Frage mich immer wieder warum unser Gesellschaftssystem, inklusive der Medien, so ignorant bzw. arrogant ist, gegenüber sozial gescheiterten? Eigentlich kann es uns allen so ergehen, aber Mitleid oder besser Mitgefühl ist kaum vorhanden. Selbst die Presse und die Medien verhöhnen im Unterton die gescheiterten. Warum ist das so ? und warum denkt keiner weiter, auch bzgl. des eigenen scheiterns ?

Alle verdrängen bewußt oder unbewußt, daß der Abstand zum Absturz geringer ist denn je! Eine plötzliche Kündigung aus irgendeinen Grund und schon ist man 4 Wochen später in der Schlange der ewig Arbeitslosen und nicht vermittelbaren, man geht nicht mehr den gleichen weg ins Büro, ein Haus muß abbezahlt werden, es geht schnell! damit will keiner was zu tun haben, obwohl jeder weiß, wie es aussieht.

Eben weil alle Angst vor dem eigenen Scheitern haben. Keiner will wahrhaben, dass es jeden treffen kann. Bei manchen ist es einfach Arroganz, "mir kann so etwas nicht passieren, ich bin besser.."
Die Presse braucht Artikel um ihre Seiten zu füllen. Aber auch da gibt es Unterschiede, in der Regel schlachten nur die Klatschblätter "gescheiterte" Existenten aus.
Ganz genau so sehe ich das auch! - Außerdem: Mitleid ist eher eine stille, Schadenfreude eher eine laute Sache, was sich natürlich auf die Wahrnehmung der beiden Erscheinungen auswirkt.
Aber das lernen wir doch schon in der Schule: wenn wir den anderen helfen wollen(abschreiben) werden wir bestraft und wir werden belohnt, wenn wir die Schnellsten oder Gescheitesten oder Cleversten( die die anderen übervorteilt haben) sind. Wir sind doch total darauf abgerichtet worden. Wir lassen uns gegen unsere Mitmenschen ausspielen und wehren uns nicht dagegen - am Arbeitsplatz, in der Politik..... Wir halten uns für die Größten, wenn wir andere ausgetrixt haben. Ist es nicht so?

Hallo Vollebach, nun fällt mir doch noch was zu deinem Thema ein. Eigentlich ist die Ignoranz und die Ellebogen ein Thema was in allen Lebensbereichen vorkommt. Wenn ich so ans Berufsleben denke, ist das auch nicht anders. Mobbing, Bossing, Stalking und wie das alles so neudeutsch heisst. Bedeutet doch nur, Respektlosigkeit, Machtausübung, Neid, Missgunst usw. Kann man/frau sich sagen, warum ist das so, oder war es schon immer so, hatte nur keine Namen?Wenn ich so darüber nachdenke, hat das alles mit unserer sehr materialistischen Sichtweise zu tun, obwohl wir wissen, dass Gesundheit, Familie, Freunde ein schönes Leben wichtiger sind als Mammon, denn darum geht es ja hauptsächlich. Was hilft all der Reichtum, wenn man einsam und allein ist? So, nun will ich nicht mehr denken, lach. Lieben Gruß Lotusblume

Das liegt wohl zum Teil mit daran, dass die Menschen heute zu sehr "ich"bezogen sind. "Mich betrifft es nicht, also interessiert es mich auch nicht". Ich denke, das hat wenig mit Arroganz zu tun, die Menschen sind in der heutigen Zeit und unter dem ständig ausgesetzten Druck zwangsläufig einfach zu sehr mit sich selbst beschäftigt und haben leider wenig Zeit und Muße, sich auch mit solchen Dingen zu befassen. Es gibt ja auch große Unterschiede: Menschen, die gegen ihren Willen und unverschuldet in so eine Situation gekommen sind und verzweifelt versuchen, da wieder heraus zu kommen, und die andere Gruppe, die ihre Lage ganz bewußt in Kauf nehmen und die es überhaupt nicht interessiert, diese zu verbessern. Im Gegensatz zu den Ersteren interessiert mich die zweite Gruppe herzlich wenig.
CrazyDaisy am 17. Mai 2007 19:09 Ich glaube einfach nicht, dass es Menschen gibt, die nicht interessiert sind, ihre Situation zu verbessern - außer: Sie sind zufrieden, weil sie haben, was sie brauchen. Diese Menschen sind aber nicht sozial gescheitert, sondern einfach bescheiden! Etwas anderes ist es, wenn jemand, der eigentlich aus seinem Elend heraus möchte, so lange entmutigt und verächtlich gemacht wird (Arbeitsamt!!!), bis er keine Kraft mehr hat und aufgibt. Deswegen brauchen wird das bedingungslose Grundeinkommen für alle!siehe: http://www.grundeinkommen.info/
Ich glaube eigentlich nicht, das man wirklich ignorant ist, auch wenn es vielleicht so erscheint. Aber solange man nicht dazugehört, oder direkt oder indirekt betroffen ist, berührt es einem höchstens vielleicht kurzzeitig Das ist die EGO - Gesellschalt, und ich bin mir nicht sicher, ob wir es alle so wollten, das es so ist. Aber das eigene Ego ist immer stärker und siegt, oft über das eigene Herz. Das ist ein gesellschaftpolitisches Problem. Die Menschen wollen halt mal lieber gute Nachrichten lesen und hören, und solche Geschichten erhöhen nicht die Quote.Um dieses Problem zu beheben, bräuchten wir ein paar tausend Mutter Theresas. Die sind jedoch nicht in Sicht. Allgemein glaub ich aber schon, das die Menschen und zu denen gehören wir ja auch, sehr hilfsbereit sind, wenn es darauf ankommt.Auch viele Hilfsorganisationen helfen wann immer es nur geht. Die reden und schreiben nur nicht so viel darüber. Aber ich gebe Vollebach vollkommen recht. Wir wandern alle nur auf einem schmalen Grat, und es kann sehr schnell gehen, das man ausrutscht (unschuldig ). Dann ist es gut Halt zu finden, und zwar nicht nur praktisch und direkt in der Familie oder im Freundeskreis, sondern vor allem auch moralisch und indirekt von der Gesellschaft. Das würde den Seelenzustand der " Gescheiterten " immens verbessern.Das ist auch schon etwas wert.

Hallo Vollebach, ist das so?? Ehrlich gesagt, ist mir das gar nicht so bewußt. Vielleicht hast du ja eine konkrete Person oder Situation im Kopf?! Ich finde es gibt viele hilfsbereite Menschen und immer mehr Hilfsorganisationen, die helfen wollen und auch tun. Natürlich, wird das alles ein persönliches Versagens Gefühl nicht ändern. Da kommt es denn wohl auch wieder darauf an, was jeder für sich selbst als "sozial gescheitert" ansieht. Vielleicht schreibst du noch mal konkreter was du meinst, eventuell habe ich dich ja falsch verstanden. Lieben Gruß Lotusblume
Ja, ich denke schon das es so ist. Das genau zu beschreiben ist schwierig. Natürlich sind mir privat auch Fälle bekannt. Klar gehen die Medien teils auch positv damit um, meist die öffentlich rechtlichen Sender. Was ich meine ist, wenn sich mal die Spirale nach unten dreht, wenden sich zuerst Freunde ab, auch dass in Deutschland anteilig mehr Arme verurteilt werden als Reiche, usw.
Lotusblume12 am 17. Mai 2007 16:20 Hallo Vollebach, wir sind doch auch Gesellschaft, oder? Wie gehst du damit um? Hast du auch Angst, dass sozialer Abstieg ansteckend ist? grins, ok, ist bisschen Provokativ. Dass mehr Recht hat, der Geld hat ist das eine und nicht nur in unserem Land, aber das soziale Zusammenleben, bestimmen wir alle selbst. Zu dem Thema Freunde, das wäre denn noch mal ein ganz anderes Thema, Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich erarbeiten. lach. Lieben Gruß Lotusblume
Liebe Anne, mir war die Frage schon ernst. Vielleicht mache ich mir auch "unpoppuläre Gedanken" mag ja sein
Lotusblume12 am 17. Mai 2007 16:33 Hi Vollebach, ich habe meine Antworten schon auch ernst gemeint. Auch wenn ich denn schon mal "grins" oder "lächel" dazu schreibe. Mit Humor geht halt alles ein bisschen gelassener, ok, ist für mich so!!Aber ich denke diesbezüglich wirklich, dass jeder auch ein wenig an sich arbeiten muss, wenn uns Unzulänglichkeiten auffallen, oder etwa nicht. Wir sind ja auch Gesellschaft! Lieben Gruß Anne
@Lotusblume: zum Thema Hilfsorganisationen: die finden Dich nicht von allein, da musst Du selbst hin - und da liegt das Problem. Versagen schafft Schuldgefühle und Scham. Da wären Familie, Freunde und Bekannte näher dran, mit Rat und Tat "Erste Hilfe" zu leisten und die betreffende Person zur Selbsthilfe zu ermutigen.
Lotusblume12 am 17. Mai 2007 16:25 hi soust, stimmt, da müssen denn die sozialen Netzwerke funktionieren, wenn man/frau denn welche hat. Ich habe leider nur ein ganz ganz kleines. Daran muss ich wohl noch arbeiten, aber da wären wir denn bei dem Thema Vertrauen und Freundschaft! Lieben Gruß Lotusblume
Wer wird denn einer Lotusblume nicht vertrauen? Viel Glück bei der Suche soust
Evtl. ist Sozialdarwinismus die Beschreibung der Tendenz in unserer Gesellschaft. Aber es wird ja überall gelehrt, dass man Netzwerke braucht - wohlgemerkt "Netzwerke" - nicht Freunde und so. Je länger eine Gesellschaft - nach einem "Reset" (z.B. 2.Weltkrieg) existiert, je mehr verfilzt sie - also sprich "vernetzwerkt" sie. Was ist das Ergebnis: Korruptes System, "eine Hand wäscht die andere", kein Platz für Versager. Wie heisst es: "Beziehungen schaden nur dem, der keine hat".