► tommmi ◄ am 27.06.2007 um 22:29 Uhr
Was ist es, das uns nach einem Verlust nicht mehr so glücklich sein lässt, wie vor dem "Besitz"?
Ich kann mich da nicht unbedingt daran anschließen. Besitz, zumindest in materieller Form kann ungemein belasten. Ich hab selbst sehr viel verloren und mich anschließend hinterfragt. Zuerst war ich unglücklich bzgl. des Ansehen anderer. Dennoch spürte ich, und nahm es auch sehr schnell bewusst war, daß weniger, aber wichtiges u.U. wertvoller sein kann. Besitz kann auch belasten
Es ist, wie "paradies" sagte: wenn man erst einmal etwas hatte, was man vorher nicht kannte, und man bekommt es dann wieder "weggenommen", dann fehlt es einem. Zuvor konnte es einem nicht fehlen, da man ja garnicht wußte, wie es ist. Man bewertet also auch im Nachhinein, dass es vorher nicht so schön war (man erkennt den Wert dessen, was davor war, nicht mehr) und man nun ohne das, was man verloren hat, scheinbar nicht mehr in gleicher Weise glücklich sein kann (hier sieht man dann oft nur die Vorteile, dessen, was man verloren hat - nicht aber mehr die Nachteile). Das Ganze ändert sich jedoch in dem Moment, wo man einen geeigneten "Ersatz" erhält, der einen womöglich noch mehr erfreut, als das, was man verloren hat. Dann rutscht das "Neue" auf die Stelle des "Alten" - vielleicht war der Verlust des "Alten" sogar notwendig, um das Neue zu finden - und der Mensch ist wieder (oder sogar noch mehr) glücklich, als vorher. So läuft es im Grunde das ganze Leben lang. Es mag auch daran liegen, dass der Mensch im Grunde schwach ist und in seinem Glücksempfinden beeinflussbar. Er definiert sein Glück meist über Äußerlichkeiten (Erfolg, Liebe, Schönheit).Ein "in sich" und in jeder Lebenssituation glücklicher Mensch ist immer glücklich - egal, was ihm widerfährt (aber wer kann das schon?). Ein anderer aber, der z.B. früher als Bettler zufrieden war und durch Zufall zu Reichtum gelangt ist, wird mit anschließender Armut nicht mehr zufrieden leben können, da er nun gemerkt hat, wie schön Reichtum sein kann und er wird mit seinem Verlust hadern.Und eines kommt noch dazu: der Mensch braucht sogar diese Unzufriedenheit, denn nur ein unzufriedener Mensch strebt und entwickelt sich weiter, da er seinen Zustand wieder optimieren möchte - ein durch und durch zufriedener Mensch bleibt statisch (oder wäre esoterisch betrachtet am Ziel angelangt). Die bewußte "Weiter-Entwicklung" ist eines der wesentlichen Dinge, die den Menschen vom einfachen Tier unterscheiden und führt z.T. zu unglaublichen Ergebnissen. (Größte Erfindungen sind z.T. in tiefsten menschlichen Kriesen entstanden). Also Fazit: nicht das "Glücklichsein" verändert sich, sondern wir definieren unsere Bedingungen für Glück nur jedes Mal neu!
Ein grosser Block zu lesen - aber absolut wahr ! Schliesse mich Dir an !
Xy ‹^^› ///(•¿•)\\\ ‹^^› am 28. Juni 2007 00:21 super, schön geschrieben!
Danke für die Blumen!
Oskar Momo am 28. Juni 2007 19:04 dafür gibts nur drei Buchstaben
W O W
Danke für diese wunderbaren Zeilen! Das ist genau DIE Antwort auf meine Frage! Bin begeistert. Weiter so. Deine Beiträge sind so wertvoll für gutefrage.net
Oh je...diese Kinder...sorry - vor lauter lauter bin ich mit meinem Kommentar total auf die falsche Frage verrutscht und habe mich gerade selbst kommentiert...wie ging jetzt das?...oh sorry für die Verwirrung...man sollte eben gewisse Dinge nicht mit Kindern im Nacken tun....nein, ich bin (noch nicht) übergeschnappt.
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Das Wissen, wie es war, als man es hatte. Vor dem Besitz wußte man noch nicht, wie es sein würde, es zu haben.

Weil man vor dem "Besitz" keine Ahnung hat, was er einem "bringen" würde. Auf Menschen bezogen, bevor ich jemand kannte, konnte ich ihn ja schlecht lieben, bzw. wenn ich mit jemanden glücklich bin, male ich mir ja nicht aus, wie es ohne sein wird. Und vorher konnte ich nicht ahnen wie es mit ist.
Wenn der Besitz (von was auch immer, materiell oder nicht) eine Bereicherung war, konnte man sich das vorher nicht so vorstellen. Insofern war man zuvor zufrieden mit dem, was man hatte. Hat man die Bereicherung erfahren, merkte man vielleicht, was einem gefehlt hatte. Diesen Verlust spürt man dann nachher, weil man nun weiß, dass das Bedürfnis da ist, dessen Befriedigung nun aber nicht mehr.
Könntest du deine Frage vielleicht etwas präziser stellen?

klingt nach verklausulierter mitteilung von liebeskummer. warum nicht direkt gesagt? und ist der kummer vielleicht deshalb so groß, weil du irrtümlich gedacht hast, ein mensch sei dein besitz?