Frage von sophyellee, 202

Warum ist ausgerechnet Berlin die Hauptstadt von Deutschland...?

...Und wie wurde das damals mit den Hauptstädten in den Ländern geregelt?

Antwort
von zehnvorzwei, 74

Hei, sophyellee, Preußen war im 19. Jahrhundert das größte deutsche Bundesland und hatte Berlin als Hauptstadt. Der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck war der Hauptmotor des Zusammenschlusses der deutschen Länder zum Deutschen Kaiserreich, dessen Kaiser ja auch der König von Preußen wurde. So war es nur logisch, dass Berlin zur Hauptstadt des neuerstandenen Reiches wurde.

In vielen Ländern hat man die Hauptstadt so gewählt, um das Umland zu entwickeln. Zum Beispiel verlegte Atatürk die türkische Hauptstadt von Istanbul nach dem damals ziemlich unbedeutenden Ankara. In Brasilien wurde mit der Hauptstadt Brasilia im Landesinneren eine vollkommen neue Stadt errichtet.

Auch zahlreiche neue afrikanische Hauptstädte wurden danach auserwählt, das Umland zu entwickeln, ebenso z.. B. Astana in Kasachstan. In Nicaragua stritten sich im 19. Jahrhundert die Städte Leon und Granada über das Vorrecht, Hauptstadt zu sein; dort fand man einen Ausweg und wählte Managua. In der Elfenbeinküste wurde Yamassoukrou Hauptstadt, weil es das Heimatdorf des damaligen Präsidenten ist (Nkrumah. glaube ich); Regierungssitz blieb aber Abidjan.

Und so. Grüße!

Antwort
von DrSchmitt, 60

Die Hauptstadt ist da, wo die Regierung ihren Sitz hat - das Haupt des Landes.
Im Mittelalter gab es in den meisten Staaten keine Hauptstädte, da die meisten Könige keine richtige Verwaltung hatten. Wenn der König etwas wichtiges befehlen wollte, musste er mit seinen Rittern auch vor Ort sein. Deshalb reißten die Könige und Kaiser im Mittelalter viel.

Spätestens seit der Frühen Neuzeit, also um 1600, konnten die Könige aber auch von ihrem Hof aus regieren. Dort, wo der König lebte, war seine Residenz, und von dort aus wurde das Reich beherrscht. Beispiele dafür sind Versailles (Frankreich), Karlsruhe (Baden), Wien (Österreich), Berlin (Preußen) usw.

Wie ist die deutsche Hauptstadt nach Berlin gekommen?
Deutschland wurde 1871 von Preußen vereint, bis dahin war Deutschland ein Haufen von Einzelstaaten wie Preußen, Bayern, Baden, Württemberg, Sachsen usw., die alle ihre eigene Hauptstadt hatten.

Preußische Hauptstadt war Berlin, deshalb wurde Berlin deutsche Hauptstadt - in Berlin residierte der preußische König, der auch Deutscher Kaiser war. Als der Kaiser 1918 gestürzt wurde, blieb die Hauptstadt in Berlin, und auch unter Hitler war Berlin die Hauptstadt Deutschlands.

1949 wurde Berlin Haupstadt der DDR, während die BRD Bonn als provisorische Haupstadt wählte; provisorisch, weil man nach der Wiedervereinigung wieder nach Berlin zurückkehren wollte. Das geschah ab 1991.

Kommentar von sophyellee ,

Danke für diese ausführliche Antwort. :-)

Antwort
von MrHilfestellung, 119

Weil Berlin die Hauptstadt Preußens war und Deutschland unter der Federführung Preußens vereinigt wurde.

Antwort
von luca1401, 129

Bismarck spielte eine Entscheidende Rolle bei der Gründung des Deutschen Reichs 1871 da er in Preußen lebte und Preußen auch sehr Einflussreich war. Wurde die Hauptstadt Berin ernannt.

Antwort
von DrStrosmajer, 108

Die Hauptstadt war früher der Wohnsitz des Landeherrn (des Fürsten). Das ist dann so übernommen worden.

Bei der Gliederung der Bundesrepublik nach dem 2. Weltkrieg und dem Gebiet der beigetretenen DDR mit der Errichtung der Länder wurde das mehr oder weniger willürlich festgelegt.

Die Festlegung von Bonn als Bundeshauptstadt nach dem 2. Weltkrieg war ebenfalls willkürlich. Ursprünglich sollte es Frankfurt/Main werden.

Kommentar von PatrickLassan ,

Angeblich soll da ein gewisser Herr Adenauer dran gedreht haben. Bonn lag nämlich näher an seinem Wohnort. :-)

Antwort
von DieterSchade, 119

Das kam weil Berlin eine große Stadt war und ungefähr in der Mitte des damaligen Deutschlands lag. Übrigens, die erste deutsche Hauptstadt war Prag. Und auch damals war der Grund, dass es ungefähr die Mitte war. 

Kommentar von 60cent ,

etwa 130jahre im mittelalter, und dann bis zum 30jährigem krieg - danach bekam deutschland 2 hauptstädte: berlin und wien - und 2 kaiser (lutheraner und katoliken):-))))

Kommentar von MrHilfestellung ,

Da verwechselt du aber einiges.

Das Heilige Römische Reich hatte nie eine Hauptstadt, de facto war das immer die Residenzstadt des Kaisers. Also hauptsächlich Wien, da die Habsburger ab 1404 fast ununterbrochen den Kaiser stellten. Sitz des Reichstags war aber ab 1663 Regensburg.

2 Kaiser gab es im deutschsprachigen Raum erst ab 1871, einen österreichischen und einen deutschen. Die Konfessionsstreitigkeiten lagen da aber schon eine Zeit zurück. 

Berlin war zwar früh Hauptstadt Preußens aber erst ab 1871 Hauptstadt Deutschlands. Davor gab es noch kein Deutschland und man kann höchstens vom deutschsprachigen Raum (was aber nicht alle Herrschaftsgebiete Preußens und Österreichs einschließt) oder vom deutschen Bund sprechen, aus dem Österreich aber bereits 1866 ausschied.

Zwei deutsche Hauptstädte gab es auch nicht gleichzeitig, Berlin war mit Unterbrechung zwischen 1949 und 1990 immer Hauptstadt des deutschen Staates.

Wenn man Österreich als deutschen Staat bezeichnet, müsste man die Schweiz und Liechtenstein auch als deutschen Staat bezeichen und Deutschland hätte vier Hauptstädte, das macht man aber nicht.

Kommentar von MrHilfestellung ,

Mein Satz, dass es nie zwei deutsche Hauptstädte gab ist falsch, da ich die DDR vergessen habe. 60Cent hat trotzdem nicht Recht.

Antwort
von Sachsenbruch, 43

Es gab meines Wissens um 1990 mehrere Bewerbungen um die Hauptstadt-Position (statt Bonn -> Berlin). So bewarben sich meines Wissens München und Frankfurt am Main. Kassel hatte das gute Argument für sich, überhaupt nicht historisch vorbelastet zu sein und quasi in der geografischen Mitte des neuen Deutschland zu liegen. Hat alles nichts genützt: Die Berliner mussten wieder ran ... :)

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