Warum hilft man in Kriegsländern nicht vor Ort?

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5 Antworten

Nein, das Asylrecht schützt Menschen vor der unmittelbaren Bedrohung ihres Lebens. Und es ist eine der großen zivilisatorischen Errungenschaften nach dem 2. Weltkrieg. So richtig Deine Analyse ist, so falsch ist Deine Schlußfolgerung. Das wäre ungefähr so, als hätte man fliehenden Juden zu Zeiten des 3. Reichs den Schutzraum mit der Begründung verweigert, man solle erstmal etwas gegen die Konzentrationslager unternehmen. (Dass Juden aufgrund des universellen Antisemitismus' damals von div. Staaten tatsächlich abgewiesen sind, ist nochmal eine ganz andere historische Tatsache).

Natürlich hast Du mit den anderen Punkten recht, nur bleibst auch Du aus Ermangelung tatsächlicher Lösungen wage. Was heißt "helfen"? "Helfen" klingt immer nett, schön und euphemistisch. Hilfe tut schließlich niemanden weh, sondern ist a priori erstmal gut. Im Falle Syriens wird es dann bereits komplex, wenn es um die Frage geht, wem Du hilfst. Assad? Der Nationalkoalition? Der al-Nusra-Front und dem IS? Den Kurdengebieten? Alle diese genannten Parteien haben derzeit eroberte Territorien innerhalb Syriens. Die Mehrheit des syrischen Staates entfällt aktuell auf den IS und die al-Nusra-Front, die sich ihrerseits Scharmützel in den Gebieten der Nationalkoalition liefert, die sich selbst gleichermaßen mit den Regierungstruppen Assads herumschlägt, der offenbar den kleinen westlichen Querstreifen, der ihm noch gehört, nicht aufzugeben bereit ist.

Die Nationalkoalition wäre der einzige Kandidat, dem der Westen wirklich zur Hilfe eilen würde. Aber wie könnte das aussehen? Der größte eroberte Bereich der Nationalkoalition ist das Umkreisgebiet rund um Aleppo, das massiv von Anhängern der al-Nusra-Front bedroht wird (inkl. natürlich Assads Truppen). Eine flächendeckende Herrschaft der Nationalkoalition liegt genauso in weiter Ferne wie eine Aussicht darauf, Akzeptanz bei der überwiegenden syrischen Mehrheit zu finden.

Im Vergleich dazu geht es Assad nicht sehr viel besser. Ironischerweise sitzen beide, so verfeindet sie auch sind, im selben Boot. Zwar hat (aktuell) Assad geringfügig mehr Raum als die Nationalkoalition, steht aber in einem Großteil des Landes einer Übermacht des IS gegenüber. Allein die territoriale Verteilung auf der Karte spricht Bände.

Und über die Kurden im Norden haben wir noch gar nicht gesprochen, die insb. den IS fürchten müssen.

Wie sollte Deiner Meinung nach "Hilfe" aussehen? Und wem sollte sie nützen? Die einzige Chance, den IS auszuräuchern, sind Bodentruppen. Das wäre im Frühjahr 2014 vielleicht noch einfacher gewesen. Welche Nation sollte aber jetzt Akzeptanz finden, in Syrien in Form von Bodentruppen einzugreifen? Der einzige Staat, der das könnte, wäre Rußland. Allerdings gleichen die USA dem wehrlosen Jungen auf dem Schulhof, der immer noch glaubt, ihm gehörte der Schulhof und der andere Kinder davon abhält, die Rowdies zu verprügeln, weil er das Sagen hat und davon ausgeht, dass wenn überhaupt, dann er die Rowdies verprügelt. Also tut es keiner, weil er es nicht kann. Das ist die Position der USA. Rußland kann sich de facto nicht mehr einbringen, weil es dann einen heftigen Konflikt mit den USA befürchten müsste.

Und der Westen, vertreten durch die USA? Selbst wenn die USA das Geld, die Mittel und die Moral innerhalb der Bevölkerung hätte (alles drei fehlt in unterschiedlich eklatantem Maße), wen könnten sie dort realistischerweise unterstützen? Es wäre einfacher, aber immer noch schwierig, wenn es eine Allianz zwischen Assad und der Nationalkoalition geben würde. Aber ehe das passiert, wird der Papst zum Atheisten.

Es müsste im Angesicht der Grausamkeiten des IS einen breiten, nationenübergreifenden Einsatz geben. Der wäre zumindest vor anderthalb Jahren auch noch in der Lage dazu gewesen, diese Organisation in den Grundfesten zu zerstören. Aber sowohl die USA als auch Rußland verfolgen ureigene Interessen und befinden sich geistig immer noch im Kalten Krieg. Solange hier keine Annäherung in Sicht ist, die aus einem Zurückstellen beiderseitiger territorialer Interessen bestünde, wird es keine Lösung und keine substanzielle "Hilfe" geben. Auch wollen wir nicht vergessen, dass selbst eine Ausrottung des IS in Syrien die innerländischen Probleme kaum lösen würde. Das Ende des IS wäre der Beginn neuer Bürgerkriege, so, wie wir es in anderen Zusammenhängen auch in Libyen gesehen haben.

Ich kann mir in Anbetracht der Situation nicht ganz vorstellen, was Du darüberhinaus tatsächlich mit "Hilfe" meinst. Der Weg zur Hölle ist bekanntlich immer mit guten Vorsätzen gepflastert.

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"Vor Ort" ist Staatsgebiet eines anderen Staates.Mann kan da nicht einfach so ohne Erlaubnis der heimischen Regierung oder UN-Beschkuss etwas machen. Es sei denn man ist die USA und handelt ohne auf internationales Recht zu achten widerrechlich.

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Stimmt alles und wird immer in Talkshows diskutiert. Kann man nicht so schnell sagen. Jedenfalls wird oft gesagt, dass an Ort und Stelle geholfen wird, das Geld kommt aber nie an (Korruption). 

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Warum nicht Vorort?

Wer soll oder darf entscheiden, auf wessen Seite man kämpft? Wen soll ich als Außenstehender bekämpfen? Nicht mein Land, meine Regierung, mein Glaube, usw.

Wer hat Recht oder Unrecht? ich kann mich doch nicht in einen Streit einmischen und allen Beteiligten auf´s Maul (Entschuldigung für die Wortwahl) hauen. Das mache ich doch woanders auch nicht. ich kann maximal dazwischen gehen. Aber wem nutzt das? Die Leute, die sich dort gerne streiten wird das ziemlich egal sein wenn ich sage: Habt euch doch wieder lieb.

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Kommentar von DeCnJackZ
25.01.2016, 16:35

Welche Seite? Einfach. Die Seite des Volkes. Man kann beispielsweise in Syrien sowohl den IS vernichten und die Regierung zerschlagen.

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"man"

wer ist denn "man"?? würdest du in einem kriegsgebiet die freiheit der flüchtlinge verteidigen und dich evtl erschiessen lassen?

die männer unter den flüchtlingen sollten ihr land verteidigen

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