Frage von thorsten96, 38

Warum hat Unternehemer während des 2. WK sein Privateigentum an Firma verkauft?

Hallo, ich brauche jetzt einen guten Geschichtsexperten oder nostalgischen Juristen. Bei der Aufarbeitung einer Immobilien-/Unternehmenshistorie habe ich herausgefunden, dass der Eigentümer 1940 sein Privateigentum (Villa/Büro+Fabrik) an seine Firma verkauft hat. Zusätzlich lässt sich erahnen, dass andere Gesellschafter in dem Jahr eingestiegen sind. Ich denke nicht, dass es sich um eine typische Kapitalaufstockung handelt, da darauf keine Investitionen folgten. Kann es sein, dass man so die Mitgesellschafter vom Kriegsdienst "retten" wollte und dafür ein bestimmter Unternehmenswert notwendig war? Wenn dem so ist, würde ich mich über Quellen freuen. Besten Dank

Antwort
von wfwbinder, 28

Viele "Firmenverkäufe" in der Zeit waren sogenannte "Arisierungen."

Man stellte die jüdischen Eigentümer vor die Wahl entweder per Kaufvertrag für billiges Geld an einen deutschen zu verkaufen, oder enteignet zu werden.

Hast Du mal den Film "Schindlers Liste" gesehen. Da kommt das auch drin vor.

Kommentar von thorsten96 ,

Eine jüdische Herkunft ist wirklich auszuschließen, da mir dessen Familienhistorie zweigleisig bekannt ist und kein jüdischer Name auftaucht. Ich denke auch, dass man davon im Dorf mal etwas gehört hätte.

Kommentar von tanztrainer1 ,

Nicht jeder Jude hatte einen so ganz "typischen" Namen. Da gibt es auch ganz "Unverdächtige" wie Müller darunter.

Antwort
von Mastrodonato, 20

Es kann natürlich viele Möglichkeiten geben, warum man das gemacht hat. Hast Du denn weitere Details zur Transaktion? Ist Geld geflossen? Vielleicht wollte der Firmeninhaber Bargeld? Was allerdings in Kriegszeiten fragwürdig ist, das Sachwerte mehr Wert haben als Bares.

Aber wenn ich das richtig verstehe - vorher war der Eigentümer Einzelunternehmer, was war die Rechtsform danach?

Die Einschätzung ist auch deshalb schwierig, weil sie aus Motiven geschehehn sein kann, die sich nachher nicht realisiert haben, weil das Kriegsgeschehen die ursprünglichen Pläne durchkreuzt hatte - 1940 war ja der Kriegsverlauf noch "rosig" für Deutschland,

Es würde uns helfen, mehr über da Unternehmen zu wissen - um welche Branche handelt es sich

Kommentar von thorsten96 ,

Ich habe doch noch par mehr Infos gefunden. Ein anderer Unternehmer ist eingestiegen für 50.000 RM. Beide sind Strumpfwirker. Jedoch hat sich der andere Gesellschafter 1943 herausgezogen und es gab wieder nur noch den einen Firmeninhaber von Anfang.

Kommentar von Mastrodonato ,

Ok, interessante Info. Dann sieht das allerdings wirklich nur danach aus, dass die beiden eine gemeinsame Firma wollten und sich das 1943 wieder zerschlagen hat - überhaupt nichts ungewöhnliches, habe ich selber auch schon erlebt.

Man ist sich vielleicht nicht mehr einige gewesen oder der andere wollte nicht mehr, brauchte Geld, was auch immer.

Antwort
von Herb3472, 38

War der Unternehmer möglicherweise Jude und wollte damit eine Enteignung verhindern?

Kommentar von thorsten96 ,

Eine jüdische Herkunft ist mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auszuschließen.

Antwort
von surfenohneende, 17

Eine jüdische Herkunft ist mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auszuschließen.

kann auch z.B. Polnischer Herkunft

oder politischer Gegner gewesen sein

Kommentar von thorsten96 ,

Es liegt auch keine polnische Herkunft vor, die Familie ist "arisch". Politischer Gegener ist noch ein guter Ansatz, dem ich nachgehen werde. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass der damals größte Unternehmer im Dorf, der in einer Villa hauste, ein Kommunist/Sozialist gewesen sein kann. Aber gegen das vorherrschende System kann er allemal gewesen sein.

Kommentar von surfenohneende ,

ein Kommunist/Sozialist gewesen sein kann. Aber gegen das vorherrschende System kann er allemal gewesen sein.

man musste kein Kommunist/Sozialist gewesen sein um politischer Gegner zu sein ^^ Politischer Gegner zu werden ging sehr schnell ... es gab sogar Säuberungen innerhalb der NSDAP ^^

Kommentar von thorsten96 ,

Wir brauchen ja nur gerade Richtung Osmanien zu schauen, was der Dönergott mit den angeblich Gülen-Anhängern macht...

Wie gesagt, ich werde dem nachgehen.

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