Frage von Canteya, 194

Warum muss man immer erst die Erfahrung machen?

Die Mutter zu ihrem Kleinkind: 'Nein, fass ja nicht die Herdplatte an, du verbrennst dich noch und dann ist das Geheule groß!' Der Vater zu seinem kleinen Sohn: 'Setz den Helm auf, Schützer nicht vergessen! Du brichst dir doch sonst noch was - Fahrradfahren lernen ist nicht leicht!' Die Freundin zu ihrer besten Freundin: 'Pass auf bei dem Kerl, der nutzt dich doch nur aus!' Der Freund zu seinem Kumpel: 'Trink heute nicht so viel, sonst weißt du schon morgen nicht mehr, was heute passiert ist!' Die Mutter zu ihrer erwachsenen Tochter: 'Schmeiß das Geld nicht so aus dem Fenster. Man weiß nie, wann man es mal am nötigsten braucht!'

Erfahrungen macht jeder. Durch Erfahrungen wird jeder einzelne Mensch geprägt, gewappnet für's Leben und erhält eine individuelle Abschätzung dessen, wessen er fähig ist. Erfahrungen begleiten uns durch's Leben und koennen soweit führen, dass die eigene oder Existenz anderer davon abhängt. Was wir sind, was uns ausmacht - das zeigen die Erfahrungen. Aber warum? Warum muss man erst alles hundertmal probieren, bis man merkt, dass es doch klappt und dann stolz auf sich ist? Warum kann man den Worten anderer nicht einfach Glauben schenken, sondern muss selbst erst 'Hand anlegen'? In der Liebe ist es so eine Sache, die rosarote Brille überspiegelt so manche schlechten Dinge - Aber der heiße Herd, der erste blaue Fleck, weil man nicht auf seine Eltern gehört hat, was ist damit?

Liegt dem ganzen eine tiefere Antwort zugrunde, wie etwa in der Evolution, mit der verbundenen Vorsicht, damit man sich nicht in Gefahr bringt? Oder ist es doch nur wegen dem 'Wissensdrang', dem so manche wagemutigen Menschen nachgehen wollen? Oder etwas ganz anderes?

Erfahrungen sind meiner Meinung nach etwas Persönliches. Nach individuellem Empfinden werden sie weitergegeben, um beispielsweise andere zu bewahren. Aber trotzdem muessen die anderen vieles noch einmal ausprobieren, bis sie erst auf die Worte und Erzählungen ihres 'Beschützers' vertrauen. Was bringen Erfahrungen denn dann? Dann wären sie wohl doch nur fuer den einzelnen gemacht ...

Danke für's Lesen, ein schoenes Wochenende!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von DerDudude, 28

Ich finde es eigentlich gut, dass sich jeder Mensch das Recht herausnehmen kann, Fehler zu machen und daraus zu lernen.

Ich kann es nicht haben, wenn mir jemand sagt "Mach dies nicht, mach das nicht" und dann laut wird, wenn ich es doch mache. Wenn ich einen Fehler mache, lerne ich daraus und mache es dann spätestens beim zweiten Mal nicht mehr falsch.

Teilweise sind Dinge, vor denen ich gewarnt werde zwar auf den ersten Blick sinnvoll, auf den zweiten aber vielleicht schwachsinnig. Wenn ich das dann doch ausprobiere und es sich herausstellt, dass es doch nicht falsch oder schlecht ist, dann habe ich etwas gewonnen.

Würde man immer nur darauf hören, was andere sagen und was man besser nicht machen sollte und seine eigenen Erfahrungen gar nicht mehr machen würde, dann würde keiner mehr mit Menschen reden, die minimal anders sind als man selber, weil die klauen, vergewaltigen, beleidigen, unhöflich sind, asozial sind, etc.

Gerade beim Thema Vorurteile ist es wichtig, dass man seine eigenen Erfahrungen macht. Denn Menschen verallgemeinern sehr gerne. Wenn unter 100 andersstämmigen Menschen einer ist, der eine Person mal beklaut hat, dann ist diese Gruppe direkt mit Diebstahl in Verbindung zu bringen. Wenigstens aus Sicht der betroffenen Person.

Mache ich jetzt aber entgegen des Rates, mich unbedingt von dieser Gruppe Menschen fernzuhalten, Bekanntschaft mit einer Person aus diesem Kreis und sehe, dass sie gar nicht so schlimm ist, wie erzählt, dann habe ich nicht nur Erfahrung, sondern eventuell einen Freund gewonnen.

Das war jetzt nur ein Beispiel, aber es lässt sich ganz einfach auf alles Mögliche übertragen. Manche Sachen machen natürlich auch Sinn. Wir wissen zum Beispiel alle, was passiert, wenn man mit der Hand auf die Herdplatte fasst, was passiert, wenn man ohne Knieschoner auf Inlinern hinfällt und dass Kaffee heiß ist, wenn er frisch gebrüht ist.

Aber bei diesen Dingen lernen wir durch Schmerz und machen den selben Fehler nicht noch einmal. Vorausgesetzt der Mensch ist halbwegs rationaler Natur.

Fazit ist, dass es gut ist, nicht immer auf andere zu hören und seine Erfahrungen selbst zu machen.

Kommentar von Canteya ,

Danke fuer deine Antwort! Eine wirklich schoene Sicht, die mir geholfen hat :)

Expertenantwort
von pingu72, Community-Experte für Liebe, 48

Kinder und Jugendliche müssen ja gewarnt werden da sie mögliche Gefahren noch gar nicht einschätzen können. 

Erwachsene können eher eine Situation einschätzen und auch mal auf den Rat anderer hören. Wenn sie es nicht tun liegt es vielleicht an Neugierde, Risikofreude, Naivität, Sturheit oder der berühmten rosaroten Brille. Da heißt es dann "wer nicht hören will muss fühlen..."

Kommentar von Canteya ,

Lieben Dank!

Antwort
von dermitdemball, 16

Manchen Rat kann man nicht annehmen, wenn er von nahen Angehörigen (Eltern, Geschwistern usw.) oder Freunden kommt!

Weil man diese Menschen als "befangen" einstuft! Weil man glaubt, sie haben Hintergedanken oder Eigeninteressen usw.

Hingegen hört man auf einen völlig Fremden, der einem das Gleiche anonym im Internet rät! Man stuft ihn als neutral und unparteilich ein!

Natürlich spielt auch das Alter eine Rolle! 

Der kleine Bub sagt - Mein Papa weiß alles!

Kommt er in die Schule merkt er - Der Papa weiß auch nicht alles!

Als Pubertierender genervt - Was weiß denn der "Alte"

Auf die Frage der Freundin, in der eigenen Wohnung meint er - Das weiß ich nicht, da muss ich den Papa fragen!

Und nachdem der Papa nicht mehr ist - Sagt er öfter zu seiner Frau - ... der Papa hätte es gewusst!

Einige Fehler kann/darf man nicht selber machen, weil man sie nicht überlebt! (Straßenverkehr, Fenstersturz, Starkstrom, Oberleitung usw. usf.)

Manche Eltern sind sehr einfallsreich und raten den Kinder das "Gegenteil", weil sie wissen, dass sie dann das Richtige machen!^^

Wichtig ist auch wie man rät - in Befehlston - von oben herab - kommt sehr schlecht an!

Im ruhigen Ton, - freundschaftlich - und indem man eigene schlechte Erfahrungen/Fehler "gesteht" - wirkt identisch und glaubwürdig - macht den Zuhörer nachdenklich und überzeugt ihn vielleicht sogar!

Kommentar von Canteya ,

Vielen Dank, hat mir auch sehr geholfen :)

Antwort
von Wuestenamazone, 42

Weil Kinder ihren eigenen Kopf haben. Die Mama kann ja viel erzählen. Die müssen ihre Erfahrungen selbst machen auch wenn sie manchmal schmerzlich sind.

Bei Erwachsenen ist das was anderes. Die sollten so schlau sein und auf einen Rat hören.

Kommentar von Canteya ,

Kurz und knackig auf den Punkt gebracht. Gefällt mir immer sehr bei dir :) ich danke dir sehr!

Expertenantwort
von rotesand, Community-Experte für Kleidung, Auto, Mode, Schule, 10

Hallo :)

Ja, das ist genau meine Ansicht. Als Beispiel könnte ich meinen Bruder anführen: Er lebte auf sehr großem Fuß, widersetzte sich sämtlichen Ratschlägen, hielt sich für den lieben Gott in Person, konnte laut eigener Meinung alles besser als jeder andere & merkte nicht, dass er über schlechten Umgang zuerst in Drogenkreise rutschte und sowieso für seinen Lebensstil der Verdienst eigentlich nicht ausreichte. Weil er dann alle bekannten Auswirkungen des Drogenkonsums zeigte und auf der Arbeit entweder Stress machte oder garnicht erst erschien, verlor er seinen Job und damit auch sein Einkommen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Er merkte erst, als er echt gaaaaanz unten stand, dass wir alle vllt. doch nicht so dummes Zeug von uns gaben als wir ihm helfen wollten. Er trennte sich von seinem Freundeskreis, ließ sich von einem fähigen Arzt behandeln, bemühte sich um eine neue Arbeitsstelle & begann ein neues Leben.

Er sagt heute selbst, dass man erstmal ganz unten stehen muss um zu wissen, wie es richtig ist...

Kommentar von Canteya ,

Ich danke dir sehr :) Ist wirklich schade, dass man es manchmal einfach echt zu spaet einsieht.

Kommentar von rotesand ,

Bei meinem Bruder war es so, dass er es gerade noch rechtzeitig bemerkte.. es hätte auch anders ausgehen können!

Gerne!

Antwort
von Cookialla, 38

Du hast geschrieben:
"Aber der heiße Herd, der erste blaue Fleck, weil man nicht auf seine Eltern gehört hat, was ist damit?" Also ich hab auf meine Eltern gehört und aufgepasst, ich weiß ja nicht, wie es dir geht... :D Manche sind vielleicht leichtsinniger und denken sich no risk no fun oder haben es für einen kurzen Moment vergessen... oder die Eltern hatten schlechte Erziehungsmethoden und haben einen wegen jeder Kleinigkeit gewarnt, sodass man sie irgendwann überhört hat... Aber ich für meinen Teil hab immer einen Bogen um die Herdplatte gemacht, nachdem meine Mama es mir anschaulich erläutert hat, was passiert, wenn man drauffasst. :D

Kommentar von Canteya ,

Danke. :) Jaaaa auch nicht schlecht, wenn man drauf hört :D

Expertenantwort
von kami1a, Community-Experte für Sex, 6

Hallo! Als Antwort genügt eigentlich ein Zitat : 

Lernen ist Erfahrung. Alles andere ist einfach nur Information. Albert Einstein.

Alles Gute.

Kommentar von Canteya ,

:)

Antwort
von TygerLylly, 17

Nein, fass ja nicht die Herdplatte an, du verbrennst dich noch und dann ist das Geheule groß!

Man kann Kindern zig mal sagen, dass die Herdplatte heiß ist. Kinder wissen aber nicht, was "heiß" bedeutet, bis sie sich verbrannt haben. Und genau das zieht sich eigentlich wie ein roter Faden durch unser komplettes Leben...

Kommentar von Canteya ,

Vielen Dank fuer deine Antwort :)

Antwort
von Robento66, 28

Toller Text, schön zu lesen. Eine wirklich interessante Sicht des Themas. :)

Kommentar von Canteya ,

Danke :)

Antwort
von Turnupppgurl, 25

Wäre doch traurig, würden wir nur Worten anderer glauben und nicht unsere eigenen Erfahrungen machen.

Kommentar von Canteya ,

Aber bei den schlechten Erfahrungen, die man dann macht, hat man sich ja sozusagen bewusst diesem Schmerz aussetzen wollen. Danke fuer deine Antwort!

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