Warum ist es beim Konjunktiv bei diesen Verben anders?

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3 Antworten

Ich sage nur mal so aus der Sprachpraxis: ein Präteritum wie "ich hoffte" ist aus der deutschen Umgangssprache fast komplett ausgestorben (meiner Erfahrung nach). Ein Perfekt wie "ich habe gehofft" ist dagegen durchaus noch üblich.

Abgesehen von "ich war" und "ich hatte" (was sehr häufig ist) sind andere Präteritumsformen generell in der deutschen Umgangssprache selten geworden (ok, manche Hilfsverben noch, "sollte", "musste", "durfte"...).

Meine Erfahrung: nicht nur Genitiv stirbt allmählich aus (zugunsten des Dativs), sondern auch das Präteritum (zugunsten des Perfekts, obwohl dieses eine "längere Form" hat).

 

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Ich meine, dass es mit dem Zeitengefüge zusammenhängt, ich denke dabei an das, was im Französischen die "concordance des temps" bezeichnet.

  • "Ich hoffe, Du bist gesund" ist klar - wir sind in der Gegenwart und jemand sagt den Satz bspw. am Telefon. Der Gesprächspartner kann gleich sagen, ob er gesund oder krank ist.
  • Bei "Ich hoffte, Du wärest gesund" ist jetzt schon bekannt, ob das Du zum Zeitpunkt des Hoffens nun gesund oder krank war. Es ist eine Erzählung, vollständig abgeschlossen.
  • "Ich hoffte, Du seist gesund." Bei diesem Satz sind wir in der Gegenwart. Nehmen wir an, ein Besucher kommt und trifft den Gastgeber krank an. Er sagt: "Ich hoffte ('ich habe gehofft' ist übrigens sehr viel idiomatischer), Du seiest gesund. Und jetzt treff ich Dich hier krank an...". Die Hoffnung bezog sich auf die Gegenwart, fand aber in der Vergangenheit (bspw. beim Entschluss, den anderen zu besuchen) statt.

Noch ein Beispiel, was die Zeitenfolge ganz deutlich macht:

  • Ich hoffe, Du kommst zu meinem Geburtstag. / Ich hoffe, Du wirst zu meinem Geburtstag kommen. (Auch das Präsens hat hier Zukunftscharakter.)
  • In der Vergangenheit: Ich hoffte, Du würdest kommen. > Der Konjunktiv ist hier das "Futur der Vergangenheit".

Auch bei "wünschen" und "scheinen" musst Du deutlicher differenzieren:

  • Ich finde, dass ein uneingeleiteter Nebensatz nach "wünschen" im Präsens Indikativ nicht idiomatisch ist: "Ich wünsche, dass Du kommst." (Niemals würde ich sagen: "Ich wünsche, Du kommst/Du kämst." - egal, ob Konjunktiv oder Indikativ im Nebensatz. Ich habe das auch noch nie so gehört.)
  • Bei "wünschen" im Konjunktiv2 im Hauptsatz ist ein uneingeleiteter Nebensatz idiomatisch: Ich wünschte, Du würdest kommen / Du kämst. Hier ist der Wunsch ausschlaggebend für den Konjunktiv. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Wunsch in Erfüllung geht, ist gering.
  • Wenn nun die Vergangenheit ausgedrückt wird, dann greift wieder die Zeitenfolge: Ich habe mir gewünscht, Du würdest kommen. Ich habe mir gewünscht, dass Du kommst. (Und in dem letzten Fall ist das Du auch da.)

Und bei "scheinen" fehlt mir jetzt die Motivation.

Ich habe das schon einmal gefragt: Wofür brauchst Du das? Ich bezweifele den Sinn solcher Überlegungen. Ich beschäftige mich auch viel mit Sprache, sowohl mit meiner Muttersprache als auch mit einer Fremdsprache, und ich gebe mich auch nicht mit Oberflächlichkeiten zufrieden. Allerdings tauchst Du hier meines Erachtens an falscher Stelle und mit dem zwanghaften Wunsch nach festen Wenn-dann-Regeln. Darüber verlierst Du die Praxisrelevanz und die Idiomatik.

Diese Fragen sind nicht schwarz-weiß zu beantworten. Es reicht ein einziges Gegenbeispiel, und Dein Konstrukt kracht zusammen. Ob in diesen Fällen Konjunktiv oder Indikativ ist, hat mit den uneingeleiteten Nebensätzen außerdem wenn überhaupt nur noch wenig zu tun. Es geht hier um Idiomatik und darum, einen bestimmten Sachverhalt zu verdeutlichen. Du kannst dieses Thema nicht durch die grammatischen Scheuklappen betrachten. 

Also: Wozu brauchst Du das?

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Das ist mir nicht bekannt. Soweit ich weiß, werden die Verben hoffen, scheinen, wünschen usw. alle gleich konstruiert.

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Kommentar von markdeni
22.01.2016, 15:08

Also ist im Indikativ Präsens dieser Verben der uneingeleitete Nebensatz im Indikativ, in der Vergangenheit der Verben ist aber der uneingeleitete Nebensatz im Konjunktiv 1 oder 2?

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