Warum lässt das Gehirn uns manchmal für andere schämen, obwohl man selbst nichts mit der entstandenen unangenehmen Situation zu tun hat?

Sich schömen ist uns nicht ageboren, sondern anerzogen. Dabei spielen die Eltern, Gesellschaft und Religion eine entscheidend Rollr.
Ich kenne das auch. Besonders făr manche Sachen die man im Fernsehen so sieht, wenn es um echte Personen geht. Es ist einem einfach nur peinlich. Vielleicht hat man ja doch in irgendweinerweise damit etwas zu tun.
Ich schäme mich für Leute die sich überhaupt nicht benehmen können, die rumpöpeln, die keine Manieren haben, die sich gegenüber anderen Menschen frech benehmen. Besonders dann wenn es Bekannte sind, die ich zwar mehrfach darauf hingewiesen habe, die es aber trotzdem nicht verstehen. Das ist mir peinlich und ich gebe zu, ich schäme mich dafür. Warum kann ich nicht sagen, warscheinlich Erziehungssache. Für Fernsehgeschichten (nicht Nachrichten) schäme ich mich nicht, das geht mich nichts an :-)
Der Grund, sich für das selbst nicht zu verantwortende Verhalten anderer zu schämen, kann darin liegen, sich in die Situation mit dem Gefühl einer geschehenen Ungehörigkeit hineinzuversetzen und irgendeine Verbindung mit den anderen zu sehen. Dies kann z. B. Verwandtschaft oder Bekanntschaft, eine gemeinsame Nationalität (Landsleute beim Urlaub im Ausland), Geschlechtszugehörigkeit, Berufsgruppe und Ähnliches sein.
Ich schätz mal das kommt daher, dass wir wissen, dass man das, was der andere macht, so nicht macht. Und dieser Widerspruch ist der Scham, den wir für andere empfinden. Vielleicht weil wir uns auch stark in die Situation hineinversetzen können.
Wenn ein Profifußballer den Ball nicht trifft, schämt sich der zusehende Cricket-Fan nicht so sehr, wie der Amateurfußballer der die Situation kennt.
Also ich schäme mich weder für mich selber noch für das Tun und Handeln anderer - warum denn auch. Jeder ist für sich selber verantwortlich und ich lehne es ab auch noch die Verantwortung für die Fehler und für das Verhalten anderer zu übernehmen und mich dafür auh noch zu schämen - wäre ja noch schöner. Dieses nationale Denken lehne ich sowieso ab - wenn schon dann denke ich europäisch. Ich schäme mich net für die Handtuchreservierer am Strand - ondern leg die handtücher beiseite und fläze mich in den Liegestuhl :-), ich schäme mich net für die Deutschen Kinderf... in Thailand - nur weil die und ich Deutsche sind - es gibt dort durchaus solcher Mistkerle anderer Nationalitäten.
Man identifiziert sich mit der entsprechenden Person bis zu einem gewissen Grad. Es entsteht so eine Art gemeinsame Verantwortung (zumindest gefühlsmäßig). Und was derjenige tut, fällt auch etwas - vermeintlich - auf einen selbst zurück.
So kann es geschehen, dass das Schamgefühl entsteht bis maximal zu dem Grad, zu dem man sich selbst in der entsprechenden Situation schämen würde.
Gruß wiele