Frage von uehcsxam, 46

Warum ist der Wiener Kongress heutzutage immernoch von Bedeutung?

Wieso ist es heute noch wichtig sich mit dem Wiener Kongress zu beschäftigen?

Antwort
von marcussummer, 34

Man könnte ihn als Prototyp multistaatlichen Verhandelns und damit friedlicher Konfliktprävention bezeichnen. Dabei ist versucht worden, eine möglichst stabile Nachkriegsordnung zu schaffen, was auch heute in vielen Konflikten notwendig ist.

Dabei sind allerdings auch viele Sachen gemacht worden, die wir heute als Fehler oder zumindest verbesserungswürdig bezeichnen würden. Insofern kann man versuchen, aus diesen Fehlern bei weiteren Verhandlungen zu lernen und diese zu vermeiden.

Antwort
von Nirakeni, 24

Napoleon hatte den Krieg in Europa verloren. Ganz viele Vertreter der europäischen Staaten (darunter auch Russland) trafen sich und teilten die Ländergrenzen neu auf. Auch wurde die Deutsche Verfassung geschrieben. Es lief sehr liberal ab. Sieger gaben Landesteile, die sie erobert hatten, zurück. Grenzen wurden wieder hergestellt. Polen wurde aufgeteilt unter Russland und.. (weiß ich nicht mehr). Danach gefiel einiges manchen Völkern nicht und es kam zu Aufständen. In Deutschland kam dann später die Revolution von 1848.

Kommentar von marcussummer ,

Sorry, da sind jetzt aber einige Fehler drin: Eine deutsche Verfassung war da kein Thema, es wurde lediglich der "Deutsche Bund" geschlossen. Die einzelnen deutschen Fürstentümer/Königreiche gaben sich erst in den Folgejahren teilweise selber Verfassungen. Und liberal war die Veranstaltung in keinster Weise, vielmehr eine Restaurationsveranstaltung der europäischen Herrscher.

Kommentar von Nirakeni ,

Muss mich entschuldigen! Danke, wusste nur so viel noch aus der Schule. Aber wieso Restaurationsveranstaltung statt liberal? Es soll doch im Ergebnis alle zufrieden gestellt haben und auch umgesetzt worden sein. wenn auch nicht immer zur Zufriedenheit der Bürger.

Kommentar von marcussummer ,

Restauration bedeutet Wiederherstellung der monarchischen Verhältnisse bzw. Machtstrukturen - und dies trotz der in den Befreiungskriegen zum Ausdruck gekommenen erhöhten Bedeutung bürgerlicher Kräfte. Das Streben nach staatlicher Verfasstheit im aufklärerischen Sinn ohne absolutistische Fürsten wurde auf dem Wiener Kongress komplett ignoriert. Und wenn man für die Zeit des frühen 19. Jahrhunderts von "liberal" spricht, meint man üblicherweise die Umsetzung aufklärerischer Staatsideale. 

Die von dir angedeuteten Spannungen insbesondere in der deutschen Bevölkerung (Wartburgfest & Co) in den folgenden Jahrzehnten waren Ausdruck der Unzufriedenheit mit der Restauration und der fehlenden Einbindung der nationalistischen Strömungen und aufgeklärter Ideen (was teilweise natürlich auch schon Widersprüche sind).

Kommentar von Nirakeni ,

Ja. Danke. Konnte ich nachvollziehen.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten