Frage von rockylady, 59

Warum rennt die Zeit so schnell?

Meine Mutter hatte mir bereits früher gesagt, je älter man wird, umso schneller vergeht die Zeit. Ich stelle fest, es ist so wahr. Das ist manchmal fast Angst einflößend. Dieses Jahr zieht an mir vorbei wie nix, ernsthaft von Januar bis jetzt, so schnell ging das noch nie. Woran liegt das denn bloß? Vielleicht daran, dass man überhaupt darüber nachdenkt? Am Alltag? An den Verpflichtungen? Kommt euch das auch so vor?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Neutralis, 26

Desto länger dein Leben schon andauerte, desto einen kleineren prozentualen Anteil am Ganzen macht 1 Jahr aus. Demnach kommt es dir immer schneller und schneller vor. 
Wenn du 10 bist ist 1 Jahr deines Lebens 1 ganzes Zehntel. Wenn du 50 bist, ist es nur noch ein 50tel. Wenn du das z.B. an einem Kuchen vergleichst, wirst du einen riesigen Unterschied feststellen. :) 

Kommentar von rockylady ,

ja, so ergibt das ziemlichen Sinn. Danke :)

Antwort
von PolluxHH, 3

Es hat etwas von der Sichtweise Settembrinis aus "Der Zauberberg" (die dabei sich durchaus an das Zeitverständnis Nietzsches anlehnt). Wir sind Subjekte und nehmen deshalb Zeit auch subjektiv wahr und was uns eine Zeitspanne in der Retrospektive lang erscheinen läßt, sind die Ereignisse, das Neue, was man erfährt. Wieder nach Settembrini erscheint einem bei Langeweile ein aktueller Zeitabschnitt lang, in der Retrospektive aber kurz, hingegen bei "Kurzweil" vergeht die aktuelle Zeit wie im Flug, in der Rückschau aber weitet es sich aus aufgrund der Fülle der Ereignisse, Erfahrungen, Eindrücke.

"Eindrücke" ist dabei wohl ein sehr guter Begriff, denn wenn man das, was einen Menschen prägt, als Spuren im Sand ansieht, so nehmen diese Spuren mit zunehmenden Alter ab. Dies mag auch daran liegen, daß man weniger Zeit hat, eingebunden ist in eine Alltagsmühle, die kaum noch solche "Spaziergänge" zuläßt, aber es hat auch damit zu tun, daß der Mensch in Analogien denkt. Wer wenig hat, mit dem er vergleichen hat, wird viel finden, was ihn erstaunt, doch dies wird in der Zeit abgenutzt und man fängt an, das Neue über das Alte zu erklären, das schon erfahrene. Dies vereinfacht das Leben ungemein, aber wir verlernen zu staunen, verlernen, die Welt wie ein Kind zu sehen, verlernen, Spuren im Sand wahrzunehmen, machen selber unser Leben zu einem Einheitsbrei. Selbst andere Menschen fangen wir an, über Äußerlichkeiten "abzuurteilen", verlieren den Spaß daran, das Kennenlernen eines Menschen als ein Abenteuer zu sehen. Schublade auf, Mensch rein und der Alltag wird nur unwesentlich gestört. Wir haben wieder unsere Ruhe, aber wieder haben wir einen Strandspaziergang versäumt.

Etwas anderes, was man uns früh lehrt, ist, Vergangenheit und Zukunft wie zwei Mahlsteine einzusetzen, zwischen denen wir unsere Gegenwart zermahlen. Wir sehen Vergangenheit, erklären uns Zukunft und vergessen dabei die Gegenwart, aber nur die Gegenwart kann uns aus einer Linearisierung unseres Lebens reißen (aber genau das wollen wir auch unbewußt vermeiden). Linearität, Zeitreihenverlängerung, Berechenbarkeit (aber bitte keine chaostheoretischen Berechnungen).

"Wer hat uns also umgedreht, daß wir,
was wir auch tun, in jener Haltung sind
von einem, welcher fortgeht? Wie er auf
dem letzten Hügel, der ihm ganz sein Tal
noch einmal zeigt, sich wendet, anhält, weilt - ,
so leben wir und nehmen immer Abschied."[Rainer Maria Rilke, 8. Duineser Elegie]

Je mehr Abschied in unserem Handeln ist, desto schneller scheint die Zeit zu vergehen in der Gesamtschau.

Antwort
von TorDerSchatten, 14

Das individuelle Zeitempfinden ist immer anders, aber trotzdem hat jeder Mensch die gleiche Zeit zugemessen bekommen - 24 Stunden pro Sonnenumlauf.

Man empfindet die Zeit später als "schneller", weil man das meiste schon kennt und sich im Raum-Zeit-Gefüge viel besser auskennt, als z.B. ein 6jähriges Schulkind. Das hat kein Gefühl dafür was 1 Monat, ein Halbjahr oder ein Jahr ist, ein Erwachsener aber schon

Kommentar von Neutralis ,

24 Stunden pro Sonnenumlauf ? dein Ernst ? Oder habe ich was falsch verstanden ?

Kommentar von TorDerSchatten ,

Die Erde dreht sich einmal in 24 Stunden und wird dabei an unterschiedlichen Stellen von der Sonne beschienen. Das Helle nennt sich Tag und das Dunkle Nacht.

Antwort
von ponter, 16

Die Erklärung dafür ist tatsächlich folgende:

Je älter man wird, desto mehr erlebt man. Folglich müssen immer mehr Eindrücke verarbeitet werden. Das führt eben dazu, dass der Eindruck entsteht, die Zeit würde schneller laufen.

Antwort
von xMirage95, 17

Je älter du wirst, desto "kürzer" wird ein Jahr für dich, wenn du es im prozentualen Anteil an dein Leben siehst. Bleibt es faktisch immer gleich lang, war ein Jahr im Alter von 10 immerhin 10% deines gesamten Lebens, mit 20 ist ein Jahr schon nur noch 5%. Ich glaube deswegen fühlt es sich so an, als ob die Zeit rasen würde.

Antwort
von user6363, 21

Zeit ist relativ. Woran das liegt, weiß ich ehrlich gesagt nicht, aber ich glaube, deine Vermutungen klingen doch logisch und plausible. 

Was wäre das für 1 Life, wenn du alle Fragen auf gutefrage.net beantwortet bekommen würdest? Denk was du willst, was dein Sinn des Lebens ist und auch eben, wieso die Zeit so relativ ist. 

Antwort
von PotenzenHilfe, 8

So spontan würde ich sagen : Sobald man kein Leistungssportler ist , ist es gar nicht so tragisch...

Stell dir vor , dein Leben beruht auf sportliche Leistungen und du merkst , wie du langsam aber sicher älter und leistungsunfähiger wirst...Das wäre schlimm!

Antwort
von JuliNM, 18

Ja das kommt jedem so vor. Warum weiß ich selber nicht aber wie Einstein und die Relativitätstheorie: alles ist relativ

Kommentar von user6363 ,

> alles ist relativ

Wenn alles relativ wäre, wäre das Leben um einiges entspannter. Ist leider nicht so Schnuggi. 

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