Frage von Loeffelqualle, 123

Warum ist die Psyche eines Menschen so zerbrechlich?

Sagen wir mal dein bester Freund wird neben dir erschossen. Dann stellt die Psyche total seltsame Dinge an. Man wird depressiv, ritzt sich womöglich um den psychischen Schmerz mit körperlichen auszugleichen (so hab ich es zumindest verstanden), fängt an zu hungern oder viel zu viel zu essen, Selbstmord und bla bla bla. Kurz gesagt man dreht durch. Bei einem Tier ist das nicht so schlimm. Das trauert auch, aber es würde nie auf die Idee kommen sich selbst umzubringen. Tiere begehen keinen Selbstmord. Normalerweise (nicht immer) beruhigt sich das Tier nach einem Jahr wieder. Aber ein Mensch schleppt sowas sein gesamtes Leben (nicht immer) mit sich herum. Warum ist die Psyche eines Menschen so instabil? Das ist doch voll blöd. Jetzt sind wir schon so weit gekommen und wegen so etwas total zusammenzubrechen ist doch eigentlich doof. Und ja auch ich wäre am Boden wenn meine beste Freundin weg wäre. Aber warum lässt dann das Gehirn sowas wie Freundschaften erst zu, wenn es doch von jetzt auch nachher zerstört werden kann? Wäre es von der Psyche nicht Klüger erst gar keine Freundschaften, Liebschaften etc zu knüpfen, wenn man weiß, dass wenn was passiert, die Psyche total zerschellt. Das heißt jetzt nicht, dass ich meine Freunde nicht haben will. Ich rede von was Anderem. Es gibt Menschen die begehen Selbstmord wegen eines toten Haustieres. (Ja, sowas ist schrecklich!) Das ist doch dumm von der menschlichen Psyche oder? Wäre es nicht besser wenn sie (also die Psyche) erst gar keine emotionale Bindung eingehen würde? Denn jedes Lebewesen hat einen natürlichen Überlebensinstinkt und das widerspricht sich ja dann. Ich dachte unser Gehirn und Psyche wären intelligent, aber das ist ja dann irgendwie...wie soll ich sagen, leichtsinnig von der Psyche? Versteht ihr was ich meine? Ich kann mich nicht so optimal ausdrücken. Und bevor mich jetzt jemand anschnauzt, natürlich wäre ich extrem traurig wenn meine Freunde oder Tiere sterben würden. Ich frage nur, warum ich dann traurig wäre und rede aus der Sicht der Psyche.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von JaniXfX, 40

Hallo Löffelqualle, wow, das ist mal ne wirklich coole Frage. 

Psychologie ist nicht gleich Psychologie, deshalb würde ich das mal aus meiner Schule der Psychologie betrachten und versuchen Dir zu erklären...

zunächst zu der Depression nach einem Schicksalsschlag: Nicht jedes Schicksal löst so etwas aus. In aller Regel passiert danach nichts. Es ist schwierig, mit Todesfällen umzugehen - überall dort, wo wir Dinge finden, die uns Psychisch belasten, finden wir haufenweise Rituale, wie wir damit fertig werden können. Ob es jetzt eine Hochzeit ist, bei der man sich festlegt nie wieder auf einen anderen Partner zu schielen oder ob es eine Beerdigung ist, bei der man Abschied von einer geliebten Person nimmt. In unserem Alltag finden wir auch ganz kleine Rituale: zum Beispiel lesen viele Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln Zeitung, Buch, eBook oder Handy. Das liegt daran, dass wir mit der vielen Ruhe nicht zurecht kommen. Wir würden uns mit uns selbst beschäftigen und das belastet uns. Deshalb ist Zähneputzen auch so ätzend: wir stehen uns selbst (vorm Spiegel) gegenüber und beschäftigen uns zwangsweise mit uns selbst. Egal, zurück zum Thema: Es gibt Studien (zum Beispiel mit ehemaligen KZ-Häftlingen), die sehr gut gezeigt haben, dass die meisten Menschen gesund aus einem Schicksalsschlag heraus kommen. In aller Regel hat man nach 7 Monaten gleiche "Glückswerte" wie vor dem Schicksalsschlag (wurde untersucht bei Personen, die im Rollstuhl landeten). Somit kann nicht gesagt werden, dass man direkt depressiv wird. Aber wie kommt es dann, dass sich jemand umbringt, wenn das Haustier stirbt? Da kommen wir zum Thema Trauma. Das Trauma entsteht nicht durch ein einmaliges Schicksal, sondern a) durch Verkehrung und b) durch Wiederholung.

Was meint Verkehrung? Verkehrung meint: Das Kind erwartet eine herzliche Umarmung von der Mutter, doch stattdessen wird es vom Vater geschlagen. Die erwartete Mutter wurde durch den Vater ersetzt sowie die Liebkosung hat sich in Gewalt verkehrt. So viel zur Theorie. Jetzt braucht es noch Situationen, in denen diese zermürbende Art wiederholt wird. Meist in anderen Formen und anderen Situationen. Wenn sich jetzt jemand wegen des Todes seines Haustieres umbringt, dann wird das nicht der alleinige Grund sein. Möglicherweise hatte diese Person im Leben häufiger damit zu tun, von liebenden Wesen verlassen zu werden. Eltern schieden sich, Familie konnte nie Gefühle zeigen und jetzt verabschiedet sich auch noch der Hamster - das einzige Lebewesen, dass je zu einem gehalten hat. Dann ist der Hamster nicht der Grund, aber der Auslöser.

Es hat einen Darwinistischen Effekt: Es gibt so etwas wie eine Nulllinie, was die Psyche angeht, die unabhängig von äußeren Einflüssen ist. Was heißt das? Es gibt Länder, in denen Menschen in heftigsten Situationen leben. Krieg, Verfolgung, etc. Im Gegenzug zu solch einem Land, müsste Deutschland in seinem Wohlstand doch glücklich sein. Weit gefehlt. Wie der Rollstuhlfahrer wieder glücklich wird, so wird auch ein eigentlich viel zu glücklicher Mensch wieder trauriger und auf seine normale Nulllinie zurückfallen. So würden nach Darwin auch im größten Wohlstand nicht alle Arten weiterkommen, sondern nur die anpassungsfähigsten. 

Die Psyche ist übrigens ein Ars_hlo*ch. Wir sind oftmals sehr gefangen von Vorgängen unseres Seelischen, die wir kaum beeinflussen können. Stell Dir vor, Du fährst auf einer Autobahn. Die Straße bleibt immer gleich und wir ermüden. Man könnte auch sagen: Für unser Seelisches ist es wesentlich spannender, jetzt in einen kleinen Tagtraum zu verfallen und billigend in Kauf zu nehmen, dass wir einen Autounfall bauen. Seit Menschengedenken wundern wir uns über solche Phänomene und versuchen immer, die Psyche zu verstehen. Doch sie lässt sich nicht verorten. Sie lässt sich nicht in Hormonen messen, mittels Hirnströmen sehen oder dergleichen. Wir bekommen nie das Ganze zu verstehen.. auch die Psychologie hat Grenzen. Manche Formen der Psychologie haben sie schneller als andere.

Antwort
von PicaPica, 41

Du meinst, die Strategie des Vermeidens wäre besser.

Aber es ist sogar wissenschaftlich erwiesen, dass je intelligenter ein Wesen ist, desto mehr hat es die Fähigkeit zu trauern, sich gefühlsmäßig auf seine Umgebung einzulassen.

Nun ist der Mensch ein intelligenteres Wesen wobei er leider oft die Vernunft eher außen vor lässt, kann man am Umgang mit seiner Umwelt sehen.

Dennoch ist der Mensch letztlich nicht für das Alleinsein geschaffen und sucht, braucht Andere, die es gut mit ihm meinen, sprich Freunde. Und natürlich kann man da auch enttäuscht werden, aber hörst du das Essen auf, nur weil es dir mal von Essen schlecht geworden ist?

Das macht das Leben aus und allen Enttäuschungen kannst du nicht entkommen, aber in vielen Fällen geht es auch gut und gibt einem mehr, als wenn man Alles und Jeden meiden würde damit man keinen psychischen Schaden nimmt.

Antwort
von Midnight1999, 19

Menschen leben heutzutage fast ausschließlich in der Vergangenheit oder Zukunft, während Tiere nur im Hier und Jetzt leben. Zum Thema die Seele zerbricht (Psyche=griech. Seele): Weißt du, wie viel Leid & was für unvorstellbare Qualen & auch Angstes braucht, bis die Seele sich aufspaltet, also zerbricht? Das nennt man übrigend multiple Persönlichkeitsstörung & kann man sich so vorstellen: Man sitzt mit seinen Freunden (sagen wir mal so 3 oder 4) in einem Raum. Jeder hat seinen eigenen Körper. Bei multiplen Persönlichkeiten ist es ganz ähnlich, nur, dass die verschiedenen Personen alle in einem Körper wohnen. In diesem Fall wären das dann 3 oder 4 verschiedene Menschen, die sich alle einen Körper teilen.

Antwort
von Latexdoctor, 37

Unser Langzeitgedächtnis ist wesentlich besser ausgeprägt als bei Tieren.

Hätten wir kein so gutes (Langzeit)gedächtnis, dann hättest du das nicht schreiben können und in wenigen Monaten max. Jahre wäre das Vergessen

Du kannst auch mal im Browser eingeben: Psychosen bei Soldaten oder Kriegspsychosen

Antwort
von Soeber, 30

Ein Tier ist nicht so schlau wie ein Mensch. Aber ein Tier trauert ja auch... Menschen sind verschieden. Sie sind nicht alle gleich... Nicht jeder Mensch trauert so lange und auch nicht bei jedem Menschen wird das Leben danach so negativ beeinflusst wie Du es oben geschrieben hast. Deine Frage ist ziemlich verallgemeinert.

LG

Antwort
von NoNameAvible, 48

1. Das liegt daran das tiere nicht über soetwas nach denken, weil sie dafür einfach nicht schlau genug sind.

2. Es gibt genauso gut menschen die eine eiserne psyche haben und denen das dann mehr oder weniger egal ist, oder soetwas besser verarbeinten können.

Antwort
von Okoe97, 37

Tiere sind nicht schlau genug , um so weit denken zu können .

Außerdem ist es doch von Mensch zu Mensch anders . Die einen trauern ihr Leben lang , andere 3 monate, dann gibt es nocbh welche die es weniger als 2 Tage machen .

Antwort
von AppleTea, 24

Tja.. das haben wir jetzt von unserer hohen Intelligenz ;) Wir zerstören uns ja nicht nur psychisch sondern generell.. unsere ganze Erde geht den Bach runter dank unserer Intelligenz, schon mal aufgefallen?

Antwort
von 2012infrage, 12

Die Frage ist schon ein paar Tage her, aber ich antworte trotzdem noch mal
drauf:

Vielleicht ist die Psyche gar nicht so zerbrechlich, vielleicht ist sie nur
nicht „vorbereitet“? Deine ganzen Fragen haben mit dem Tod zu tun. Und der hat in der Gesellschaft so gar keinen Platz. Wird ausgeschlossen, weggesperrt, vermieden. Es gibt keinerlei „Todeskultur“. Der Tod wird einfach nur als schrecklich wahrgenommen, Leben, auch wenn es noch so qualvoll ist, wird über den Tod gehoben. Vielleicht liegen da die Ursachen.

Liebe Grüße

Antwort
von lucool4, 34

Sry zu faul den ganzen Text zu lesen ;)

Aber bei Tieren ist das anders. Ein paar Tiere trauern zwar und sterben manchmal auch sehr bald darauf. Aber ihnen fehlt die selbstreflexive Fähigkeit, die widerum der Mensch besitzt...

Den unteren Teil hab ich nicht gelesen sry

Kommentar von Loeffelqualle ,

warum besitzt ein mensch diese fähigkeit? eig ist das ja nicht wirklich was gutes

Kommentar von Latexdoctor ,

Primaten haben auch eine Selbstreflexion, sie erkennen sich selbst im Wasser oder Spiegel :)

Ohne die Selbstreflexion bist du dir nicht bewusst dass du das im Spiegel bist ^^

Kommentar von lucool4 ,

Naja ich finds ja persönlich schon ganz geil ;) Sonst wären wir niemalds so weit wie wir jz sind. Wir haben für diese Fähigkeit ja auch gewisse andere Fähigkeiten eingebüßt! zB passen sich alle Lebewesen ihrer Umgebung an. Wir jedoch passen die Umgebung an uns an sodass wir quasi überall leben können. Wobei ist eig auch geil ;) 

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