Frage von myreen, 108

warum ist depression eine krankheit?

jetzt mal ehrlich, ist es nicht normal depressiv zu werden, wenn man sich die welt anschaut ? kriege, ausgetragen von primitiven menschen, die unreflektiert über geschehnisse nachdenken und so handeln. menschen leiden auf kosten unseres konsums (technologie, essgewohnheiten etc.). alleine wie wir mit unserem lebensraum umgehen, der klimawandel. wie wir andere spezies, die genau so wie wir fühlen können (oder ähnlich) systematisch töten. aus einem grund, der mir unbegreiflich ist (vllt mache ich mir feinde damit, aber um ehrlich zu sein ist es mir egal). es gibt so vieles negaitves, was das positive einfach in den schatten stellt. ich weiß, ist alles eine einstellung der eigenen gedanken, aber wenn ich mich auf gutes fokussiere, verschwindet das leid trotzdem nicht. andere menschen fühlen einfach intensiver als andere, auch wenn es nur 1% ist. ist man dann krank, weil man der allgemeinen norm nicht enspricht ? ist es richtig das vermeintliche ungleichgewicht mit anderen drogen, die man vom arzt bekommt "in gleichgewicht" zu bekommen ? mir kommt es so vor, als wenn man für krank abgestempelt wird, nur weil man seine eigene blase in der man gelebt hat gesprengt hat, und die verdrängungsmechanismen nicht mehr greifen. das einzige was uns doch glücklich macht ist doch, dass wir in der lage sind zu verblenden/verdrängen. oder wie soll man glücklich werden, wenn es andren schlecht geht ? (und ja, ich engagiere mich)

lg

Antwort
von Enzylexikon, 33

ist man dann krank, weil man der allgemeinen norm nicht
enspricht ?

Nein, eine klinische Depression ist ein Krankheitsbild, der der man als Patient im Extremfall nicht einmal mehr in der Lage ist, den Alltag zu bestreiten, weil selbst einfachste Tätigkeiten als Belastung wahrgenommen werden.

Die Personen sind von einer solchen Lethargie gepackt, das es für sie bereits eine Willensanstrengung ist, morgens überhaupt aufzustehen, oder sich ein Brot zu schmieren.

Das hat nichts mit allgemeinem Weltschmerz, Melancholie oder etwas Niedergeschlagenheit zu tun.

ist es richtig das vermeintliche ungleichgewicht mit anderen
drogen, die man vom arzt bekommt "in gleichgewicht" zu bekommen ?

Viele Menschen mit Depressionen sind über diese landläufig "Gute-Laune-Pillen" genannten Medikamente dankbar, weil sie wieder ein einigermaßen geregeltes Leben führen können.

Für viele Betroffene wären soziale Interaktionen, wie etwa Familie und Berufsleben  sonst aufgrund ihrer emotionalen Isolation gar nicht möglich.

mir kommt es so vor, als wenn man für krank abgestempelt wird, nur weil man seine eigene blase in der man gelebt hat gesprengt hat, und die
verdrängungsmechanismen nicht mehr greifen.

Siehe oben - es ist ein Unterschied, ob man eine philosophische Sinnkrise, oder eine pessimistische Weltsicht hat, oder ob eine Form von Depression vorliegt.

oder wie soll man glücklich werden, wenn es andren schlecht geht?

Es ist schön, wenn ein Mensch Empathie empfinden kann, aber durch "mit-leiden" ist einem Leidenden auch nicht geholfen.

Nicht umsonst gibt es für Menschen in therapeutischen Berufen entsprechende Angebote zur Supervision, Seelsorge und psychologischen Unterstützung.

Würde man sich das Leiden anderer Wesen ständig zu eigen machen, wären diese Menschen gar nicht in der Lage, anderen zu helfen, weil sie zu sehr emotional eingebunden in die Situation des Klienten bzw. Patienten sind.

Eine gewisse emotionale Distanz ist notwendig.

Außerdem ist dem sterbenden Baum, oder dem hungernden Kind in Afrika auch nicht damit geholfen, wenn man sich in Weinkrämpfen am Boden krümmt und sich für alles Böse in der Welt mitschuldig fühlt.

dass wir in der lage sind zu verblenden/verdrängen.

Man kann Leiden, wie etwa seelische Traumata, nicht immer zum Verschwinden bringen - aber man kann lernen, in eine anderes Verhältnis zum Leiden zu treten.

Wenn man das eigene Leiden immer von sich weist - "ich habe mein Leben im Griff" - dann kann man auch nicht an der Bewältigung arbeiten.

Wenn man das Leiden der Anderen auf sich bezieht - "ich bin schuld, das es dieser Umwelt schlecht geht" - dann kann man sein Verhalten ändern.

Wer sich natürlich selbst in seiner Rolle des hilflosen Opfers gefällt, wird auch nicht die Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen.

Es gibt somit, neben dem Versuch zu verdrängen, auch die Möglichkeit, mit der Veränderung der Welt bei sich selbst anzufangen, anstatt nur zu klagen.

Das hat aber wie gesagt nichts mit der Diagnose einer Depression zu tun, sondern mit der Haltung des Einzelnen zu seiner Verantwortung.

Antwort
von Buddhishi, 37

Hallo Myreen,

es ist ein Unterschied, ob man an der Krankheit Depression leidet oder ob man das Elend der Welt erkennt und darüber betrübt ist.

ist man dann krank, weil man der allgemeinen norm nicht enspricht ? ist
es richtig das vermeintliche ungleichgewicht mit anderen drogen, die man
vom arzt bekommt "in gleichgewicht" zu bekommen ? mir kommt es so vor,
als wenn man für krank abgestempelt wird, nur weil man seine eigene
blase in der man gelebt hat gesprengt hat, und die
verdrängungsmechanismen nicht mehr greifen

Hier reihst Du eine Frage an die andere, was verständlich ist. aber schwer zu beantworten. Ich werde dennoch versuchen, darauf so hilfreich wie möglich zu antworten:

Nein, man ist nicht krank, nur weil man der allg. Norm nicht entspricht.

https://www.amazon.de/Irre-behandeln-Falschen-Normalen-Seelenkunde/dp/3579068792

Nein, und das ist auch so nicht korrekt dargestellt. Medikamente kann man zwar als Drogen bezeichnen, aber wie auch immer - sie werden vom Arzt verordnet, um eine Krankheit zu behandeln und nicht um das vermeintliche Ungleichgewicht über 'Weltenkummer' zu verdrängen.

Die Erkenntnis, dass die Welt nicht in allem schön  und in Ordnung ist, ist durchaus richtig. Stimme ich Dir voll zu. Und es ist gut, sich zu engagieren, wie Du sagst, dass Du es tust.

Aber, kein einziger Mensch hat die Macht, alleine die 'Welt zu retten'. Und ich denke auch nicht, dass es darum geht. Die Welt wird in ferner Zukunft so oder so untergehen. Ist Fakt, ob mit oder ohne uns. Aber das werden wir beide wohl nicht erleben ;-)

Ja, man darf und sollte sogar glücklich sein, auch wenn es anderen schlecht geht. Man ist dann immer noch ein gutes Vorbild, lebt also Positives und das hält gesund. Dadurch erhält man des weiteren die Kraft, sich zu engagieren. Wem würde es nutzen, nur darüber zu trauern?

Hilfreich empfinde ich die Lehre des Buddhismus, um selbst im Gleichgewicht zu bleiben und Licht und Liebe so gut es geht, in diese Welt zu bringen :D

LG

Antwort
von Ottavio, 18

Sicher muss man unterscheiden zwischen einer "richtigen", klinischen, behandlungspflichtigen Depression einerseits und jener depressiven Grundstimmung vieler Intellektueller, die Degenhardt die "Trauer meiner Klasse" nennt. Wenn das erstere vorliegt, merkt man es meistens, weil es mit Leiden verbunden ist. Doch es ist nicht immer ganz leicht, beides zu unterscheiden, da es alle möglichen Zwischenformen gibt. Das kann z.B. eine Antriebslosigkeit sein, die zu Messi-Verhalten führt. Aber auch das scheinbare Gegenteil ist häufig zu beobachten, insbesondere in der gesellschaftlich-politischen Szene. Menschen engagieren sich, völlig zu Recht. Aber weil sie durch ihr Engagement ihre depressive Grundstimmung kompensieren, in dem sie sich Glücksgefühle durch ihre Aktivität verschaffen, geraten sie in Hyperaktivität, eine Lebensweise, die Kohelet beschreibt als "ein Leben voll Hast und ein Haschen nach Wind"; oft setzen sie sich immer höhere Ziele und radikalisieren sie sich dabei auch. Ich will jetzt nicht behaupten, das sei eine Krankheit und ein Fall für den Psychiater mit seinen Drogen. Aber so richtig gesund ist das auch nicht. Manchmal wäre eine Psychoanalyse wohl nützlich, manchmal reicht auch eine funktionierende Beziehung - wenn die Fähigkeit dazu noch besteht.

Expertenantwort
von samm1917, Community-Experte für Depression, 13

Zwischen "depremiert sein" und der Krankheit "Depression" gibt es einen grossen Unterschied. Ersteres ist eine normale Gefühlreaktion, zweiteres eine Krankheit.

Es ist verständlich, dass man depremiert ist, wenn man sich die Welt so ankuckt. Doch ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass dies in keiner Art und Weise mit der Krankheit Depression zu vergleichen ist.

Um zu wissen was eine Depression überhaupt ist, muss man diese erlebt haben. Es ist unglaublich wie sehr diese Krankheit das Leben beeinträchtigt.

Man hat nur noch negative Gefühle bis hin zum Gefühl der absoluten Gefühlslosigkeit. Man ist emotionslos und in einem schwarzen Loch. Nichts macht einem mehr freude, was früher angenehm war. Die Zukunftsperspektive ist absolut hoffnungslos. Man leidet unter Schlafstörungen, die Gedanken kreisen den ganzen Tag um die Krankheit und das Selbstwertgefühl ist am A. Viele Menschen mit Depressionen haben zudem Suizidgedanken weil sie einfach diesen Zustand nicht mehr aushalten. Man kriegt die einfachsten Dinge im Alltag nicht mehr auf die Reihe, sogar duschen, einkaufen und kochen wird zuviel.

Depression ist also eine Krankheit, die im schlimmskten Falle tödlich enden kann. Depremiert sein eine logische Schlussfolgerung wenn man sich intensiver mit der Welt beschäftigt.

Antwort
von Dxmklvw, 35

Der größte Teil der "Depressionen" sind keine, sondern ganz normale mehr oder weniger lange anhaltende Traurigkeit aufgrund irgend welchen Alltagsgeschehens. Nur bei einem geringen Teil handelt es sich um eine ernsthafte Erkrankung, die diese Bezeichnung auch verdient.

Die rapide Zunahme sog. Depressionen ist teils trendbeding und teils wirtschaftlicher Natur.

In früheren Zeiten war vorübergehend auch "in Ohnmacht fallen" der Zeittrend, hinter dem Hysterie steckte und mit dem die Ärzteschaft recht gute Gewinne erzielen konnte.

Das non plus ultra wäre aber erst erreicht, wenn auch das Atmen zur Volkskranheit erkärt werden würde. Das geht aber nicht, doch nicht etwas, weil es purer Unsinn wäre, sondern wohl nur deshalb, weil dann die Krankenkassenbeiträge viel höher wären, als das, was man inklusive Überstunden und Zweitjob an Lohn erarbeiten könnte.

Kommentar von LittleMistery ,

Depression ist so viel mehr als nur Traurigkeit, wobei die Traurigkeit nichtmal richtig da ist, sondern eine massive innere Leere, die nicht aushaltbar ist.

Kommentar von Dxmklvw ,

Stimmt. Deshalb habe ich auch gesagt "Nur bei einem geringen Teil handelt es sich um eine ernsthafte Erkrankung, die diese Bezeichnung auch verdient."

Antwort
von wilees, 56

Der Inhalt Deiner Fragestellung zeigt nur, dass Du vom Krankheitsbild - Depression - absolut keine Ahnung hast.

http://www.deutsche-depressionshilfe.de/stiftung/wie-entsteht-eine-depression.ph...

Antwort
von olocin1, 42

Wenn sich jeder Einzelne mit allen Problemen der Welt befassen müsste , wäre jeder depressiv. Es geht darum das eigene Leben zu leben. Auch wenn das egoistisch klingt , jeder Mensch hat seine eigene Probleme . Und deshalb wäre es eine zu große Belastung sich auf die Probleme anderer zu fokussieren. Damit will ich jetzt aber nicht sagen , dass man anderen nicht helfen sollte , wenn sie deine Hilfe brauchen. Man muss eben die Grenze finden.

Antwort
von Owntown, 30

In der Nachkriegszeit gab es sowas noch nicht (nicht in dem maße wie heute*) obwohl die leute allen grund dazu gehabt hätten aber dafür war damals eben keine zeit.

Heute (so kommt es mir vor) rennt jeder zum Psychologen weil Papa oder Mama ihnen mal den Popo versohlt haben... die Leute haben einfach zu viel zeit sich auf ihr leiden oder ihre Probleme zu konzentrieren.

(es gibt immer ausnahmen ! nicht das mich hier wieder einer von den Erbsenzählen  festnagelt und meint ich würde allen Depressiven unterstellen wollen es seien Weicheier und Simulanten.)

Antwort
von LittleMistery, 22

Soll das heißen alle die mit Depression (natürlich fachmännisch) diagnostiziert sind, haben selbst Schuld daran, dass es ihnen so geht?

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