Frage von Weact1983, 23

Warum ist es so schwer eine Hebamme zu finden?

Antwort
von isebise50, 19

Freiberuflich arbeitende Hebammen brauchen zwingend eine Berufshaftpflichtversicherung. Die Absicherung vor Schadensersatzansprüchen Dritter ist für sie nicht nur zur eigenen Sicherheit essentiell, sondern auch gesetzlich vorgeschrieben.

Deren Prämien sind in den letzten Jahren extrem gestiegen, derzeit liegen diese bei 6.274 Euro für die freiberufliche Geburtshilfe. Im Juli steigen sie erneut auf über 6.800 Euro jährliche Prämie. Bereits in der Vergangenheit konnten viele Hebammen die steigenden Haftpflichtkosten aufgrund anhaltend niedriger Vergütung nicht mehr erwirtschaften. Keine geburtshilflich tätige Hebamme bekommt aktuell noch einen finanziellen Ausgleich für ihre Haftpflichtkosten. Der GKV-Spitzenverband hat das bisherige System des Haftpflichtausgleichs für freiberufliche Hebammen abgeschafft.

Der extreme Anstieg erfolgt nicht, weil Hebammen für mehr Geburtsschäden verantwortlich sind, sondern weil die Kosten für den einzelen Schadensfall sich vervielfacht haben. Deshalb steigen viele Hebammen aus der Freiberuflichkeit oder sogar ganz aus ihrem Beruf aus, denn von seiner Arbeit sollte man schon leben können. Der Mangel ist für viele Frauen schon jetzt spürbar, viele Schwangere finden keine Hebamme mehr in ihrer Umgebung für die Vorsorge, die Wochenbettbetreuung oder eine außerklinische Geburt finden.

Auch die Krankenhäuser sind betroffen: Um Kosten zu sparen, kündigen die Kliniken den Hebammen und beschäftigen sie freiberuflich weiter, oder schließen ihre Kreißsäle gleich ganz. Die verbleibenden Hebammen betreuen deshalb oft mehrere Geburten gleichzeitig, was nicht selten zu Komplikationen während der Geburt führt. Ein Krankenhaus in Bruchsal musste aus Mangel an Hebammen zeitweise Öffnungszeiten im Kreißsaal einführen. Frauen, die ihr Kind zwischen 17 und 7 Uhr bekamen, wurden an andere Kliniken verwiesen.

In Deutschland schliddern wir zur Zeit durch diese Versicherungsproblematik in einen Hebammennotstand, den du vielleicht leider zu spüren bekommst. Im Internet oder auf Flyern beim Frauenarzt oder in der Klinik findest du Hebammenlisten. In manchen Städten gibt es schon (aus der Not heraus geboren) Hebammenpraxen mit Sprechstunden fürs Wochenbett.

Es wäre toll, wenn alle Frauen, die bei der Suche nach Hebammenunterstützung fehlschlagen, sich mit Briefen an Ihre Abgeordneten, an die GKV - Frau Massing und/oder an Gesundheitsminister Herrn Gröhe wenden würden. Briefvorlagelagen gibt es unter:

http://www.hebammenfuerdeutschland.de/protest

Sollte der Hebammenberuf aussterben, dann möchte ich den Frauen- oder Kinderarzt sehen, der nachts, am Wochenende oder Weihnachten ein offenes Ohr, geschweige denn die Bereitschaft für einen Hausbesuch zeigt.

Wo bleibt das durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verbriefte Recht jeder Schwangeren, ihren Geburtsort frei wählen zu dürfen, wenn es vielleicht bald keine Wahl mehr gibt! Ein Armutszeugnis für ein reiches, zivilisiertes Land und seine Gesundheitspolitik!

Entschuldige bitte meinen langen Text, aber dies ist mir eine Herzensangelegenheit!

Alles Gute für dich und eine gesunde und tolle Schwangerschaft und Geburt!


Antwort
von LiselotteHerz, 23

Weil es kaum noch Hebammen gibt, ich habe mich auf Anraten meines Gynäkologen bereits im 6. Monat umgesehen.

Leider hat mir das bei der Entbindung direkt gar nichts gebracht, weil meine Hebamme in dieser Nacht keinen Dienst hatte, kam allerdings nach der Entbindung immer zu mir nach Hause und hat mich noch lange sehr nett betreut. lg Lilo

Antwort
von Starfighter1979, 22

Weil der Beruf von usererm kranken System so unattraktiv gemacht wurde dass ihn kaum noch jemand ausüben will

Antwort
von jule2204, 19

Die müssen sehr hohe Versicherungssummen zahlen.

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