Frage von piercethejenny, 46

Warum kann man bei Vollmond nicht schlafen bzw liegt es überhaupt am Vollmond?

Manchmal kann ich nachts überhaupt nicht schlafen, wach jede halbe stunde auf, träum total verwirrt. Am nächsten tag frag ich dann meistens meine mutter ob vollmond war und in 99% der fälle ist es auch so. Hat der mond einfluss auf unseren schlaf, wenn ja wie?

Antwort
von uteausmuenchen, 17

Hallo piercethejenny,

der Mond ist - sollte er Dir von Deinem Bett aus nicht wirklich gerade ins Gesicht scheinen - an Deinem Problem gänzlich unschuldig.


Um zu verstehen, warum trotzdem viele Menschen von sich sagen, sie würden bei Vollmond schlechter schlafen, muss man ein bissi weiter ausholen:

Ich habe Dir ein Bild angehängt. Es ist eine typische optische Täuschung. Sehr viele Menschen sehen hier ein weißes Dreieck. Nur: Wenn man das Bild genau betrachtet, dann ist da gar keines eingezeichnet.

Dennoch sehen Viele das weiße Dreieck. Das hat nichts, aber auch gar nichts mit "Einbildung" zu tun, sondern mit der Art und Weise, wie unser Gehirn Eindrücke verarbeitet. Psychologen nennen diese Fähigkeit unseres Gehirns "Mustererkennung".

Prinzipiell ist "Mustererkennung toll. Sie hat es unseresn Vorfahren ermöglicht, den Tiger früher im hohen Gras zu entdecken, weil das Gehirn eben bruchstückhafte Eindrücke zu einem stimmigen Bild ergänzen gelernt hat. Wer das nicht so gut konnte ... naja, von dem stammen wir nicht ab..., denn der kam dem Tiger zu nahe.

Diese Verarbeitungsmechanismen sind  im Laufe der Evolution aber nicht entstanden, um nicht von optischen Täuschungen hereingelegt zu werden. Deshalb sind sie hier fehleranfällig. Wir ziehen hier einfach leicht die falschen Schlüsse. Ganz unbewusst, ohne, dass wir überhaupt merken, was da in uns abläuft.

Das Problem ist jetzt: Beim Schlaf und dem Vollmond laufen in uns dieselben Prozesse der Mustererkennung ab, aber unser Gehirn ist leider nicht wirklich gut darin, komplexere Zusammenhänge richtig zu deuten:

Bei seltenen, aber auffälligen Ereignissen - wie zum Beispiel einer schlaflosen Nacht - suchen wir nach einem Grund. Nur: Da können eben sehr viele Gründe dafür in Frage kommen. Und prompt passiert es nur allzu leicht, dass unser Gehirn nach dem erstbesten Grund greift, der uns ins Auge fällt. Und das ist - wenn er zufällig gerade am Himmel steht - der Vollmond.

Der Vollmond bietet eine wunderbare Erklärung für schlechten Schlaf, weil das so schön unpersönlich ist. Das mag unser Unterbewusstsein. Man muss dann kein schlechtes Gewissen haben, weil man zu spät noch gegessen hat, zu spät noch aufregende PC-Spiele gemacht hat oder spannende Filme gesehen hat; weil man zu unregelmäßigen Zeiten ins Bett geht oder sich Stress gemacht hat,... oder was auch immer in diese Richtung.

Nein: Der Vollmond, der ist ist ein praktischer, um nicht zu sagen perfekter Sündenbock: Besonders, weil er in ein paar Tagen nicht mehr voll sein wird. Ihn zu beschuldigen, bedeutet also, dass wir unsgleichzeitig die Hoffnung verschaffen, dass sich das Problem innerhalb weniger Tage von selber löst. Wir müssen also nicht unsere Gewohnheiten ändern - nein! Der Schlafforscher Jürgen Zulley beschreibt das sehr treffend: "beruhigter „schlecht schlafen“". (http://www.zulley.de/dokumente/vollmond.html)

Es gibt also sehr einfache psychologische Erklärungen dafür, warum rund jeder Vierte von sich sagt, er schlafe bei Vollmond schlechter. Nur: Große Studien belegen, dass da keine Schwankungen in der Schlafqualität auffindbar sind, wenn man sauber nachmisst.

Zum Beispiel: Klösch, Zeitlhofer (2003) Ausgewertet wurden Schlaftagebuchaufzeichnungen aus über 5000 Nächten.

Ergebnis:  In keiner der zur Verfügung stehenden subjektiven Schlafbeurteilungen konnte ein signifikanter Unterschied zwischen den Vollmond-/Neumondnächten, den Nächten während des zunehmenden/abnehmenden Mondes und den als "neutral" eingestuften gefunden werden.

Noch genauer untersuchte es das Max Planck-Institut. Dort findet Martin Dresler (https://www.mpg.de/8271794/schlaf_vollmond):

„Wir konnten keinen statistisch belegbaren Zusammenhang zwischen menschlichem Schlaf und den Mondphasen aufzeigen.“ Im Rahmen dieser  Untersuchungen fand sein Team weitere unveröffentlichte Analysen von über 20.000 Schlafnächten, welche ebenfalls keinen Einfluss des Mondes feststellen konnten.

Schlechter Schlaf bei Vollmond ist also das weiße Dreieck. Wir sehen eine Häufung, die nicht da ist.

Jeder schläft mal schlecht. Nur: Steht der Vollmond gerade nicht am Himmel, dann erinnern wir dies nicht in Zusammenhang mit dem Mond. Auch Vollmondnächte, in denen wir bestens schlafen, vergessen wir einfach.

Eine Freundin von mir sagt zum Beispiel immer, wenn sie genervt ist "Ich bin so reizbar heute, es muss Vollmond sein". Ich habe etwas darauf geachtet: Sie sagt es bei absolut jeder Mondphase... Nur: Dadurch, dass sie es sich so sagt, stellt sie immer wieder selbst den Zusammenhang her - und wird es dann so erinnern.

Wie oft hast Du überprüft, ob wirklich Vollmond war, wenn Deine Mutter das gesagt hat? Vielleicht ist Deine Mutter ja auch wie meine Freundin? ;-)

Und nicht zu vergessen: Der Mond erscheint ein paar Nächte lang rund, nicht nur die eine echte Vollmondnacht. Wenn wir aber einen Zeitraum von 4 oder 5 Nächten als "Vollmond" bezeichnen, dann ist die Wahrscheinlichkeit in einer dieser Nächte schlecht zu schlafen schon 4 oder 5 mal so hoch, wie in jeder wirklich einzelnen Nacht. Auch das verfälscht den Eindruck, den wir haben noch einmal.

Und zuletzt gibt es dann noch die "selbsterfüllende Prophezeihung": Du erwartest bei Vollmond schlecht zu schlafen. Das macht Dich angespannter. Wer erwartet, schlecht zu schlafen, der schläft auch schlecht - einfach deshalb. Der Mond kann nichts dafür.

"The Fault lies in us, not in the world" (Shakespeare)

Viele Grüße und schlaf gut! ;-)

P.S.: Genauso falsch wie der Mythos vom schlechten Schlaf bei Vollmond sind übrigens auch die vielen anderen Mythen, die dem armen Mond nachgesagt werden. Bei Vollmond werden auch nicht mehr Kinder geboren, es gibt keine Häufungen von Gewalttaten oder Unfällen, Operationen verlaufen genauso wie bei allen anderen Mondphasen... (http://www.dermond.at/index.php)

Und wenn jemand zu Dir sagt "wo der Mond soooo starke Kräfte ausübt, die Ebbe und Flut erzeugen, das hat bestimmt einen Einfluss auf den Körper, der ja auch zum Teil aus Wasser besteht", zu dem sagst Du: Die Gezeitenkraft ist winzig klein, die Gezeiten sind nur deshalb so beeindruckend, weil in den Ozeanen so viel Wasser ist, das diesen winzigen Kräften folgt. Bereits in einem See ist die Kraft viel zu klein, um Gezeiten entstehen zu lassen. Und in unserer Badewanne - die vergleichbar groß ist wie wir - sieht kein Mensch jemals Gezeitenwellen...

Dafür üben aber alle Objekte Deiner Umgebung ständig und mit ihrer Bewegung wechselnd Gezeitenkräfte auf Dich aus. Ein Mensch, neben dem Du stehst, erzeugt etwa die 80 000 fache Gezeitenkraft auf Dich wie der arme Mond, der hier also wieder einmal vollkommen unschuldig ist...

Antwort
von BurkeUndCo, 13

Das liegt sicher an vielen Ursachen. Nur an einem liegt es mit Sicherheit nicht: dem Mond.

Denn es wutrden schon viele Personen untersucht, die nach eigenem Gefühl immer bei Vollmond schlecht geschlafen haben. Aber im Schlaflabor zeigte sich dann immer, dass jeglicher Zusammenhang mit dem Mond rein zufällig war.

Der Grund für das schlechte Schlafen war von Patient zu Patient völlig unterschiedlich.

Gemeinsam aber war unsere Kultur mit Film und Fernsehen, bei der der Vollmond immer als der große Schlafkiller dargestellt wird.

Deshalb gab es nur 2 Möglichkeiten beim schlechten Schlafen: Aufstehen und nach dem Mond schauen.

a) Kein Vollmond - also Zufall und Weiterschlafen.

b) Oder der Vollmond ist sichtbar, Ah--- also wurde der Übeltäter gefunden. Und der Schlafbedürftige kann sich umdrehen und beruhigt weiterschlafen.

Antwort
von marina2903, 16

nein das liegt am schlafrytmus,und nicht am vollmond

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