Frage von codnap89111, 49

Warum ist die Schule als Leistungskonkurrenz organisiert?

Eine Note an sich bekommt überhaupt erst Aussagekraft, wenn sie mit anderen verglichen wird. Es wird also NIE die individuelle Leistung des Schülers bewertet. So weiß jeder Schüler, dass er sich möglichst nicht bei Lerndefiziten ertappen lassen darf, obwohl die nichts als das Produkt des Unterrichts sind. Folglich muss er seine Wissenslücken und Unkenntnis vertuschen und ganz bei sich behalten, weil er weiß, dass ihre Offenlegung nicht deren Beseitigung, sondern deren Bestrafung durch schlechte Noten nach sich ziehen kann. Was ist denn also der Zweck dieser Konkurrenz?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Machtnix53, 40

Um das System zu erhalten, das sich auf dem Gegeneinander begründet.

"Teile und Herrsche". Die Vereinzelung ist die Grundlage jeder Macht. Wenn die Menschen miteinander und füreinander leben würden, wären sie eine Gefahr für die Macht der Privilegierten.

Ohne die Noten, die sagen "Du bist besser als die anderen" oder "Darin bist du aber schlecht", würden die Schüler sich wohl eher fragen, warum sie den ganzen fremdbestimmten Leerplanstoff pauken müssen.

Antwort
von Kuhlmann26, 7

Die Schule hat heute die gleiche Aufgabe wie vor 100 Jahren. Sie dient den Mächtigen. Die Mächtigen sind heute in der Wirtschaft zu finden. Was ist ein wesentliches Merkmal unseres Wirtschaftssystems? Konkurrenz!

"Und noch ein weiteres Element des heimlichen Lehrplans dient der Schule zur Rechtfertigung. Die Annahme nämlich, dass in der Bildung wie andernorts Konkurrenz der entscheidende Motor ist, um die schüttere Lernbegeisterung aufzumöbeln. Die Schule lehrt, dass mein Lernerfolg umso größer ist, je mehr andere ich hinter mir lasse oder drastischer noch, zur Strecke bringe. Schulisches Lernen ist ein Nullsummenspiel, bei dem es nicht darauf ankommt, Einsicht und Erkenntnis zu gewinnen, sondern Sieger zu sein. Siegen wollen erfordert aber eine gänzlich andere Bemühung und Haltung als erkennen wollen. Und tatsächlich sind beim Siegen-Wollen so viel wahrheits- und erkenntniswidrige Motive im Spiel, dass dabei jede Einsicht – außer der in die Spielregeln des Siegens – auf der Strecke bleibt. Kurzum unter Konkurrenzbedingungen hat Bildung keine Chance."

Quelle: www.streifzuege.org/2013/bildung-braucht-gastlichkeit

Gruß Matti

Antwort
von Undsonstso, 45

Nun ja, die ganze Gesellschaft basiert auf Leistung und Vergleich.
Und schon die Kleinen im Kindergarten ziehen Vergleiche.

Somit wäre es unklug, die Schule als lustig kleinen Ponyhof zu konzipieren.


Kommentar von codnap89111 ,

Naja, aber dann geht es in der Schule doch nur sekundär ums lernen

Kommentar von Undsonstso ,

Sehe ich anders. Wenn man sich die geleisteten Schulstunden eines Faches anguckt und die Zeit für Tests und Klassenarbeiten gegenrechnet, sieht man sehr gut, wo die Priorität liegt.

Kommentar von codnap89111 ,

Aber man lernt doch nur für die Tests, was danach passiert ist für die Note völlig unerheblich. Da sperren sich Schüler gegen das Abschreiben, weil die gute Note des Mitschülers die eigene relativiert.Die Leistungskonkurrenz soll immerhin die Schüler ermitteln, denen der Weg auf Gymnasium versperrt oder erschwert wird. Und da die Proportionen, in der die Schüler nach Hauptschule und weiterführendem Schulwesen durchsortiert werden, gerade nicht durch individuell erbrachten Leistungen bestimmt sind, sondern im Prinzip vorher behördlich festgelegt werden, steht für alle Schüler längst fest, dass die Konkurrenz viele Verlierer und weniger Sieger hervorbringt.

Antwort
von paulklaus, 27

Vordergründig geht es um Lernerfolg, um das Erlangen guter Noten, die ohnehin KOMPLETT UNSINNIG sind, da ohne jeden (prognostischen) Aussagewert.

Hintergründig geht es darum, "die Jugend" der Wirtschaft zuzuführen - und das so früh wie möglich ---> siehe G 8 !!

Ein Mini-Rädchen im Getriebe des Spätkapitalismus zu werden - das ist vorrangiges Ziel der Schule (das noch nicht einmal von Lehrern erkannt wird !!).

pk

Kommentar von codnap89111 ,

Das klingt plausibel. Aber schon irgendwie brutal... wenn man sich die ganzen Absurditäten in der Schule anschaut woher das alles kommt. Vor etwa einem Jahr haben sich zwei meiner Mitschüler das Leben genommen weil sie mitunter auch in der Schule Probleme hatten

Kommentar von paulklaus ,

Gerade SO wirkt sich ja die menschenverachtende Brutalität des Spätkapitalismus aus !

pk

Antwort
von BerthaDieBaer, 49

Ansporn und Motivation. Vorbereitung auf den Wettbewerb in der Arbeitswelt und Wirtschaft.

Kommentar von codnap89111 ,

Ehrlich gesagt ist die Erkenntnis, dass der Schulstoff schon so angelegt ist, dass ihn ein großer Teil nicht begreift alles andere als motivierend...

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