Hallo zusammen,
ich möchte ja keineswegs behaupten, dass ich Vorzeigedeutsch schreibe oder gar spreche, aber ich gebe mir zumindest redlich Mühe.
Leider fällt mir auf, dass unsere Sprache zunehmend verfällt. Mal ganz davon abgesehen, dass Anglizismen überhand nehmen, geben sich m.E. immer weniger Menschen die Mühe, präzise zu formulieren und auf Rechtschreibung oder gar Interpunktion zu achten.
Warum wird diese Fähigkeit so gering geschätzt? Sehe denn nur ich es so, dass die Sprache ein gutes Mittel sein kann, seine Ziele besser und schneller zu erreichen oder auch andere Menschen zu beeinflußen - im Guten wie im Schlechten?
Mit freundlichen Grüßen
Larmid

"Geht doch auch ohne!!" - Bestes Beispiel ist GF. Da werden manchmal Fragen gestellt oder beantwortet in grausligstem Deutsch, trotzdem werden sie nicht nur verstanden, sondern - ganz sachlich - beantwortet bzw. kommentiert. "Was lernt uns das??" (ja! jetzt wollt ich auch mal schlecht deutsch reden!!) - ich kann schreiben, wie ich will - die Leute verstehen das schon...

Leider reden viele Erwachsene nicht richtig, wie sollen die Kinder da eine korrekte Aussprache lernen, sie lernen doch durch nachmachen. Solche Sendungen wie Teletabbis sollten verboten werden, Eltern die ihre Kinder vor den Fernseher setzen um ihre Ruhe zu haben sollten bestraft werden. Redakteure im Rundfunk und Fernsehen sollten verpflichtet sein, auf eine korrekte Sprache zu achten. Wenn ich im Verkehrsfunk höre .... ist ein Auto verunfallt..., da streuben sich mir die Nackenhaare. Oder wenn Tigger sagt: ich habe den Spiegel entkaputtet............. da fällt mit nichts mehr ein.
Ysobel am 1. Mai 2007 12:20 Den absoluten Hit habe ich mal wieder mit meiner Schwiegermutter erlebt (Amerikanerin). Nachdem ich ihr sagte, sie solle bitte kein blödes Spielzeug mit Batterien kaufen, das einfach nur laut ist, sagte sie ganz erschüttert: "Ja aber wie soll dann eure Tochter sprechen lernen?"
schurke am 1. Mai 2007 12:22 ich bin sprachlos
WildeFee am 1. Mai 2007 13:42 Und die Kinder der Eltern, die sich bemühen, werden in der Schule belächelt oder als Streber hingestellt, wenn sie gutes Deutsch sprechen.

Ich denke, dass gutes Deutsch bald der Vergangenheit angehören wird und wir uns so langsam an diesen Zustand gewöhnen müssen oder sollten. Die Rechtschreibreform leistet dazu ihren Beitrag. (Anm.: Früher machte ich fast keine Rechtschreibfehler, aber nach der Reform bin ich mir nur noch unsicher, wie man was schreibt...). Im Fernsehen oder Radio wird auch immer weniger Wert auf korrektes Deutsch und gute Aussprache gelegt (Moderatoren mit starken Sprachfehlern, Lispeln ...).Man passt sich der Zeit an. Aber, wenn wir Perfektionisten uns mal daran gewöhnt haben, wird es auch gehen. (Die Amerikaner machen es uns vor. ) ... Ich rede mir eben nur mal Mut zu :-)
die sprachkultur ist leider am boden. sms- und email-Nachrichten tun ihr übriges. bald werden wir uns nur noch in wortfetzen verständigen. armes deutschland!
solf1 am 1. Mai 2007 11:17 Du meinst poor Germany ! Und was ist mit den armen Schweizern und den vernachlässigten Österreichern ? übrigens auch in Norditalien ( Südtirol) und in Liechtenstein gibts deutschsprachige Minderheiten ! Have a good day.
Ist das denn wirklich so? Ich finde, dass es schon auch ein Zeichen einer guten Umgangsform ist, wenn man sich Mühe gibt "richtiges" Deutsch zu schreiben bzw. zu sprechen. Wenn jemand das nicht macht, wird er ja schon ziemlich belächelt und häufig nicht richtig ernst genommen. Wenn man einen Text mit vielen Fehlern liest, zweifelt man auch automatisch den Inhalt an, obwohl das ja gar nicht sein muss.

Vermutlich liegt es daran, dass Schriftsprache heutzutage in immer weniger Bereichen der Berufswelt und des täglichen Lebens benötigt wird.
Kommafehler wurden schon vor Jahren in Schulen nicht mehr angestrichen -- warum wohl? Selbst viele Lehrer/innen sind -- spätestens seit dem Beginn der unsäglichen letzten Rechtschreibreform -- total unsicher geworden.
Außerdem ist es mittlerweile nicht mehr erwünscht, andere für ihre Fehler in Schrift und Form zu kritisieren. Was ich für einen Fehler halte.
Am schlimmsten finde ich die Schildermacher, die jeden Mist ohne Korrekturlesen auf Neonwerbung und Autos kleben dürfen. Buäh.
viele menschen lesen zu wenig und kommen so selten mit "guter" sprache in berührung. die gesprochene sprache neigt zu saloppen formulierungen, vereinfachungen ...
ich behaupte, dass in sehr naher zukunft die sprache das entscheidende unterscheidungskriterium sein wird.

M.E. liegt das Übel auch schon im Kindergarten und in der Schule. Im Deutschunterricht kann gar nicht so viel Zeitaufwand getrieben werden wie er benötigt wird, um die Defizite auszugleichen die durch a) mangelnde Deutschkenntnisse ausländischer Schüler (und der deutschen, die im Kindergarten auch nicht mehr reines korrektes Deutsch hören können), b) übervolle Lehrpläne, die den Kindern von allem ein bischen beibringt anstatt 'alles' von den Grundkenntnissen Deutsch und Rechnen und andere Dinge ersteinmal ausklammert, bis die Grundkenntnisse sitzen hervorgerufen werden. Und wehe, ein Lehrer/eine Lehrerin wertet Arbeiten wegen Rechtschreibfehlern ab, dann kommen die Eltern und machen Stunk: "Mein Kind hat doch alles hervorragend gewusst - die Rechtschreibung und die Formulierungen kann man doch nachvollziehen!" (Alles schon mitbekommen)
Schülerfazit: Wiso korrektes Deutsch, werde doch trotzdem verstanden.
Um wieder auf die Ausgangsfrage zurückzukommen: Zum einen leben wir in einem Zeitalter, in dem mehr Menschen an die Öffentlichkeit gelassen werden und ein Forum finden können. Man sehe sich nur die diversen Reality-Formate an (auch Talkshows), in denen doch eine bestimmte Bildungsschicht gehäuft auftritt, die es früher nicht ins Fernsehen geschafft hätte. (Ich setze hier natürlich voraus, dass Fernsehen bereits das Lesen als Freizeitbeschäftigung Nummer eins abgelöst hat.)
Zum zweiten beobachten wir nichts anderes als einen (ziemlich starken) Sprachwandel. Sprache hat sich von Anfang an immer verändert. Eine zeitlang wurden neue Wörter oft aus dem Französischen oder Latein entlehnt, heute, im Zeitalter der Globalisierung, ist es das Englische. Die nächste Generation wird damit aufwachsen, dass man "die Uschi ihre Tochter" sagt und wird dabei nicht komisches mehr finden. Und dann steht es im Duden. Die Aussage "Das macht Sinn." ist ja genauso falsch und heute schon weitestgehend akzeptiert. Ich denke, die wird es schon in die nächste Duden-Ausgabe schaffen.
Die Presse macht es ja vor,nicht nur die Regenbogenpresse,nein auch seriöse Tageszeitungen.Sätze werdennicht richtig geschrieben und nur bruchstückartig wiedergegeben.(Merkel trifft Bush,Wetter wird schlechter)Viele Junge Menschen denken hauptsache man versteht es,Du wollen Kaffee,klar und verständlich,aber eben falsch

Die Beherrschung der Hochsprache ist ein Zeichen von Kompetenz. Daher hat nachbrenner Recht, mit der Erweiterung, dass es heute schon so ist. Ich denke auch, dass durch das vermeiden von Lesen, der Wortschatz und die Beherrschung der Grammatik vor die Hunde geht. Ich empfehle die Lektüre des Buches von Adolph Freiherrr Knigge "Über den Umgang mit Menschen" - das war noch Deutsch... wenn auch ein Bisschen altmodisch.
Weiterhin habe ich keinerlei Verständnis für so genannte Journalisten, die offenbar des Deutschen nicht mehr mächtig sind. Die Sprache ist deren Handwerkszeug - also sollten sie die auch beherrschen. Wenn ein Handwerker sein Werkzeug nicht beherrscht, produziert er Murks und ist bald aus dem Geschäft. Diese "Journalisten" produzieren ebenfalls Murks - aber bleiben im Geschäft.
Da kann man nur staunen...
Shag d'Albran

Ehrlich gesagt habe ich ein wenig Schwierigkeiten mit der Rechtschreibreform. Ich hänge an der alten Schreibweise und manchmal kräuseln sich mir immer noch die Fußnägel, wenn ich sehe, wie nach der NDR getrennt wird oder bestimmte Dinge geschrieben werden. Von daher habe ich das selbst ein Manko - ich schreibe wohl inzwischen selbst ein Mischmasch aus "alt" und "neu".
Möglicherweise liegt da auch ein wenig der Hund begraben - oder es mag ein Aspekt sein. Kinder lernen es in der Schule anders als von den Eltern und kommen durcheinander.
Wie auch immer, ich gebe Dir recht und finde es auch grausig, aber ich bin mir nicht sicher, was die Ursache betrifft. Wenig lesen wurde genannt - aber es gab doch auch früher (vor 20 Jahren, vor 50 Jahren...) Menschen, die wenig gelesen haben. Das ist doch nichts Neues?!
krubi am 1. Mai 2007 17:15 Ich glaube schon, dass "früher" mehr gelesen wurde als heute! Sieh dir doch den Zeitvertreib so vieler Menschen an. Viele haben weder Interesse noch Geduld, ein (gutes) Buch zu lesen. Zufällig hörte ich vorgestern im Radio wie eine 24(!)-Jährige auf Nachfrage frisch und unverblümt sagte, sie habe noch nie im Leben ein Buch gelesen. Sie hat zwar ihr Abi gemacht, aber Bücher würden sie überhaupt nicht interessieren. Gefragt, was sie in ihrer Freizeit so mache, gab sie an, sie käme gegen 20 oder 21 nach Hause, telefoniere dann noch 1 Stunde und ginge dann ins Bett.
Was soll man dazu noch sagen?
WildeFee am 3. Mai 2007 08:08 Das Mädel muss darum aber nicht dumm sein, und wie ihre Rechtschreibung ist, kann ich nicht beurteilen. :) In dem Alter habe ich auch nicht viel gelesen, allerdings hatte ich da schon viele Bücher intus.
Diesen Satz "Ich habe noch nie ein Buch gelesen" habe ich vor 20 Jahren schon gehört. Aber es mag ja sein, dass man das heute häufiger hört.

Ich denke auch daß es auf das fehlende Interesse am Lesen zurückzuführen ist. Man muß ja nur mal in einem großen Auktionshaus sich ein paar Artikel anschauen, oder (vor allem) in den Autobörsen im Internet. Da graust es der Sau im Urwald. Ich persönlich bin dann eher abgeneigt, bei solchen Leuten zu kaufen. Zur Seriösität einer Firma gehört nunmal auch dazu, sich rechtschreibfehlerfrei und deutsch ausdrücken zu können. Das Schlimmste daran ist, daß von denen 50 % aber Deutsch als Muttersprache sprechen. Und soviel Legastheniker können wir gar nicht haben (die wären ja entschuldigt). Übrigens schreibe ich eigentlich aus Sturheit noch nach der alten Rechtschreibung. Was aber hauptsächlich an zwei Sachen liegt: - die neu geschriebenen Worte schauen einfach bescheuert aus - Wir haben diese Rechtschreibung doch auch gelernt. Muß man den jungen Bälgern denn alles so viel leichter machen?

Weil sie es nicht besser wissen,
weil es ihnen egal ist,
weil die Angesprochen sich bemühen, sie trotzdem zu verstehen,
weil auch in der Schule sprachliche Fehler meist nicht mehr korrigiert werden,
weil in den Medien meist ein sehr "schlichtes" oder falsches Deutsch gesprochen und geschrieben wird.

Ich denke der deutsche Sprachverfall begründet sich darin, dass viele Menschen neben ihrer Arbeit noch viel nebenbei schreiben und dabei dann eben schnell, schnell machen. Viele haben nicht mehr die Geduld,genau und präzise zu schreiben. Es dauert natürlich länger, wenn man an seinen Sätzen feilt und genau jenes schreibt was man auch meint. Auch in der Schule wird nicht mehr auf die Basisfähigkeiten wie Schreiben und Rechnen Wert gelegt. Auch die neue Rechtschreibung, die nicht von der Mehrheit der Bevölkerung mitgetragen wird,weil nicht von ihr als Volksentscheid bestimmt, hat einige Menschen verunsichert (auch mich) wie man richtig schreibt. Es gibt als viele Beweggründe und Unstimmigkeiten, warum es mit der richtigen Ausdrucksweise hapert. Vielleicht gibt uns das Anlass weiter darüber zu diskutieren? grüße robinia