Warum lassen nur die Großkirchen ihre Steuern vom Staat eintreiben?

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9 Antworten

Adventisten und Zeugen Jehovas würden gegen ihre eigene Lehre verstoßen wenn sie eine weltliche Institution für ihre Zwecke nutzen würden. Wenn Du in die Suchmaske eingibst

Gebt dem Staat Was des Staates, Gott Was Gottes ist

wirst Du reichlich Informationen zu diesem Bibelzitat finden. Diese Worte sind überliefert zur Beschwerde dass ein Jude Steuern für die Besatzungsmacht eintreibt, also die Römer. Die staatliche Steuer wird von Jesus, g.s.S.N., anerkannt, eine Steuer für Glauben abgelehnt. 

Adventisten und Zeugen Jehovas sind also als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt. Das ist eine formale Sache die ihnen erlaubt ihren Glauben ungestört in diesem Staat leben zu dürfen. Mehr wollen sie nicht als einfach so wie sie sind akzeptiert werden. Alle anderen Themen regeln sie selbst. 

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Warum lassen nur die Großkirchen ihre Steuern vom Staat eintreiben, und nicht auch kleine Kirchen wie zum Beispiel Adventisten und Zeugen Jehovas?

Das ist eine Optionsentscheidung der jeweiligen Kirche. Viele kleinere Kirchen gehen den Weg der direkten Erhebung, weil der Staat diese Aufgabe zwar nach Option durchaus übernimmt, sich das jedoch verhältnismäßig fürstlich entlohnen lässt. WIMRE behält das FA von den eingezogenen Summen rd. 2% als Gebühr ein.

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Zunächst ist es sicher abhängig vom rechtlichen Status, d.h. ob es sich bei der Religionsgemeinschaft um eine Körperschaft des Öffentlichen Rechts handelt. Z.B. habe ich für die Freikirche der Sieben-Tags-Adventisten keine verlässlichen Informationen bzw. Hinweise darauf gefunden. Die von dir angegebene Website behauptet das zwar, aber ohne Quellenangabe. Jedenfalls wäre das die rechtlich formale Voraussetzung.

Ein weiterer Grund ist sicher die Anzahl der Mitglieder. Während dieser sich bei den Großkirchen im zweistelligen Millionenbereich bewegt, liegt die Anzahl der Mitglieder bei den Adventisten in Deutschland für das jahr 2014 bei gerade mal 34.811 in 559 Gemeinden (lt. Statistik in wikipedia). Da dürften die Kosten für den Einzug der Kirchensteuer für die Gemeinschaft der Adventisten einfach zu hoch sein und in keinem vertretbaren Verhältnis zu den Vor- und Nachteilen eines Kirchensteuereinzugs stehen. Will heißen, es ist "lukrativer" (bitte nicht falsch verstehen) sich über "unsichere" freiwillige Spenden zu finanzieren, als über sichere Einkünfte über die Kirchensteuer. Im Falle des Kirchensteuereinzugs hätten diese Gemeinden mittelfristig ähnliche Probleme wie die Großkirchen, aber auch die Vorteile würden mittelfristig zum Tragen kommen. Ein Pfarrer in der katholischen Kirche muss nicht mit seiner "Kündigung" rechnen (oder: Nichtverlängerung seiner Anstellung), wenn sein Engagement oder seine Predigten der sozial tragenden Kerngemeinde auf Dauer nicht gefällt; d.h. er ist von der Meinung oder Orientierung seiner Gemeinde keinesfalls abhängig. Auch wenn ein freikirchlicher Pastor nicht gleich gehen muss, aber diese theologische (und manchmal ideologische) Unabhängigkeit wie bei den kath. Amtsbrüdern hat er nicht.

Ein weiterer Grund könnte sein, dass einige Freikirchen die Vor- und Nachteile eines Kirchensteuersystems für die Gemeinden vor Ort anders als die Großkirchen bewerten.

Die Selbstständigkeit der Freikirchen (wirtschaftlich wie theologisch und geistlich) erschwert grundsätzlich so etwas wie eine einheitliche Finanzierung über die Kirchensteuer. Bei den Katholiken ist das klar: In kontroversen Meinungen ist am Ende doch Rom entscheidend. Das kann man jetzt gut finden oder auch nicht, aber es macht so Systeme wie den Kirchensteuereinzug erheblich einfacher.

Ich glaube, die allermeisten Arbeitgeber interessiert es nicht, welcher Religionsgemeinschaft oder welcher Sekte man angehört. In den meisten Fällen dürfte bestenfalls die Sachbearbeiter/in für die Lohnabrechnung Bescheid wissen. Und wenn, dann kann man das klarstellen und gut ist es. Sicher gibt es Ausnahmen. Aber es sind halt Ausnahmen. Ich kenne nur aus der ferneren Vergangenheit eine konkrete Diskriminierung eines Freundes wegen seiner Zugehörigkeit zur katholischen Kirche.

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Gute Frage! Es sind sicher viele Punkte die zusammen kommen.

Diskriminierung verhindern ist ziemlich augenfällig, allerdings auch wieder nicht. Denn gerade die Zeugen missionieren offen, nehmen sich nach meiner Erfahrung aus verschiedenen Gemeinschaftsaktionen aus und sind auch dort bereit sich zu outen.

Vielleicht geht es auch um Angst vor staatlicher Kontrolle. Kirchen machen ja ihre Haushalte nicht öffentlich. Da könnte bei den genannten eine größere Skepsis vorhanden sein. Ich denke da auch an die staatliche Verfolgung der Nazis. Wo dann die Angst vor Diskriminierung ein anderes Maß annehmen würde, als wir es so allgemein annehmen.

Dazu kommt die Bereitschaft in diesen Gemeinden vielleicht auch viel mehr zu spenden. Oder die Befürchtung von Austritten.

Unter dem Strich müsste man bestimmt die Gremien der Gemeinschaften wohl wirklich befragen. Ich würde mich auch über Begründungen nicht wundern, nach denen kein Apostel als Schatzmeister eingesetzt war und damit Jesus, noch die urchristlichen Gemeinden so einen Beitrag kannten.

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Kommentar von wolfruprecht
17.11.2015, 11:18

Kirchen machen ja ihre Haushalte nicht öffentlich.

Das stimmt nicht. In jeder katholischen Gemeinde liegt jedes Jahr für eine festgelegte und veröffentlichte Zeit die Jahresrechnung zur Einsicht für jeden auf. Die Jahresrechnung der Bistümer wird auch immer veröffentlicht. Dass die Vermögensverhältnisse bisher nicht veröffentlich wurden bzw. werden, lag weniger daran, dass die Kirche das nicht wollte, sondern es bisher und wahrscheinlich auch künftig nicht möglich war, diese exakt zu erfassen. Die Rechtsverhältnisse für die einzelnen Bereiche ist machmal sehr verschieden und kompliziert (Stichwort: Stiftungsrecht). So weit sind das zumindest meine Informationen.

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Weil es in den “Großkirchen” noch immer keine wirklich vollkommene Trennung zwischen Kirche und Staat gibt, ganz im Gegensatz zu den sogenannten kleineren Kirchen, die sich unabhängig von jeglicher staatlichen Einrichtung selbst finanzieren!

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Kommentar von Hefti15
16.11.2015, 23:44

Ich glaube sie haben nicht verstanden um was es geht, wenn von "Trennung von Kirche und Staat" die Rede ist. Weil so wie sie es hier anführen, macht es keinen Sinn.

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Weil in der Bibel nirgends steht, dass Gemeindeglieder Steuern zu zahlen haben. 

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Kommentar von Hefti15
17.11.2015, 00:15

Mal abgesehen davon, dass es in der Bibel sehr wohl den Zehnten gibt, ist das doch ein ziemlich komischer Ansatz.

Die Kirche ist ja kein Firma die jemanden gehört. Die Kirche ist die Summe ihrer Mitglieder. In Deutschland gibt es die Regelung mit der Kirchensteuern. Jederzeit könnte dies abgeschafft werden. Würden genug Kirchenmitglieder diesen Wunsch haben, könnte dies jederzeit abgeschafft werden.

Nur ist es so, dass das nicht gewollt ist. Ist auch besser so, denn wenn man mal sieht, was da an Kirchensteuern gezahlt wird und was die gleichen Leute noch Spenden, dann möchte wohl niemand die "Nicht"-Kirchenmitglieder als Vorbild. Die lästern zwar gerne über die Kirche und das man nicht wegen dem Geld ausgetreten ist oder drinnen ist, wenn man aber mal nach einer Spendenquittung fragt, ist es meist totenstill (Ich korrigiere, das zählt nur für die Realität, im Internet werden da i.d.R. dann Märchen erzählt).

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Kommentar von Waldfrosch4
17.11.2015, 18:02

Das ist reine Polemik und blendet gekonnt ,die historischen Ursachen der Kirchensteuer aus welche es zudem auch in der R.K.Kirche nur in den wenigsten Ländern gibt .

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Weil es jede Menge Arbeit spart. Früher war es die sog. Ortskirchensteuer, die von den örtlichen Kirchenmitgliedern eingesammelt wurden. Der Steuereinzug über die Finanzämter ist mit weniger Verwaltungsaufwand verbunden und wahrt das Steuergeheimnis (Wer wieviel Kirchensteuer zahlt, weiß der Pastor nicht!).

Staat und Kirchen sind getrennt! Für die Dienstleistung Steuereinzug erhalten die Finanzämter jährlich mehrere Millionen Euro.

Auch einige Freikirchen nutzen dieses System. Gerade kleine Kirchen stemmen diese Arbeit selbst, weil es qua ihrer Größe verwaltungsmäßig noch leistbar ist.

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Weil nur die Großkirchen mit ihrer Einflussmacht in "weiser Voraussicht" einst einen Staatsvertrag schließen und im Grundgesetz erneuern konnten, damit der Staat für sie die "Spenden" der Mitglieder automatisch mit der Einkommenssteuer einzieht.

Nichts gegen eine rationelle Methode Spenden erfassen, aber wenn sie in ihrer Höhe und Zahlungsdauer gesetzlich festgeschrieben sind, dann sind es keine freiwilligen Spenden mehr, sondern wie die Bezeichnung "Kirchensteuer" schon beinhaltet, regelrechte Steuern. Das aber ist meiner Meinung nach vom Prinzip her nicht im Sinne der christlichen Botschaft der Bibel.

Freikirchen dagegen setzen, ganz im Sinne der Bibel, allein auf "freiwillige" Spenden ihrer Mitglieder. Wobei es auch dort gelegentlich subtile Methoden gibt, die Spendenbereitschaft der Mitglieder etwas zu fördern.

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Kommentar von Hefti15
17.11.2015, 00:28

Kann doch jeder halten wie er möchte. Millionen von Anhängern in den "großen" Kirchen zahlen ihre Kirchensteuer und haben damit kein Problem.

Ihre Meinung nach dem Prinzip des Sinnes der christlichen Botschaft der Bibel in ehren. Nur scheint dies Millionen vollkommen egal zu sein. Und ich will sie gar nicht erst fragen, wie lange sie denn Theologie studiert haben. Denn ein System zu kritisieren, dass tausende Theologen über Jahrzehnte im Einklang mit der christlichen Botschaft halten, mit z.B. keine Hintergrundwissen, wäre ja sehr blamabel.

So erklärt sich auch ihre Aussage mit dem "ganz im Sinn der Bibel und den Freikirchen". Haben sie da nicht vergessen zu schreiben, dass dies auch nur ihr private Ansicht ist, die im Grunde auf keine Hintergrundwissen basiert?

Das hat jetzt nichts mit dem Thema zu tun. Nur erlebt man das im Internet oft, dass Leute gerne übers Steuersystem erziehen, es besser als Steuerberater bzw. Finanzbeamte wissen wollen, Ärzten erklären wollen, wie man am besten eine Krankheit behandelt... und tatsächlich über das Fachwissen des typischen Stammtisches verfügen.

PS: Zum Thema Freikirchen geben ich ihnen mal einen kleinen Denkansatz: Kann es nicht sein, dass die eben keine Kirchensteuer einführen, weil denen sonst die Anhänger weglaufen. Stichwort "Geiz ist geil". Kirche für "umsonst".
Und noch was zum nachdenken: Die Kirchensteuer garantiert der Kirche ja gerade eine gewissen Unabhängigkeit. Ich will es ihnen mal an einem Beispiel erklären: Ein Spendenaufruf für hungernde Kinder... das geht immer. Aber es geht ja nicht um die Wohlfühlspenden. Wie glauben sie, würde die Spendenbereitschaft für die Seelsorge von Vergewaltigern in Gefängnissen aussehen? Liegt darin nicht gerade der Vorteil der Kirchensteuer? Es kommt Geld zusammen, um Menschen zu helfen, die überhaupt keine Lobby haben?!?

 

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Naja.. Staat und Kirche.. Sind ja "eigentlich" getrennt. Aber gerade die Historie Deutschlands zeigt ja mit "Christlich Demokratischen Unionen" und "Christlich Sozialen Unionen" klar auf, wohin es geht und das hat ja jetzt nicht unbedingt damit zu tun, dass diese Parteien und deren Mitglieder tatsächlich christliche Werte leben. Früher hatten die Kirchen durchaus auch "negativen" Einfluss auf das Volk und "allem voran" der Vatikanstaat muss ja irgendwie "gefördert" werden, der ist ja an sich "unproduktiv" .. ( Mit anderen Worten: Der Pfarrer hätte ja auch predigen können, dass SPD zu wählen ist.. Das Volk wäre dem gefolgt ;-) ) Das läuft nun mal über die Kirchensteuern und die abgezweigten Einnahmen der caritativen Organisationen. Ein "Kuhhandel" also mit diesen Grosskirchen zur Versorgung. Das geht alles auch in Richtung "seltsame Zwangsreligionen" wenn man sich ansieht, wie schwer es ist, aus diesen Läden wieder rauszutreten. Die Freikirchen sind tatsächlich inhaltlich christlich motiviert und das ist eine andere Hausnummer. In Österreich beispielsweise gibts das nicht so. Da wäre das WENN selbst zu überweisen und die Praxis zeigt auch.. < Ich war in einer Bank hier tätig > das ... Ich sag mal weit - aber sehr weit - unter 10% der Kunden da tatsächlich irgendwas an diese "Firmen" überweisen.

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Kommentar von Vienna1000
16.11.2015, 08:39

Anzumerken wären noch die Aussagen "der Grosskirchen" zu den aktuellen Situationen, die keinesfalls irgendwas mit "Christentum" oder christlichen Ansichten zu tun haben. Da gehts einfach nur darum, dass das Sozialssystem ausgedünnt ist, viele "caritative Projekte" aufgegeben wurden, neue nicht genehmigt werden.. Durch das "Billiglohnland" auch Kirchensteuern nicht mehr sprudeln wie früher, andererseits die Grosskirchen ja so gar nicht einsehen, irgendwie etwas bei sich selbst zu sparen.. Von daher soll ohne Mass und Ziel durch die schlimme Flüchtlingssituation nun ein entsprechendes Geschäft generiert werden. Zielfolge ist nicht nur eine temp. "Hilfe", sondern auch, dass hier ein Dauermarkt entsteht, der preislich "immer weiter nach oben" geht. < WIR HELFEN! Wer zahlt am meisten? >

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Kommentar von Hefti15
16.11.2015, 23:55

Netter Kommentar, typischer Mensch der mit der Kirche ein Problem hat, nur von der Realität wenig Ahnung.

Was für eine absurde Verschwörungstheorie mit dem "Kuhhandel".

Absurd insbesondere die Behauptung " wenn man sich ansieht, wie schwer es ist, aus diesen Läden wieder rauszutreten". Also, ich würde mal behaupten, selbst jemand mit Sonderschulabschluss wird es schaffen. Erklären sie mir mal, nachdem sie sich damit beschäftigt haben, woran sie denn da glauben scheitern zu müssen?

Witzig auch diese sinnfreien und ohne ein jedes Argument zu liefernde Aussagen "Die Freikirchen sind tatsächlich inhaltlich christlich motiviert und das ist eine andere Hausnummer". Behaupten kann man ja immer was.

Ach und jetzt habe ich es verstanden. Sie sind Österreicher, ein Arbeitsloser Banker... und wollen jetzt hier nun über die Kirche in Deutschland lästern.

Interessant. Informieren sie sich mal ein wenig. Nutzen sie mal google. Einfach mal nachschauen, wer so zu den großen Arbeitgebern gehört. Ach die Kirchen haben ca. 1,3 Mio. Arbeitsplätze. Oh, wie böse sind die denn. Oh, die schütten ihre Gewinne nicht aus, wie ein "normales" Unternehmen.. oh wie böse. Oh, die betreiben Altersheime, Krankenhäuser, Kindergärten... Da kann man ja nur den Kopf schütteln.

Aber Experten wie sie einer sind, der kennt ja die Verschwörung die dahinter steckt...

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