ich sehe, wie ständig "wenn" und "wen" oder z.B. "dass" und "das" vertauscht werden. Ich achte immer auf die Rechtschreibung und finde es wichtig, dass man sie kann. Aber es wird von vielen einfach nicht mehr wahrgenommen, wie wichtig es eigentlich ist. Ich zumindest bin froh, dass ich in den letzten 3 Deutschabeiten 10 (!!!) "Extra"punkte für die Rechtschreibung bekommen habe :)

Antwort
von wilees, 4

Dann lies mal etwas über die heutigen Lehr- bzw.  Lernmethoden in der Grundschule:

http://www.welt.de/vermischtes/article146571859/Eine-Mutter-wuetet-gegen-Fata-un...

Kommentar von socki68 ,

ja, gruselig!

Kommentar von wilees ,

Und die Folgen daraus erleben wir täglich.

Antwort
von beangato, 56

Meiner Meinung nach "verdenglischt" die deutsche Sprache.

Mir könnte auch der Kragen platzen, wenn ich lesen muss: In 2016 ... Korrekt wäre: Im Jahr 2016...

Kommentar von socki68 ,

verdenglischung ist meiner Ansicht nach gar nicht so sehr das Problem. " Entlehnung" und Biegung ist typisch für die Flexibilität von Sprachen. Ich frage mich eher, wie es kommt, dass selbst Studenten die GRUNDREGELN ihrer Muttersprache nicht mehr zu kennen scheinen. Naja, und der Genitiv, der ist ja mittlerweile auch schon lange tot.. man beachte: " tot" wird mit T am Ende geschrieben... sehe ich auch nur noch selten...die tö-D-lich traurige socki;)

Kommentar von beangato ,

Nun ja - ich habe in meiner Kindheit viel gelesen (das mache ich auch heute noch - Bücher natürlich), meine Kinder auch. Da lernt man automatisch, korrekt zu schreiben.

Die heutige Generation beschränkt sich m. M. nach viel mehr darauf, auf dem Smartphone zu spielen - lesen bleibt da aussen vor.

Ich beobachte das oft bei jungen Müttern.

In einem Kindergarten bei uns wurde extra ein Mitarbeiter geschult, um 3- bis 5 jährigen das korrekte Sprechen und Verstehen beizubringen. Dass das nötig ist, empfinde ich als sehr schlimm.

Mein kleinstes Kind kannte bei der Vorschuluntersuchung schon das ganze ABC - abgeguckt bei den großen Geschwistern.

Kommentar von socki68 ,

Zu der  beobachteten " verzögerten Sprachentwicklung" gibt es übrigens eine interessante Studie: Die besagt, dass heutige Kinder zu wenig direkte Ansprache - unter anderem durch gestresste Eltern, die ihre Intuition nicht mehr nutzen können- haben. Ein Beispiel: Ein Buch wird vorgelesen: " Wo ist die Maus? Wo ist das Huhn" Und das Kind braucht nur noch den Finger kreisen zu lassen und fröhlich " DA" auszurufen. Intuitiv würden wir eigentlich sofort weiter erzählen" was macht die Maus denn da" .. und eine aktive Haltung einnehmen und auch zurückfordern... Dazu braucht es aber Zeit und Muße, die auch die Eltern erst einmal haben müssen. 

Insofern - Geschwister sind ein echter Vorteil!:))

Kommentar von beangato ,

Also ich hatte (obwohl alleinerziehend und voll berufstätig) IMMER Zeit zum Vorlesen - und wenn ich die Wäsche erst mitten in der Nacht aufgehängt habe.

Soviel Zeit, Kindern was beizubringen, muss man sich einfach nehmen.

Kommentar von Deponentiavogel ,

Der Genitiv ist tot, das ist zum Lachen. Nimm doch mal einen Text deines Vertrauens zur Hand und fang an zu zählen.

Antwort
von PoisonArrow, 40

Wird scheinbar kein Wert mehr drauf gelegt - echt grausam.

In einigen Schulen wird Rechtschreibung in Deutsch-Arbeiten nicht mehr bewertet, wer chattet hat ja ein Handy mit Korrekturhilfe. Das bügelt vieles wieder glatt...

Viele Lehrlinge sind nicht mehr in der Lage, einfachste Schriftstücke für Kunden zu verfassen, trotz gutem Realschulabschluss.

Bücher werden von der jungen Generation scheinbar gemieden, die Akzeptanz zum sehr lückenhaften Deutsch ist einhergehend mit der Faulheit, dieses Defizit zu beseitigen.

Und immer gerne genommen:
Die Aktion "Rettet dem Dativ!"

Verzweifelte Grüße
PoisonArrow

Kommentar von socki68 ,

Ja, das mit dem Dativ hab ich auch gerade unten in einem Kommentar geschrieben;)  

Ich meinte eigentlich Genitiv - siehste, habe ich auch schon FAST vergessen.....Rechtschreibung nicht mehr zu bewerten, damit könnte ich ja noch leben, aber ich erinnere mich, daß ( jaaaaa- nicht " das" ) ich Grammatik noch in der GRUNDSCHULE gelernt habe, und so lange ist das nun auch nicht her...

Kommentar von PoisonArrow ,

Fast noch schlimmer als das tw. haarsträubende Schriftdeutsch, ist die absolute Unfähigkeit einiger (junger) Menschen, etwas nachvollziehbar und verständlich zu erzählen / berichten (...).

Ein 14-jähriges Mädchen war im Kino und wollte mir den Inhalt des Filmes nacherzählen.

Keine Chance, nichts verstanden...

"Da war so´n Mann und der kam da rein, da waren noch andere Männer, die waren auch so angezogen, irgendwie. Und der hatte das alles echt voll unter Kontrolle, näh? So die ganzen Menschen und so. Und dann haben die da so Leute rausgenommen und die waren da am kämpfen, boah, aber echt brutal! Aber die anderen haben ja zugeguckt und fanden das irgendwie voll geil. ....."

Ach ja, den kenne ich!
Was dagegen, wenn ich das Radio einschalte?

*Klick* - Gespräch ENDE.

Grüße, ----->

Kommentar von socki68 ,

Da war son Mann und der kam da rein....... ach ja... ich kenne das ,) Und leider hat das auch etwas mit Reflexions- und Analysefähigkeit zu tun- die Fähigkeit, Dinge auf den Punkt bringen zu können. Die wir alle-bezüglich Kommunikationsfähigkeit- aktuell sehr gebrauchen könnten. Schnief. 

Kommentar von beangato ,

Da stimme ich Dir zu.

Hab letztens erfahren, dass meine Enkelin altdeutsch gelernt hat in der 1. Klasse. Die Mutter kann das nicht, konnte also nie berichtigen. Ergebnis: Kind hat eine 4 in Deutsch.

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