Frage von Alinavongestern, 78

Warum ist Fußball in Deutschland immer noch so beliebt?

Ich will da keine persönlichen Meinungen zu hören, sondern eher sachliche Antworten zum "geschichtlichen" Hintergrund, also wie es dazu kam und warum es heute immer noch so ist.

Antwort
von Lynx77, 18

Ich behaupte, dass der Erfolg von Fußball stark davon abzuleiten ist, dass es ziemlich jeder Spielertyp spielen kann. Man ist nicht gebunden an eine gewisse Körpergröße oder Statur, sondern jeder bringt seine eigenen Vorteile und Nachteile mit rein und ganz ähnlich sieht man das auch bei einer anderen Sportart, die sich in enormer Beliebtheit sonnt: American Football.

Beim Fußball kann man alle gebrauchen. Der gigantische Hüne Gustav, ein Zeugling aus einen Kriegsveteranen der Roten Armee und der zwei Meter großen Hilda - Nachfahrin aus der Wikingerblutlinie Knut des Großen - kann ein gefährlicher Sturmtank sein oder auch ein Bollwerk in der Verteidigung. Der kleine Dribbler mit spanischen Wurzeln und Glücksspielsucht Ricardo, der die Flügel des Spielfeldes dominiert, ist ebenso wichtig wie der charismatische Kämpfer und Landwirt Marten, der zwar technisch weniger auf dem Kasten hat, dafür aber den Gegner in Grund und Boden rennt bevor er am späten Abend noch mal eben 2 Morgen Ackerland pflügen muss. Jeder erkennt die Stärken des anderen und die damit verbundenen Vorteile, die es für einen selbst und für das Team mitbringt und das fördert die Akzeptanz, das Selbstwertgefühl und den Spaß daran.

Das gepaart mit der eigentlichen Einfachheit des Spiels, lässt das ganze auch einfach auf Schulhöfen oder auf der Straße praktiizieren. Eigentlich braucht man nur einen Ball (oder alternativ halt den Kopf eines geopferten Azteken, je nachdem in welcher Region und in welchem Zeitalter man sich befindet). Tore lassen sich auch mit Turnbeutel oder Schuhen abstecken (oder mit der Wirbelsäule abgeschlachterer Ziegen) und los geht der Spaß.

Dazu noch der Wettbewerbscharakter und fertig ist das ziemlich geniale Spiel :)

Antwort
von Maxieu, 9

Lynx77  hat bereits sehr viel Richtiges geschrieben.

Dazu kommt:

*Fußball ist objektiv spannender als die meisten anderen Ballsportarten
(ausgenommen Hockey), weil in jeder Spielsituation das Spiel durch Ballverlust kippen kann - weil wir nämlich mit dem Fuß (und dem Hockey-Schläger) nicht so geschickt sind wie mit der Hand.

*Der Fußball hat ästhetischere Dimensionen als etwa Handball, wo ein Riese einem anderen Riesen einen relativ kleinen Ball aus drei, vier Metern Entfernung - oft knapp am Kopf vorbei - in ein kleines Gehäuse ballert - mit der Folge, dass so viele Tore fallen, dass ein einzelnes Tor praktisch nicht mehr zu einem Erlebnis werden kann.

*Fußball wird nicht nur massenhaft gespielt, sondern hat durch diese massenhafte Beteiligung auch ein Vereinsleben zur Folge, das in besseren Zeiten einen ganzen Ort oder Ortsteil widergespiegelt hat.
So bot (und bietet gelegentlich noch) der Fußball Anknüpfungsmöglichkeiten
für Lokalstolz und Lokalpatriotismus.


Zur Zeit wird der Fußball durch drei Tendenzen ausgehöhlt:

*die Kommerzialisierung ("Rummenigge, Rummenigge, all night long")

*die damit zusammenhängende  gewalttätige Hooligan-Szene

*die Gewaltbereitschaft der Spieler und Zuschauer in den unteren Spielklassen und im Jugendbereich - zu großen Teilen ein Resultat der Zuwanderung aus Kulturkreisen, wo ehrenhaft zu verlieren und sich zu einem Fehlverhalten (Foul) zu bekennen nicht oder kaum zum Erziehungsprogramm gehören.

Mit dem Erfolg deutscher Nationalmannschaften in der Vergangenheit, wie hier einige vermuten, hängt das eher nicht zusammen. Fußball ist auch in vielen weniger erfolgreichen Ländern Sportart Nr. 1!


Antwort
von schwarzwaldkarl, 41

Gegenfrage, warum sollte jetzt Fußball in Deutschland plötzlich nicht mehr beliebt sein? Letztendlich ist es halt bei den Sportarten meistens so, dass es auch indirekt mit dem Erfolg in Verbindung steht...

Angenommen, die Deutsche Nationalelf würde laufend bereits an der Qualifikation zu einer EM oder WM sowohl bei den Männern, als auch bei den Frauen scheitern, dann wäre Fußball in Deutschland garantiert nicht mehr so beliebt...

Als Vergleich schaue Dir mal Tennis an, da gab es die Zeiten mit Steffi Graf und Boris Becker... später aber eine richtig Durststrecke... Mittlerweile sorgt z.B. Angelique Kerber dafür, dass Tennis in Deutschland wieder beliebter ist... 

Kommentar von Alinavongestern ,

Es geht mir ja darum, wie das alles angefangen hat. Also meinst du, Fußball ist in Deutschland erst so verbreitet geworden weil die deutschen Teams viele Erfolge hatten?

Kommentar von schwarzwaldkarl ,

weiß jetzt nicht wie man das "von gestern" genau deuten soll, aber Dir ist schon bekannt, dass Deutschland 1954 zum ersten Mal Weltmeister wurde und dort war die Begeisterung schon riesig... Weiß das allerdings jetzt nicht als Zeitzeuge, das nur am Rande... 

Fußball ist halt auch eine Sportart die offensichtlich viele Leute anspricht, obwohl es für Dich garantiert wesentlich tollere Sportarten gibt...  

Bin mir 100%ig sicher, dass Fußball in Deutschland Randsport wäre, wenn es die Erfolge nicht gegeben hätte... In meiner Jugend wurde nur als Beispiel Deutschland Hockey-Olympiasieger... Damals haben wir aus Brettern "Hockeyschläger" gebastelt und auf der Straße Hockey gespielt...

Antwort
von wfwbinder, 29

Fußball kam von England nach mittel- und Südeuropa.

Auf dem Kontinent gehörte Deutschland schnell zu den besten.

Schließlich waren wir auch 1934 schon WM Dritter (1930 hatte Deutschland nicht teilgenommen, 1938 schnell ausgeschieden, weil man aus der deutschen und der österreichischen Nationalmannschaft, die jeweils Spitze waren, aus politischen Gründen ein Team machen musste).

Fußball ist ein Spiel wo jeder Schüler mitmachen kann. Ausser dem Ball braucht man kein Sportgerät. Keine komplizierte Technik am Schläger wie bei Hockey, oder Tennis.

Es ist praktisch für jeden bezahlbar.

Antwort
von archibaldesel, 21

Was meinst du denn mit "immer noch"? Warum sollte das Interesse abnehmen?

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