Frage von DieMuellermilch, 35

Warum ist hier der Kaufvertrag gültig bzw. warum nicht?

Moin alle zusammen, ich habe eine kurze fachliche Frage zu Kaufverträgen. Und zwar geht es um 2 Aufgaben.

Die erste Fall lautet:

Thorsten B kauft sich beim Fahrradhändler Piet H. ein hochwertiges Rennrad der Marke Pinarello. Er wendet für den Kaufpreis von 3500,-- Euro seine gesamten Ersparnisse auf. Am nächsten Tag ruft der Händler bei Thorsten an, er wolle das Geschäft rückgängig machen. Er habe zu knapp kalkuliert, dass Rennrad müsse daher 500,-- Euro teurer sein.

Antwort laut Lösung:

  • Willenserklärung ist gültig. Mangelnde Preiskalkulation zählt nicht als Irrtum. Der Kaufvertrag ist gültig.

Der zweite Fall:

Kann ein Lieferant der ABC GmbH einen bereits abgeschlossenen Kaufvertrag wieder rückgängig machen?

Lösung:

Ja, wenn der Lieferant feststellt, dass im Angebot versehentlich anstatt 200,00 Euro nur 20,00 Euro als Stückpreis angegeben wurden.

Ich verstehe hier nicht ganz den Unterschied. Bei beiden liegt eine Fehlkalkulation vor, soweit ich das sehe. Warum ist denn der Kaufvertrag oben gültig und unten kann er wieder zurück genommen werden? Liegt es daran, dass im ersten Fall ein einseitiger Handelskauf vorliegt? (Privatperson und Kaufmann) und im zweiten Fall ein zweiseitiger Handelskauf (Kaufmann und Kaufmann)?

Über eine kurze Rückmeldung, vllt. auch unter Angabe der § wäre ich sehr dankbar.

Gruß

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von ralf3, 24

Guten Tag, 

die Fehlkalkulation liegt nur im Fall 1 vor. Dort stellt der Kaufmann ja erst nach Abschluss des Rechtsgeschäfts fest, dass er für seine Waren zu wenig Geld verlangt hat.

Im Fall 2 hat der Kaufmann ja seine Preise bereits im Voraus richtig berechnet. Dort gibt es ein Irrtum in der Übertragung (z.B. Tippfehler). Das Rechtsgeschäft ist dort also anfechtbar/nichtig.

Gruß, Ralf

Antwort
von Ronox, 12

Beide Kaufverträge sind wirksam. Die Frage ist nur, ob die jeweilige Willenserklärung jeweils angefochten werden kann, was dann den Vertrag zu Fall bringen würde. Im zweiten Fall handelt es sich um einen klassischen Erklärungsirrtum, da das Gewollte vom Geschriebenen abweicht. Im ersten Fall wollte er aber gerade zu diesem Preis verkaufen, der "Fehler" lag in der Willensbildung (Kalkulationsirrtum).

Antwort
von Leisewolke, 18

im Fall 2 handelt es sich um einen Schreibfehler (20 statt 200) daher kann der Lieferant den Kaufvertrag rückgängig machen. Im Fall 1 hat sich der Händler Piet verkalkuliert und kann seinen Schaden nicht auf den Endverbraucher abwälzen. Da kann Thorsten nichts für, dass Piet nicht richtig rechnen kann.

Antwort
von MaxNoir, 13

Ne, es liegt eben nicht in beiden Fällen eine Fehlkalkulation vor. Der erste Fall ist eine Fehlkalkulation, also das Risiko des Händlers, dass er zu blöd ist richtig zu rechnen.

Im zweiten Fall liegt lediglich ein Druckfehler vor. Hat ja mit einem Kalkulationsfehler nichts zu tun.

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