Warum konnten sich Lehrer früher besser gegenüber ihren Schülern durchsetzen? Was müsste eurer Meinung nach geschehen, damit Lehrer wieder die Oberhand gewinnen?

Das ist eine sehr heikle Frage. M.E. brauchen die Lehrer wieder mehr Rechte. Ich höre sehr viel zu dieser Problematik, weil ich tagtäglich in verschiedenen Schulen und Kindergärten zu tun habe. Sehr viele Entscheidungen, die Lehrer treffen, werden von den Eltern nicht respektiert, sondern gleich in Frage gestellt und negativiert. Kinder lernen somit, dass sie nicht primär erst einmal folgen sollen - sondern sie stellen alle Entscheidungen der Lehrer auch in Frage, weil sie das von den Eltern so "mitbekommen". Beispiele? 1.) Eine Lehrerin wurde von einem wütenden 2 Klässler mit seiner Bastelschere (zum Glück stumpf) angegriffen. Die Lehrerin nimmt dem Kind die Schere weg und bestellt die Eltern. Der Vater kommt und macht als erstes den Vorwurf, dass sie dem Kind nicht die Schere wegnehmen durfte....... 2. Eine Lehrerin gibt berechtigterweise eine kleine Strafarbeit auf - ein Schüler sagt gleich: "Die muss ich nicht machen!" "Wieso?" "Mein Vater ist Rechtsanwalt...." Und der hat sie tatsächlich nicht gemacht. Und gibt eine Lehrer die Empfehlung, das der Schüler "nur" für die Realschule Kapazitäten hat - Nein, die Eltern bestehen auf den Gymnasiumsbesuch...
Dann müssen die Lehrer immer mehr ausgleichen, was im Elternhaus NICHT an Erziehung zur Menschlichkeit geleistet wird, Kinder KÖNNEN heute einfach viel schwerer zuhören - und wenn sie von zuhause diese Gabe nicht mitgeteilt bekommen, haben es Lehrer doppelt schwer: Das fängt schon an, wenn die Lehrerin nach beendeter Theatervorstellung Ihren Schülern sagt: Klasse A bleibt sitzen bis Klasse B raus ist - die Hälfte der angesprochenen Klasse rennt mit raus, wenn sie nicht gehindert wird....
Und ein sehr grosses Problem ist eben auch, dass Grundschüler zum Grossteil nur von Lehrerinnen unterrichtet werden, an Schulen mit mehr Lehrern und/oder einem Mann als Schulleiter ist unserer Erfahrung nach ein strafferes, disziplinierteres Lernklima. (Es gibt aber auch einige tolle Schulleiterrinnen die Ihre Schule im Griff haben) Und gerade Jungen einer bestimmten Bevölkerungsgruppe mit Migrantenhintergrund haben vor Männern/Lehrern mehr Respekt und nehmen mehr von ihnen an.
Kurz gesagt, das, was Lehrer bis ca zu den 70ern zuviel an Rechten hatten (und leider oft auch missbrauchten) haben sie heute zuwenig. Und der lehrerberuf wird von den Eltern leider auch weniger anerkannt als in den Jahren, in denen sich die lehrer besser durchsetzen konnten: Da haben lehrer und Eltern zusammengearbeitet - heute arbeiten Eltern leider schon eher öfter gegen die Lehrer.

Die Lehrer sind mit den Kindern überfordert, die Lehrer sind mit den Eltern überfordert, die Lehrer sind mit sich überfordert.
Die Lehrer unterliegen einem System, gegen das sie nicht ankämpfen können.
krauthexe am 17. Februar 2008 23:28 Sehr gute Antwort!
DH
Es braucht auf beiden Seiten Eltern wie Lehrer eine gute Zusammenarbeit die Eltern müssen schon von klein auf den Kindern Achtung und Respecktvolles Umgehen miteineander Beibringen und vor allem Vorleben, Dann haben auch die Lehrer bessere Voraussetzungen und können an diese Erziehung anknüpfen und müssen nicht erst Basisarbeit leisten welche oft dann nicht mehr fruchtet.Ein Wir wäre sinnvoll und nich so wie es jetzt oft ist ein jeder gegen jeden
"Die Lehrer sind mit den Kindern überfordert", - dann habe sie den faschen Job! "die Lehrer sind mit den Eltern überfordert", weil die oft träger sind als die Schüler "die Lehrer sind mit sich überfordert". - das wäre ziemlich arm "Die Lehrer unterliegen einem System, gegen das sie nicht ankämpfen können." Stimmt absolut - deswegen brauchen wir die Hilfe der Eltern und Schüler - aber die haben Angst vor schlechten Noten...........

Wenn es kaum noch Regeln und Disziplin in den Familien gibt, wo sollen die in der Schule auf einmal herkommen. Lehrer und Eltern müssten viel mehr zusammenarbeiten.

Die Kinder lernen heute größtenteils gar nicht mehr, auf ihre Eltern zu hören, das käme ja heutzutage schon einer Unterdrückung gleich. Also tanzen sie ihren Eltern auf der Nase herum. Wie sollten sie es dann schaffen, auf den Lehrer zu hören!
Das Problem ist größer. Schulen und Eltern fehlt häufig das Geld, wesentliche Dinge zur Verfügung zu stellen ( PC, Taschenrechner, Essen, u.s.w.)Lehrer schieben die Verantwortung auf die Eltern, Eltern auf die Lehrer. Verantwortlich ist aber der Staat, der immer mehr die Mittel kürzt(Lehrmittelfreiheit). Es wird Zeit, das Eltern und Lehrer sich dieser Tatsache bewußt werden und an einem Strang ziehen. Denn nur wenn jedes Kind auch wirklich sein Lernmaterial und genügend Essen hat, wird Unterricht wieder möglich.

Das liegt daran, dass der Lehrer keine Respektsperson mehr ist. Respekt kann man aber nicht lernen, sondern so etwas muß einem im Elternhaus beigebracht werden. Da die meisten Eltern aber heutzutage mit der Erziehung ihrer Sprößlinge überfordert sind, ist das also zum Scheitern verurteilt. Wie @Fitnessmann richtig andeutete, müssen sich die Rahmenbedingungen ändern. Da aber mit solchen Dingen sogar versucht wird, Wahlkämpfe zu gewinnen, wird ausser den üblichen Sonntagsreden nichts dabei raus kommen. Das Römische Reich ist an seiner Dekadenz untergegangen, und unserem Staat wird's eines Tages genauso gehen. Da meistens nix gutes hinterher kommt, wird's wahrscheinlich dann noch schlimmer werden.
Luise am 18. Februar 2008 20:27 Genau. DH.

Sowohl die Eltern als auch die Kinder haben keinen Respekt mehr vor den Lehrern. Daran muss gearbeitet werden. Wenn die Eltern vor ihren Kindern über die Lehrer schimpfen, woher soll irgendein Respekt denn kommen?
Unsere Lehrer sind ausgezeichnete Pädagogen, mit allen Problemen, die man mit so einer Rasselbande haben kann. Das sollte man respektieren und von Kindern immer Respekt ggü. Erwachsenen einfordern.
Der Spagat dabei ist bloß zwischen Respekt und der Kritikfähigkeit, die unsere Jugend heute lernen muss. Beides muss ausgewogen sein, dann werden es gute, kritische und respektvolle Erwachsene, die wir hoffentlich auch alle sind.
Die Kinder müssten von ihren Eltern gelernt haben, auf Erziehungspersonen zu hören.

Weil früher ein Lehrer/In eine Respektsperson war. Der zweiten Frage enthalte ich mich.
Da stimme ich Dir zu. Ein System funktioniert nur, wenn optimale Rahmenbedingungen gegeben sind.
Sehr gut, was v. Högemann da schreibt.
Ich sehe viele Probleme in der mangelhaften Ausbildung der Lehrer. Diese muß meiner Meinung weniger auf dem fachlichen Bereich liegen - der ja größtenteils mit dem Abitur erreicht sein sollte - als vor allen Dingen im Pädagogischen. Hier wird wohl schon ein Defizit an den Universitäten zu finden sein. Hier müssen sie lernen, eine Klasse zu führen, Schüler zu begeistern und leider auch die fehlende Erziehung nachzuholen. Schüler mit nicht ausreichender Erziehung kann man ja wohl auch nicht einfach auf nicht weiterführende Schulen abschieben.
Leider spukt ja noch in den Köpfen der meisten Eltern die "antiautoritäre Erziehung". Was nach deren Scheitern kam, wie z.B. die "integrative Erziehung" ist fast unbekannt. Das haben die Lehrer, aber auch die Gesellschaft, in Form von Dieben, Schlägern, mutwilligen Zerstörern und Sprayern auszubaden.
Ich bin heute froh, nicht Lehrer geworden zu sein.
Übrigens wurde im Spektrum der Wissenschaft von einem Lehrer in - ich glaube - Göttingen berichtet
Sorry, das habe ich versehentlich zu früh abgeschickt. Also hier geht’s weiter: Übrigens wurde im Spektrum der Wissenschaft von einem Lehrer in - ich glaube - Göttingen berichtet, der eine Leistungsstufe Physik eingerichtet hat. Anfangs wurden Schüler ausgelacht, wenn sie sich dazu gemeldet haben. Das Projekt wurde aber so erfolgreich, dass sich die Schüler heute drängen da mitmachen zu können. Das liegt an der Persönlichkeit des Lehrers!

Hallo fitnessman. Diese Zeiten haben sich wohl gewandelt und die Menschen auch. Früher wurden die Lehrer als Respektpersonen angesehen und heute? Früher wurden die Schüler als Kinder anders erzogen und heute verzogen? Liebe Grüße Hermann
Ich versuche, die wichtigsten Gedanken zu dieser Frage in 13 Punkten zusammenzufassen: 1. Es können sich durchaus noch recht viele Lehrpersonen durchsetzen. Dies ist in Schulen mit überwiegend "pflegeleichten" Schüler(inne)n kein Problem. 2. Lehrpersonen sind nach wie vor verpflichtet, Bildungs- u n d Erziehungsaufgaben wahrzunehmen. 3. Lehrpersonen dürfen niemals "die Oberhand gewinnen". Wir leben in einem demokratischen Rechtsstaat. Pädagogische Autorität hat das Selbständigwerden der zu Erziehenden im Blick. 4. Die Fragen nach Erziehung und Bildung sind Fragen, die Alle in unserer Gesellschaft betreffen, nicht nur die Schule. 5. Unsere Gesellschaft erzeugt allerdings täglich neue Probleme, deren Löung leichthin den Schulen zugeschoben wird (Arbeitslosigkeit, Armut, Gewalt...). 6. In breiten Teilen unserer Bevölkerung kann Erziehung nicht mehr stattfinden. Daher werden zunehmend erzieherische Aufgaben in die Schule verlagert. Auf diese Tatsache wird in den Schulministerien bislang keine oder zu geringe Rücksicht genommen. 7. Die im Nachgang von PISA erstellten Lehrpläne, die durchzuführenden Lernstandserhebungen und Zentralen Prüfungen (Ende 10, Abitur), die Verkürzung der Schulzeit (G 8) und die "Evaluationswut" führen zu einer schier unübersehbaren Mehrbelastung von Lehrpersonen; Schül. werden zunehmend zum "Objekt" der Bildung, eine Förderung Einzelner ist fast nicht mehr möglich. 8. Lehrpersonen werden mit zusätzlichen und zahlreichen Verwaltungsaufgaben belastet; die Erziehungsaufgaben treten dadurch immer mehr in den Hintergrund. 9. Die Klassenfrequenzen sind zu hoch. Die Schulen sind sachlich und personell immer noch zu schlecht ausgestattet. 10. Der Beratungsaspekt in den Schulen muss ausgebaut werden. Jeder Klasse sind in bestimmten Jahrgängen Sozialpädagogen zuzuordnen, die mit Problemschül. arbeiten, ihre Familien besuchen und mit ihnen arbeiten, Kontakte zu außerschulischen Beratungsstellen herstellen etc. 11. Die Lehrerausbildung muss grundlegend reformiert werden. Wissenschaftliche Ausbildung und praktische Tätigkeit müssen sich gegenseitig ergänzen, damit der "Praxis-Schock" im Referendariat so weit wie möglich verhindert wird. 12. Ab etwa 55 Jahren sollten Lehrpersonen (auf Wunsch) von ihren Unterrichtsaufgaben spürbar entlastet und mit der Betreuung von Lehramtsstudenten und Referendaren bzw. mit Lehrplanarbeit und Evaluation von Unterricht betraut werden. Dadurch würden Stellen für junge Lehrkräfte frei, die von der Erfahrung der alten profitieren könnten. 13. Alle von mir genannten Punkte lassen sich in der Forderung zusammenfassen, die ich in meinen Antworten zu dieser Thematik schon mehrfach aufgestellt habe: Mehr Geld für Bildung und unsere Schulen! Persönliche Anmerkung: Möglicherweise wird dies Statement mein Schwanengesang sein.

Ich sehe die Schuld nicht unbedingt NUR bei den Lehrern. Schaut man sich "viele" Jugendliche an... ich würde als Lehrer in eine Berufsschule wechseln und mich den "älteren" Schülern widmen wollen...
Rolf u. Högemann am 17. Februar 2008 23:39 Die sind oft noch schlimmer.... :-(
Oskar Momo am 23. Februar 2008 05:52 da hast du Recht, Rolf....

wollen die doch gar nicht - sind alles politisch völlig korrekte Alt68er
Ich bin Lehrer und WILL mich gar nicht durchsetzen. Warum denn auch? Will ich einen pubertären Machtkampf gewinnen? Ich bevorzuge Arbeiten auf gleicher Augenhöhe und mache das auch meinen Kids klar. Ich nehme sie ernst, solange sie sich nicht lächerlich benehmen und o.g. Machtkämpfe anfangen. Allerdings habe ich auch keine Probleme mit meinen Kids.

Vielleicht werden manche Lehrer auch einfach in den falschen Klassen eingesetzt: Ich denke da an eine alte Lehrerin von mir, der die 5.Klässler auf der Nase herumgetanzt haben - ich auch. Jahre später wußten wir alle das umfassende Wissen von Frau Kattler zu schätzen. Wissen und Bildung wie ein wandelnder Brockhaus jedoch pädagogisch von der Größe einer Schrumpfpriemel...
Rolf, Deine Beispiele machen mir Angst :-(
Rolf, es braucht nicht mehr Rechte. Mehr Selbstbewusstsein und eine Schulbehoerde im Ruecken, die dieses nicht killt. Bei Recht findest Du immer einen Richter der das Gegenteil fuer gut haelt. Wir haben hier eine selbstbewusste, starke Lehrerin, die Ordnung mag in der Klasse, was in Griechenland aussergewoehnlich, da in der Klasse jeder macht, was ihm gefaellt. Mit Zustimmung der Eltern. Die Lehrerin setzt sich durch, dank Unterstuetzung der Vorgesetzten. Sie sagt dem Schueler, geh nach hause, komm wieder, wenn Du Dich an die Ordnung haelst, die, die ich in meiner Klasse mag. Es klappt. In Griechenland, dem Land der unerzogerst Kinder und uneinsichtigst Eltern.
Ganz großes DH! Meine Frau ist Lehrerin an einer Regionalschule, ich an einer Berufsschule. Wir erleben solche Ereignisse wie von dir geschildert in unserer Arbeit tagtäglich (sie mehr als ich) und kommen fast zwangsläufig zum gleichen Resümee. Lehrer haben nur noch einen Bildungsauftrag, keinen Erziehungsauftrag mehr. Dementsprechend ist um ihre Ausstattung mit Rechten und Erziehungsmitteln bestellt. Altbewährte pädagogische Mittel und Methoden werden nicht mehr allgemein akzeptiert und erhalten auch keine Unterstützung mehr von den Schulämtern und -räten, was der Lehrer sagt trägt im Allgemeinen nur noch Empfehlungscharakter.