Warum ist das Christentum so unbeliebt geworden bzw. warum treten viele von der Kirche aus?

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21 Antworten

Aufklärung und Wissenschaft: Heutzutage können die meisten Dinge wissenschaftlich hinreichend plausibel erklärt werden. Erzählungen der Bibel gelten nur noch als Gleichnisse und nicht länger als Tatsachenberichte.

Kritisches Denken: Lehren und Gebote werden hinterfragt, Beweise eingefordert und Rechtfertigungen verlangt. Können diese nicht plausibel begründet werden, gelten sie als veraltet oder falsch.

Schwindender Wirkungskreis: Durch den hohen Stand der Wissenschaft, muss die Religion nicht mehr alles erklären. Dadurch wird der Wirkungsradius der Religion auf Seelsorge und soziale Belange reduziert.

Mangelnder Zeitgeist: Insbesondere der Verwaltungsapparat der katholischen Kirche benötigt ewig, um ihre Lehre den modernen Erkenntnissen anzupassen. Das erweckt den Eindruck von Konservatismus und Engstirnigkeit.

Ablehnung von Totalitarismus: Absolute Ansprüche die allein seelig machende Wahrheit zu bieten und durch die Taufe zu einer Art Elite zu gehören, werden mit religiösem Extremismus assoziiert und daher unattraktiv.

Mangelnde Lebensnähe: Die Menschen sehen es nicht plausibel an, dass etwa ein katholischer Klerus, der zölibatär lebt, sich als Moralapostel in Sexualfragen aufspielen und über Geburtenkontrolle urteilen kann.

Moderne Erziehung: Eltern und Schulen vermitteln Werte nicht länger auf Basis religiöser Schriften, sondern humanistische und demokratische Werte ohne Betonung religiöser Vorstellungen

Kirchensteuer: Die Leistung von Finanzabgaben, ohne dafür einen materiellen Gegenwert zu erhalten, erscheint den entsprechenden Menschen unsinnig und überflüssig.

Medien: Sowohl sachliche Berichte über Korruption und sexuellen Missbrauch, als auch Spielfilme, in denen die Kirche hauptsächlich als Unterdrückerin geheimen Wissens gezeigt wird, zeichnen ein negatives Bild.

Egozentrismus: Vorstellungen von Demut, Dienst am Nächsten, oder Unterwerfung unter den Willen Gottes widersprechen dem ich-zentrierten Weltbild vieler moderner Menschen.

Materialismus: Ein Teil der Menschen glaubt, Glück und Zufriedenheit ausschließlich durch materiellen Wohlstand erwerben zu können und sieht Spiritualität und innere Einkehr, oder zumindest organisierte Religion als überflüssig an.

Mangelndes religiöses Bewusstsein: Ohne religiöse Erziehung haben Menschen oft gar keinen Bezug zur Religion und verstehen die Riten theologisch nicht. Sie finden diese Gebräuche eher befremdlich.

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Kommentar von Enzylexikon
15.06.2016, 21:28

Als Sonderpunkt zu "kritischem Denken" vielleicht noch

Theodizee: Der Mensch als Ebenbild Gottes wird hinterfragt. Wie kann ein liebevoller Gott das Leiden der Welt und den Missbrauch der Religion durch "sein Ebenbild" zulassen?

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Ich bin aus der Kirche ausgetreten, aber nicht, weil sich die Kirche bei mir unbeliebt gemacht hat, sondern aus hauptsächlich zwei Gründen:

  • Ich habe meinen Glauben verloren (strenggläubig war ich allerdings nie)
  • Ich finde die Politik der Kirche nicht in Ordnung, Bürger automatisch in die Kirchengemeinde aufzunehmen. Ich finde, das muss freiwillig sein (→ Taufe) und nicht mit Geldgeschenken verbunden sein (→ Konfirmation)
  • Mich stört der Kirchenbeitrag als Zwangsabgabe. Wenn ich einer Religion angehöre, möchte ich freiwillig spenden und nicht alles in einen riesigen Topf buttern, wo ich nicht genau weiß, wer es sich in die Tasche stopft. 
  • Die Kirche ist mir zu sehr verflochten mit Politik, Wirtschaft und Kultur. Das nimmt die Freiheit und Unparteilichkeit.

Der erste Punkt ist der Grund, weshalb ich kein Christ bin, die anderen Punkte begründen, weshalb ich aus der Kirche ausgetreten bin.

Würde ich meinen Glauben wiederfinden, so würde ich längst nicht im gleichen Schritt wieder in die Kirche eintreten.

Wozu die Kirche, wenn man gläubig ist? Was ist die Daseinsberechtigung der Kirche?

Man muss schon die Aktionen, die die Kirche unternimmt, gut heißen, also man müsste einen Überblick über all das, was die Kirche macht haben und dann sich sagen können: "Jau, das ist es. Würde es die Kirche nicht geben, wäre es genau die Kirche, die fehlen würde."

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Weil die Wissenschaft, seit es sie gibt, Gott widerlegt. Gottes Macht und Einfluss schwinden quasi mit jeder neuen wissenschaftlichen Entdeckung und Erkenntnis.

Weiters wächst die Welt zusammen. Das Zeitalter der digitalen Revolution, in dem wir uns zur Zeit befinden, ermöglicht den Austausch von Informationen von Menschen aller Welt.

Auf diese Weise lernen Zweifler und Ungläubige, dass sie nicht alleine sind. Dass ihre Zweifel und ihr Denken weder verwerflich noch abartig sind und das blinder Glaube nicht gegen Vernunft und Logik bestehen kann.

Der Mensch braucht keine Fantasiefreunde mehr um die Welt zu erklären, keine lächerlichen kosmischen Zauberer. Wenn etwas unklar ist, kann man sich darüber informieren, kann wissenschaftliche Arbeiten abrufen und lernen und sich bilden.

Also ist es kein Wunder, dass es immer mehr Austritte gibt und die Zahl der Atheisten immer weiter steigt.

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Kommentar von Spock1701
15.06.2016, 20:30

Ich beantworte die Frage gar nicht mehr, diese Antwort ist besser als ich sie geschrieben hätte. Großes Lob und ganz meiner Meinung!

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Wer logisch denkt, für den hakt es einfach an viel zu vielen Stellen bei der Religion. Widersprüche, Ungereimtheiten und Paradoxa, wo man nur hin schaut. 

Mit der Zeit stellten sich viele Bibelgeschichten als Unfug heraus, als Beispiele seien mal die Schöpfungsgeschichte, die Abstammung von zwei Individuen, die Geschichte Mit der großen Flut, oder auch die Jungfrauengeburt genannt, aber es gibt noch weit mehr.

Klar, man kann alles Geschichten, die offensichtlicher Unfug sind, einfach symbolisch verstehen, aber das ist nur willkürliche Rosinenpickerei.

Wer logisch denkt, kommt schnell dahinter, dass an den Lehren nichts dran ist.

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Zum einen wissen die meisten nichts mehr über das Christentum, zum anderen werden die christlichen Kirchen mit dem Christentum gleichgesetzt.

Dabei sind die Kirchen als große Organisationen von Menschen mit den daraus resultierenden Mängeln (Hierarchie, Absicherung des Besitzes, Kämpfen um Einfluss, Rufschaden durch einzelne üble Mitglieder und Vertreter, usw.) behaftet, was aber nichts über das Christentum aussagt.

Papst Franziskus lässt aufhorchen, weil er mit den oben genannten Mängeln aufräumen will. Hoffentlich setzt er sich durch.

Was passiert, wenn Menschen sich nicht mit Gott verbunden fühlen und deshalb auch ihre Mitmenschen lieben, sieht man an der absoluten Gefühlskälte, mit der verschiedene politische Mächte, aber auch verrohte Einzelpersonen im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen gehen.

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- Weil die Medien tendenziell die Kirche in ein schlechtes Licht rücken. Viele Menschen glauben den Medien, als verkündigten diese die Worte Gottes.

- Weil die Menschen zu geizig sind, das kleine Bisschen Kirchensteuer abzugeben, und immer nur fragen: "Was habe ICH davon?".

- Weil viele Eltern zu faul waren, ihren Kindern eine religiöse Erziehung zu geben, daher wird vieles falsch verstanden.

- Weil viele Priester keine feierlichen Gottesdienste, keine ernsthaften Sakramente (Beichte) mehr feiern, und weitere Gemeindeangebote auch sehr dünn gesät und immer flacher werdend sind.

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Ich bin Christin aber von den Zeugen Jehovas und ich denke mal es liegt daran das viele Kirchen Geld sammelt fur angeblich gute Zwecke aber es so nicht stimmt und natürlich wirkt das schlecht dann...

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Kommentar von Herb3472
15.06.2016, 20:26

Ich denke nicht, dass das der Hauptgrund ist. Viele Leute interessieren die alten Geschichten einfach nicht mehr, weil sie großteils unlogisch sind. Ich lese als Erwachsener auch keine Grimms Märchen mehr.

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Hat "Christ-sein" ernsthaft etwas damit zu tun, ob ich sonntags in eine Kirche gehe? Egal ob evangelisch oder katholisch? Ich bin eher wirklich unreligiös, aber darum nicht unbedingt "unchristlich". Nächstenliebe? Ja, habe ich...wenn auch nicht immer und bei jedem. Barmherzigkeit? Ja, ich kann vergeben, aber muss es nicht immer wollen. Glaube, Liebe, Hoffnung? Japp, habe ich. Aber manchmal auch ganz weltlich. Gerechtigkeit? Ich behaupte, meistens gerecht zu sein, und wenn ich Unrecht hatte, habe ich auch kein Problem damit, mich zu entschuldigen. "Christlich" sein hat in meinen Augen nichts mit Religionsrichtungen zu tun, sondern einfach nur mit dem, was man tut und wie man sich verhält.

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Hat "Christ-sein" ernsthaft etwas damit zu tun, ob ich sonntags in eine Kirche gehe? Egal ob evangelisch oder katholisch? Ich bin eher wirklich unreligiös, aber darum nicht unbedingt "unchristlich".

Nächstenliebe? Ja, habe ich...wenn auch nicht immer und bei jedem.
Barmherzigkeit? Ja, ich kann vergeben, aber muss es nicht immer wollen.
Glaube, Liebe, Hoffnung? Japp, habe ich. Aber manchmal einfach auch ganz weltlich.
Gerechtigkeit? Ich behaupte, meistens gerecht zu sein, und wenn ich Unrecht hatte, habe ich auch kein Problem damit, mich zu entschuldigen.

"Christlich" sein hat in meinen Augen nichts mit Religionsrichtungen zu tun, sondern einfach nur mit dem, was man tut und wie man sich verhält.

Oh...und man tritt "aus" der Kirche aus... nicht "von" (sorry, das ist nicht böse gemeint, das ist einfach so)

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Ich bin ausgetreten weil ich nicht daran glauben kann!

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Ein Grund ist bestimmt, dass sich viele Kirchen und Gemeinden immer weiter von der Bibel entfernen und Gottes Wort durch eigene Lehren, Rituale und Traditionen erweitern bzw. ersetzen.

Deshalb sollten die Beröer das Vorbild für alle Christen und Kirchen/Gemeinden sein, über die in Apostelgeschichte 17,11 steht: "Diese aber waren edler gesinnt als die in Thessalonich und nahmen das Wort mit aller Bereitwilligkeit auf; und sie forschten täglich in der Schrift, ob es sich so verhalte."

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Weil es wie jede Religion veraltet ist, und man heute nicht mehr blind auf irgendetwas vertraut.
Die Menschen haben nach langer Zeit endlich einen ( individuellen ) Sinn fürs Leben gefunden.

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In Anbetracht Deiner kurz darauf gestellten Frage, stellt sich mir die Frage, ob Du speziell auf die katholische Kirche abzielst, oder auf das Christentum im Allgemeinen. Denn nur weil jemand von einer christlichen Konfession in eine andere wechselt, weil diese seinem persönlichen Glauben und Verständnis der Bibel besser entspricht, wendet sich die betreffende Person nicht vom Christentum im Allgemeinen, sondern nur von einer bestimmten christlichen Konfession ab, um sich einer anderen zuzuwenden. Genauso war es jedenfalls bei mir und ich habe diese Entscheidung nie bereut.

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Weil bei den Christen die Logik und die Eigenverantwortung und das 21. Jahrhundert angekommen ist und sie nicht  jeden Unsinn der Religion mitmachen,

nicht so wie Winston Churchill sagt; an Muslime ist die Aufklärung vorbei gegangen "es gibt keine rückständigere Kraft auf der Welt als den Islam"

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Weil viele Leute Glaube mit Kirche gleichsetzen - zwei völlig unterschiedliche Dinge.

Die ursprüngliche Glaubensbotschaft lautete: liebe Gott und deinen Nächstenwie dich selbst und halte die 10 Gebote.

Alles andere ist Brimborium und dient dem Machterhalt der Institution Kirche!

Ich kann aber auch jeden verstehen, der aus Unwissenheit sich von der Kirche abwendet, weil er nur den Prunk, die Dogmen und Skandale wie Geldverschwendung oder Missbrauch von Kindern wahrnimmt. 

Da hat der Mensch vor lauter "Verpackung" den Blick auf den eigentlichen "Inhalt" verloren! 

Wenn du zum eigentlichen Inhalt, zur ursprünglichen Botschaft Jesu und deren Hintergründe weiter lesen möchtest, sei dir die Seite www.gott-und-christus.de empfohlen.

Alles Liebe! ❤ 

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Weil sie in einer Kirche sind ohne Christen zu sein oder weil die Priester der Kirche durch Kindermissbrauch für etwas stehen, was diese Leute nicht wollen.

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Kommentar von RudolfFischer
16.06.2016, 13:20

_Die_ Priester? Was soll denn diese Verallgemeinerung? Statistisch sind beim Kindesmissbrauch mehr Familienväter als Priester beteiligt. Sollen deshalb alle aus den Familien austreten?

Aber Nulltoleranz gegen Priester, die Kinder missbrauchen, sagt auch Papst Franziskus. Ich habe allerdings in meiner langjährigen Tätigkeit als Messdiener, Vorbeter, usw. niemals einen pädophilen Priester erlebt.

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das liegt an der beginnenden seelischen selbständigkeit

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Das war in den 2000 Jahren Kirchengeschichte immer so: wenn's den Menschen gut geht, geht's der Kirche schlecht und umgekehrt. 

Und das wird auch so bleiben. Denn wenn es hell ist, braucht man das Licht einer Kerze nicht, man muss schon genau hinsehen, um zu erkennen, dass die Kerze brennt. Wenn es hingegen dunkel ist, dann sieht man die brennende Kerze sehr schnell. Wie gut, dass die Kerze immer brennt!

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Es ist schade, daß so viele Leute austreten.
Ich finde es manchmal auch seltsam, daß sich die Kirche in die Politik einmischt und teilweise mit der Flüchtlingskrise Geld machen möchte.

Das trifft auf beide Kirchen zu

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Kommentar von RudolfFischer
16.06.2016, 13:15

Mit der Flüchtlingskrise Geld machen? Wie soll das denn gehen?

Unser (kath.) Pfarrer hat im Pfarrhaus mehrere Tagungs- und Bürozimmer geräumt und zwei (nichtchristliche) Flüchtlingsfamilien aufgenommen. Beide Geschwisterkirchen am Ort haben Sprachkurse finanziert und organisiert, stellen dafür und für andere Integrationsveranstaltungen Räume, Personal und Geld zur Verfügung. Wobei keinerlei Unterschied nach Religionszugehörigkeit gemacht wird.

Auch die Aktivitäten für die Flüchtlinge werden in unserer (politischen) Gemeinde überwiegend von christlichen Aktiven getragen, die keinerlei Vorteil daraus ziehen, im Gegenteil. Aber sie machen es im Auftrag von Christus, wie das auch Papst Franziskus bestätigt.   

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Kommentar von frider123
16.06.2016, 13:26

Teilweise wollen aber die Kirchen, daß die Flüchtlinge kommen.
Der Staat unterstützt die Kirchen auch finanziell.

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Ich bin Christ und finde es schade dass das so ist.Ich verstehe es aber auch , da die meisten Kirchen Austreter Katholisch sind , und ich als Christ(besuche den evangelichen Gottesdienst) verabscheue die Katholische Kirche sehr.Einerseits weil es viele Kindermissbrauchsfälle gab und andererseits weil sie sich einfach nicht an die Bibel halten!Sie sagen dass der Papst der Stellvertreter Jesus auf Erden ist und das ist eine Lüge!Jesus ist das Oberhaupt der Gemeinde und seine "Vertretung" wenn man es so sagen will ist der heilige Geist.Dazu kommt dass sie Heilige Verehren wie zum Beispiel Madonna ,Mutter Teresa etc.Ausserdem sind sie zu Traditionell und zu wenig "lebendig".Die Evangelische Gemeinde ist meiner Leinung nach für mich die Richtige.

Meine Meinung

Lg

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Kommentar von RudolfFischer
16.06.2016, 13:06

Schade um deine Meinung. Von der kath. Kirche vor Ort weißt du anscheinend nicht viel und klammerst dich an negative Vorurteile aus dem 16. Jahrhundert. In meiner (politischen) Gemeinde arbeiten die kath. und die ev. Geschwisterkirchen eng und liebevoll zusammen, wobei die tätige Nächstenliebe höher angesetzt wird als Direktiven aus Rom. Wenn wir Christen uns schon entzweien, was wollen wir dann von Nichtchristen erwarten?

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