Frage von InvestmentStar, 74

Warum reagiere ich so auf Horrorfilme?

Wenn ich z.b. bei Saw ne schlimme Szene sehe, bin ich nicht wie die meisten Menschen einfach nur vom Blut angeekelt. Ich spiegel das dann iwie an mir, und stelle mir instinktiv vor, das ich in der Haut von der Person wäre, und was das für nen Schmerz wäre. Warum ist das bei mir so, kennt das einer?

Antwort
von offeltoffel, 25

Das geht mehr oder weniger jedem (psychisch gesunden) Menschen so. Man nennt diese Fähigkeit "Empathie". Unser Gehirn kann quasi simulieren, wie eine Handlung sich auf andere Menschen ausübt und können so im Sozialverbund besser zusammenarbeiten.

Bei manchen ist die Empathie so stark ausgeprägt, dass es mitunter auch mal unangenehm sein kann. Ich kann z.B. keinen tiefen Hass auf irgendwelche Menschen empfinden und suche ständig nach Ausreden für ihr Fehlverhalten - dabei ernte ich auch oftmals ziemlich böse Kommentare und Anschuldigungen.

Auch sowas wie "Versteckte Kamera" bereitet mir ganz schöne Anstrengung...ich leide einfach zu sehr mit den Leuten mit, vor allem, wenn es richtig fiese Streiche sind. Dir wird das sicher ähnlich gehen

Antwort
von uncledolan, 8

Hallo,

das liegt an einem evolutionär bedingten Mechanismus unseres Gehirns. Es ist nämlich so, dass Menschen das, was sie nur visuell und/oder akkustisch wahrnehmen, in einer abgeschwächten Form auch selbst fühlen. Je stärker (z.B. lauter/näher) der Reiz bzw. je "realistischer" (z.B. mehrere Sinne) er ist, desto stärker ist diese Wirkung. Ein Amateurvideo von einem Fallschirmsprung aus dem Flugzeug erzeugt z.B. bei Zuschauern selbst eine kleine Adrenalinausschüttung, vor allem wenn das Video aus Ego-Perspektive und mit lauten auditiven und starken visuellen Reizen aufgenommen ist. Natürlich lernt das Gehirn diese Videos als "Fake" einzuordnen, sodass das selbe Video oder auch andere Videos nach kurzer Zeit kaum noch eine Wirkung haben.

Beim modernen Horrorfilm wird das Ganze auf die Spitze getrieben. Einerseits kennt heutzutage jeder Horrorfilme und ist schon auf diesen "Fake" eingestellt, andererseits wird die Simulation des Horros und der Angst immer realisitischer. So manchen Zuschauer kann man mit wirklich nichts mehr schocken, andere reagieren stärker auf die (noch) realistischere Simulation. Es gibt einen regelrechten Überbietungswettkampf dieses "noch größeren Schockers", z.B. kann man sich seit den Zeiten des Internets auch Videos von echten Unfällen und Verletzungen angucken ("Skateboard Fails" ist die noch harmlose Version), um doch wieder auch hart gesottenen Horror- und Schmerzzuschauern ein kleines emotionales Erlebnis zu ermöglichen.

Evolutionär bedeutet das, dass der einzelne Mensch nicht nur eigene
Verletzungen und Schmerzen erlebt und somit einen starken Lernimpuls
daraus erhält, sondern auch aus Fehlern und Verletzungen von anderen
(und anders rum die ganze Gruppe aus seinen Fehlern) lernen kann.

Die heutige Filmindustrie (die nachfragegesteuert ist, also das "plant" niemand außer der Zuschauer) "überstrapaziert" einfach einen evolutionär sinnvollen Mechanismus (genau wie die Kommerzialisierung von sexuellen Reizen, die ebenso eine immer stärkere Überzeichnung einer möglichst realistischen Simulation ist), weil weniger emotional einschlägiger Horror (wie z.B. klassische Horrorfilme aus den 30ern und 40ern, die heute "extrem harmlos" sind) kaum noch einen Hund hinter den Ofen lockt. Eine Person von vor 100 Jahren, die noch nie Videos in auch nur halbwegs realistischer Qualität gesehen hat, würde sich beim Anblick von heutigen Horrorfilmen vermutlich zu Tode erschrecken. Und wenn man uns (ohne Zwischenstufen) mit einer wahrscheinlich extrem realistischen Horrorsimulation (virtual reality etc) von 2050 heute konfrontieren würde, würden wir vermutlich ebenso überfordert damit sein.

Antwort
von Masuya, 13

Hallo InvestmentStar.. 

also wenn du dir sowas nicht irgendwie vorstellen würdest, dann hättest du keine Empathie. Ein Mensch, der sich nicht in andere Menschen hineindenken kann ist ein Soziopath. 

Es ist völlig normal, dass dich solche Szenen gruseln.. ansonsten wäre es doch kein Horrorfilm ^^ Jeder Mensch geht mit solchen Szenen halt anders um. Manche denken halt nicht so viel daran, wie es ihnen selbst gehen könnte.. andere denken sich den Film zu tote.. in dem sie sich genau vorstellen, dass es alles nur ein Film ist und sich fragen, wie sie es geschafft haben, solche Szenen umzusetzen... 

Antwort
von amy2107, 10

Hi! Ich halte das für normal, geht mir zumindest auch oft so. Manchmal überläuft es mich dann auch so richtig. 

Ich denke, das was du beschreibst, ist sogar genau das, worauf diese Filme abzielen, denn nicht jeder ekelt sich vor Blut, dann hätten diese Filme nicht diese gruselige Wirkung auf so viele Menschen

Antwort
von UKfella, 20

Naja das ist nunmal dein Empfinden bei solch einem Film. So geht es eigentlich vielen ;) Im Grunde ist das ja auch die Absicht bei solchen Filmen. Es gibt da weitaus schlimmere Beispiele.

Antwort
von JoyMalena, 16

Das nennt man Placebo Effekt. Kannst ja mal danach Googlen :)

Kommentar von Lapushish ,

Ähm... Nein, das ist etwas völlig anderes

Kommentar von Timh2512 ,

Placebo ist wenn man zB vom Art ne Tablette diese aber nur ein Tictac ist und der Konsument keine Schmerzen mehr hat weil er denkt er hätte ne Tablette genommen

Antwort
von Bambi201264, 14

Ja, ich denke, das kennen die meisten. Deshalb sind es ja Horrorfilme.

Ausserdem stelle ich mir immer vor, was ich mit dem Folterer machen würde, wenn ich den in die Finger bekommen würde und keine strafrechtlichen Konsequenzen zu befürchten hätte (Rachegelüste) XD

Antwort
von DesbaTop, 14

Das nennt sich Empathie ist keinesfalls ungewöhnlich. Im Gegenteil, dass ist sogar ein Hinweis auf einen psychisch Gesunden Zustand.

Antwort
von Musch23, 26

Du fühlst mit der Person mit, finde ich jetzt nicht so ungewöhnlich.

 

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