chieren am 02.09.2007 um 5:47 Uhr
Diese Aussage gibt es in der ganzen Welt!Wo liegt sein Ursprung und Bedeutung??

Der Ursprung dieses Sprichworts geht auf das frühe Mittelalter zurück und bezieht sich auf die damalige Vorstellung von Rom als Mittelpunkt der christlichen Welt. Überliefert ist diese Version – aus dem Liber Parabolarum von Alanus de Insulis (12. Jahrhundert): Mille viae ducunt hominem per saecula Romam – Tausend Wege führen die Menschen immerfort nach Rom. (So nach Hubertus Kudla, Lexikon der lateinischen Zitate, München 1999, S. 499.) Zu verstehen wäre es etwa in dem Sinne >was immer man tut, welchen Weg man auch beschreitet, entscheidend ist das Votum des Heiligen Stuhls, des Papstes<. Im Mittelalter und noch bis zu Luther bezog sich das Sprichwort auch auf die Allmacht des Papstes und der Kirche. Es gibt zwei ältere lateinische Zitate, die man in diesem Zusammenhang noch heranziehen könnte: Roma locuta, causa finita – Rom hat gesprochen; die Sache ist erledigt (F. v. Lipperheide, Spruchwörterbuch, 1907, nach Augustinus) und Roma caput mundi regit orbis frena rotundi – Rom, das Haupt der Welt, lenkt die Zügel des Erdkreises (Letzteres zitiert bei G. Chr. Lichtenberg, siehe Kudla, S. 354). Kein Zweifel, dass der Buchtitel des Kirchenhistorikers Friedrich Nippold: Die Wege nach Rom und die Los-von-Rom-Bewegungen (1909) auf die fragliche Thematik anspielt. Wolfgang Mieder – dem hier auch für Hinweise zu danken ist – hat in seinen Verdrehten Weisheiten (Wiesbaden 1998) etliche Parodien auf die Sentenz der »Wege nach Rom« versammelt, von denen drei noch zitiert seien: »Alle Wege führen nach Rom, aber es ist immer ein anderes Rom« (Erwin Chargaff), »Alle Wege führen nach Rom und drumherum« (Stern, 20/1973), »Beichte: Alle Abwege führen nach Rom« (H.-G. Skupy, 1977).

Trotz der oben beschriebenen Zitate vermute ich eher, daß der Spruch aus den Glanzzeiten des römischen Imperiums stammt, zu Zeiten des Christentums waren diese eher vorbei; also aus einer Zeit, als Rom der wirkliche Mittelpunkt der damaligen Welt war und die erbauten Strassen wirklich dorthin führten (oder von dort weg).
Kann beide Antworten nachvollziehen (andreas 48 und neurodoc). Wichtig ist, dass der heutige Sinn des Spruches verstanden wird: Ein Ziel kann auf sehr verschiedenen Wegen erreicht werden. Manche sind direkter, andere indirekter oder sogar umständlich. Auf alle Fälle kommen bei Zielstrebigkeit alle früher oder später in "Rom" an.
chieren am 2. September 2007 14:25 Dann könnte man auch den Spruch benutzen " Der Weg ist das Ziel !!
Nein, das kann man so nicht sagen: Den Sprüchen liegen eher konträre Aussagen zugrunde. Während "Alle Wege führen nach Rom" ganz klar das Ziel im Blickpunkt hat, also das Ankommen egal auf welche Weise, bezieht sich "Der Weg ist das Ziel" eindeutig auf die Methode. Ganz egal, ob am Ende des Prozesses das Ziel erreicht wurde, wichtig ist, dass man den Weg gegangen ist und die entsprechenden Erfahrungen gesammelt hat. Also beim ersten geht es um Zielorientierung, beim letzteren um Prozessorientierung - zwei grundverschiedene Prinzipien!
Woouuu!!Danke!!