Frage von Sanxra, 117

Warum ist S€x der 'Akt der Liebe'?

Ich mein' die Frage ernst, letzten Endes ist es nur ein intuitiver 'Akt der Fortpflanzung' um seine Art zu erhalten, warum also machen Leute daraus so ein Tamtam mit 'Jungfräulichkeit = Reinheit' oder sowas o.o ...Nein, ernsthaft, ich versteh' nicht, wieso xD Wann hat sich das denn in unseren Köpfen manifestiert ^^'

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von RFahren, Community-Experte für Liebe & Sex, 14

Da ein Menschenkind relativ aufwendig aufzuziehen ist und viele Jahre der Aufmerksamkeit bedarf, bis man es schließlich alleine "in die Wildnis" schicken kann, hat "Mutter Natur" es so eingerichtet, dass Menschenpaare eine intensive Bindung aneinander verspüren - das, was wir als "Liebe" bezeichnen. 

Dies soll sicherstellen, dass das Männchen nach dem Zeugungsakt nicht flugs das Weite sucht um seinen Samen möglichst breit zu streuen, sondern dabei hilft den Nachwuchs groß zu ziehen.

Jungfräulichkeit wird oft völlig überbewertet. In ferner Vergangenheit war eine jungfräuliche Braut die Gewähr dafür, dass der frischgebackene Ehemann nicht versehentlich die Nachkommen eines Konkurrenten großzieht bzw. eine ledige Mutter ohne Versorger mittellos zurückbleibt. 

Daher haben praktisch alle Religionsstifter den vorehelichen Verkehr zur "Sünde" erklärt und entsprechend sanktioniert -was ja auch durchaus gut gemeint und mangels Alternativen der einzig mögliche Weg war. Daher hat diese Praxis und das Ideal der Enthaltung bis zur Ehe auch Eingang in viele Kulturen gefunden.

Leider gibt es immer noch Kulturen, welche diese (und andere - ich sag nur "Ernährungsvorschriften") gut gemeinten jahrhundertealten Regeln bitterernst nehmen ohne diese in den Kontext der heutigen Zeit zu setzen - bis hin zum ("Ehren-")Mord... .
 

Dank Geburtenkontrolle, Safer Sex und Vaterschaftstest sind die eigentlichen Beweggründe für die Forderung nach Jungfräulichkeit längst obsolet und dass man Sex auch ohne Liebe haben kann und nicht jede Liebe "ewig" hält, wird inzwischen vielfach ganz selbstverständlich akzeptiert. Von "Ehre" und "Reinheit" einer Frau faseln meist nur noch religiös verblendete Männer mit schwachem Selbstbewusstsein - denn der wichtigste Grund dafür ist die Angst vor dem Vergleich ("Was ist, wenn meine Frau/mein Mann mit einem meiner Vorgänger mehr Spaß hatte...?"). 

Seid nett aufeinander!

R. Fahren

Antwort
von Minyal, 31

Weil eben im Ernstfall auch Kinder daraus entstehen können. Erstens möchte man das Kind eventuell nicht abtreiben und zweitens sollte man sich dann mindestens mehr als nur geil finden.

Zum anderen ist es für manche nicht so angenehm, wenn sie benutzt werden. Sex KANN auch Benutzen bedeuten. Das stuft manche eben als Gegenstand herab. Das muss nicht jedem gefallen, einen Vibrator oder eine Hand zu ersetzen.

Dann kann es noch passieren, dass bei einem ONS bspw. nur einer tatsächlich Befriedigung erlangt. Der andere Part kann einem ohne Gefühl ja egal sein, ob der befriedigt wird. Das ist dann auch wenig verlockend. 

Dann ist es auch noch so, dass beim Sex bei Frauen die Hormone Oxytocin und Prolaktin ausgeschüttet werden, was eigentlich die Paarbindung stärken soll, um die spätere Aufzucht des Nachwuchses zu gewährleisten. Das führt bei Frauen auch meist spätestens beim Sex zu einem Verliebtheitsgefühl,  was dann wiederum schlecht ist, da der Mann hormonell eher auf Testosteron ist. Spätestens danach KANN das bei einigen Frauen problematisch werden, wenn sie glauben verliebt zu sein und er wollte nur seine Gene verbreiten. 

Damals als die Jungfräulichkeit noch hoch im Kurs stand, war das insofern vernünftig, da es keine Gentests gab. Wer vor der Ehe Sex hatte, wurde eventuell schwanger und hatte keinen Versorger an der Seite. Die Folge war Armut. Mit der Jungfräulichkeit konnte der Mann zumindest fest stellen, dass sie keine bereits vorhandenen Kinder hat und seine Gene zumindest in der Hochzeitsnacht weiter gegeben werden könnten. Während der Ehe war Fremdgehen zwar möglich, aber die Strafen waren für die Frau nicht unbedingt anregend.

Kommentar von Libertinaer ,

Da fragt man sich doch, wie die Menschheit es überhaupt ohne Ehe und Gentest geschafft hat, sich zu entwickeln ... ^^

... oder wie es überhaupt möglich war, in polytheistischen Religionen ein gänzlich anderes Sexualverhalten zu leben.

Dazu noch eines, was, s. "Meuterei auf der Bounty", Menschen des christlichen Kulturkreises sogar als so paradiesisch anmutete, dass sie ihrer alten, sexualfeindlichen Welt den Rücken gekehrt haben.

Kommentar von Minyal ,

Es fragt sich auch, wie es die espolytheistischen Religionen bezüglich Unterhaltszahlungen 😉 so gehalten haben. Aber wegen der Kindersterblichkeitsrate musste man sich da vermutlich auch nicht so die Gedanken machen, wie lange ein Kind ernährt werden muss. 

Kommentar von Libertinaer ,

Na ja, nicht nur war die Sterblichkeitsrate höher, es gab ja auch keine Verhütungsmittel. Da waren zweistellige Kinderzahlen normal ...

... wenn die Frau so lange lebte.

Aber früher wurden Kinder eher in der Gemeinschaft "erzogen", und sie halfen frühestmöglich bei der Feldarbeit mit.

"Familie", "Kindheit" & "Mutter-Begluckung" im heutigen Sinn sind ja SEHR neue Vorstellungen, die erst mit dem Bürgertum aufkamen.

Antwort
von amywilllove, 50

Das klingt etwas radikal. Nur weil Sex für manche eben mehr bedeutet als für andere heißt es nicht, dass man gleich so krass drauf ab geht mit Keuschheit und so. 

Ich bin kein Biologe oder Psychologe oder so. Aber gerade Frauen empfinden mehr beim Sex als nur Spaß. Das würde ich damit erklären, dass sie sich den Mann gleich halten/sichern wollen, mit dem sie so viel Spaß haben.

Evolutionär betrachtet kann ja eine Frau nur ca. 1 mal im Jahr ein Kind bekommen und ein Mann kann ständig eins machen. Wer sorgt also für die Frau während sie schwanger ist und keine neuen Kinder zeugen kann? Es ist die Angst alleine zu sein denke ich.

Antwort
von Libertinaer, 15

Das ist ein "Problem" der drei monotheistischen Buchreligionen (Judentum, Christentum, Islam). Polytheistische Religionen sehen das i.d.R. DEUTLICH entspannter - zumindest wenn man sich die Zeiten anschaut, als das Christentum noch nicht die Welt kolonialisiert, und den "Heiden/Wilden" die christliche Sichtweise, ähm, "nahegebracht" hatte.

Im Alten Testament, auf denen diese drei Religionen beruhen, ist halt die Sexualmoral nomadischer Hirtenvölker der Steinzeit festgeschrieben. Da war die Frau auch eher die Ware, deren "fabrikneuer" Zustand mit der "Jungfräulichkeit" (vermeintlich) "bewiesen" werden konnte. Für "gebrauchte Ware" gab es halt weniger Ziegen ...

Und diese "Moral" war die einzige, die uns bis vor wenigen Jahrzehnten schon in unsere kindlichen Köpfe gehämmert wurde (s. auch https://www.gutefrage.net/frage/warum-sprechen-leute-von-liebe---es-geht-ja-nur-... ).

Denn: "Wenn ich den Glauben eines Menschen mit 8 oder 9 Jahren habe, habe ich ihn für den Rest seines Lebens.

Je früher ich damit anfange, jemandem einzuimpfen, was er glauben soll, umso eher bleibt er dem für den Rest seines Lebens treu.

Auch wenn er mal abgleitet, irgendwann kehrt er zurück.

Und wenn es zu emotionalen Entscheidungen kommt, wie: wen heirate ich, wen wähle ich, dann wird religöser Glaube mächtig." (Dr. Michael Persinger, Neurologe)

Hinzuzufügen wäre noch: "Wie ich meine Kinder erziehe." Aberglauben kann ja so penetrant langlebig sein ...

PS: Bedenke, dass vor wenigen Jahrzehnten noch Sex nur innerhalb der Ehe zum Zwecke der Zeugung von Nachwuchs okay war. Daher auch Sigmund Freuds "Kinder sind polymorph pervers!" "Pervers" war jede Sexualität, die nicht auf Fortpflanzung ausgerichtet war ...

... was bei Kindern (also vor der Pubertät) logischerweise gar nicht sein kann.

Antwort
von Pusteblume8146, 31

Weil es mit mehr zu tun hat, als nur Fortpflanzung. Wenn es so wäre, hätten die Leute ja nur Sex, wenn sie Kinder haben wollen.

Jungfräulichkeit/ und das Verlieren von Jungfräulichkeit markiert eben in gewissem Sinn einen neuen Lebensabschnitt. Raus aus der Kindheit und rein ins Erwachsenenleben. Ich finde schon, dass das ein großer Schritt ist, aber wie sehr man das Thema hyped, ist ja jedem selbst überlassen ;)

Antwort
von Wuestenamazone, 50

Sex und liebe sind 2 paar Schuhe. Zu Liebe gehört ein bestimmtes Gefühl. Sex ist die Lust zu stillen

Kommentar von Pusteblume8146 ,

Ich sehe das nicht so getrennt. Liebe und Sex gehört schon zusammen, finde ich. Sex ist ja eine “Äußerung“ der Liebe, weil man der Person eben ganz nah sein will.

Antwort
von Kurly1996, 55

Naja es ist ja nicht gleich Fortpflanzung. Wenn zwei Menschen sich lieben fallen sie eben über sich her und da passiert es eben aus Liebe.

Antwort
von Aliha, 39

Wenn das bei dir nur ein "Akt der Fortpflanzung" ist, wie bei den Tieren, dann tust du mir leid.

Kommentar von Sanxra ,

No need to, mir fehlt nichts :D

Antwort
von Madmoisele, 21

Aus Zeitzuleben:

EROS: Die triebgeleitete körperliche Liebe, die nimmt und sich befriedigt.

PHILIA: Die freundschaftliche Liebe, die teilt und sich freut.

AGAPE: Die Liebe, die bereit ist sich für den anderen aufzuopfern, und die mitfühlend ist.

Da die Begriffe  aus dem Altertum stammen, muss damals die Liebe etwas Hochentwickeltes und wohl sehr Befriedigendes gewesen sein, im Vergleich zu heute.

Vor allem wenn in einer Beziehung alle drei Arten der Liebe vorhanden waren.

SEUFZ

LG

MADMOISELE

Antwort
von AriZona04, 37

Ist halt eine poetische Aussage.

Manche sagen auch "Kind der Liebe" zu einem Baby - dabei kann man auch bei einer Vergewaltigung schwanger werden.

Sind eben poetische Aussagen. Klingt romantischer.

Antwort
von sweetSquirrel, 11

Das mit der Jungfräulichkeit find ich auch in Religionen etwas zu sehr übertrieben. Ich würde Sex aber schon irgendwie als "Akt der Liebe" bezeichnen, weil ich finde, dass da schon einiges an Vertrauen dazu gehört (außer man is ne Schla mpe), um sich dem Partner so schutzlos zu zeigen.

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