Warum ist Selbstmord in unserer Gesellschaft so verpönt?

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10 Antworten

Hallo Micha!

Grundsätzlich ist es beim Freitod wie mit psychischen Erkrankungen: Man liest zu viel einseitige Sensationsberichterstattung, populistischen und wertenden Schund, der journalistisch absolut unseriös ist & das stigmatisiert eben, lockt vorgefertigte Meinungen an & bringt die Stammtischbrüder, die "alles besser wissen" ins Sinnieren..

Der Freitod ist deswegen so verpönt, weil er nicht mit gesellschaftlichen Idealen harmoniert ("man macht es nicht"), weil er nicht zu einer immerzu strahlenden lachenden Gesellschaftsrolle passt & außerdem viel zu wenig darüber bekannt ist.. die wahren Beweggründe eines, der sich umbringt, sind keinem geläufig der nicht selbst schon psychisch ganz weit unten angekommen war. Sobald sich so jemand das Leben beendet, ist ihm dabei alles egal.. sowohl die Reaktion/Trauer der nächststehenden als auch das, was andere darüber reden könnten. So jemand will einfach nur noch schmerzfrei leben, egal ob man psychisch oder körperlich gehemmt ist.

Außerdem ist es so, dass dem Freitod in der Regel Sachverhalte vorausgehen, die gesellschaftlich negativ konnotiert bzw. stigmatisiert sind oder auch einfach als unseriös gelten -------------> zum Beispiel schwere Krankheiten, psychische Probleme, berufliche oder private/familiäre Schwierigkeiten oder andere Themen, aus denen der Betroffene, der dann den Freitod wählt, keinen Ausweg mehr gesehen hat,weswegen am Ende der Freitod steht, um das Leid nicht mehr ertragen zu müssen. Es sind mMn schlicht gesellschaftliche Vorurteile die dieses Bild erzeugen ----------> weil der Freitod mit seiner typischen Vorgeschichte eben nicht mit dem konformgeht, was die oft leistungs- und schönheitsorientierte Gesellschaft von einem "immer glücklichen, strahlenden, selbstbewussten, erfolgreichen Menschen, der keine Probleme hat und alles meistert" erwartet.

Ein paar Beispiele aus meinem Umfeld von den letzten 10 Jahren: Ich kannte einen Mann, der sich mit über 80 umbrachte, nachdem seine Frau mit der er 60 Jahre verheiratet war, wenige Monate zuvor verstorben ist. Ein paar Dörfer weiter hat sich vor ca. acht Jahren ein damals ca. 25-jähriger Jungjäger im Hochsitz erschossen, weil er Liebeskummer hatte. Ein mir entfernt bekannt gewesener Mann wählte vor ca. 10 Jahren den Freitod und stürzte sich von einem Hochhaus, weil er schwer depressiv war und keinen Ausweg mehr sah, und erst Anfang des vergangenen Jahres hat sich ein Kollege meines Onkels erhängt, der im Endstadium schwer krebskrank gewesen ist und keine Chancen mehr auf Heilung gehabt hätte. Alles tragische Schicksale ----------> und alle gaben Anlass zu wilden Spekulationen, Theorien, Tuscheleien und sogar teilweise übler Nachrede.

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Verpöhnt nicht aber als positiv würde ich es auch nicht sehen. Es ist aber definitiv kulturell geprägt.

Sterbehilfe lasse ich mal außen vor. Wenn man todkrank ist finde ich sollte man die entscheidung treffen dürfen.

Dann wird es aber schwierig.

Psychisch kranke menschen die zum beispiel schwerst depressiv sind sind meiner Meinung nicht wirklich in der lage eine ausgibig überlegte entscheidung zu treffen. Diesen menschen kann in vielen fällen (aber nicht allen) auf anderen wegen geholfen werden wieder zu einem gesünderen selbstverständniss zu kommen.

Sehr schwierig finde ich es bei Physisch kranken die z.b. unter großen schmerzen leiden die aber auf lange sicht gesehen heilbar sind.

Das Problem sehe ich daran das man seinen nahestehenden mitmenschen mit so einer tat in den meisten fällen sehr verletzt. So könnte man es auch von dem standpunkt aus sehen das man sich auch dafür entscheidet seine nahestehenden mitmenschen zu verletzten und dann ist man imgrunde ein egoistischer arsch.

Aber in den meisten fällen sind die personen ja in entsprechenden extremsituationen. Was aber wiederum wie gesagt eine bewusste entscheidung zu nichte macht.

Ist zumindest meine Meinung zu dem thema. Wers tun will tut sowieso und lässt sich davon warscheinlich nur mit zwangsjacke und sedierung abbringen. Und wenn dann sollte man es so tun das man nicht noch extra unschuldige mit reinzieht. Leute die sich z.b. vor zügen werfen kann ich leider wenig mitleid entgegenbringen.

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Wir leben in einer christlichen Kultur. Selbstmord wurde lange Zeit als Verbrechen gegen Gott angesehen (man beendet das Leben, welches einem Gott geschenkt hat). Daher wurden Selbstmörder auch in derr Vergangenheit nicht auf Friedhöfen beigesetzt. Die Begründung ging so mit der Zeit ins kulturelle Bewußtsein über.

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Ich find jetzt nicht dass man selbstmord in unserer gesellschaft "verachtet". Bei Robert enke z.B gab es eine welle des mitgefühls von allen seiten.
Es wird jetzt zwar nicht gerade befürwortet, aber das kommt glaub ich hauptsächlich von der Kirche; dass dir dein leben von gott gegeben und schließlich auch genommen wird. Nicht von dir

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Was heißt verpönt? Sollte er etwa bejubelt werden? Ich denke, eher kommt Mitleid mit dem Betreffendem auf.Bei schwersten Erkrangungen mit unsäglichen Schmerzen habe ich großes Verständnis für diese Menschen.

Sogar ein Erich Loest hat aus diesem Grund mittels Fenstersturz seinem zuletzt so qualvollem Leben ein Ende gesetzt.

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Kommentar von Cutsergeant
15.10.2016, 01:34

Was, findest du, wäre verkehrt daran, Selbstmord zu bejubeln?

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Kommentar von Cutsergeant
15.10.2016, 12:24

Seinem Leben ein Ende zu setzen halte ich für eine sehr große Leistung, das machst du nicht einfach mal so. Ich denke man könne daran die Stärke bejubeln, es getan zu haben, da es, wie gesagt, Kein leichtes ist sich umzubringen. wobei es wahrscheinlich stärker wäre sein (in dem Fall wohl schlechtes Leben) weiter zu beschreiten.

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Im christlichen Abendland erhielten Menschen, die Suizid begingen, kein christliches Begräbnis, das war für die Familie eine Tragödie. Ich denke, aus diesem christlichen Glauben heraus, ist zu verstehen, warum die Menschen  sich dem Suizid gegenüber so verhielten. Hier ein Link dazu:

https://gotquestions.org/Deutsch/Bibel-Selbstmord.html

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Denke da spielt noch die Kirche mit rein. Finde es an sich nicht verkehrt. Gibt eh genug Menschen auf diesem Planeten. 

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Ich sehe das nicht so und kenne auch niemandem, der das dermaßen verachtet oder wo es verpönt ist. Man kann versuchen zu helfen und mitleid haben, aber letztendlich finde ich nicht, dass es verpönt ist.

Den assistierten suizid erachte ich erst recht nicht als verpönt, ist ja im grunde dasselbe.

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weil du auch deine familie damit auch einziehst, wenn das eine person macht

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Weil der Tod nichts ist, rein gar nichts und das ist schlecht. Das Leben ist alles was wir haben.

Klar ist eine menschliche Existenz bedeutungslos, doch so denkt man eben nicht, weil es außer existieren nichts anderes gibt.

(Ja ich weiß, es gibt Personen die an mehr oder was anderes *glauben*)

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