Warum ist Unfallflucht verboten?

... komplette Frage anzeigen

5 Antworten

Hallo,

ganz ehrlich: Ich hab mich damit nie bewusst auseinandergesetzt, aber ich hab zumindest eine Rechtstheorie, evtl. können das einige andere rechtlich interessierte Antworter beurteilen.

Begehe ich eine Straftat, sagen wir eine Körperverletzung, begehe ich diese vorsätzlich. Eine Straftat ist daher bereits vollendet. Gemäß den Rechten als Beschuldigter, muss ich mich zur Sache bei einer Vernehmung nicht äußern und auch nicht selber belasten. Am Tatort zu warten würde mich jedoch belasten. Daher ist die Flucht als solches durch mein Recht als Beschuldigter abgedeckt.

Fahr ich jetzt aber aus Versehen gegen ein geparktes Auto begehe ich noch keine Straftat - es liegt zwar ein Schaden vor, aber um eine Sachbeschädigung zu begehen, hätte ich ja einen Vorsatz gebraucht... was sich aber allein schon nicht mit der Definition eines Unfalls (ein unvorhersehbares, plötzliches Ereignis) deckt. Zum aktuellen Zeitpunkt hab ich als Unfallverursacher also keine Straftat begangen. Fahre ich nun einfach weg, bleibt der Geschädigte auf ewig auf seinen zivilrechtlichen Forderungen sitzen. Um die Abwicklung der Versicherungsangelegenheiten zu ermöglichen, wurde der Straftatbestand geschaffen, dass ich als Unfallverursacher meine Daten dem Geschädigten übermitteln muss.

Hmmm... klingt sogar nach dem Aufschreiben noch logisch, bin gespannt, wie ihr das seht:)

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von KKatalka
21.09.2016, 15:04

Finde ich eine Logische schlussfolgerung!

2
Kommentar von koten
21.09.2016, 15:40

Zwei sachliche Fehler:

1. Es gibt auch den Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung. Aber auch da wärst Du Beschuldigter, der Fliehen darf.

2. Ein Unfall kann auch mit Vorsatz geschehen. Wenn ich jemandem hinten drauf fahre, weil mich der Heckaufkleber nervt, wenn ich jemandes Auto ramme, damit er nicht in die Parklücke kann, dann handelt es sich jeweils um Vorsatz. Der BGH meint dazu:

Der Bundesgerichtshof [BGH] ist der Auffassung, dass eine vorsätzliche Herbeiführung des schadensbegründenden Ereignisses der Annahme eines Unfalls grundsätzlich nicht entgegenstehe. Vielmehr sei entscheidend, dass sich die typischen Gefahren des Straßenverkehrs  verwirklicht hätten. Daran fehle es jedoch dann, wenn ein Verhalten schon nach seinem äußeren Erscheinungsbild keine Auswirkung des allgemeinen Verkehrsrisikos, sondern einer deliktischen Planung ist (so BGHSt 12, 253, 256; 24, 382 ff.; 48 119 ff.; BGH NStZ 2002, 252; BGH NJW 2002, 626 f.).

Quelle: http://www.juraforum.de/lexikon/unfall

Aus meiner Sicht bricht damit Deine Argumentation zusammen.

1

Darf man ebenfalls nicht. Wenn man jemanden geschadet hat, hat man vor Ort zu bleiben. Alles andere ist feige und kann dem Opfer unter Umständen auch das Leben kosten!

Bei Sachbeschädigung hat man ebenfalls zu warten. Wenn nach 30 Minuten keiner kommt, hat man seine Telefonnummer und den Grund aufzuschreiben und am Auto zu hinterlassen. Sodass der Besitzer sich mit einem in Verbindung setzen kann.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von koten
20.09.2016, 17:15

Feigheit ist nicht verboten.

Bei einer Sachbeschädigung muß ich keine 30 Minuten warten, wenn ich eine Schaufensterscheibe aus Versehen kaputt gemacht.

0

Das ist in der Tat eine gute Frage - und eine rechtssystematische Besonderheit, auf die erst kürzlich der Bundesrichter Thomas Fischer in seiner Kolumne eingegangen ist.

Es gibt nämlich kein anderes Delikt (ob Verbrechen, Vergehen oder bloße Ordnungswidrigkeit), bei dem das Sich-Entfernen gesondert unter Strafe gestellt wäre. Wenn du eine Bank überfällst und abhaust, wirst du nur für den Bankraub, nicht aber für die Flucht bestraft.

Die Fahrerflucht ist insofern tatsächlich ein Spezialfall in der deutschen Gesetzgebung.

Die Erklärung dafür lautet (soweit ich die Ausführungen des Herrn Fischer behalten habe), dass der Gesetzgeber sich halt auch danach richtet, was gesellschaftlich akzeptabel ist. Und wenn es nur genügend Autofahrer gibt, die stinksauer sind, weil ihnen jemand an den Karren fährt und einfach abhaut, dann schreitet der Gesetzgeber auch mal ein und sagt: dieses verbreitete Übel müssen wir ausmerzen, damit Friede einkehre auf deutschen Straßen.

Gesetzgebung spiegelt stets auch das gesellschaftliche Empfinden dessen wider, was Recht sein soll und was nicht. Jahrzehntelang hat sich außer den Betroffenen kaum jemand daran gestört, dass Schwulen ihre Sexualität unter Strafe verboten war. Erst nach einer entsprechenden gesellschaftlichen Entwicklung wurde der § 175 zunächst geändert und sehr viel später ganz gestrichen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von koten
20.09.2016, 17:06

Die Kolumne habe ich gelesen. Ich fand es aber wenig überzeugend, was Herr Fischer da schrieb. Das würde ja bedeutet, daß andere Straftaten gesellschaftlich akzeptiert wären. Oder zumindest, das sich danach vom Acker machen. 

Fischer unternahm einen untauglichen Versuch zur Ehrenrettung dieses Paragraphen.

0

Auch danach dürfte man nicht einfach abhauen, da es aber eine Straftat ist, tun es die meisten. Ein Unfall zu bauen an sich ist KEINE Straftat, sondern wird erst dazu, wenn man verschwindet.

Aber unterlassene Hilfeleistung z. B. wäre auch eine!

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von koten
20.09.2016, 16:52

Wie kommst Du auf die Idee, daß man nicht abhauen darf?

1

Weil ein Sach oder Personen Schaden entstanden sein könnte für den der Verursacher verantwortlich ist und gefälligst da bleiben sollte um gegebenenfalls dafür auf zu kommen.

Habe schon mal erwähnt das einer mal Fahrerflucht begann nach dem er mich Angefahren hat und ich dadurch schwer verletzt war. Wo bitte schön soll da ein unterschied zu körperverletzung sein?

Darüber hinaus ist es mir neu, dass sich so jemand unbestraft aus dem staub machen darf!

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von koten
20.09.2016, 16:54

Wie kommst Du auf die Idee, daß man nicht abhauen darf?

2
Kommentar von KKatalka
20.09.2016, 17:33

werde du mal Blutend am Strassentand liegen gelassen ... dann reden wir weiter ob da nicht eine Straftat vorligt bei der eine Anzeige auf unbekannt den Täter der einfach abgehauen ist und damit auch fast Fahrlässiger Tötung angebracht ist.

2
Kommentar von KKatalka
20.09.2016, 18:54

doch das nennt man dann Fahrlässige tōtung

0

Was möchtest Du wissen?