Frage von zalto, 57

Warum müssen Powerpoint-Präsentationen "überzeugend" sein?

Ich halte gelegentlich mal als Fachexperte Powerpoint-Präsentationen, um Sachverhalte, die es inhaltlich zu erarbeiten galt, darzustellen. Dabei wird das Thema ausgiebig von allen Seiten betrachtet, zusammengefasst und am Schluss gibt es ein paar Handlungs-Empfehlungen.

Von Mentoren kam allerdings Feedback, das sei zu wenig "überzeugend". Ich kann damit nur wenig anfangen, denn eigentlich will ich gar keinen "überzeugen", nur informieren und Lösungswege aufzeigen. Die Entscheidungen treffen dann eh andere und ob sie meinen Empfehlungen folgen - da bin ich recht leidenschaftslos, weil noch viel nicht-fachliches mitspielt.

Muss man denn mit Präsentationen überzeugen wollen? Und wovon überhaupt?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Traveller24, 13

Auch in der Information ist manchmal eine gewisse Überzeugungsarbeit notwendig. Dabei geht es gar nicht darum, die Zuhörer von einer Meinung zu überzeugen, sondern von der Bedeutung deiner Informationen. Das ist gerade für Fachexperten manchmal schwer zu verstehen, denn sie sind sich der Bedeutung ihrer vorgebrachten Fakten immer sehr genau bewusst und es ist für sie selbstverständlich. Ein fachfremder Entscheider muss manchmal erst von der Bedeutung einiger Sachverhalte überzeugt werden.

Ich bin in unserem Unternehmen auch oft in Vermittler- und Informations-funktionen tätig und erlebe solche Situationen öfter, wenn Entscheider oder Kollegen Informationen oder Sachverhalte nur schulterzuckend zur Kentniss nehmen und ich hingegen weiss, dass diese Informationen in den Fachabteilungen die Leute in Panik versetzen lassen. Und da muss man dann rein fachliche Überzeugungsarbeit leisten und einen Nichtfachmann von den Konsequenzen der möglichen Handlungen überzeugen.

Kommentar von zalto ,

Ja, das "Schulterzucken" kommt mir bekannt vor - selbst bei "heftigen" Informationen wie "Vorsicht, Aufträge gehen verloren.". Ich habe es darauf zurückgeführt, dass es von anderer Seite noch viel "heftigere" Informationen gibt, so dass ein Abstumpfungseffekt eingetreten ist.

Dass ein Entscheider gar nicht versteht, was das bedeutet, will ich nicht ausschließen. Das fände nun wiederum ich "heftig"...

Kommentar von Traveller24 ,

Dass ein Entscheider gar nicht versteht, was das bedeutet, will ich nicht ausschließen. Das fände nun wiederum ich "heftig"..

Ja, aber genau da setzt jetzt das "Überzeugen" an. Mein ehemaliger Chef sagte immer "Wenn jemand nicht versteht, was ich im sage, dann habe ich es ihm nicht gut genug erklärt."

z.B.: Aufträge gehen permanent verloren, damit muss ein Unternehmen leben können. Problematisch ist es, wenn wichtige Aufträge verloren gehen, wenn es Folgen und Folge-Folgen hat, die weit über den normalen Ausschlägen und über dem normalen Geschäftsrisiko liegen. Oder wenn das Unternehmen in einer Sitiation steht, in der weitere verlorene Aufträge tatsächlich Existenzbedrohend sind. Die Aussage "Hier gehen Aufträge verloren" würde bei uns auch nur Schulterzucken ernten. Das weiss man wahrscheinlich auch schon vorher. Die Aussage "Hier gehen Aufträge verloren, die von existenzieller Bedeutung für den Standort des Werkes X weil an deren Standort gerade ein neuer Konkurent aufmacht und man dem somit eine Starthilfe gibt die dafür sorgt das und in den nächsten drei Jahren uns sosundsoviel % unseres Marktes weggehen." hat das eine andere Qualität.  Es geht nicht darum, die Entscheider von Deiner Meinung zu Überzeugen. Es geht darum, die von der Bedeutung der von Dir vorgebrachten Fakten zu überzeugen. Diese Bedeutung ist Dir wahrscheinlich ganz automatisch klar, denn Du bist aus dem Fach und Du hast sosunssolange an der Zusammenstellung der Daten gearbeitet. Dem Empfänger fehtl diese "automatische" Einsicht.

Wenn ich unseren Vertrieblern sage, dass die Gestaltung Ihrer Verträge unseren Vorsteuerabzug gefährden, dan zucken die mit den Schultern. Das ist Dinge die für die keinen Belang haben weil sie ihre Bedeutung nicht verstehen da sie nicht vom Steuerfach sind und der Begriff Vorsteuerversagung bei denen nicht die panischen Alarmglocken auslöst, die ein Steuerfachman dabei hört. Wenn ich denen erzähl, dass die Gestaltung ihrer Verträge einen Schaden von x Millionen Euro pro Jahr für drei Jahre rückwirkend zuzüglich horrender Zinsen erzeugt, dann werden sie agieren. Oder auch nicht, aber das ist dann tatsächlich deren Entscheidung. Die Überzeugungsarbeit die ich leisten muss ist die zwischen dem Schulterzucken und dem Verständniss.

Kommentar von zalto ,

Danke, das ist die hilfreichste Antwort. Meine Präsentationen waren bislang wirklich nur darauf ausgerichtet, dass sie als richtig wahrgenommen werden. Aber nicht, dass sie auch als wichtig wahrgenommen werden. Und dass das ein vertieftes Verständnis auf Empfängerseite voraussetzt, warum es wichtig ist.

Antwort
von vonGizycki, 13

Grüß Dich zalto!

Ich habe selbst PowerPoint Präsentationen gemacht. Für mich galt es auch überzeugend zu sein. Allerdings habe ich neben Fakten und Denkwegen auch das Gemüt angesprochen. Nun weiß ich natürlich nicht, was das thematisch bei Dir für eine Präsentation war. Das wäre schon wichtig zu wissen.

Wenn man das aber methodisch betrachtet, kommen ein paar wichtige Fakten zusammen, die für mich wichtig waren. Ich hatte mir vorgenommen mit den kreativen Möglichkeiten von PowerPoint zu spielen und dabei eine visuelle Vielfalt vorzuführen und ein Werk zu kreieren. Ich wollte es also nicht nüchtern herunterleiern. Nun war das auch keine Informationsveranstaltung sondern ein künstlerisch-musikalisch-philosophischer Vortrag.

Neben der inhaltlichen Argumentation und Schlüssigkeit in Bezug auf das Thema ist es wichtig, das die Auswahl, die Wechselgeschwindigkeit und die Übergänge der Grafischen Darstellungen dazu genau angepasst sind. Dabei spielt auch die Qualität der Grafiken eine große Rolle und deren verständliche Übermittlungsfähigkeit.

Dazu kommt, das der eigene mündliche Vortrag lebendig gestaltet ist, also auch thematisch genau nacheinander und sich auf die Abschnitte beziehend aufgebaut ist. 

Es gibt noch eine Menge, die man dabei beachten sollte, was aber hier zu weit führt, es anzusprechen. 

Ich wollte damit sagen, das die gesamte Erscheinung der Präsentation und der thematische Aufbau und die Art der Vorführung einen harmonischen Eindruck machen soll und je mehr es gelingt, desto überzeugender ist die Präsentation. Davon lebt sie nämlich. Man muss das Herz und das Gefühl spüren, mit der die Präsentation erstellt wurde. Dann kann sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen und dann ist sie gelungen.

Zum Schluss noch: Man sollte sich mit der Vielfalt der technischen Möglichen von PowerPoint und deren kreativen Anwendung vertraut machen und auch umsetzen. Und vielleicht kann auch die Integration von Ton das Ganze noch steigern, vorausgesetzt deren Anwendung ist überhaupt passend.

Herzlichen Gruß

Rüdiger

Antwort
von DonCredo, 17

Hi! Ich halte auch hin- und wieder Vorträge mit Präsentationsunterstützung. Für meine Begriffe muss der Referent überzeugen und die Präsentation sollte ihn bestmöglich unterstützen - aber sie ist nicht das ausschlaggebende Element. In der Theorie gibt es allerdings unterschiedliche Arten von Vorträgen - und nicht bei jedem muss zwingend überzeugt werden.

Was Deine Mentoren vielleicht gemeint haben ist, dass die Präsentation in Verbindung mit Deinem Vortrag nicht optimal abgestimmt war und Du vielleicht zu viel Gewicht auf die Folien und zuwenig auf das gesprochene Wort gelegt hast und den Zuhörer damit am Ende ohne klare Botschaft alleine gelassen hast. Mehr kann ich aus der Frage nicht entnehmen. Gruss

Kommentar von zalto ,

Was mache ich denn, wenn die Botschaft nicht so klar ist? Angenommen die Aufgabe wäre, etwas über die Eulen Mitteleuropas zu erzählen. Was wäre eine klare Botschaft? Wovon könnte ich überzeugen?

Kommentar von DonCredo ,

Hm, das kann ich Dir so nicht beantworten, kenne mich damit ja auch nicht aus. Die Grundfrage für mich wäre: was ist das für ein Publikum (Fachleute, interessierte Eulenfreunde, einfach Besucher usw.) und zu welchem Anlass sprichst Du. Wenn es reine Wissensvermittlung ist musst Du natürlich weniger überzeugen aber das Interesse am Vortrag wecken z.B. durch besondere Infos, schöne Bilder u.ähnl. Sind die Vögel z.B. bedroht wäre die Überzeugungsbotschaft die, dieses oder jenes zu unterlassen und das müsste Dein Vortrag und die Präsentation klar als Ergebnis heraus arbeiten. Sind nur Beispiele auf Deine theoretische Frage. Gruss

Antwort
von SenfAbgeberin, 26

Naja, vielleicht sind sich diese Personen nicht wirklich sicher und wollen deshalb überzeugt werden. Vielleicht hast du viel größeren Einfluss auf die gegebenen Entscheidungen als du denkst. Ich finde aber auch, dass das Überzeugen unnötig ist. Die sollten schon selber einfach abwägen können, was besser ist und du gibst ihnen die Chance neutral zu Entscheiden, ohne sie zu beeinflussen. Aber das wollen die wohl nicht. LG

Kommentar von zalto ,

Sowas habe ich auch schon vermutet: Es geht eigentlich nicht um Neutralität und Objektivität, sondern darum, ein gutes Gefühl für eine bestimmte Entscheidung zu vermitteln.

"Und für Risiken und Nebenwirkungen schauen sie einfach in die Backup-Folien im Anhang."

Kommentar von SenfAbgeberin ,

Genau :)

Antwort
von Falkenpost, 12

Hallo!

Sie müssen mit einer PP-Präsentation nur das Ziel erreichen, welches Sie auch anstreben. Wenn das Ziel "Information weitergeben" ist, dann ist es eben dieses Ziel. Wenn Sie versuchen, ein Extra-Budget beim Vorstand wollen, sollte das Ziel eher die Überzeugungsarbeit sein.

Gruß
Falke

Antwort
von keineahnungtbh, 19

Er/Sie könnte vielleicht die Präsentation im Allgemeinen gemeint haben. Man kann auch so lange Texte oder Informationen haben, aber man muss immer daran denken, dass die Informationen auch bei ihnen bleibt. Ich hatte bei einer Präsentation eine gute Note, dafür wenig Text. Die Informationen müssen für die Zuhörer überzeugend vorkommen, in der Sicht, dass es nicht zu langweilig bzw. eintönig ist.

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