Frage von Derplanwagen98, 146

Warum kann ich nicht mehr flüssig sprechen?

Hallo, da mein Problem etwas schwer zu beschreiben ist, entschuldige ich diesen langen Text. Mein Problem ist folgendes: Seit einiger Zeit ist mir aufgefallen, dass es mir schwer fällt, flüssig, ohne Unterbrechung zu sprechen.

DAS PROBLEM:

Früher war ich stets ein guter Redner gewesen, doch nun kann ich kaum noch einen Satz ohne Fehler bzw. Unterbrechung sagen oder laut lesen. Mit diesem Wissen wird jedoch alles nur noch schlimmer, da ich während ich spreche oder lese immer darauf achten muss, keinen Fehler zu machen. Wenn ich dann mal einen Satz fast flüssig ausgesprochen habe, fällt mir auf, dass es keinen Fehler gab und schon ist die erste Unterbrechung da. Oft wird dieser Gedanke von einem ganz kleinem Adrenalinkick im Bauch begleitet.

PSYCHISCHE VERSPANNTHEIT:

So gesehen denke ich beim Reden immer an zwei Dinge. Ich führe praktisch zwei Gespräche gleichzeitig in meinem Kopf. Die eine Stimme, die aus meinem Mund kommt und die andere, in meinen Gedanken, die immer darauf wartet, dass der erste Fehler erfolgt. So ist es doch praktisch unmöglich richtig zu sprechen.

KÖRPERLICHE VERSPANNUNG:

Ich verspüre beim Reden stets ein Gefühl der Verspanntheit. Psychisch aber tatsächlich auch körperlich, wo sich mein Bauch und meine Brust zusammenziehen, so, als hätte ich zu kräftig ausgeatmet- Reden ist anstrengend geworden. Häufig verhaspeln sich meine Worte verkrampfen sich ineinander oder es kommt eine Mischung aus zwei Worten heraus, schwer zu beschreiben, es ist einfach ein Wortgewusel, das zudem manchmal von Stottern begleitet wird. Manchmal kann ich ein ganzes Wort einfach nicht sprechen, es will einfach nicht aus meinem Mund rauskommen.

AUFTRETEN:

Ich hatte in der Regel kein Problem damit, neue Leute anzusprechen, doch seit mir immer häufiger schon zu Beginn nur ein Buchstabensalat über die Lippen kommt, sodass mich die andere Person nicht versteht, fällt mir dies immer schwerer. In Anwesenheit fremder Leute rede ich automatisch weniger.

So gesehen, verschlimmert sich das Problem unter Nervosität, jedoch taucht es auch auf, wenn ich Selbstgespräche führe. Selbst Gespräche in meinen Gedanken sind nicht mehr ohne Fehler durchzuführen.

Manchmal jedoch, wenn ich das Problem ganz vergesse und dieses "zweite Gespräch" in meinem Kopf nicht stattfindet, habe ich kein Problem damit, ganz normal, wie gewohnt zu reden. Jedoch kann ich leider nicht kontrolliert, nicht an etwas denken. Was kann da helfen? Hypnose, ein Logopäde oder Psychologe?! Bin echt verzweifelt...

Danke im Vorraus an jeden, der sich die Zeit genommen hat, sich das alles durchzulesen... Paul

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Buddhishi, Community-Experte für Psychologie, 78

Hallo Derplanwagen,

zunächst würde ich an Deiner Stelle versuchen herauszufinden, woran das liegen könnte, denn es kann auch eine Erkankung die Ursache dafür sein. Warst Du schon bei Deinem/r Hausarzt/-ärztin? Wenn ja, worauf wurde bisher untersucht?

Die nächsten Fragen wären: Seit wann ist Dir das aufgefallen? Wie alt bist Du?  Was war zuvor evtl. an Außergewöhnlichem? Gibt es weitere Symptome (z. B. Konzentrationsproblem, Niedergeschlagenheit, Schlafprobleme etc.)?

Nur so kann man nach und nach eingrenzen, woran es liegen könnte und dann die entsprechende Therapie einleiten. Es würde wenig nutzen, jetzt einen 'Marathon' von "Hypnose, ein Logopäde oder Psychologe" durchzuführen und etliche Mißerfolge verbuchen zu müssen sowie evtl. die wahre Ursache zu verschleppen.

Ich hoffe, dass Dir das weiterhilft.

Alles Gute

Buddhishi

Kommentar von Derplanwagen98 ,

Hi Buddishi,

Danke für die Antwort. Ich bin 17 Jahre alt. Aufgefallen ist es mir glaub ich vor einem halben Jahr. Ich hatte in dem Zeitraum irgendwann eine kleine Depriphase gehabt. Glaube aber nicht, dass es damit in irgendeinem Zusammenhang stehen könnte. 

Ich habe außerdem zuvor in sehr vielen sozialen Situationen Englisch sprechen müssen, wo ich oft irgendwie angestrengt geredet habe ( meine Stimme war automatisch lauter, höher, mit mehr Druck angesetzt, sodass ich zwischendurch Wörter falsch ausgesprochen und aus Reflex öfter wiederholt habe.) 

Vielleicht habe ich seitdem darauf geachtet, richtig zu sprechen, sodass es sich auch aufs Deutsche übertragen hat.

Andere Symptome sind mir nicht aufgefallen. Schlafe wie ein Stein und unkonzentriert war ich schon immer ein wenig :P

Kommentar von Buddhishi ,

Gab es eine Behandlung in der Depriphase?

Kommentar von Derplanwagen98 ,

Nein, gab es nicht. Sie ging von alleine weg, als ich einfach immer weitergemacht habe.

Kommentar von Buddhishi ,

Okay, danke Dir. Es käme nach meiner vorsichtigen Einschätzung folgendes in Frage, aber bitte bedenke, dass hier keine Ferndiagnose gestellt werden kann u. versehe alles mit einem VIELLEICHT.

Es ist möglich, dass die Depri. nicht wirklich ausgeheilt war und sich nun in dieser Form meldet. Nennt man 'Symptomverschiebung'. Diagnose könnte ein Psychotherapeut stellen.

Weiterhin könnte es sich um eine psychische Ursache handeln, die Dich in der Organsprache 'sprachlos' bzw. 'schlecht zu verstehen', evtl. auch 'sich verhaspelnd' macht. s. o.

Die Verspannungen könnten ebenfalls auf die beiden o. g. zurückzuführen sein. Können aber auch als Folgesymptom aus den Problemen resultieren, dass Du Dich schon verspannst, weil Du Sprachprobleme erwartest. Das Erlernen einer Entspannungstechnik, wie z. B. Autogenes Training, Meditation, Yoga, TaiChi etc. ist auf jeden Fall empfehlenswert. (z. B. bei Volkshochschulen, Psychotherapeuten)

Eine organische i. S. von schulmedizinischer Erkrankung erscheint m. E. eher unwahrscheinlich.

Ob allein ein Logopäde ausreichen würde, das Problem anzugehen, kann ich nicht einschätzen. Hypnose könnte helfen, die Gründe zu eruieren, die dann ggfs. in einer Psychotherapie behandelt werden könnten.

Was mir persönlich aufgefallen ist, dass Du für einen 17jährigen jungen Mann ausgesprochen exakt und strukturiert formulierst. Du bist zudem sehr höflich, freundlich und vermutlich eher kopfgesteuert und diszipliniert bis kontrolliert.

Du hast oft Englisch sprechen müssen, ob sich die Störung daraus entwickelt haben könnte? Wäre möglich, aber auch das kann ich selbstverständlich von hieraus nicht seriös einschätzen.

Das sind nun erstmal einige Impulse, die hoffentlich hilfreich für Dein weiteres Vorgehen sind. Mein Tipp: einen in Hypnose geschulten Psychotherapeuten aufsuchen. Aber die Entscheidung triffst DU :-)

Ich wünsche Dir, dass Du bald effektive Hilfe findest und wieder ein glückliches, von diesem Problem ungetrübtes Leben führen kannst.

Alle Gute

Buddhishi

Kommentar von Derplanwagen98 ,

Danke, dass du dich so ausführlich mit meinem Problem befasst hast! Werde mal schauen, was sich so findet:)

Kommentar von Buddhishi ,

Gerne, ich hoffe, dass es Dir bald wieder gut geht. Danke für den Stern :-) Wenn Du magst, melde Dich wieder. LG

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