Frage von Flimmervielfalt, 77

Warum nehmen es einige Menschen sehr persönlich, wenn man mit Ihnen nicht einer Meinung in Bezug auf Medien ist?

Das fällt mir immer wieder auf in den letzten Jahrzehnten, dass viele Menschen sich sehr persönlich angegriffen fühlen, wenn jemand etwas kritisiert, das sie mögen.

Das kann ne Sportart wie Fußball sein, das können bestimmte Fernsehserien, Filme, Videospiele, Comics, Anime oder Literatur sein. Alle haben unterschiedliche Geschmäcker. Und EIGENTLICH wissen wir das alle auch, aber warum fällt es so schwer, die Meinung anderer Menschen stehen zu lassen?

Ich meine, gerade bezogen auf Medien ist es ja nicht so, dass wir uns da durch Produktivität investiert hätten, sondern vielmehr durch unseren aktiven Konsum. Zum Beispiel ich bin großer Fan der Fernsehserie "Twin Peaks" und der japanischen Manga-Autors Osamu Tezuka. Es gibt aber ganz viele Leute, die finden sowohl die Serie, als auch den Autor völlig doof, und sagen das auch. Mich lässt das ehrlich gesagt kalt, denn sie kritisieren ja nicht mich, sondern die Medien, die ich mag.

Andere Leute, stelle ich fest, reagieren nicht so souverän, vielleicht bin ich aber auch zu direkt mit meiner Meinung. Neulich fragte mich jemand, wie ich Astrid Lindgren finden würde, Weil ich gerne Kinder- und Jugendliteratur lese. Da antwortete ich ganz direkt drauf mit "Scheısse" und begründete daraufhin, was mir an den Büchern der Autorin nicht gefällt. Was habe ich aber daraufhin für nen Ärger bekommen, ich könne nicht so respektlos auf der Wohlfühl-Literatur anderer Leute rumtrampeln. Ähnliches passiert aber auch, wenn ich Fußball als Sport kritisiere, oder Fernsehserien wie Breaking Bad, Game of Thrones....oder Videospiele wie Dark Souls.

Die Leute wollen die Meinung auch nicht hinnehmen. Sie unterstellen einem, man habe es nur nicht "richtig" geguckt, gelesen oder sich beim Spielen nicht "drauf eingelassen".

Warum wird die eigene Beziehung zu Medieninhalten von vielen Menschen subjektiv als völlig ultimativ und allgemeingültig empfunden?

Antwort
von Panazee, 59

Ich schätze das hängt davon ab in welchem Umfang man sein Hobby bzw. seinen persönlichen Geschmack als Teil der eigenen Identität definiert.

Es gibt Menschen für die ist z.B. Fußball das Wichtigste auf der Welt. Ganz oben auf ihrer Prioritätenliste steht ihr Verein und dann kommt ganz lange nichts. Wenn die Familie Glück hat kommt sie auf Platz 2. Wenn sie Pech hat ist sogar das Auto wichtiger. Für diese Menschen ist Fußball identitätsstiftend. Wenn du also Fußball kritisierst, dann kritisierst du aus ihrer Sicht nicht nur eine Sportart, sondern ihre Identität.

Wobei ich es auch nervig finde, wenn jemand etwas massiv kritisiert was er selber nie gesehen oder gemacht hat.

Bei Kritik ist aber auch etwas Fingerspitzengefühl gefragt. "Ich finde Astrid Lindgren nicht so toll wie viele sagen, weil ...." wird von vielen Menschen eher akzeptiert als ein "Sche!sse, weil ...". Ich weiß nicht von wem der Spruch ist aber "Kritik sollte nicht wie ein Brett vor den Kopf geknallt werden, sondern eher wie ein Mantel hingehalten werden, in den der Kritisierte dann vielleicht sogar hinein schlüpft"

Antwort
von Malavatica, 77

Das liegt wahrscheinlich schon an der Erziehung. 

Die wurden als Kinder gehätschelt und getätschelt, haben keine Grenzen erfahren und es ergo auch nicht gelernt mit Frustrationen oder Kritik umzugehen. 

Gut, vielleicht trifft das nicht auf jeden zu. Aber viele können einfach keine anderen Meinungen akzeptieren. Das muss man lernen. Auch das argumentieren. 

Mit solchen Menschen bringen Diskussionen rein gar nichts. Die Puste spare ich mir. 

Antwort
von DUHMHAITTUHTWEE, 31

Vllt weil es bisschen so rüber kommt als hättest du kein Taktgefühl..
Wenn Leute etwas ganz toll finden& du denn sagst "sch***e"dann rate mal wie angegriffen die sich fühlen..:)

Antwort
von Micromanson, 55

Hallo Flimmervielfalt.

Ich glaube, wir würden uns gut verstehen. Ich bin ebenfalls direkt und nehme oft keine Rücksicht auf andere Leute, wieso auch. Eine harte Wahrheit ist für mich besser als eine sanfte Lüge. Und sobald ich etwas beschönige, verzerre oder erfinde, bin ich meiner Meinung nach ein Lügner.

Taktgefühl ist für mich eine Art von Manipulation, da man es sich nicht mit anderen verscherzen will, und ihnen deswegen etwas vorspielt.

Mal ehrlich, wir alle schätzen das, was wir selbst tun. Sonst würden wir es nicht genauso tun. Und es ist oft unverständlich, wenn andere es ganz anders sehen.

Aber jeder mit einem gesunden Ego sollte nicht so viel darauf geben.

Normen sind mir sowieso suspekt, ich provoziere gerne.

Und wenn mich jemand nach Astrid Lindgren fragen würde, würde ich diese Person genauso auslachen.

Unqualifizierte Kommentare kann jedoch kein Mensch gebrauchen. Wenn man jemand wirklich nicht verärgern will, sollte man es wenigstens begründen können. Bei allen anderen ist man nichtmal dazu verpflichtet.

Übrigens: Das Buch über die radikale Ehrlichkeit von Brad Blanton würde Dir gefallen, lese Dich doch mal ein.

LG


Kommentar von Flimmervielfalt ,

Wohl gemerkt habe ich die Person nicht ausgelacht, weil sie Astrid Lindgren gut findet, sondern nur meine Meinung über das Werk kundgetan.

Kommentar von Kristall08 ,

War es wichtig für die andere Person, dass sie weiß, was DU davon hältst? Oder war es dir wichtig. dass sie das weiß? ^^

Antwort
von FeeGoToCof, 70

Ich glaube einfach, dass die Wortwahl Deiner Kritik an Astrid Lindgren nicht gerade "glücklich" war.

Es gibt den Spruch: "Form followes function"....doch in diesem speziellen Fall wäre er andersherum angebrachter gewesen ;)

Sei ein wenig diplomatischer, dann klappt es auch mit der Akzeptanz.

Das hat etwas mit Taktgefühl, und Reife zu tun.

"Hau d`rauf" macht nicht immer nur die Frikadelle zum Burger, sondern oft auch das Ei zum Debakel.

Kommentar von Micromanson ,

Brad Blanton hat dazu mal gesagt, dass Taktgefühl nur das Zurückhalten der eigentlichen Meinung ist, und somit eine Manipulation des Menschen, lediglich wegen der Harmonie, sei.

Hätte Flimmervielfalt etwas anderes geantwortet, wäre es nicht ehrlich gewesen, weil er es genau so gedacht hat.

Kommentar von FeeGoToCof ,

Nun, wer "scheixxe" in den Mund nimmt, muss sich nicht wundern, wenn er davon Mundgeruch bekommt ;)

Kommentar von Flimmervielfalt ,

Ich finde, es kommt drauf an, bei wem. Auf beruflicher Ebene würde ich das Wort auch nicht verwenden, wenn es um meine Meinung geht. Ich finde aber auf privater Ebene sollte es auch mal gestattet sein, kein Blatt vor den Mund zu nehmen und die eigene Wahrnehmung deutlich sagen zu dürfen. Ich sage ja nicht: "Ich finde Dich Sch* weil Du Astrid Lindgren gut findest", sondern "Ich finde die Bücher von Astrid Lindgren Sch*, weil...". Ich finde das ist eine Ebene, die bei Freunden und Bekannten gestattet sein muss.

Kommentar von FeeGoToCof ,

Ich verstehe zwar schon, was Du zum Ausdruck bringen möchtest, doch bin ich noch immer der Meinung, dass das Wort in diesem Zusammenhang einfach unpassend war. Es ist Dein gutes Recht, dies so für Dich zu benutzen, doch die Reaktionen darauf musst Du dann eben für Dich kanalisieren können.

"Sender/Empfänger"----

Kommentar von Flimmervielfalt ,

Schulz von Thun ist ein guter Punkt, aber ich denke, dass die Definition die beide Gesprächspartner über ihre jeweilige berufliche odrr soziale Beziehung zueinander haben, entscheidend dafür ist, wie grob oder fein man miteinander über gewisse Themen sprechen kann.

Antwort
von precursor, 57

Weil das intolerant ankommt.

Beispiel -->

Person A : Ich mag Star Wars voll gerne.

Person B : Was ?? Star Wars ist für mich der letzte Dreck auf Erden, so was affiges und kitschiges habe ich nie wieder gesehen. Wenn das kommt, dann schalte in den Fernseher sofort aus.

Person A: (denkt zu sich selber : Was für ein intolerantes Arschl* !)

Sorry, wenn man etwas kritisiert was andere mögen, dann kommt man eben oft extrem intolerant rüber, es sei denn man besitzt viel Feingefühl und formuliert seine Bedenken auf die sanfte Art und Weise, diplomatisch eben.

Kommentar von FeeGoToCof ,

Dankeschön!!! Genau so, sollte es sein!

Kommentar von Micromanson ,

Diplomatie ist nur leider ein Schauspiel.

Kommentar von precursor ,

Ohne Taktgefühl und Feingefühl kommt man in der menschlichen Gesellschaft nicht weit.

Ich kenne niemanden der immer sagt was er gerade denkt.

Kommentar von Kristall08 ,

Man kann auch einfach mal zur Kenntnis nehmen, dass jemand anderes Star Wars mag. Auch wenn es einem selbst nicht gefällt. An welcher Stelle wurde nach der eigenen Meinung dazu gefragt? ;)

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