Frage von TobyScience, 105

Warum setzen wir häufig bestimmte Füllwörter in Gesprächen ein?

Ein Wort fällt mir gleich ein. Häufig verwendet man das Wort „eigentlich” für viele Aussagen während eines Gesprächs.

Mir geht es eigentlich ganz gut.
Ich bin eigentlich ganz zufrieden.
Eigentlich kenne ich das anders.
Eigentlich müsstest du woanders lang.

Man setzt das Wort wohl einfach so in setze ein aber warum gerade dieses Wort. Es gibt bestimmt noch andere sogenannte Füllwörter. Aber warum machen wir das und will man mit bestimmten Wörter doch etwas Ausdrücken?

Antwort
von RheumaBaer, 66

Weitere Ideen - wir möchten keine Aussagen machen,auf die wir "festgenagelt" werden können,alles offen halten,dennoch an der Konversation teilnehmen,vielleicht fallen einem auch nicht genug Gründe zur eigenen Haltung ein,oder man ist schlicht zu bequem,auf eine Nachfrage reagieren zu müssen. "Wie meinst Du das?" "Warum denkst Du so?"
Dann geben Füllwörter auch Gelegenheit,beim Reden nachzudenken,sich "Zeit zu verschaffen",der Redende zu bleiben,dem die Aufmerksamkeit gehört. Reden um des Redens Willen.  
Oder? :)

Kommentar von RheumaBaer ,

Mensch-vielen,vielen Dank für das Kompliment und Dein Danke! Ich kann meine Schuhe nicht anziehen,weil ich mit den Füßen nicht auf die Erde komme.. :)
Manchmal ist es leicht-ich beobachte die eigenen kleinen Peinlichkeiten oder Verhaltensweisen,daraus lassen sich dann schon Erkenntnisse gewinnen-die werden aber erstmal schön allgemeiner gehalten..! Reduziert das eigene Aua.. :D
Ganz liebe Grüße!!

Antwort
von Knastduscher, 9

Das "Eigentlich" verrät doch, dass da noch ein "Hintertürchen" ist bzw. die gemachte Aussage nicht ganz so zutrifft, wie man sie formuliert.

Wenn ich sage, eigentlich geht es mir gut, kann z. B. bedeuten, dass ich gesundheitlich und körperlich stark bin, beruflich und finanziell keine Sorgen habe, tolle Freunde habe, ABER doch öfter meine Familie, Eltern, Bruder, Schwester vermisse, die z. B. 500 km entfernt wohnen und ich sie deshalb nicht so oft sehe oder aber mit den Menschen und deren Mentalität in der Region, in der ich aus beruflichen Gründen bin, nicht so gut klar komme.

"Eigentlich kenne ich das anders", sagt mir eindeutig, dass der/die jenige mein Erlebnis noch nie hatte oder diese Situation so noch nicht erlebt hat. Bisher hat einer gehört, dass immer nur die Frauen einen Putzfimmel haben. Nun bekommt dieser von seiner Nachbarin erzählt, dass ihr Mann einen Putzfimmel hat und ständig putzt und Staub wischt.

"Eigentlich müsstest du wo anders entlang", kann z. B. bedeuten, dass du mit diesem Weg jetzt einen großen Umweg machst. Wärst du zwei Kilometer vorher auf die Schnellstraße gefahren, wärst du nach 4 Kilometern in deinem Zielort angekommen. Nun musst du z. B. 7 Kilometer Umweg durch die Dörfer machen.

Da gibt es aber auch diese schöne Formulierungen "Im Prinzip, meistens aber, man könnte auch sagen....., ich sage mal (Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder sehr oft: "Ich saach mal...."), so gesehen ja/nein, aber....., unter Umständen ja, wenn man..."

Antwort
von Nube4618, 7

Füllwörter werden häufig gebraucht, um unauffällig Zeit zum Nachdenken zu bekommen. Wie etwa "äh, hmm, ehm..". 

Speziell ist "eigentlich". Da, wie schon ein Vorredner schrieb, nach einem Satz der mit "eigentlich" beginnt ein "aber" erwartet wird, könnte man sagen, dass "eigentlich" eine Verneinung ist. 

Eigentlich geht es mir ganz gut -> Es geht mir nicht gut, aber irgendwie schaff ich das schon.
Eigentlich liebe ich ihn -> Ich liebe ihn nicht wirklich, sollte oder möchte es aber.
Eigentlich verdiene ich ganz gut -> Es reicht hinten und vorne nicht.

Das ist insofern bemerkenswert, weil "eigentlich" auf das eigene, den wichtigen Teil von etwas hinweisen soll. Im allgemeinen Sprachgebrauch passiert aber eine Relativierung der Aussage, oder gar eine Verneinung, wie in obigen Beispielen illustriert.

Antwort
von eXistenZLos, 3

Ein Füllwort ist ein eingeschobenes Wort, welches zum Verständnis des Kontextes nicht notwendig ist. Füllwörter sind das, was wir dazwischen schieben, wenn wir kurz nachdenken wollen oder nicht weiter wissen. Eine Liste der Füllwörter findest du hier: https://conterest.de/fuellwoerter-liste-worte/ 

Eigentlich soll bedeuten, dass es doch nicht so ist, wie man meint, es ist also eher eine Einschränkung als ein Füllwort. Nach eigentlich folgt meistens die Begründung, die mit aber anfängt.

Antwort
von oxBellaox, 23

Frauen benutzen öfter Füllwörter als Männer. Texte wirken dadurch weniger sachlich, also irgendwie nüchterner. In der Schönen Literatur sind sie erforderlich, um das ganze für die Leserin abzurunden - SL wird nämlich überwiegend von Frauen gelesen, da es Männern im Prinzip zu blumig und iwie kitschig erscheint.

Eigentlich soll die Tatsache nicht ganz so krass erscheinen lassen - unter dem Motto, eventuell könnte ich meine Meinung noch ändern ...

Im Berufs.- und Geschäftsleben sollte man auf Füllwörter möglichst verzichten.

Kommentar von oxBellaox ,

soll "schwülstiger", nicht "nüchterner" heissen

Antwort
von nowka20, 2

und wie eigentlich sind die menschen uneigentlich

Antwort
von Huckebein3, 9

"Eigentlich" ist Ausdruck einer eventuellen Meinungsänderung:

Eigentlich geht es mir ganz gut heißt:

Bis auf einige Kleinigkeiten geht es mir ganz gut.
________________________________________

Eigentlich wollte ich heute zu Hause bleiben.

Obwohl ich mir vorgenommen hatte, heute zu Hause zu bleiben, tue ich dir den Gefallen, und gehe mit dir ins Kino.

Antwort
von Steffile, 27

Das ist meiner Meinung nach der grosse Vorteil der deutschen Sprache, diese Woerter, die relativieren. Eigentlich gut, nicht? (Oder: Ist doch gut, nicht?)

Kommentar von angelusredfiled ,

Ah ne die Engländer sind darin die Kings. Die sagen ständig sowas wie "usually" oder "actully" oder "in deed" oder so. 

Antwort
von LeroyJenkins87, 40

Bei einem Satz mit "eigentlich" erwartet man auch oft ein "aber".

 

Beispiel:

Mir geht es ganz gut. (Steht für sich alleine)

Mir geht es eigentlich ganz gut, aber...

 

Zumindest benutze ich das Wort oft in diesem Zusammenhang.

 

Darüber hinaus finde ich die Antwort von NordischeWolke gut.

Antwort
von NordischeWolke, 59

Schule:

Schreibe einen Ausfsatz zum Thema XY mit 1000 Wörtern

Wir werden schon früh dazu gebracht. Das Schul Beispiel sollte jeder kennen. Natürlich benutzen wir in dem Fall Füllwörter und unnütze Umschreibungen. Die Wörter leuchtend, sauber, hell usw. Andern nichts daran, das die besagte Tasse Gelb ist. Hört sich aber auch schöner an. 

Antwort
von MirlieB, 44

Das "eigentlich" scheint die Sätze zu relativieren. Meint: "Größtenteils gehts mir gut." oder "Ich kenne das anders, könnte aber auch falsch sein."

Andere Füllwörter verschaffen uns während des Sprechens etwas Zeit zum denken. Manche sind wohl auch einfach Mode.

Und woher die kommen, also warum gerade die: Da könntest du glatt ne Arbeit in Germanistik drüber schreiben. Ist komplex und für jedes Füllwort unterschiedlich.

Antwort
von angelusredfiled, 6

"Grundsätzlich" hast "du ja" recht. Es ist "tatsächlich" "sehr" überflüssig wenn man "ständig" und "wiederholend" Füllwörter" benutzt. 

Mann könnte auch sagen.

Hast recht, Füllwörter sind Überflüssig.

Aber dann würde unsere mittlerweile arg gebeutelte Sprache ja noch mehr aussterben. Und ich weiss nicht wie es dir geht aber ich finde Deutsch ist eigentlich (-; eine schöne Sprache. 

Sie ist schwer ( das wird dir jeder Ausländer bestätigen der sie lernen muss) Aber wir können Stolz sein das wir eine so Aussagefähige Sprache haben. 

Deshalb nutze ich eigentlich und immer wieder gerne häufig ganz viele Füllwörter..... 

Gleichwohl erinnert mich deine Frage an Orwells 1984 und der Idee das die Menschen alle Gefühlswörter aus ihrer Sprache verbannen wollten. 

Da hieße dann "es gefällt mir sehr gut" " das ist gut plus"

Ich meine wenn die Kinder jetzt schon sagen "ich geh Schulhof" oder "ich geh disco" dann ist es bald nicht mehr gut gestellt um unser liebes Deutsch.

Aber trotzdem ne gute Frage  von dir. Ich mag es gerne wenn mich jemand zum nachdenken bringt. Danke Kumpel.

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