Frage von Mrsingrid, 36

Warum ist die Lehnsherrschaft heutzutage nicht mehr möglich?

Hey,

danke im Voraus :)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von MarkusKapunkt, 11

Die Lehensherrschaft ist ein politisch-ökonomisches System aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit Europas, besonders auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches (also etwa dem Boden des heutigen Deutschlands).

Um es einmal ganz vereinfacht auszudrücken gestaltete sich dieses System so: Ein Herrscher, den man den Lehnsherren nennt (das konnte derKaiser, König, Herzog oder ein anderer Adliger, aber auch ein Bischof, Abt oder anderer hoher kirchlicher Amtsträger sein) hatte oft große Grundbeseitztümer, die er natürlich nicht alle selbst bewirtschaften konnte. Aus diesem Grund "verlieh" er dieses Land an andere, seine Lehnsmänner, deshalb der Begriff Lehen. Man kann sich das im Vergleich zu heute so ähnlich wie eine Pacht vorstellen.

Das System ging aber durchaus weiter als ein heutiger Pachtvertrag. Die Lehnsmänner meist niedrige Adlige, mussten ihrem Lehnsherren auch andere Zugeständnisse machen: Sie mussten einen gewissen Ertrag von den Ländereien an den Lehensherr abtreten oder ihm Steuern zahlen, aber ihm auch militärische Gefolgschaft schwören. Bei Konflikten hieß dies, dass der Lehnsmann dem Lehnsherren in den Krieg folgen musste.

Das System war zum Teil hierarchisch strukturiert: Der Kaiser war Lehnsherr über mehrere Könige, diese wiederum über jeweils andere Herzöge, die wiederum von mehreren Grafen, und die wiederum über die Bauern ihrer Grafschaften. Und wie gesagt konnten auch kirchliche Amtsträger Lehnsherren sein (das Fürstbistum Lüttich war zeitweise zum Beispiel das mächtigste geistliche Fürstentum im Heiligen Römischen Reich).

Da es heute eine gesetzlich verankerte Trennung von Kirche und Staat sowie keine monarchischen Gesellschaftsstrukturen in Deutschland mehr gibt, sondern wir eine demokratisch organisierte Herrschaftsordnung haben, ist in unserem Staat also ein Lehenswesen wie im Mittelalter nicht mehr möglich.

Kommentar von MarkusKapunkt ,

Danke für den Stern :)

Expertenantwort
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Geschichte, 15

"Lehen"  -  da etwas, z. B. ein Stück Land, dabei geliehen bzw. verliehen wurde, wäre das auch heute möglich.

Aber der Begriff ist ja zusammengesetzt: Lehens-Herrschaft. Mit dem "Lehen" sollen also bestimmte Rechte verbunden sein, mit denen der Lehensgeber über den Lehensnehmer "Herrschaft" ausüben könnte. Das ist heute nicht mehr möglich. Wir leben in einer freien Gesellschaft, sodass kein Bürger über einen anderen ein "Herrscher" sein darf. Gewiss gibt es auch heute noch "Herrschaft", aber sie bedarf immer der Grundlage eines verfassungskonformen Gesetzes und darf nur von der dazu legitimierten Staatsgewalt ausgeübt werden. Derjenige, der z. B. ein Stück Land verleiht, handelt lediglich als Privatmann und hat folglich kein Recht zur Ausübung von Staats- bzw. Herrschaftsgewalt!

MfG

Arnold

Kommentar von Arkesilaos ,

Ganz so ist es nicht, es gibt viele Flächen, die von der Kommune oder dem Land verpachtet werden, z.B. Kleingartenanlagen. Die Kommune hat auch die Macht, die Nutzung zu ändern und den Kleingartenstatus aufzuheben. Ich denke das hast Du auch gemeint, dass nur legitimierte Staatsgewalten das aufheben können.

Ob die Kleingärtner eine Entschädigung erhalten, weiß ich nicht.

Antwort
von Arkesilaos, 8

Die Herrschaftsträger der frühen Neuzeit vergaben an den niederen Adel Burgen und Liegenschaften zu Lehen. Diese mussten bei Besitzwechsel erneuert werden. War kein Stammhalter vorhanden, verfiel das Lehnrecht oder es musste durch den sog. "Vorritt" erworben werden. Die Liegenschaften wurden später als echtes Eigentum betrachtet und man versuchte durch Fideikomisse, diese in der Familie zu erhalten, was per Gesetz später untersagt wurde.

Antwort
von Ranzino, 19

Öhm, mangels Lehnsherr ? :D

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