Frage von AnnaTaliesin, 31

Warum lassen sich Landwirte von Supermarkt - Ketten ihre Preise diktieren?

Sie könnten sich doch in Kooperativen zusammen schließen und eigene Geschäfte eröffnen.
So können sie ihre Waren wieder hochwertiger produzieren und vernünftig dafür bezahlt werden.

Warum verkaufen sie Ihre Waren nicht ab Hof? Wie das manche Milchhöfe sogar machen... Dort kann man sich Milch abfüllen lassen. Aber Käse und Buter usw. bekommt man dort eben nicht....das geht doch mit Kartoffeln und Eiern auch schon...

Wieso dann nicht mit anderen Lebensmitteln?

Antwort
von Traveller24, 15

Dass geht mit kleinen Mengen auf dem Lande ganz gut, aber so grosse Mengen bekommt man dort nicht weg. Zudem hat sich das EInkaufsverhalten der Menschen geändert. Man wird kaum jemanden dazu bekommen, zehn Höfe abzuklappern um sich zehn verschiedene Dinge zu kaufen und anschliessend noch in den Supermarkt zu fahren, um sich die restlichen Dinge des Lebens zu kaufen, die man so braucht. Dann ist da noch die Entfernung zwischen Kunde und Erzeuger. Die Hälfte der Menschen in D lebt heutztage in Grosstädten. Ich kann hier in Niedersachsen zur Genossenschhaft fahren um mir einen Sack Kartoffeln zu kaufen. In Berlin oder Duisburg geht das nicht.

Zumal hinter allem immer der Wille des Verbrauchers steht. Wenn der billige Lebensmittel von Aldi oder Lildl will, dann hilft das gar nichts, neben jeden Aldi eine Bauernkooperative zu stellen, solange der nicht günstiger ist.

Kommentar von AnnaTaliesin ,

Das stimmt absolut. Zumal tevau auch sehr anschaulich noch das Überangebot mit einbezog. In Berlin (hab ich von Freunden aus Berlin gehört)  gibt es allerdings mittlerweile viele Wochenmarktstände, mit regionalen Produkten.

Antwort
von tevau, 30

1) Landwirte SIND bereits meistens in Kooperativen zusammengeschlossen. Zum Beispiel in Meiereien, die die Milch verarbeiten.

2) Wenn die Nachfrage nach höherwertig produzierter Milch und die Bereitschaft, dafür auch mehr zu bezahlen, nicht da ist, wird der Bauer auch nicht so produzieren. Er produziert das, was er gut absetzen kann, so kostengünstig wie möglich. Das muss er, weil er sich im Markt sonst nicht behaupten kann und untergeht.

3) Dass der Milchpreis momentan unter den Produktionskosten liegt, liegt einfach daran, dass die Bauern zuviel Milch produzieren. Wenn sie die dann loswerden wollen, müssen sie eben bereit sein, den Preis zu senken. In jeder anderen Branche würde keiner danach krähen, wenn eine Überproduktion dafür sorgt, dass die Produzenten ihre Ware nicht loswerden oder verramschen müssen.

4) Der Hofverkauf kann nur für sehr wenige Bauern ein Vertriebsweg sein. Die meisten Konsumenten kaufen lieber ganz praktisch im Supermarkt für weniger Geld, als wenn sie erst zu einem Hof fahren müssten, um dann auch noch mehr zu bezahlen. Dazu gehört schon viel Idealismus, Zeit und Geld.

5) Kaum ein Bauer buttert noch selber oder stellt Käse selber her. Das würde sich für ihn überhaupt nicht lohnen (außer er kann ein paar Nostalgiker davon überzeugen, dass handgemachte Butter irgendwie besser schmeckt oder höherwertig ist als industriell hergestellte). Spezialbetriebe (z.B. die Meiereien) können in viel größerem Maßstab billiger produzieren. 

Kommentar von AnnaTaliesin ,

Das ist eine brauchbare Antwort... mit der man auch was anfangen kann!

Antwort
von scheggomat, 22

Sowas gibt es doch!
Genossenschaften wie die Raiffeisen oder Genossenschaftliche Molkereien wie z.B. die ganze Uelzena.

Funktioniert trotzdem nicht, wegen dem massiven Überangebot an Waren.

Kommentar von AnnaTaliesin ,

Ich hab ernsthaft das Überangebot vergessen...trotzdem wird viel Gemüse und Obst in den Raiffeisen Ketten gekauft... nur halt die erwähnten Lebensmittel nicht. Es muss ja nicht gleich Bio sein...aber Produkte vom Landwird des Vertrauens vermehrt zu bekommen, wäre zweifellos besser. WO bekommt man denn Uelzena - Produkte? Sagt mir leider nichts...

Kommentar von scheggomat ,

Ich kenne von denen nur Butaris, wenn ich ehrlich bin. Die machen viel für Bäckereien und die Industrie, sowie diese Grundstoffe für Kaffeeautomatenpulver. Nur wusste ich halt, dass es sich bei den Betrieben um eine Genossenschaft der Landwirte handelt.

Antwort
von hauseltr, 31

Dann verkauf mal 1000 Tonnen Kartoffeln, Getreide oder Zuckerrüben über den Hofladen. Viel Spaß dabei!

Die Pfennige (Cents) die über den Hofladen reinkommen, machen den Kohl auch nicht fett! Das ist nur ein minimaler Zuverdienst.

Anderseits gibt es auch Bauern, die ihren eigenen Käse herstellen und vermarkten, aber das ist die absolute Ausnahme!

Zur MIlch:

http://www.welt.de/gesundheit/article13014297/Warum-Sie-unbehandelte-Milch-nicht...

Kommentar von AnnaTaliesin ,

Richtig... ein einzelner Hofladen wird damit zweifellos Schwierigkeiten haben.  DESWEGEN steht da ja auch die Mehrzahl.

Eine Kooperative mit Geschäften!

Kommentar von tevau ,

Das Problem ist nicht der Vertriebsweg, sondern das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage. Warum sollten die Leute plötzlich mehr Milch trinken, wenn sie in Bauernläden verkauft wird statt in Supermärkten? Es wird einfach zuviel Milch produziert!

Antwort
von bartman76, 12

Es gibt ja Hofläden. Aber warst du schon mal da und hast was gekauft? Siehste, die meisten anderen auch nicht.

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