Frage von Dedate, 305

Warum rauchen und trinken so viele Ärzte?

Hallo,

ich dachte immer, die Aussage, dass im "Ärztebereich" überdurchschnittlich viele rauchen und relativ viel trinken (mengenmäßig zu viel, nicht unbedingt Alkoholiker) oder andere Substanzen zu sich nehmen (gut, da sitzen die Ärzte sicher an der Quelle, aber das Rauchen und Trinken etc. erklärt das nicht), wäre völliger Blödsinn. Seit ich aber selbst Medizin studiere und so sehr viele Mediziner kenne muss ich feststellen, dass an diesem Gerücht doch tatsächlich etwas dran ist (meine Praktika in den Krankenhäusern haben das auch bestätigt). Ich frage mich jetzt wirklich, warum das so ist. Klar, der Beruf als Arzt ist ziemlich stressig und manchmal auch nicht unbedingt leicht zu verkraften, aber das sind andere Berufe auch und meiner Meinung nach sollte das Wissen über die Risiken die paar Stressraucher wieder ausgleichen... (versteht ihr was ich meine?). Oder hängt es evtl. damit zusammen, dass Ärzte eben genau wissen, was alles passieren kann und aber glauben (unbewusst oder bewusst), sie könnten durch eben dieses Wissen Krankheiten früh genug erkennen und behandeln oder so? Es fällt mir bei mir selber auf, dass ich durch das Verstehen (wie Krankheiten entstehen und was zu tun ist etc...) die Angst vor vielem verliere, wobei das für mich natürlich kein Grund ist, mit dem Rauchen anzufangen, aber ich merke es an mir selbst, dass man alles nicht mehr so eng sieht (was zum Beispiel auch den Konsum von Alkohol auf Feiern oder so angeht).

Ach, bevor ich hier weiter Sätze produziere, die kein Mensch versteht (bin gerade sehr müde und mein Deutsch ist etwas im Keller, tut mir Leid...), schreibt mir doch mal Eure Meinungen zu dem Thema, würde mich sehr interessieren! Vielen Dank :)

Expertenantwort
von beamer05, Community-Experte für Medizin, 301

Warum rauchen und trinken so viele Ärzte?

Deine Beobachtung -zumindest auf das Rauchen bezogen- sicherlich sehr subjektiv. (was die Kollegen zu hause trinken, habe ich nicht beobachtet)

Bei Ärzten ist die Quote der Raucher nur ca. halb so groß, wie in der Durchschnittsbevölkerung!

http://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/be...

Das deckt sich auch durchaus mit meinen Beobachtungen:

In einer großen Klinik, in der ich lange gearbeitet habe, waren von 9 Kolleginnen und Kollegen (m)einer Abteilung genau 0 (=null) Raucher.

Wenn überhaupt, dann habe ich Raucher ganz überwiegend bei den operativen Fächern erlebt; insgesamt aber eben recht wenige.

Antwort
von ShinyShadow, 281

Naja, du kannst das anhand deiner Erfahrungen bestätigen... Aber: Woher weißt du, dass das bei anderen Berufsgruppen anders ist? Vielleicht trinken ja viele ein bisschen mehr als man so als Außenstender meint?

Kann schon sein, dass an deinen Vermutungen was dran ist... Aber aus sicherer Quelle bestätigen kann ich das leider nicht.

Ach, noch was was indirekt zum Thema passt: Gestern hab ich nen Bericht gesehen... Auch schwangere sollten ja nicht unbedingt Alkohol trinken... Es sind meistens die gebildeteren Frauen aus der "oberen Schicht" die sagen, dass ein wenig Alkohol schon ok ist... Auch hier sinds eher die, von denen man es nicht vermutet ;) 

Expertenantwort
von kami1a, Community-Experte für Medizin & rauchen, 228

Hallo! Das ist wirklich verwunderlich. Mir ist der Fall eines international bekannten Spezialisten für Lungenkrebs zu Ohren gekommen - Name ist mir entfallen aber er hat sogar Bücher zum Thema geschrieben mit dramatischen Texten -  dem als starker Raucher 1 Lungenflügel entfernt werden musste. Er hat weiter geraucht und ist auch daran gestorben. Unglaublich aber leider wahr. 

Ich wünsche Dir alles Gute.

Kommentar von beamer05 ,

Hallo! Das ist wirklich verwunderlich

WAS findest du verwunderlich?


Die Behauptung, die "Dedate" aufstellt trifft ja nicht zu (zumindest für rauchen, zum Trinkverhalten habe ich keine Statistik greifbar), wie u.a. auch in dem von mir angegebenen Link zu entnehmen ist (der sich mit meiner Erfahrung deckt - ich bin aber auch "erst" ca. 30 Jahre im Metier...)

... und EIN rauchender Einzelfall sagt ja über die vom Fragesteller behauptete Situation (Ärzte seien überdurchschnittlich häufig Raucher) nicht wirklich etwas aus.

Antwort
von alvajaro, 279

Ich glaube weniger, dass der Substanzgebrauch (inklusive Alkohol und Nikotin) bei Ärzten deshalb so verbreitet ist, weil sie an irgendeinem "Götterkomplex" leiden und sich aufgrund ihres Wissens für weniger verwundbar halten. Eher denke ich, dass dies der Tatsache anzulasten ist, dass Ärzte eben auch nur Menschen sind und der Mensch nunmal dazu neigt sich zu betäuben/berauschen. Klar, andere Berufe sind auch stressig - allerdings ist in den Berufen, die einen ähnlich hohen Stressfaktor haben, der Substanzgebrauch genauso verbreitet. Es gibt allerdings kaum einen Beruf, bei dem man tatsächlich unter einem vergleichbaren Druck steht. Neben den teilweise wirklich unmenschlichen Arbeitszeiten und den ganzen traumatisierenden Situationen, mit denen man tagtäglich umgehen muss, kommt noch der Umstand, dass man das Leben anderer Menschen in der Hand hat und jede Unachtsamkeit dieses Leben beenden könnte - und damit einhergehend auch die eigene berufliche Laufbahn, den sozialen Stellenwert und sogar das Leben als freier Bürger. Bei soviel Druck, finde ich es durchaus verständlich, diesem mit diversen Dubstanzen entgegenzuwirken.

Wenn meine Theorie stimmt, dann sollte es markante Unterschiede beim Substanzgebrauch, in den verschiedenen medizinischen Spezialgebieten geben. Soll heißen: Zahnärzte greifen weniger häufig zur Flasche oder zur Zigarette, wohingegen Unfallchirurgen den Druck, ohne ein paar Biere nach Dienstende, nicht aushalten würden.

Würde mich interessieren, deine Meinung/Beobachtungen darüber zu hören - du bist da als angehender Mediziner ja näher dran und kannst aus erster Hand berichten.

Antwort
von ladywhiteadder, 207

ärzte sind auch nur menschen. sicher ist es in den sozialen berufen auch so das das stresslevel tendenziell hoch ist. gerade in krankenhäusern mit nachtdienst, langen arbeitszeiten und je nach fachgebiet erlebt man auch mehr oder weniger häufig tragische geschichten, in denen man auch nicht immer erfolgreich helfen kann. damit geht sicher jeder mensch anders um. aber ich kann mir schon vorstellen das ein etwas höherer prozentsatz als im bevölkerungsschnitt zur flasche greift.

vermutlich haben aber auch andere berufsgruppen ein etwas erhöhtes risiko. - habe z.b. mal den spruch gehört "die consultants saufen alle!"

Antwort
von sinnsah, 214

Ich glaube durchaus, dass die Theorie mit Stress durchaus wahr sein könnte. Jeder Mensch hat ja auch ein unterschiedliches "Suchtpotential" 

Antwort
von Coza0310, 191

80- und mehr Stunden-Wochen, 24-h-Dienste, nachts und am Wochenende arbeiten, sich wach halten müssen, Stressverarbeitung, die 2 Minuten,umKraft zu schöpfen oder mal abzuschalten...

Ja, und auch Ärzte sind nur Menschen und keine Halbgötter in weiß.

Geschrieben von einem, der es wissen muss.

Kommentar von Thaliasp ,

@Coza0310, sie haben recht, aber ich möchte doch fragen warum gibt es Ärzte die selber rauchen und aber den Patienten sagen sie sollen aufhören. Ich hatte dieses eher unschöne Erlebnis vor etlichen Jahren. Ich war auf Kur und der für mich zuständige Arzt "hob den Drohfinger" und meinte ich solle aufhören indem ich einfach täglich eine weniger rauche. Das Ende der Geschichte, ich war mal bestellt und wartete vor dem Arztzimmer. Was sah ich da, der Postbote kam und legte meinem Arzt eine Stange Zigaretten ins Büro, MEINE HAUSMARKE. Ich konnte darauf hin den Arzt nicht mehr Ernst nehmen. Ich war jung (23 Jahre)!!!

Kommentar von Coza0310 ,

Einem Patienten, der beispielsweise eine schwere COPD hat und schon Sauerstoff benötigt, würde ich das auch empfehlen, ansonsten ist das natürlich mehr als unglaubwürdig.

Kommentar von anaconda48 ,

@Thaliasp:-)) Ich verstehe Dich schon. Aber sieh mal, wie viele Eltern predigen ihren Kindern, sie sollen niemals rauchen. Und paffen ihnen aber, schon im Kleinkindalter, was vor.

Antwort
von charmingwolf, 172

Und weil es gerade in Aktuell ist , sie essen auch Fleisch. Polizisten, Richter haben auch ab und zu ein Glas zu viel und entscheiden über dein Fahr verhalt )))

Antwort
von Deichgoettin, 170

Quatsch - das ist nur ein dummes Vorurteil.

Antwort
von anaconda48, 128

Trotzdem: der Stress. Der permanete Druck, unter welchem sie stehen. Physisch u n d  psychisch! Das verhilft  ihnen sicher zu  einer gewissen Entspannung. Sonst würden sie es ja wohl nicht tun.

Antwort
von MrLifeDoctor, 159

Hallo :-)

Viele Menschen rauchen und trinken Alkohol. Was sind Ärzte? Genau, auch Menschen. Ärzte raten zwar einem Patienten davon ab, aber nun ja, jedem seins :D

Viele Grüße :)

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