Frage von perfectingday, 143

Warum meinen viele es ginge uns immer schlechter in Deutschland?

Hallo, wie es schon im Titel steht, möchte ich gerne wissen warum manche meinen, dass es uns immer schlechter geht in Deutschland. Klar, es gibt Arbeitslose und auch arme Leute die nicht so viel Geld verdienen hier, aber zum Großteil erleben wir doch seit Jahren hier in Deutschland, keine Armut, Kriege mehr.

Andere Länder wie Irak, Syrien etc. hätten gerne diesen Wohlstand und wären froh so ein Leben zu führen und das sind eben einer dieser Länder denen es wirklich mega schlecht geht. Verstehe also nicht, warum sich die meisten beschweren. Kann man sich etwa nicht in deren Lage versetzen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von berkersheim, 58

Es ist alles relativ. Bewertungen sowieso. Wirtschaft ist ein Prozess und wenn man z.B. heute von den Investitionen der Vergangenheit lebt, selbst alles verkommen lässt, sind die Zukunftsaussichten trübe, auch wenn man heute noch genug zum Verzehr hat, für morgen aber die Speicher leer sind. Geld geht dahin, wo die Zukunftsaussichten für die Anlage besser sind, als woanders. Wenn Deutschland im Moment mehr und leichter Kredite bekommt als andere, dann nicht, weil Deutschland gut ist, sondern weil es besser ist als die anderen. Ist es ein Trost, wenn man sagen kann: Wir sind bald arm, aber die Griechen sind dann noch ärmer und die Italiener und Portugiesen und Spanien und Franzosen auch? Ich dachte früher immer, Karl Marx und seine Jünger wollten die Situation für die Menschen insgesamt verbessern. Heute ist mein Eindruck: Sie wollen alle gleich arm machen, ihre Funktionäre ausgenommen.

Mich überrascht es längst nicht mehr, dass im sozialistischen China die Korruption Purzelbäume schlägt. Mich enttäuscht nicht, dass die FIFA zur Räuberbande verkommen ist. Wenn sich jetzt herausstellt, dass auch das IOC auf gutem Wege dahin ist, wundert mich das nicht. Gib Menschen zuviel unkontrollierte Macht und der Missbrauch steht in der Tür, egal, wie das ideologische Gedöns klingt. Auch in Griechenland zählten selbsterklärte Sozialisten zu den größten Räubern des Staatseigentums. Ich dachte immer, irgendwann muss man doch aufwachen, und das ideologisch-verschleiernde Gewäsch durchschauen.

Uns geht es gut: Ja! Relativ zu anderen Ländern, denen es noch schlechter geht. Und wenn man vergisst, dass eine drohende Altersarmut für die meisten die auf Pump gekauften dicken Autos heute auch nicht wett machen kann. Wer heute die Augen vor der nicht gerade rosigen Zukunft verschließt kann sich das Gefühl erhalten: Uns geht es gut. Unser Wohlstand beruht auf Exportüberschüssen! Das ist im Grunde längst eine Blase und wehe die platzt bei abkühlender Weltwirtschaft! Dann könnte sich schneller als gewünscht herausstellen, dass auch die Einnahmen aus den Exportüberschüssen nur aus Forderungen bestehen. Wenn die keiner im Ausland eintauschen will, sitzen wir auf eine Luftblase! Dann haben wir umsonst gearbeitet und unsere Exporte teilweise verschenkt. Da liegt noch viel Ernüchterungspotential in der Luft.

Antwort
von Gaskutscher, 81

Weil es einfach bequem ist zu meckern.

Mancher kommt ja schon ans Limit wenn er feststellt das bei seinem Smartphone der Akku nicht mehr bis zum Abend durchhält.

Prioritäten und Wahrnehmung sind so weit verschoben, dass man auch mit viel gutem Willen gerne mal den einen oder anderen durchschütteln will damit es im Hirn mal neu sortiert wird.

»Unsere Abschlussfahrt der Realschule geht nicht nach Amsterdam - ich muss jetzt sterben!«

Err... Was? Wir sind damals in den motherfucking Schwarzwald gefahren. Matratzenlager. Mehrere Tage Spaß gehabt und sind heute dankbar dafür, das wir nur Fotoapparate mit maximal 24 Bildern dabei hatten. ;) Wenn die Nichtanwesenheit in Amsterdam zum Tod führt, dann muss es wohl so sein. Darwinismus eben. Hätte es später im Leben wohl sowieso zu nichts mehr gebracht.

Kommentar von berkersheim ,

Interessante Orientierung. Uns steht die Kloake nur bis zum Hals. Den anderen läuft sie schon in die Ohren. Man geht es uns gut. Das nenne ich, Perspektiven aufbauen! Sind das die neuen sozialistischen Perspektiven: Warten bis einem die Kloake auch in die Ohren läuft?

Kommentar von Gaskutscher ,

Wo steht uns denn was bis zum Hals?

Land of the free -> keine KV, ein Verkehrsunfall bringt dich näher an den Suizid als an eine Genesung.

Bei uns -> Besoffen und bekifft um den Laternenpfahl gewickelt -> 10 Euro pro Tag im Krankenhaus bezahlen und anschließend jammern das die Behandlung so teuer war.

Also wenn das die Kloake ist, welche du meinst -> die muss manchem wohl erst im Auge brennen damit erkannt wird wie gut es ihnen hier geht.

Antwort
von Kitharea, 94

Man sollte halt nicht mit anderen Ländern vergleichen, sondern sich ansehen was in den letzten Jahrzehnten passiert ist. Und was das betrifft ging es uns früher wesentlich besser - mal abgesehen vom Krieg wo es halt allen schlecht ging.
Allerdings verschieben die Menschen selbst auch die "Wichtigkeit" mancher Dinge. Wenn man sein Lebensglück davon abhängig macht ob man ein tolles 700EUR Smartphone sein eigen nennt und unbedingt Auto und 2 Fernseher braucht kann es einem halt nicht gut gehen. Da kommen 2 Dinge zusammen - zum Einen weil man weiß früher ging es uns besser weil man sich mehr leisten konnte und auch die Arbeit an sich besser bezahlt war bzw. die Konsumgüter für das tägliche Leben / Wohnung wesentlich angepasster an das Standardhaushaltseinkommen waren - zum Anderen haben natürliche viele auch verlernt was es heißt sich einfach mal nicht alles gönnen zu können. Wer einen Kredit für ein TV-Gerät oder ein Handy aufnimmt - tut mir leid - dem geht es viel zu gut.

Kommentar von paulklaus ,

Klasse-Antwort - DH ! - , auch und besonders der allererste Satz(teil) !

Danke !

pk

Antwort
von grossbaer, 77

Weil sich die Bedingungen in den letzten 20, 30 Jahren verschlechtert haben. Auch bei uns gibt es viel Armut. Schau dir doch mal die Jobcenter, die Suppenküchen und Tafeln an. Es gibt auch hier sehr viel Elend. Doch davon will unsere Gesellschaft nichts wissen, weil wir schon seit Jahren eingelullt werden. Immer schön weitermachen als wäre alles in Ordnung, das ist doch schon seit Kohl Bundeskanzler geworden ist die gängige Politik in Deutschland. Gehe doch mal in die Alten- und Pflegeheime und schaue dir mal dort die Zustände an. Viele Rentner können von ihrer Rente nicht leben. Viele Kranke kämpfen schon seit Jahren um Unterstützung durch die Krankenkasse.

Man kann unsere Armut nicht mit der Armut anderer Länder vergleichen. Es gibt immer mehr Menschen in Deutschland, die an dem normalen sozialen und kulturellen Leben nicht mehr teilnehmen können, weil sie nicht über das nötige Geld verfügen.

In einem Land in dem Menschen für Essen in der Schlange vor der Tafel stehen damit sie ein paar Reste bekommen die normale Supermärkte nicht mehr verkaufen könne oder wollen, ist nichts in Ordnung.

Kommentar von paulklaus ,

Du nimmst mir das Wort aus dem Mund oder aus der Tastatur...

Super-Antwort !!! DH !!!

Danke !

pk

Antwort
von soissesPDF, 32

Weil dem so ist!
In den 1960er/1970er Jahren konnte ein Facharbeiter mit Familie, 3 Kinder, seine Familie allein errnähren, ein Auto und ein Haus kaufen und in den Urlaub fahren.

Das klappte, bis Altkanzler Schröder (SPD) die Agenda 2010 und HartzIV erfand.
Dafür ließ er sich auf dem Wirtschaftsforum in Davos feiern: "Er habe den größten Niedriglohnbereich in Europa geschaffen."
Sprach es und verabschiedete sich in den Aufsichtsrat der russischen Gazprom.

Heute müssen Frauen und Männer arbeiten, für den halben Lohn und für eine Armutsrente (GruSi genannt = Grundsicherung im Alter, eine Kreation von SPD/Grüne).

Antwort
von JBEZorg, 26

Warum soll sich jemand in die Lage von Syrern versetzen wenn es um den Vergleich der Zustände in Deutschland geht?

Mit Deutschland geht es langsam aber stetig bergab und das seit Jahrzehnten mittlerweile. Vermutlich hat die BRD ihre "fetten Jahre" in den 80ern erlebt. Seitdem sinkt der Lebensstandard stetig.

Antwort
von BTyker99, 39

Ich sage nicht, dass es uns schlecht geht, aber über die letzten Jahre ging es uns stetig immer schlechter. Dass Zeitarbeits-Jobs und befristete Anstellungen heute Normalität sind und man als Alleinverdiener keine Familie ernähren kann gab es z.B. früher nicht. Die Wohlstands-Schere geht immer weiter auf und viele Menschen haben nur Arbeitsstellen, bei denen sie kaum mehr verdienen, als das soziokulturelle Existenzminimum.

Und jetzt kommt noch die Welle der illegalen Einwanderer, von der man absehen kann, dass das Sozialsystem in Deutschland vollends zerstört werden wird (falls wir uns nicht darauf einstellen). Die Verhältnisse, wie sie man sie aus den von dir aufgezählen Ländern kennt, wird man vermutlich in einigen Jahren/Jahrzehnten hier am eigenen Leib erfahren können.

Antwort
von jiva87, 33

Der Großteil der Menschheit hat leider dieses Problem, das ist nicht nur in Deutschland so... Liegt ja aber letztendlich in unser Natur, dass wir immer mehr wollen, wachsen wollen, vorankommen wollen.

Zum Glück gibt es aber auch Menschen deren Intelligenz sich schon weit genug entwickelt hat um zu erkennen, dass dieses streben nach immer mehr nicht der Sinn des (unseres) Lebens ist.

Antwort
von wilees, 46

Dazu nur einmal Artikel wie diese:

Kinderarmut in Deutschland: Fast jedes fünfte Kind lebt in Armut ...

www.spiegel.de › Wirtschaft › Staat & Soziales › Kinderarmut in Deutschland

WDR-Berechnung zur gesetzlichen Rente: Fast jedem Zweiten droht ...

https://www.tagesschau.de/inland/altersarmut-101.html

Armenspeisung - Schluss mit den Tafeln! | Cicero Online

www.cicero.de/berliner-republik/armenspeisung-selke-schamland...tafeln/54239/

Zahlen & Fakten - Bundesverband Deutsche Tafel e.V.

www.tafel.de/die-tafeln/zahlen-fakten.html
Antwort
von peace1287, 34

Ja da hast du Recht! 

Das Problem ist, dass gerade Leute in Wohlstandsländern, eine enorme Angst haben,  etwas von ihrem Wohlstand herzugeben. 

Verstärkt wird diese Angst durch die Rechten, die den Leuten vermitteln wollen, dass durch Zuwanderung und "Islamisierung" unser Land in Gefahr ist...

Das ist aber nicht mehr als Rechtsgerichtete Ideologie...

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