Frage von bagdader, 46

Warum schmücken sich Forderungen nach westlicher Leitkultur so furchtbar gerne mit dem Attribut "christlich"?

Wer hat die schrecklichsten Kriege der Menschheitsgeschichte vom Zaun gebrochen? Waren es Hindus, Buddhisten, Muslime, Juden oder Spiritualisten? - Nein, es waren und es sind die Christen.

Wer hat bisher gegenüber Andersgläubigen, Andersdenkenden, Andersartigen die größte Intoleranz entwickelt? - Christen waren es. Beispielsweise lebten auch in Japan, Indien und China Juden und sie wurden dort nicht verfolgt, anders als in christlichen Ländern. Hexenverfolgung blieb gleichfalls ein Monopol der Christenheit...

Christen waren es, die das beispiellose Verbrechen Holocaust zu verantworten haben. Denn 95 % der sog. Hitlerdeutschen waren Angehörige einer der beiden deutschen Staatskirchen, waren evangelisch oder katholisch, laut einer Umfrage des Jahres 1939.

Jesus würde sich im Grab umdrehen, wenn er wüsste, was in seinem Namen für Verbrechen an Andersgläubigen begangen wurden, z. B. an kleinen Völkern in Russland und Sibirien durch christliche Russen, an Indios in Mittel- und Südamerika, durch christliche Spanier und Portugiesen, an den Ureinwohnern Nordamerikas durch christliche Briten, Deutsche, Iren, Italiener, Balten, Slaven etc., in Afrika durch Europäer...

Bereits Goethe und Heine waren zu der Erkenntnis gekommen, dass Verstand und Christentum sich gegenseitig ausschließen.

Über 40 % der Deutschen sind derzeit nicht (mehr) christlich, und, jedes Jahr werden es mehr Nichtchristen in Deutschland.

In puncto Velogenheit und Geschichtsklitterung nimmt es mit den Christen so schnell keiner auf. Kaum ein Schulbuch oder populärwissenschaftliches Geschichtsbuch nennt die christlichen Verbrechen beim Namen. Man muss erst Karlheinz Deschners http://www.rowohlt.de/reihe/kriminalgeschichte-des-christentums.html lesen, um sich zu orientieren.

Wäre es daher nicht angebracht auf das ganz und gar nicht christliche Attribut "christlich" zu verzichten, wenn wir schon unsere abendländische Kultur meinen und verteidigen wollen?

Antwort
von Herb3472, 35

Im Prinzip gebe ich Dir recht, sehe aber Parallelen zum Islam. Auch im Islam wurden und werden Gräueltaten "im Namen des Propheten" verbrochen. Über andere Religionen weiß ich zu wenig Brscheid.

Insgesamt habe ich den Eindruck, dass der Mensch dazu neigt, die Verantwortung für sein Tun an eine höhere Instanz zu delegieren, um sich auf diese Weise selbst von jeder Schuld freizusprechen oder gar zu argumentieren, "man selbst könne nicht anders, denn man handle in höherem Auftrag".

Ich bin übrigens Agnostiker.

Antwort
von Hamburger02, 27

Du sprichst mir aus der Seele. Kriege auch jedesmal Zustände, wenn das Attribut christlich in dem Zusammenhang genannt wird.

Die heutigen Errungenschaften wie Menschenrechte, Freie Meinungsäußerung, Demokratie, Religionsfreiheit entstammen keinesfalls christlichen Gruppierungen sondern sind letztlich der Aufklärung und dem Humanismus zu verdanken. Die wichtigsten Protagonisten, die dies durchsetzten, waren Freimaurer, die von den Kirchen, insbesondere der katholischen, genauso heftig bekämpft wurden wie ihre Ideen.

Unsere Werte sind also keinesfalls christlich sondern wurden sogar gegen den heftigen Widerstand der gläubigen Christen durchgesetzt. Das hindert Christen allerdings nicht daran, sich ständig mit fremden Federn zu schmücken und die Geschichte schlichtweg zu ignorieren.

Das ist z.T. aber sogar nachvollziehbar. Der ganze Glauben ist eine Scheinwelt, um sich die Welt schönzureden. Warum sollte da bei der Betrachtung der Geschichte eine Ausnahme gemacht werden?

Antwort
von quopiam, 4

Wieder mal muß die Mär vom Religionskrieg herhalten, um Christenbashing betreiben zu können? Wenn dem so ist, dann bitte auch Muslime bashen und all die anderen, die sich einer Religion zurechnen.

Und wenn dann noch Zeit übrig ist, kann man ja ein wenig nachdenken, warum das mit dem Krieg und der Religion nicht stimmt: Weil es nämlich bei KEINEM Krieg um Religion oder rechten Glauben geht, sondern um politische Interessen, um Gebiete, Macht, Ressourcen und schlichten Mammon. Religionen - und zwar alle einschließlich des ach so friedlichen Buddhismus - liefern nur für diejenigen die Rechtfertigung, die sich vor lauter Geistesblindheit einlullen lassen. Die kriegt man mit einem religiösen Mäntelchen getuppt - seien es Kreuzzügler, Islamisten, Thugs oder sonstwer. Wenn Du genau hinschaust und mal den Deschner aus der Hand legst, der genau das nämlich nicht tut, kannst Du das Gesagte auf JEDEN Krieg anwenden, einschließlich aller Völkermorde, die die Geschichte verdaut hat.

Ach ja: Wenn Du daran denkst, deshalb die Religionen einfach abzuschaffen, dann denk dran, daß die Ideologien jeweils dasselbe Mäntelchen geliefert haben und noch immer liefern; -ismen gibt es weidlich genug. Gruß, q.

Kommentar von bagdader ,

Wenn gesagt wird, die Muslime sind eindeutig das kleinere Übel, hat dies nichts mit Christenbashing zu tun, sondern mit ein wenig Reflexion.

So haben die Angehörigen keiner anderen Religion so viele Kriege vom Zaun gebrochen, so viele Opfer zu verantworten, so lange (2000 Jahre) gewütet, wie unsere (lieben) Christen.

Weil die Muslime in der westlichen Welt heutzutage als Sinnbilder für den Terrorismus herhalten müssen (Feindbild: Islam) verzerren sie für viele Ungebildete die Gesamtansicht.

Der Zweite Weltkrieg, zum Beispiel, war ein Krieg, den Christen begannen, an dem vor allem christliche Nationen beteiligt waren, und der letzten Endes etwa 60 Millionen christliche und nichtchristliche Menschenleben forderte. Dieser christliche Krieg allein kostete mehr Menschen das Leben als alle Kriege nichtchristlicher Nationen zusammengenommen. Auch die Atombombe war die Erfindung eines christlichen Landes, zur Explosion gebracht von Christen, zum Schaden von Nichtchristen.

Der Holocaust war nur möglich, weil christlicher Antijudaismus nahezu nahtlos zu einem politischen Antisemitismus ebenfalls zumeist christlicher Menschen mutieren konnte.

Es wäre allmählich an der Zeit, dass Christen kritische Nabelschau betreiben und sich nicht weiter in lächerliche Ausreden verrennen.

Antwort
von chrisbyrd, 7

Man sollte Namenschristen nicht mit Christen "in einen Topf werfen", die ihrem Herrn und Vorbild Jesus Christus wirklich nachfolgen wollen.

Jesus hat in seiner Zeit als Mensch auf der Erde niemanden getötet, keinen Krieg geführt und keine Aufstände angestachelt. Ganz im Gegenteil hat er die Botschaft vom Friedensreich verkündigt, hat Kranke geheilt, den Verachteten der Gesellschaft Zuneigung und Respekt entgegengebracht und zu Nächsten- und sogar Feindesliebe aufgerufen. Von Jesus stammt die "goldene Regel": "Alles nun, was ihr wollt, dass die Leute euch tun sollen, das tut auch ihr ihnen ebenso" (Matthäus 7,12).

Paulus fordert, dass Christen in ihrem Verhalten die Frucht des Heiligen Geistes zeigen sollen: "Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung" (Galater 5,22).

Außerdem schreibt er: "Vergeltetniemand Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist´smöglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Lass dichnicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem" (Römer 12,17.18.21).

Kommentar von bagdader ,

Die Evangelien wurden sämtliche von Leuten geschrieben, die Jesus nicht mehr persönlich gekannt haben, die sich auf mündliche und schriftliche Zeugnisse aus einer Zeit mehrere Generationen vor ihnen berufen mussten. Die Evangelien wurden in einer Zeit verfasst, in der maßgebende Christen ganz besondere religiöse, politische und auch gesellschaftliche Absichten hegten, diese Absichten ließen sie in die Evangelien einfließen.

Was du da oben aus dem NT übernommen hast, ist somit nicht als authentisch im Sinne von bezeugt, wahr, belegbar zu bezeichnen.

Höchstwahrscheinlich hatte Jesus tatsächlich humanistische und caritative Lebensziele verfolgt und lebte wohl ein nacheifernswertes, beispielhaftes Leben. - Wenngleich historisch belegbar ist lediglich, dass es ihn gab, dass er etwa dreißig Jahre alt wurde, alles andere ist religiöse Überlieferung, das keiner hieb- und stichfesten Überprüfung standhält. Das mag für einen Gläubigen brutal klingen, ist aber so, wie jeder ernsthafte Historiker bestätigen wird.

Keine andere Religion der Menschheit ließ sich derart leicht missbrauchen und ins Gegenteil verkehren wie das Christentum. Dies haben Herrscher, Kirchenfürsten und viele andere skrupellose Menschen mit Einfluss sehr früh bemerkt und nach Gutdünken und Herzenslust in ihre häufig maliziöse Politik der letzten beiden Jahrtausende eingebaut.

Man suggeriert den Menschen Nächstenliebe und Barmherzigkeit und schreit gleichzeitig "Haut tot, die Feinde, die Ketzer, die Juden, die Hexen, die Zigeuner, die Freimaurer, die Andersgläubigen usw.!".

Noch im Ersten Weltkrieg riefen die Feldgeistlichen der Deutschen "Für Gott und Vaterland!", ganz entsprechend die Feldkurate der Franzosen: "Pour Dieu et la patrie!", oder die britischen Fieldreverends: "For God and Fatherland!", und ebenso die christlichen Belgier, die christlichen Russen, Italiener, Serben, Ungarn, Polen, Tschechen (letztere jeweils in zumeist österreichischen Uniformen).

Die christlichen Menschen all dieser Nationen waren auf den alten Trick von Staatsmacht plus Klerus reingefallen, die Leute nur richtig mit Gottesbezug gegeneinander aufzuhetzen.

Am Ende hatten Christen, die es eigentlich besser hätten wissen müssen, und auch machen können, um die 10 Millionen ihresgleichen niedergemetzelt und dann kam das große Bedauern und das bittere Wehklagen, bis zum nächsten Krieg.

Denn auch im Zweiten Weltkrieg schickten die Feldkleriker wieder Millionen Soldaten "mit Gott" zum Teufel. Folge: 60 Millionen Tote und Folgetote.

Auch heute noch segnen pflichtbewusste christliche Bundeswehr-Feldgeistliche "unsere" Soldaten, wenn diese bitterböse Afghanen und andere Terroristen "mit Gottes Hilfe" zur Strecke bringen.

Ein Ende dieses Unfugs tritt erst nach Überwindung des Christentums ein.

Kommentar von chrisbyrd ,

Das Evangelium von Matthäus und das von Johannes wurde von Jüngern Jesu geschrieben, die mit ihm einige Jahre gelebt und sein Wirken und seine Lehren direkt mitbekommen haben.

Viel wichtiger ist aber, dass die Bibel von sich selbst sagt, dass sie von Gottes Geist inspiriert wurde (2. Timotheus 3,16; 2. Petrus 1,21). Sie hat also den Anspruch an sich selbst, Gottes wahres Wort und Offenbarung für die Menschheit zu sein.

Die Bibel wurde nicht für Greueltaten, die Namenschristen begangen haben, missbraucht. Dafür gibt es nämlich gar keine Bibelstellen. Wie auch, wenn Jesus doch zum Frieden und zur Nächstenliebe aufgerufen hat?

Als der Papst zu den Kreuzzügen aufgerufen hat, bei denen die Kreuzfahrer schlimme Taten begangen, hat er behauptet, dass Gott das so will. Das war aber eine Behauptung, die sich nicht mit Bibelstellen belegen ließ. Ganz im Gegenteil stellte sich der Papst direkt gegen die Bibel, indem er noch behauptete, dass durch die Teilnahme an den Kreuzzügen Sündenvergebung geschieht. Das steht ebenso in direktem Gegensatz zur biblischen Lehre, die Sündenvergebung nicht durch Werke sondern nur durch Gottes Lieb, Gnade und Barmherzigkeit und die Annahme des stellvertretenden Opfers von Jesus am Kreuz verheißt. Deshalb waren die Aufrufe zu den Kreuzzügen antichristlich und antibiblisch und nicht "christlich".

Das gilt auch für die Beispiele, die du aufgeführt hast. Deshalb ist m. E. der Begriff "christlich" für diese Beispiele falsch. Es geht um schlimme Taten von Namenschristen, die nicht das machten, was in der Bibel steht und was Jesus gelehrt hat. Mit einem auf die Bibel gegründeten Christentum haben die aufgeführten Greueltaten nichts zu tun...

Antwort
von Franz1957, 9

Warum? Weil man Christen so für diese Kultur als Unterstützer gewinnen will. In erschreckendem Maße gelingt das auch.

Es hat jedoch in der Christenheit immer wieder Bewegungen gegeben, die gegen diese Korruption Widerstand leisteten. Die pazifistischen Täufer der Reformationszeit waren eine solche Bewegung. Daß sie sowohl von Katholiken als auch von Protestanten verfolgt und ermordet wurden, unterstreicht, wie konsequent sie sich der herrschenden Ideologie verweigerten.

https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%A4ufer

In den USA gibt es heute Christen, die sich dem von Flaggenkult, Militarismus und Geldverehrung berauschten Mainstream-Christentum widersetzen. Gregory Boyd kritisiert diese Verwechslung gegensätzlicher Wertesysteme in seinem Buch "The Myth of a Christian Nation".

http://www.zondervan.com/the-myth-of-a-christian-nation

Expertenantwort
von rotesand, Community-Experte für Kleidung, Auto, Mode, Schule, 21

Das Attribut "christlich" klingt gut bzw. ist in der Gesellschaft immernoch mit Werten wie Mildtätigkeit, Barmherzigkeit, Erbarmen, Herzlichkeit, Ehrlichkeit oder Rückhalt/Hilfe verbunden. Entsprechend bedient man sich ihm gerne, wenn man Eindruck schinden will.

Meine eigene (völlig subjektive) Erfahrung geht hingegen eher in die Richtung dass überall, wo es angeblich "christlich" oder "sozial" zugeht und ein "Sankt" im Namen auftritt, besonders unsozial & oft erschreckend rücksichtslos zugeht. 

Kommentar von Herb3472 ,

Meine eigene (völlig subjektive) Erfahrung geht hingegen eher in die
Richtung dass überall, wo es angeblich "christlich" oder "sozial" zugeht und ein "Sankt" im Namen auftritt, besonders unsozial & oft
erschreckend rücksichtslos zugeht.

Vielleicht interessiert Dich das:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/kinder-aus-religioesen-familien-sind-w...

Kommentar von rotesand ,

Danke dir :)

Das kenne ich sogar schon & es deckt sich genau mit dem, was ich auch so erlebt habe. Da wird von religiösem Zeug nur geredet, umsetzen tut es keiner, wenn es drauf ankommt. Das fängt sogar schon bei kleinen Gefälligkeiten an.

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