Frage von Happiness88, 69

Warum hat sich Seneca selbst getötet und war es wirklich sein eigener Wunsch?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von berkersheim, 40

Nein, die Selbsttötung war ein Befehl von Kaiser Nero, dessen Erzieher und enger politischer Berater Seneca mal war.

"Der politische Hintergrund war die Pisonische Verschwörung gegen Neros zunehmend despotisches Regiment. ....

Der lange geplante und mehrfach verschobene Mordanschlag auf Nero wurde
kurz vor seiner Ausführung verraten. Durch Zusicherung von
Straflosigkeit für die Kooperationsbereiten gelang es dem Kaiser, eine
breite Denunziationswelle auszulösen, zu deren zahlreichen Opfern auch
Seneca gehörte." Wikipedia "Seneca"

Kommentar von Happiness88 ,

Warum wird der Tod des Seneca als "Selbsttötung" bezeichnet?

Kommentar von Happiness88 ,

Weil er zur Selbsttötung gezwungen wurde. Die Frage war total überflüssig. :) Tut mir super Leid.

Kommentar von berkersheim ,

Seneca war Philosoph. Im Prinzip war es sehr zynisch von Kaiser Nero, ihm die Selbsttötung zu befehlen. Er hätte ihn ja auch wie viele andere umbringen oder vergiften lassen können. Warum dann die Selbsttötung? Weil das in Erinnerung an Sokrates (Schierlingsbecher) der für Philosophen angemessene Tod war. Wir wissen, dass bei Seneca Theorie und Praxis manchmal weit auseinander lagen. Mag sein, dass Kaiser Nero seinem Lehrer als letztes vor Augen führen wollte, was der Unterschied ist, über Leben und Tod zu theoretisieren und sich als Lebender selbst den Tod zu geben. Es soll - laut Berichten - bei Seneca dann nicht auf Anhieb geklappt haben.

Expertenantwort
von Albrecht, Community-Experte für Geschichte & Philosophie, 12

Die Selbsttötung war nicht Senecas eigener Wunsch, sondern er ist von Kaiser Nero durch einen Befehl dazu genötigt worden.

Lucius Annaeus Seneca empfiehlt in philosophischen Aussagen eine Vorbereitung auf den Tod als Vorbereitung auf Freiheit. Liebe zum Leben dürfe nicht abgestreift werden, aber gelockert, damit nichts zurückhält und daran hindert, bereit zu sein, wenn es die Lage erfordert. Ein allgemeinverbindliches Urteil, sich den Tod, den äußere Gewalt androht, selbst geben oder abwarten zu sollen, sei nicht möglich.

Gedanken Senecas über Tod und Selbsttötung: Epistulae morales ad Lucilius 26, 10; 54; 61, 2; 70

Seneca ist eine Mitwisserschaft an der sogenannten Pisonischen Verschwörung vorgeworfen worden.

65 n. Chr. wurde eine Verschwörung aufgedeckt. Senatoren, darunter Gaius Calpurnius Piso, und Praetorianeroffiziere hatten geplant, Nero am 19. April zu töten. Am Abend davor wurde der Plan aufgedeckt. Die Festgenommenen nannten, zum Teil unter Folter, weitere Namen, darunter wohl auch Leute, die tatsächlich nicht beteiligt waren. Antonius Natalis nannnte gefesselt schon beim Anblick und der Androhung der Folterinstrumente Namen, darunter auch Seneca, sei es weil dieser Nachrichtenübermittler zwischen Natalis und Piso war, sei es um Nero einen Gefallen zu tun, der gegenüber Seneca feindselig war (Tacitus, Annales 15, 56, 2).

Ob Seneca wirklich Mitwisser war, ist unsicher und zweifelhaft.

Tacitus, der am ausführlichsten darüber berichtet, meint, das Fällen/der gewaltsame Tod/die Tötung/die Ermordung (caedes) Senecas sei für Nero am erfreulichsten gewesen, nicht weil Teilnahme an der Verschwörung klar bewiesen worden war, sondern um zu blutiger Gewalt zu schreiten, da Gift keinen Erfolg gebracht hatte (Tacitus, Annales 15, 60, 2; zu dem Plan mit Gift vgl. Tacitus, Annales 15, 45). Bei den Befragungen habe Antonius Natalis als einziger Seneca genannt und auch bloß angegeben, von Gaius Calpurnius Piso zum kranken Seneca geschickt worden zu sein, um ihn zu besuchen und sich bei ihm darüber zu beklagen, Piso nicht zu empfangen, worauf Seneca geantwortet habe, gegenseitige Gespräche und häufige Unterredungen seien für keinen von beiden gut, im übrigen stütze sich sein Wohlergehen auf die Unversehrtheit Pisos (Tacitus, Annales 15, 5, 60, 3). Tacitus ist also der Auffassung, Nero habe Seneca schon vorher mit Gift umzubringen versucht und nun eine Gelegenheit genutzt, obwohl eine Beteiligung bzw. Mitwisserschaft Senecas an der Verschwörung nicht nachgewiesen worden war.

Tacitus, Annales 16, 62, 2 erzählt von einer Äußerung Senecas bei Erhalten der Aufforderung zur Selbsttötung, dem Wüten Neros sei nach Tötung seiner Mutter [Agrippina] und seines Bruders [Britannicus] nicht anderes übrig geblieben, als die Tötung/Ermordung seines Erziehers und Lehrers (educatoris praeceptorisque necem) hinzuzufügen.

Tacitus, Ananles 15, 65 erwähnt noch ein Gerücht über eine Mitwisserschaft Senecas an eienm Plan, nach Nero auch Piso zu ermorden und Seneca die Regieurung zu übertragen.

Cassius Dio 62, 24 nennt Seneca als einen der Urheber der Verschwörung und zeigt eine Abneigung gegenüber Seneca.

Gavius Silvanus, Tribun einer Praetorianerkohorte erhielt den Befehl, Seneca zu den von Natalis geäußerten Aussagen zu befragen. Er kam am Abend zu der Villa in der Nähe Roms, in der sich Seneca mit seiner Ehefrau Pompeia Paulina und zwei Freunden aufhielt, und umstellte sie mit Abteilungen von Soldaten. Mit der Antwort kam er zu Nero und dieser befahl, Seneca seinen Tod anzukündigen. Gavius Silvanus überließ es einem Centurio, Seneca die Aufforderung zur Selbsttötung als letzte/äußerste Notwendigkeit/Unausweichlichkeit (necessitatem ultimam Tacitus, Annales 15, 61, 4) mitzuteilen.

Nach Tacitus Annales 15, 60 – 64 öffnete sich Seneca die Adern, zuerst an den Armen, dann auch an den Beinen, nahm dann, weil wenig Blut floß, Gift, als auch dies keine schnelle Wirkung hatte, ein heißes Bad, wo er an Dämpfen erstickte. Der Tod ist vom Seneca anscheinend in einigem dem des Sokrates ähnlich gemacht worden und er hatte Gift, wie es die Athener zur Hinrichtung verwendeten, schon früher bereit.

Cassius Dio 62, 25 berichtet knapper und nur über ein Öffnen der Adern, das nicht zu einem schnellen Ende führte, sondern die Soldaten halfen nach und beschleunigten das Lebensende.

Lucius Annaeus Seneca hat die Ausbildung des jungen Nero übernommen und war einer seiner Berater. Als Nero erwachsen geworden war und Macht als Alleinherrscher hatte, schwand Senecas Einfluß nach einiger Zeit allmählich. Neros Bereitschaft, sich zu zügeln und leiten zu lassen, nahm ab.
62 n. Chr. starb der Praetorianerpraefekt Sextus Afranius Burrus, ein anderer Berater, der Seneca Rückhalt gegeben hatte. Der Tod des Burrus erschütterte Senecas Machtstellung (Tacitus, Annales 14, 52). Praetorianerpraefekt wurde Lucius Faenius Rufus zusammen mit Ofonius Tigellinus.

Nero neigte anderen Einflüssen als denen Senecas zu. Feinde Senecas richteten Beschuldigungen gegen ihn (darunter Geringschätzung der Geschicklichkeit Neros im Pferdelenken und Spott über seinen Gesang).

Seneca bat Nero um Erlaubnis für einen Rückzug aus der Politik ins Privatleben.

Jürgen Malitz, Nero. Originalausgabe, 2. Auflage. München : Beck, 2013 (Beck'sche Reihe ; 2105 : C. H. Beck Wissen), S. 87 – 88:  

„Zu den Opfern von Neros Vergeltung gehörte auch Seneca. Schon lange hatte er sich aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen und alles vermieden, was die Aufmerksamkeit Neros hätte auf sich ziehen können. Es ist sehr unwahrscheinlich, daß Seneca auch nur mittelbaren Anteil an Pisos Plänen gehabt hat; Neros Argwohn wurde aber schon durch die Mitteilung des redseligen Verschworenen geweckt, daß Piso einmal Seneca bekümmert habe mitteilen lassen, wie sehr er es bedauere, keinen Kontakt mehr zu ihm zu haben. Diese Aussage ließ Nero sogleich durch ein Verhör Senecas überprüfen, der sich damals in der Nähe der Hauptstadt auf einem seiner Landsitze aufhielt.

Senecas Antwort bestätigte die Version der Botschaft an Piso, wie sie beim Verhör der Verschworenen zitiert worden war, doch war Nero an einer Entlastung des alten Lehrers nicht mehr interessiert. Rasend vor Zorn setzte er die Verwicklung Senecas in die Verschwörung voraus und wurde dabei noch bestärkt durch Tigellinus und Poppaea.“

Tacitus 15, 61, 1 – 15, 61, 4

P. Cornelius Tacitus, Annalen : lateinisch-deutsch. Herausgegeben von Erich Heller. Mit einer Einführung von Manfred Fuhrmann. 6. Auflage. Mannheim : Artemis & Winkler, 2010 (Sammlung Tusculum), S. 771:  

„Seneca gab zur Antwort, Natalis sei zu ihm geschickt worden und habe sich im Namen Pisos darüber beschwert, daß ihm ein Besuch bei ihm verwehrt werde, und er habe sich mit der Rücksicht auf seine Gesundheitsumstände und seinem Ruhebedürfnis entschuldigt. Das Wohlergehen einer Privatperson dem eigenen Wohlbefinden vorzuziehen habe er keinen Grund gehabt; auch sei er seinem Wesen nach nicht geneigt zu Schmeicheleien. Dies sei niemand besser bekannt als Nero, der öfter mit dem Freimut Senecas als mit seiner Unterwürfigkeit Bekanntschaft gemacht habe. Als dies vom Tribun in Gegenwart von Poppaea und Tigellinus, also im Kreise der vertrautesten Ratgeber des wahnsinnigen Princeps, berichtet wurde, fragte Nero, ob Seneca sich auf einen freiwilligen Tod einstelle. Da versicherte der Tribun, er habe kein Zeichen von Angst, keinerlei Traurigkeit in den Worten oder seiner Miene feststellen können. Also erhielt er den Befehl, erneut hinzugehen und ihm den Tod anzukündigen. Nach dem Bericht des Fabius Rusticus kehrte er nicht auf dem Weg zurück, den er gekommen war, sondern machte einen Umweg zum Präfekten Fannius; nach der Darlegung der Befehle des Kaisers habe er ihn gefragt, ob er gehorchen solle, und sei von ihn aufgefordert worden, jene auszuführen – so sehr vom Schicksal verhängt war bei allen die Feigheit. Denn auch Silvanus war einer der Verschworenen und vermehrte die Verbrechen, zu deren Ahndung er sich verpflichtet hatte. Doch mit ihm zu sprechen oder ihm unter die Augen zu kommen, hütete er sich und schickte einen seiner Centurionen zu Seneca hinein, der ihm die Unabänderlichkeit des Todes ankündigen sollte.“

Sueton, Nero 35, 5

C. Suetonius Tranquillus, Die Kaiserviten = De vita Caesarum. Berühmte Männer = De viris illustribus. Lateinisch-deutsch. Herausgegeben und übersetzt von Hans Martinet. 3. Auflage. Düsseldorf : Artemis & Winkler, 2006 (Sammlung Tusculum), S. 693:

„Seinen Lehrer Seneca trieb er zum Selbstmord; daran änderte auch nichts, daß er diesem, wenn er ihn gebeten hatte, ihn gebeten hatte, ihn gehen zu lassen, und ihm angeboten hatte, auf seinen Besitz zu verzichten, hoch und heilig geschworen hatte, er hege ganz grundlos Argwohn, eher werde er selbst zugrunde gehen als ihm schaden.“

Antwort
von grossmutti39, 28

Also ich denk da jetzt an den ersten Tribute von Panem film, aber ich bin ziemlich sicher, dass du das nicht meinst oder?

Antwort
von AhsLostSq, 26

Könntest du bitte nicht bisschen genauer erklären 😅 welchen Seneca meinst du 🙈

Kommentar von TheDoctor13 ,

Es ist doch wohl offensichtlich, dass er den Philosophen meint.

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