Frage von thorsengel, 63

Warum scheint Intelligenz unglücklich zu machen?

Ich beschäftige mich gerade mit den Thema Hochbegabung und Genies.

Dabei fällt auf, dass viele bekannte Genies unter Depressionen litten.

Gibt es da einen Zusammenhang?

Antwort
von Dxmklvw, 17

Hohe Intelligenz ist zumeist auch mit einer großen Menge zusätzlichem Wissen verbunden. Es wird ganz sicher nicht glücklich machen, wenn man viel mehr weiß als die anderen, Problemlösungen klar vor Augen hat und dann erkennt, daß jeder Versuch, Gefahren zu beseitigen oder andere Probleme zu lösen, nur deshalb scheitert, weil andere nichts begreifen.

Doch auch ein Unglücklichsein ist ein Problem, das auf eine Lösung wartet, und auch dazu ist Intelligenz nötig. Damit wird die ganze Sache schon wieder sehr relativ.

Antwort
von einfachichseinn, 30

Jein.

Es wird behauptet, dass intelligente Menschen häufiger unter Depressionen leiden. Es gibt auch ein paar Studien, die das belegen wollen.

Allerdings haben die Ursachen einer Depression nichts mit der Intelligenz eines Menschen zu tun. Das ist erwiesen. Die Faktoren, die zu einer Depression führen können sowohl bei hochbegabten Menschen, als auch bei unterdurchschnittlich begabten Menschen auftreten.

Genauso können beide Seiten sehr glücklich Leben.

Eine Depression ist eben keine Frage der Intelligenz, sondern andere Ursachen hat.

Medien nehmen aber natürlich gerne das typische Klischee des traurigen Genies auf. Das ist einfach dramatischer.

Antwort
von watchitburn, 30

Hört sich vielleicht blöd an, aber (zumindest laut psychologischem Test) bin ich überdurchschnittlich intelligent und zu reif für meine 15 Jahre.
Zudem bin ich mittelschwer bis schwer depressiv.

Ich kann allen zustimmen, die bisher geschrieben haben, dass Hochbegabte bzw. überdurchschnittlich Intelligente zu viel hinterfragen. Aber nicht nur das, diese inneren Debatten werden ebenfalls hinterfragt. Ein Beispiel:

Bei mir ist es häufig so, dass ich darüber nachdenke, woher sich jemand das Recht nimmt, sich über andere zu stellen, also als Chef einer Firma, als Teil der Regierung etc. pp. Natürlich komme ich da nicht zu einem Ergebnis, daraus folgt dann aber die Frage, warum ich überhaupt meine Kraft und Zeit verschwende darüber nachzudenken, wenn ich sowieso nichts ändern kann. Dann stellt sich mir die Frage, warum ich nichts daran ändern können soll, denn irgendwie muss das doch gehen. Darüber komme ich auf ein ganz anderes Thema, meinetwegen das Schulsystem, dann meine Familie, die Zukunft, dann folgen Armut und Reichtum, dann lande ich vielleicht bei Tierquälerei usw.

Das Problem ist, dass man so wirklich nicht aus den Gedanken kommt und kaum aufhören kann, nachzudenken. In meinem Fall ist es auch so, dass mir die Kinder bzw. Jugendlichen in meinem Alter zu unreif sind - schon früher bei Kindergeburtstagen saß ich lieber bei den Erwachsenen. Denn versuche ich jemanden meine Gedanken zu erklären, stoße ich auf Unverständnis und abwertenden Aussagen bis hin zu Mobbing. Daher habe ich mich schon immer ausgegrenzt, in der dritten Klasse begannen erste Suizidgedanken in meinem Kopf umher zu fliegen. In der fünften kam die Selbstverletzung dazu. Ich bin jetzt in der zehnten Klasse und seit Mitte Mai wage ich mich wieder aus dem Haus und habe Freunde gefunden.

Also ein Hauptgrund für Depressionen und Suizidalität bei Hochbegabten sind meiner eigenen Erfahrungen nach:
-die unendlichen Debatten, Monologe
-Unverständnis und
-Einsamkeit

Hoffe, ich konnte helfen!
LG, Lou :)

Antwort
von watsonemma, 23

Hängt damit zusammen, dass Menschen mit höherem IQ viel mehr hinterfragen und nachdenken. Und Depressionen kommen teilweise ganz einfach davon, dass man den ganzen Tag über banale Dinge grübelt und sie letztendlich schlimmer macht als sie sind. Ist also nicht immer von Vorteil, "intelligent" zu sein.

Antwort
von Deepdelver, 17

Tja, das ist doch ziemlich klar... "doofe" Menschen machen sich nicht soviele Gedanken, und damit auch weniger Sorgen... die sind einfach happy, ohne genau zu wissen warum ;)

Wer intelligent ist, bekommt mehr mit von der Welt und sieht, was alles schiefläuft und wie schwer es ist Dinge zu verändern - zack, Depression!

Nur damit wir uns verstehen, das ist natürlich eine Riesen-Verallgemeinerung! Nicht alle intelligenten Menschen sind depressiv, und es gibt auch viele nicht so geniale Leute, die sehr unglücklich sind.

Aber als generellen Trend kann man es schon so sehen.

Antwort
von Herb3472, 29

Ja. Der Zusammenhang ist der, dass mehr über Genies geforscht und geschrieben wurde (und wird) als über Otto Normalverbraucher. Und wenn eine Gruppe medial mehr präsent ist, dann wird natürlich auch mehr über Depressive aus dieser Gruppe berichtet.

Kommentar von thorsengel ,

Naja es gibt schon auch Gesamtzahlen und in der gesamten Bevölkerung sind prozentual gesehen weniger von Depressionen betroffen als unter Leuten mit einem IQ 130+

Kommentar von Herb3472 ,

@thorsengel: tja, wie heißt's so schön?

"Selig sind die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich!"

und

"Wissen belastet."

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