Frage von Lambda85, 19

Warum schmälert der Export die Spareinlage?

Hallo,

unser Dozent hatte in einer Klausur diese Frage gesellt? Mich beschäftigt Sie immer noch.

Es ging in allgemeinen darum, das Deutschland ja Exportweltmeister ist und wie toll und gut das alles ist. Jedoch meinte ein Politiker, dass dieser Exportüberschuss für Deutschland nicht gut sei, da es unsere Spareinlage schmälert.

Warum ist das der voll? Kann es sein, dass durch den vielen Export und dem Leistungsbilanzüberschuss das Einkommen so hoch ist, dass es keine großartigen Zinsen mehr auf die Spareinlagen gibt?

Das war mein erster Gedanke dazu.

Antwort
von Samy795, 19

Hier muss man etwas weiter ausholen:

Grundsätzlich sorgt ein Anstieg von Exporten dafür, dass mehr Geld erwirtschaftet wird, was wiederum die Investitionen steigert. Durch die erhöhte Kaufkraft im Land sorgt das für eine Aufwertung der Währung, was wiederum den Import stärkt. Die Handelsbilanz (Export-Import) ist da im besten Fall langfristig wieder ausgeglichen.  

In Fall von Deutschland wird diese Kette aber sogar gleich zweimal unterbrochen: Zum einen sorgt eine dauerhafte Überproduktion (incl. Export) nicht zu einer stärkeren Binnenkaufkraft (Löhne und Gehälter werden ja nicht im gleichen Maß erhöht), zum anderen gibt es im Euroraum keine Aufwertung der Währung, so dass unterm Strich die Handelsbilanz unausgeglichen ist (Exportüberschuss).

Man kann das ganze wie eine Geldanlage sehen, die aber relativ ineffizient ist, weil die fehlenden Importgüter ebenfalls "teuer" im Inland erworben werden müssen.

Oder anders gesagt: Durch einen dauerhaften Export von A nach B fließt immer mehr Geld von B nach A. Da beide Länder die gleiche Währung haben kommt es zu keiner Währungsanpassung, dennoch ist 1 Euro im Land B deutlich mehr wert als im Land A. Es wäre also sinnvoll, im Land B zu investieren und im Land A zu sparen, da man im Land B für 1 Euro wohl mehr bekommt als in Land A (zumindest solange, bis die Handelsbilanz wieder ausgeglichen ist). Wir machen aber genau das Gegenteil, und das ist langfristig ineffizient.

Antwort
von FrageSchlumpf, 9

Nein, der niedrige Zins ist ein Ergebnis der Gesamtersparnis in Zusammenspiel mit einer niedrigen Kredtinachfrage für Investitionen und Konsum ( z.B. Staat nimmt auch keine neuen Schulden mehr auf ).

Der Exportüberschuss ist aber ein Ventil, diese Unmengen an Ersparnis außer Landes zu bringen. Es senkt also das Geldangebot ( vlt. meinte der Dozent das, dann wäre er ja richtig ). Im Gegenzug entstehen aber Wechselkursrisiken und Kreditrisiken , und natürlich, wenn wir "Geld exportieren" in den anderen Ländern auch Verschuldung ( deshalb halte ich es immer für problematisch, wenn man versucht, so viel wie möglich in anderen europäische Länder zu exportieren, diesen aber dann ihre Schulden vorwift..... ).

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