Frage von ronnyof, 141

Warum meckern alte leute ständig an allem rum?

Mein opa wird jetzt bald 90. Bis vor kurzem war noch allein in seiner wohnung. Seit ca. 3 monaten ist er in einem pflegeheim. Den heimplatz hat er nur bekommen, weil meine mutter sich in weiser voraussicht darum gekümmert hat. Er selbst wollte partout nirgends hin. Dann hat er einen rollstuhl verordnet bekommen, mit dem er nicht klar kam. Wieder hat meine mutter sich um einen neuen gekümmert. Auch jetzt beschwert er sich weiter, dass er sich nicht bewegen kann. Warum hört er nicht mal endlich damit auf? Andere heimbewohner sind doch auch zufrieden.

Antwort
von dieLuka, 141

Nicht jeder möchte in ein Heim. Das eigene Zuhause ist ein Platz wo man sich wohl fühlt. Jetzt wurde er anscheinend gegen seinen willen in das Heim gebracht. Zeitgleich verliert er immer mehr die möglichkeit selbst über seinen Alltag zu bestimmen weil er weniger beweglich und an Heimrichtlininen gebunden ist. Ich kann das gut verstehen.

Stell dir mal vor jemand sagt dir du must auf unbestimmte Zeit zur Tante Petunia ins Gästezimmer und dich an ihre Regeln halten und dann brichst du dir auch noch das bein und kannst nicht mehr hin wo du willst weil du mit den Krücken nicht klar kommst. Da würdest du doch auch motzen.

Das ist frust pur.

Antwort
von pbheu, 96

stell dir einfach dein jetziges leben vor. du kannst machen was du willst, hast alles vor dir. stell dir dann das von deinem opa vor...

dein opa hat seit jahren immer nur erlebt, das alles, was er tun wollte, immer schlechter funktioniert hat. hören geht nicht mehr gut, sehen geht nicht mehr gut, laufen geht nicht mehr gut, gedächtnis funktioniert nicht mehr gut.

überleg dir wie du dich fühlen würdest, und dann entscheide, warum seine grundlaune mies ist.

es ist gut, das sich deine mutter um ihn kümmert, in weiser voraussicht, selber hat er diese dinge so weit von sich geschoben wie er nur konnte. jetzt steckt er da drin und seine zukunftsperspektive ist, da erst wieder auf dem weg zum friedhof rauszukommen.

also ich würde auch meckern, da bin ich mir sicher....

in einem altenheim geht viel schief. man kann sich da nicht wirklich intensiv um eine person kümmern, dinge werden vergessen. an sich nichts schlimmes, aber für einen alten menschen, für den jede kleinigkeit eine riesenanstrengung ist, ist es nicht dasselbe wie bei dir, wenn seine anziehsachen nicht parat liegen. oder du nachts aufs klo musst und niemand kommt, der dir hilft, weil du es alleine nicht mehr kannst.

klar gibt es sehr sonnige alte menschen, das ist was schönes. dein opa kann da auch noch hinkommen, wenn du geduld hast und ihn nicht links liegenlässt, nur weil es gerade unbequem ist, ihn zu besuchen und sein gejammer anzuhören. frag ihn nach den alten zeiten. lass ihn erzählen. schau dir fotoalben an.

das kann auch für dich ziemlich interessant werden...und ihm gibt es das gefühl, dass sein leben, dass hinter ihm liegt, für seine kinder und enkel auch etwas wert sein kann...

Kommentar von ronnyof ,

Leider hat unsereiner auch sein bündel zu tragen! Das hat mit "unbequem" nichts zu tun! Im endeffekt kann doch niemand mehr an seiner lage etwas ändern. Was getan werden musste und muss, haben wir getan und tun wir auch! 

Kommentar von pbheu ,

na, dass ist doch beruhigend.

abgesehen davon, dass nicht nur dein opa, sondern auch du hier gerade ein wenig herummeckerst, nämlich über deinen opa....

liegt anscheinend in der familie. hast du kinder? pass gut auf, wie die das heute so empfinden, die machen es nämlich später ganz genauso mit dir

;-)

Antwort
von HerrGewerke, 89

Stell dir vor, du müsstest in ein Kinderheim. Du würdest auch meckern.

Alte Menschen wünschen sich, im Kreis ihrer Familie bleiben zu können, sie möchten an deren Leben teilhaben, möchten genauso geliebt werden wie früher.
Ich finde, sie haben es auch verdient, durch alles, was sie zeitlebens für uns getan haben.

Du wärst auch nicht glücklich, wenn du plötzlich mit derben orthopädischen Schuhen rumlaufen müsstest, aber dann könntest du noch laufen.

Rollstuhl rollt auf den Abhang zu. Für ihn.

Bitte lasst ihm seine Würde. Wir werden (hoffentlich) auch einmal alt.

Kommentar von ronnyof ,

Bei den gegebenheiten wünsche ich mir das eher nicht! Es ist aber heutzutage nur noch den wenigsten vergönnt, bis zum ableben daheim zu bleiben. Da ist wohl fast jeder gezwungen, sich damit abzufinden. Lamentieren über dinge, die man nicht ändern kann, bringt gar nichts! 

Übrigens: woher wollen eigentlich alle hier wissen, wie alt ich bin??

Kommentar von cyracus ,

Übrigens: woher wollen eigentlich alle hier wissen, wie alt ich bin??

Wieviele Jahre Du zählst, wissen wir natürlich nicht. - Aber so wie Du dich hier darstellst, bist Du seelisch noch sehr jung und hast allem Anschein nach noch sehr viel zu lernen.

Es ist aber heutzutage nur noch den wenigsten vergönnt, bis zum ableben daheim zu bleiben. Da ist wohl fast jeder gezwungen, sich damit abzufinden. Lamentieren über dinge, die man nicht ändern kann, bringt gar nichts!

Es ist eine erstaunliche Kaltschnäuzigkeit, so über Menschen zu denken, die ein Leben mit vielen Höhen und Tiefen gemeistert haben. Dein Opa hat Tiefen erlebt, die Du in Deinen Albträumen nicht erleben möchtest (z.B. zwei schlimme Kriege).

Vielleicht denkst Du etwas anders über Deinen Opa, wenn Du den Text der alten Frau, den ich Dir in meiner Antwort reingegeben habe, gelesen hast, Dich dann innerlich etwas weich und empfindsamer machst und an Deinen Opa denkst.

Kommentar von HerrGewerke ,

Der Text an die Schwestern ist mehr als lesenswert! Danke dafür, ich weiß das zu schätzen; man kann sein Weltbild dadurch "berichtigen"

Antwort
von freakiibebe, 71

Das kann viele Gründe haben. Es kann sein das sein Charakter einfach so ist.

Es kann sein dass es ihm nicht passt im Heim zu sein. Denk mal man würde dich aus deiner gewohnten Umgebung raus reisen.

Vielleicht hat er Depressionen? 

Oder was viele alte Leute haben ist halt viel zeit. Er sucht vielleicht so Aufmerksamkeit von seiner Familie. 

Hast du ihn den mal gefragt weil manche Sachen kann nur er dir beantworten. Aber ich kenn das  jetzt von mir wen ich irgendwas habe Bruch brellung sonstiges und dieses Körper teil nicht nicht bewegen kann oder kaum bin ich auch nur am meckern weil es mich nervt damit nichts machen zu können.

Vieles fällt einem erst auf wen man es nicht mehr kann. Denn einen stresst es den anderen nicht.

Antwort
von Miss79, 40

statt einer direkten Antwort ein Märchen der Gebbrüder Grimm.
Da ich davon ausgehe, dass du klug bist, wirst du die Moral aus diesem Märchen erkennen und darin die Antwort finden:


"Es war einmal ein steinalter Mann, dem waren die Augen trüb geworden, die Ohren taub, und die Knie zitterten ihm.
Wenn er nun bei Tische saß und den Löffel kaum halten konnte, schüttete er Suppe auf das Tischtuch, und es floss ihm auch etwas wieder aus dem Mund. Sein Sohn und dessen Frau ekelten sich davor, und deswegen musste sich der alte Großvater endlich hinter den Ofen in die Ecke setzen, und sie gaben ihm sein Essen in ein irdenes Schüsselchen und noch dazu nicht einmal satt; da sah er betrübt nach dem Tisch, und die Augen wurden ihm nass.
 
Einmal auch konnten seine zitterigen Hände das Schüsselchen nicht fest halten, es fiel zur Erde und zerbrach.
Die junge Frau schalt, er sagte aber nichts und seufzte nur.

Da kauften sie ihm ein hölzernes Schüsselchen fürein paar Heller, daraus musste er nun essen.

Wie sie da so sitzen, so trägt der kleine Enkel von vier Jahren auf der Erde kleine Brettlein zusammen.
'Was machst du da?' fragte der Vater.
'Ich mache ein Tröglein,'antwortete das Kind, 'daraus sollen Vater und Mutter essen, wenn ich groß bin.'

Da sahen sich Mann und Frau eine Weile an, fingen endlich an zu weinen, holten alsofort den alten Großvater an den Tisch und ließen ihn von nun an immer mit essen, sagten auch nichts wenn er ein wenig verschüttete."


Jacob Grimm (1785-1863) und Wilhelm Grimm (1786-1859)

Wenn ihr ihn nicht bei euch aufnehmen könnt, würde sich doch in seiner gewohnten Umgebung eine 24-Stunden Pflege anbieten. Dann wäre er "zu Hause"

 

Kommentar von Miss79 ,

Korrektur: Gebrüder

Antwort
von musso, 61

Dich wird es später auch mal gewaltig stören, wenn dein Körper zunehmend Probleme macht, du nicht mehr gescheit alleine zurecht kommst, nicht mehr richtig laufen kannst. Sei doch mal ein klein wenig verständnisvolle!

Kommentar von ronnyof ,

Warum soll ich immer nur verständnis haben? Es gibt doch auch andere alte leute, die sich ganz anders benehmen. Natürlich würde man sich gerne im eigenen heim um ihn kümmern. Das ist aber heute kaum noch möglich. So weltfremd kann man doch nicht sein, dass man das nicht weiß. Es gibt nunmal gewisse umstände im leben, mit denen muss man sich abfinden. 

Kommentar von musso ,

Man merkt, dass du noch ziemlich jung bist. Und es fehlt dir eindeutig an Empathie. Du willst doch sicher auch ein Recht auf deine Persönlichkeit haben. Das wollen alte Menschen ganz genau so. Vermagst du es, dir ein Leben vorzustellen, in dem dir immer weniger selbst gelingt, das Gehen ebenso schwer fällt wie das Aufreißen einer Wurstpackung?

Antwort
von Undsonstso, 56

Was hat er denn noch, dein Opa....

Kann nicht mehr sich allein versorgen, muss deshalb ins Heim, kommt mit der Situation nicht klar....

Antwort
von earnest, 46

Auch dein Opa ist ein Mensch. Auch dein Opa hat ein Recht auf Verständnis und ein würdiges Leben im Alter. 

Dir fehlt leider jede Empathie. Ich hoffe für dich, daß sich das noch auswächst.

Falls nicht, wünsche ich dir Großkinder, die so drauf sind wie du.

Kommentar von ronnyof ,

Und bei euch merkt man, dass ihr offensichtlich keine alten leute habt, die ihr besuchen müsst. Oder ihr habt einfach eine stoische ruhe, um die ihr zu beneiden seid! 

Kommentar von earnest ,

Weder - noch. Du solltest mit solchen Unterstellungen bzw. Urteilen vorsichtiger sein. 

Ich habe (zusammen mit meinen Eltern) meinen Uropa zuhaus gepflegt, bis er mit 95 Jahren starb. Mir mußt du nichts erzählen ...

Antwort
von cyracus, 31

Andere heimbewohner sind doch auch zufrieden.

Woher weißt Du das? Hast Du jeden einzelnen der Heimbewohner gefragt? Und war das Gespräch so, dass die Personen Dir vertrauten?

Er selbst wollte partout nirgends hin.

Verständlich, er wollte nicht ins Altersheim "abgeschoben" werden.

Dann hat er einen rollstuhl verordnet bekommen, mit dem er nicht klar kam. Wieder hat meine mutter sich um einen neuen gekümmert.

Ja, so ist es: Erst kümmern sich die Eltern um die Kinder ... und später, wenn die Eltern es brauchen, kümmern sich die Kinder um die Eltern. Und das ist richtig.

Auch jetzt beschwert er sich weiter, dass er sich nicht bewegen kann.

Würdest Du gern mit ihm tauschen? also ich meine, insgesamt, auch mit all seinen Einschränkungen?

Warum hört er nicht mal endlich damit auf?

Er ist 90, er wird irgendwann damit aufhören ... hab Geduld (kleine Ironie).

Dein Opa ist unglücklich. Die einen resignieren und werden sehr, sehr still, und andere begehren auf und beschweren sich. - Wäre Dir ein sehr, sehr stiller und resignierter Opa lieber?

.

Lies mal diesen Text:

Was seht Ihr, Schwestern ...
http://www.hamburg-care.de/sites/default/files/pdf/Was%20seht%20ihr%20Schwestern...

und dann denke an Deinen Opa ...


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