Frage von Gingerale3, 46

Warum ist Abtreibung unter Umständen strafbar, nicht aber Körperverletzung am Ungeborenen?

Meines Wissens ist Abtreibung unter bestimmten Voraussetzungen strafbar (Embryo über 12 Wochen alt ohne medizinische Indikation, kein Besuch bei ProFamilia z. B.), nicht aber die Körperverletzung am Ungeborenen? Wenn eine Mutter weiß, daß sie schwanger ist, aber weiter exzessiv raucht, trinkt oder andere Drogen nimmt, so dass das Kind schwer geschädigt und/oder missgebildet zur Welt kommt, warum wird so etwas dann nicht bestraft? Solche Schäden beeinträchtigen das Kind schließlich auch für den Rest seines Lebens.

Antwort
von isebise50, 27

Eine Körperverletzung kann nicht tatbestandsmäßig sein, wenn die Einwirkung auf das Opfer noch vor dessen Geburt erfolgt.

Denn strafrechtlich beginnt das menschliche Leben erst mit Einsetzen der Eröffnungswehen.

Alles Gute für dich!

Kommentar von carn112004 ,

"Denn strafrechtlich beginnt das menschliche Leben erst mit Einsetzen der Eröffnungswehen."

Strafrechtlich beginnt mit Einsetzen der Eröffnungswehen die Anwendung von §§ 211, 212 StGB; damit wird keinerlei Aussage über den Beginn des menschlichen Lebens getroffen; das ist mit dem Strafrecht auch gar nicht beabsichtigt.

Auch das § 218 StGB erst nach Einnistung anwendbar ist, bedeutet keinerlei Aussage hinsichtlich dessen, was vor der Einnnistung existiert.

Antwort
von carn112004, 7

Der Grund liegt wohl darin, dass jeglicher Schutz von ungeborenen erhebliche Auswirkungen auf Freiheit und Würde von Schwangeren haben kann.


Man stelle sich einmal vor, Körperverletzung an ungeborenen wäre für die Schwangere strafbar; eine Schwangere raucht und trinkt -> versuchte Körperverletzung am ungeborenen würde wohl vorliegen -> der Staat dürfte STRAFRECHTLICH gegen jede Schwangere vorgehen, die von ihrer Schwangerschaft weiß und raucht oder trinkt -> 100000 tausende Frauen wären anzuklagen und abzuurteilen.


Gleichzeitig führt aber mäßiger Alkoholkonsum nur zu sowas wie 10-30% zu relevanten Schäden an ungeborenen -> 10000 Frauen wären für eine versuchte KV zu verurteilen, obwohl ihre Handlungen keine KV zur Folge hatten.

Macht man hingegen nur entgegen sonstiger Regeln die erfolgreiche KV strafbar, kommt man in absolut hässliche Beweisproblematiken; denn so 0,1-3% der Kinder sind je nach Alter der Schwangeren sowieso leicht behindert/mit leichten Schäden versehen; wie soll man den Nachweis führen, dass das Verhalten der Schwangeren für einen bestimmten Schaden ursächlich war und der Schaden nicht acuh so aufgetreten wäre?


Und bei Alkohol und Rauchen wäre die Sache noch einfach, da das eigentlich gut erforscht ist.


Z.b. eine schwangere AN sagt dem AG nichts von der Schwangerschaft, da sie erst noch die Festanstellung ergattern will, die ihr momentan in Aussicht steht; arbeitet also ohne Information für den AG eine Zeit weiter; als der AG davon erfährt, versetzt er sie an andere Stelle, da ihre momentane doch minimale Risiken haben könnte (und er natürlich nicht wegen fahrlässiger KV dran sein will); wenn das Kind nun mit einem Schaden zur Welt kommt, der ganz theoretisch auf das Verschweigen und Weiterarbeiten an der nicht völlig unproblematischen Arbeitsstelle rückfahrbar ist, soll dann wegen dem Verdacht auf KV gegen die Schwangere bzw. Mutter ermittelt werden?


Oder z.b. eine Schwangere treibt Sport, verletzt sich, das ungeborene wird auch in Mitleidenschaft gezogen; Ermittlungen wegen fahrlässiger KV?


Und abgesehen von diesen Problemen: was würde es bringen?


Strafen darf der Staat nur androhen und verhängen, wenn es dafür Grund und Anlass gibt; diese sind im Allgemeinen, dass entweder der Staat das Unrechtsbewusstsein für bestimmte Handlungen erhalten will, um irgendwas schützenswertes zu schützen, oder um knallhart den Schutz durch Abschreckung zu erreichen.


Wer wäre Hauptadressat eines KV-Verbots bei ungeborenen?

Schwangere; denn alle anderen müssten ja für eine KV am ungeborenen auch eigentlich immer eine KV an der Schwangeren begehen, womit die sowieso schon durch übliches KV-Verbot daran erinnert und abgeschreckt sind, sowas zu unterlassen; Spezialsachen wie Passivrauchen und Arbeitsplatzproblematiken kann man über entsprechende Spezialvorschriften abdecken.


Adressat wären also eigentlich nur Schwangere.


Mangelt es Schwangeren an Bewusstsein, dass sie darauf achten sollten, Handlungen zu unterlassen, die dem Kind schaden könnten? Von einem Mangel zu sprechen ist heir eher lächerlich; tatsächlich sind Schwangere oft geradezu total kirre jegliches auch nur minimales Risiko zu vermeiden; nervt manchmal, aber das Bewusstsein ist bei Schwangeren, die auf ein gesundes Kind hoffen, unbestreitbat massiv vorhanden. Da sind Strafandrohung zwecks Verstärkung dieses Bewusstseins tendenziell eher unnötig; es reicht, wenn die Schwangeren schlicht gut informiert sind hinsichtlich der Risiken; den Rest machen die meisten eh frewillig.


Nutzt die Abschreckung bei den Schwangeren was, die trotzdem sich problematisch verhalten? Im Allgemeinen verhalten sich nur Schwangere mit ernsthaften Problemen problematisch, z.b. Alkoholsucht; Erfahrung zeigt aber, dass man bei Süchten oder ähnlichem mit Strafen eher nichts erreicht; und selbst diese Frauen sind häufig noch bemüht das problematische Verhalten zu unterlassen; denen zu helfen, bringt was (was durch die Strafandrohung erschwert werden kann; wenn eine alkoholsüchtige Schwangere Strafe fürchten muss, könnte sie davon abgeschreckt werden, sich entsprechenden Stellen, die Hilfe anbieten, zu offenbaren).


Es gibt nur eine Konstellation, in der das Bewusstsein von Schwangeren, dass Verhalten, was die Gesundheit des ungeborenen schädigt, doch möglichst unterlassen werden sollte, wenig ausgeprägt ist:

Wenn die Schwangere eine Abtreibung erwägt.


Damit gibt es neben den ganzen juristischen Problemen, die eine solche Strafbarkeit verursachen würde, überhaupt keinen Anlass für Strafandrohungen, außer eben eventuellen Strafandrohungen wegen Abtreibung; denn soweit es gelingt, eine Schwangere davon zu überzeugen, nicht abzutreiben, erledigt sich die ganze restliche Problematik eines mangelnden Bewusstseins des Schutzes ungeborener von selbst:

Die Schwangere ist - abgesehen von speziellen problematischen Fällen - eh motiviert bei der Sache und der ganze Rest wird durch die bereits bestehenden Gesetze abgeschreckt.


Somit besteht nur ausreichend Grund für Strafandrohungen gegen Abtreibungen, jedenfalls soweit dem Staat da irgendwas Intelligentes einfällt, was geeignet sein könnte, Frauen, die eine Abtreibung erwägen, davon abzubringen.


(Ob dem Staat sowas eingefallen ist, ist dann wieder eine andere Frage.)

Antwort
von martinzuhause, 31

weil die ursache nicht zu 100% nachzuweisen ist.

Antwort
von bohemianflowers, 25

Ganz einfach, weil du der Mutter das nicht nachweisen kannst. Also bei einer Kettenraucherin schon eher, aber gerade bei Alkohol wird es schwer.

Aber ja, es ist verantwortungslos.

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