Frage von sassykid, 25

warum sagen menschen sie sind tolerant obwohl sie es nicht sind?

guten abend

es wird immer von toleranz und respekt geprochen, aber sobald jemand kommt, der anderst ist, wird verurteilt und gelästert. das ist aber nicht nur bei ein paar menschen so, sondern bei praktisch allen, die sich tolerant nennen. wie kann es sein, dass eine ganze gesellschaft so ist? war da nicht mal so ein geschichtsereignis, das sich "aufklärung" nannte? die einzigen, die nicht urteilen, sind diejenigen, die selber "anderst" sind (zb drogensüchtige, alkoholiker, obdachlose,...) sogar ich werde komisch angeschaut, nur wenn ich mich mit solchen leuten unterhalte, warum?

plus: wo kann ich interessante, "weise" texte lesen über menschen & gesellschaft? das sind themen die mich momentan interessieren.

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von rotesand, Community-Experte für Kleidung, Auto, Mode, Schule, 12

Hallo!

Das ist so, weil man sich gern mit Attributen, die als cool bzw. achtbar/ehrbar gelten, "schmückt" -------> man möchte damit kokettieren, indem man sich als ach so tolerant, mildtätig und warmherzig inszeniert.

Meine Erfahrung: Wirklich tolerante und mildtätige Menschen reden nicht über Toleranz, sondern zeigen und leben sie ganz selbstverständlich. Die haben es nicht nötig, davon zu sprechen.

Auf politische Richtungen gehe ich an dieser Stelle nicht ein, dazu wurde hier sowieso schon alles gesagt.

Kommentar von Hyaene ,

Meine Erfahrung: Wirklich tolerante und mildtätige Menschen reden nicht über Toleranz, sondern zeigen und leben sie ganz selbstverständlich. Die haben es nicht nötig, davon zu sprechen.

Genau dasselbe gilt für die Hilfsbereitschaft, denn wahre Helden schweigen. Sie tun Gutes nicht, weil sie Lorbeeren ernten wollen, sondern gute Taten für sie eine Selbstverständlichkeit ist.

Ich denke dabei auch gerade an diese "Helden", die sich bei ihren "guten Taten" fotografieren lassen und dies in's Internet gestellt wird, um sich dann im Ruhm zu baden. Und die ganzen Leute feiern auch noch solche Menschen und sind sich nicht einmal im Klaren, dass der so garstig wirkende Nachbar evtl. ein echter Held sein könnte...

Kommentar von rotesand ,

Genau das meine ich damit.

Ich vergleiche das gern mit meinem Beruf: Bin bei der Zeitung als Lokalreporter tätig & dazu gehört es eben auch, immer wieder Fotos von Ehrungen usw. aufzunehmen. Es ist oft so, dass diejenigen, die am aller-aller-wenigsten geleistet haben, sich in die erste Reihe drängen & sich aufspielen, weil man ja soooo Großes vollbracht hätte und sich so richtig feiern lässt. Genau das merke ich auch bei Veranstaltungen der Partei, der ich angehöre oder bei Versammlungen diverser Vereine, in denen ich selbst aktives Mitglied bin --------> wer wirklich was "macht", zeigt sich oft nur im Hintergrund, wenn denn... ganz vorn stehen zu 99,9 Prozent diejenigen, die am wenigsten beigetragen haben.

Ich habe nix Persönliches gegen solche Leute, die sich gerne selber sehen & sich auf die Schulter klopfen, wo es geht. Aber es hat einfach ein total eigenwilliges Nachgefühl!

Kommentar von Hyaene ,

Es ist oft so, dass diejenigen, die am aller-aller-wenigsten geleistet haben, sich in die erste Reihe drängen & sich aufspielen, weil man ja soooo Großes vollbracht hätte und sich so richtig feiern lässt.

Da denke ich auch wieder an Beispiele, wie zum Beispiel die Musik.

Wer macht die ganze Arbeit? Die ganzen Produzenten.
Wer stellt sich mit Playback auf die Bühne und wird gefeiert und schon regelrecht verehrt, obwohl man die Person nicht einmal kennt?

Oder - das wird dir jetzt sicher bekannt vorkommen ^^ - es wird ein Foto mit einem Politiker geschossen, der eine Schaufel in der Hand hält. Geschniegelt und sauber, breit und stolz grinsend.
Die Arbeiter, die sich für einen "Hungerlohn", das Kreuz zerstören, sieht man gar nicht erst.

Mich regt das alles immer wieder auf, wenn ich ehrlich bin. :-/

Kommentar von rotesand ,

Ich weiß nicht, wie viele Fotos dieser Art ich bisher schon aufgenommen habe^^ 20-30 bestimmt in den letzten paar Jahren ;) Mindestens deren drei fallen mir allein aus 2016 ein, sicher waren es noch erheblich mehr bei der Frequenz an Artikeln, die ich schreibe ;) Mir ist das immer wieder peinlich.

Antwort
von ProfFrink, 6

Das hängt mit dem so genannten "blinden Pfleck" zusammen. Das ist ein Begriff aus der Augenheilkunde. Jeder Mensch hat in seinem normalen Gesichtsfeld ein Punkt wo alle Fasern der Sehnerven zusammenlaufen, laienhaft ausgedrückt. Genau in diesem blinden Pfleck kann man nicht sehen. Diese Lücke im Gesichtsfeld nimmt man aber nicht wahr, weil das Gehirn das von selbst kompensiert.

Einen ähnlichen Begriff gibt es auch in der Verhaltensforschung. Man meint damit die Beobachtung, dass eigene Schwächen nicht oder kaum als solche wahrgenommen werden. Auch in Bibel findet man den Vorwurf den Splitter im Auge des anderen zu sehen, aber nicht dem Balken im eigenen.

Jeder glaubt ein toleranter Mensch zu sein. Situationen, in denen diese Toleranz aber abgefragt wird kommen häufig überraschend und unberechenbar, sodass die Reaktion schon gar nicht mehr gegen den eigenen Vorsatz abgeglichen werden kann.

Antwort
von Paguangare, 12

Es gilt als wichtiger Wert und Allgemeinplatz, dass es gut sei, tolerant zu sein. Nur wenige Menschen würden offen zugeben, dass sie allgemein intolerant seien, weil dies eben nicht gut klingt und sie sich in Rechtfertigungsdruck bringen würden.

Wenn es aber um konkrete Fälle geht, dann kommen bei vielen Menschen doch die Vorurteile und Vorbehalte durch.

Der Populismus, der sich gerade in Europa und Amerika verbreitet, geht häufig mit Intoleranz einher.

Die endgültige Erklärung habe ich auch nicht. Aber an der folgenden These ist etwas dran: Wenn man sich selbst in seiner sozialen oder wirtschaftlichen Position bedroht sieht, möchte man gerne eine "heile Welt" haben, in der das Fremde und die Fremden und sich andersartig Verhaltenden außen vor bleiben. Bzw. man sucht Sündenböcke für alles was schief läuft, und das sind dann diejenigen Leute, die man nicht tolerieren mag.

Antwort
von Bargh, 12

Ich denke, für viele Menschen ist es leichter durchs Leben zu kommen, wenn sie ständig andere Menschen abwerten um sich selbst besser zu fühlen. Immer schön nach unten treten und nen Milliardär zum Anführer machen.

Gute Erziehung besteht darin, das man verbirgt, wieviel man von sich selber hält und wie wenig von den anderen. Jean Cocteau

Antwort
von HawkeyeDZoro, 6

Weil die Gutmenschen und Moralapostel alle Heuchler sind.

Ich bin ein sehr toleranter Mensch, aber das hat auch seine Grenzen. Bei manchen Themen mehr und bei anderen weniger.

Ich sage meine Meinung und das unverblümt und laut. Hart aber herzlich. Im Internet auf Portalen auf denen man die Leute nicht persönlich kennt, bin ich stets freundlich und hilfsbereit bei Dingen die mich interessieren und bei Themen bei denen ich ausrasten könnte oder die mich ankotzen halte ich mich einfach raus. Einfach aus dem Grund, weil man nie weiß wer auf der anderen "Leitung" sitzt und man denjenigen einfach respektieren sollte (und nicht beschimpfen sollte).

In der Realität sieht das anders aus und kann ziemlich schnell ausarten. Und das tut es auch recht oft.

Nenn mich ruhig A****loch oder sonst was, aber ich werde nie heucheln. Ich werde immer ein A****loch bleiben. Ich will nicht, dass man mich mag oder sonst was. Ich hab meine Freunde und die reichen mir.

Ich habe meine Prinzipien und die verrate ich nicht. Ich werde mich z. B. nicht mit Leuten unterhalten die ich nicht leiden kann. Nicht mal wenn es da um Bildung oder ähnliches geht wie z. B. Fortbildungen ;)

Antwort
von frax18, 6

Tja, viele merken es nicht einmal. Solche Lästermäuler sind gut im Austeilen, aber schlecht im Einstecken. Man sollte aber nicht alle über einen Kamm scheren und pauschalisieren.

Toleranz heißt eigentlich eher dulden bzw. ertragen. Man muss nicht im Konens mit diversen Personen sein, die dem eigenen Wertevorstellungen widersprechen, aber man sollte es nicht zeigen, es anderen Menschen nicht unter die Nase reiben und sich zurückhalten. Dann ist es trotzdem noch Tolleranz.

Respekt ist etwas anderes und eher mit Ehrfucht gleichzustellen, z.B. wegen besonderer Taten, einer besonderen Stellung oder einfach nur wenn pure Überlegenheit ausgestrahlt wird. Es ist also nicht notwendig Menschen Respekt entgegenzubringen, wenn sie es nicht verdient haben. Das schließt jedoch die Goldene Regel und einen höflichen Umgang nicht aus.

Antwort
von Manuel129, 7

jaa..^^ so etwas macht aber eigentlich jeder.. ihre Wirklichkeit, in dem Falle wie sie sich selbst sehen, weicht stark von der Wahrheit ab.

Wichtig ist es, diese Kluft zu erkennen, erst dann kann man wirklich an sich arbeiten.

Wenn man solche Menschen fragt, wie sie sich selbst sehen, ob sie tolerant allen Menschen gegenüber seien, würden diese Menschen vermutlich ohne zögern 'natürlich!' schreien, weil sie Wirklich davon überzeugt sind, tolerant zu seien. Sie erkennen nicht, dass sie es in Wahrheit nicht sind. 

Unterschiede von subjektiver Wirklichkeit und Wahrheit gibt es aber in allen Bereichen, selten sehen wir die Dinge so, wie sie in Wahrheit sind.

Antwort
von Hyaene, 2

Das nennt sich "Heuchelei" ^^

Toleranz beginnt da, wo man auch andere Meinungen, toleriert. Und da geht es meistens schon los. 

Ich bin der Meinung, kein Mensch ist bei allem tolerant. Wer so tut, der ist eben einfach bloß ein Heuchler. Irgendetwas stört jedem Menschen. Das ist normal und auch gesund, solange es nicht zum Fanatismus wird. 

Das Problem, weshalb auch lieber geheuchelt oder gleich geschwiegen wird, ist, dass ehrliche Menschen nun mal nicht gerade beliebt sind. Eben, weil sie eine eigene Meinung haben und anderen kein Honig um's Guschel schmieren. 

Was immer wieder vergessen wird:

Nur durch Ehrlichkeit und Offenheit, kann Aufklärung entstehen... 

Kommentar von Hyaene ,

Uh, ich sehe gerade... 

Das war jetzt meine 444ste Antwort! 🎉 

😂

Antwort
von nilisi1, 8

Da hast du recht .Sobald man etwas mit aussenseitern macht oder aussenseiter ist obwohl der charackter stimmt wird man direkt ausgegrenzt vorallem von denen die sagen sie seien tolerant ...

Antwort
von Bodesurry, 4

Zu Deiner plus-Frage habe ich ein paar Buchideen. Wobei ich nicht weiß, ob Du genau das gemeint hast:

"Maggie Gobran - Die Mutter Teresa von Kairo"

"Genauso anders wie ich" (Eine wahre Geschichte: Ein reicher Kunsthändler trifft auf einen Obdachlosen und beide Menschen lernen viel voneinander)

"Zweimal lebenslänglich" Die Geschichte eines dramatischen Irrtums und einer wunderbaren Versöhnung

von Jennifer Thompson-Cannino

,

 

"Briefe an einen Mörder" 

Meine Reise zur Vergebung. Eine Mutter hasst den Mann, der ihre Tochter umgebracht hat. Doch dann beginnt ein neuer Weg. Eine wahre Geschichte. 

Antwort
von DODOsBACK, 5

Indem du "solche Leute" als "anderst" bezeichnest und Vorurteile gegen alle hegst, die "nicht anderst" sind, bist auch du schon intolerant...

Kommentar von sassykid ,

1. habe ich nicht gesagt dass ich perfekt und tolerant bin und
2. was ist daran schlimm, anderst zu sein? ich wollte niemanden damit beleidigen, aber wenn Sie denken, anderst zu sein sei schlimm, macht es dann Ihre aussage nicht auch intolerant?

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