Frage von Golem999, 189

Warum hat Prostitution einen schlechten Ruf, bzw. warum sind immer noch viele Menschen gegen legale Prostitution?

Es gibt ja z.b. immer noch relativ fortschrittliche Länder wie die USA die es fast ganz verbieten.

Warum haben soviele Leute etwas dagegen schlussendlich ist es ja nur eine Dienstleistung.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von RFahren, Community-Experte für Sex, 86

Beim Vergleich mit den USA sollte man bedenken, dass dieses Land auch von vielen religiösen Eiferern besiedelt wurde, die in der "alten Welt" ihre Ideale nicht verwirklichen konnten.

Wer Prostitution verurteilt bedient sich oft einer Doppelmoral, denn bei der gerne empfohlenen Alternative "Such Dir doch einen One-Night-Stand" wird oft gelogen bis sich die Balken biegen ("Natürlich bin ich Single", "Ich suche etwas Festes..." usw.) um das Opfer ins Bett zu bekommen. Warum der angeblich so verwerfliche "Sex ohne Liebe" in einem solchen Fall moralisch wertvoller ist, als bei einem fairen Geschäft, ist mir nicht klar. Auch eine Versorgungsehe, bei der der Braut die finanzielle Ausstattung des Gatten wichtiger war, als die Liebe zu einem "armen Schlucker" wird selten wirklich beanstandet.

Frauen sind Prostituierte natürlich allein schon deswegen suspekt, da die Möglichkeit jederzeit unkompliziert Sex kaufen zu können, die Damen eines beliebten Belohnungs- und Steuerungsinstruments beraubt... . 

In einem modernen Sauna- oder FKK-Club (im Amtsdeutsch "Bordellähnlicher Betrieb") findet die Begegnung zwischen Dienstleisterin und Freier quasi auf Augenhöhe statt und zwar fern der gängigen Klischees von Schmuddel und Zwang. Man sollte in Bezug auf Paysex auch nicht alle Erscheinungsformen über einen Kamm scheren - es ist ein Unterschied ob jemand unter Zwang auf dem Drogenstrich anschafft oder man eine freiwillig und selbstbestimmt arbeitende Sexworkerin in einem seriösen Bordell besucht!

Es ist ein Klischee, dass die meisten Frauen gezwungen werden als Prostituierte zu arbeiten. Allerdings behaupten einige Frauenrechtlerinnen bereits die Notwendigkeit Geld verdienen zu müssen sei "Zwang" - dann bin ich allerdings auch "Zwangsarbeiter", denn ich gehe nicht ins Büro, weil mir zuhause langweilig ist! Die meisten Dienstleisterinnen stammen aktuell aus Rumänien und Bulgarien, wo der Durchschnitts-Monatsverdienst unter 400€ liegt. Die "Generation Party" dieser Länder steht oft auf dem Standpunkt "ich bin jung - ich will mir JETZT etwas leisten können" - da kommt ein Job in Germany, wo man in einer Nacht mehr verdienen kann als eine Krankenschwester in der Heimat im ganzen Monat, gerade recht! Die allermeisten Männer gehen mit den Damen auch zärtlich und respektvoll um, weshalb diese ihre Tätigkeit auch z.B. der einer Krankenschwester usw. vorziehen, da Schwestern einen unangenehmen Patienten beim nächsten Mal nicht einfach ablehnen können! 


Eine Session ist meist erotischer, wilder, zärtlicher, verschmuster, alberner und schöner, als es sich die Theoretiker und Moralapostel überhaupt vorstellen können. Auch von der viel beschworenen Distanz zwischen Dienstleisterin und Gast ist hier wenig zu spüren, denn die meisten Frauen praktizieren den beliebten "Girlfriend-Sex" wo neben dem eigentlichen Akt auch Streicheleinheiten, Schmusen, Kuscheln, Zungenküsse, Lecken und Blasen ganz selbstverständlich dazugehört.

Daher haben laut verschiedenen Umfragen im Laufe ihres Lebens die meisten Männer schon einmal für Sex bezahlt. Laut der Zeitschrift Brigitte sogar 88%  und 47% sogar einmal jeden Monat:

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/peinlich-aber-erfolgreich-und-keiner-wills... 


Im Bordell finden sich daher ein Querschnitt durch die männliche Bevölkerung - und keineswegs nur "Perverse", "hässliche" und "alte" Männer, die in der "freien Wildbahn keine abbekommen".

Wer im Bordell "Liebe" sucht ist allerdings fehl am Platz - denn die Gefühle gehen selten über gegenseitigen Respekt und der Sympathie für einen guten Geschäftspartner hinaus. Wer sich bemüht kann allerdings auch im Bordell eine Menge über guten Sex hinzulernen und nicht alle Orgasmen der Dienstleisterinnen sind gespielt... . Viele Details über die verschiedenen Geschäftsmodelle und die Motivation von Gästen und Dienstleisterinnen findest Du in dem unterhaltsamen und informativen Buch "Wir sehen uns im Puff!" (Amazon).

Seid nett aufeinander!

R. Fahren

Kommentar von Grautvornix ,

Das bezeichne ich mal als einen Ausflug in die Wahrheit.

Die religiösen Eiferer die in USA Prostitution verboten haben, sind durch den Vietnamkrieg, zum großen Teil dafür verantwortlich, das Bangkok, heute das ist was es ist.

Nach dem Motto es gibt schon Gründe dafür, das Männer zu Prostituirten gehen, aber nich bei uns zu Hause!

Kommentar von RFahren ,

Die gleichen Moralapostel versuchten ja auch den "Teufel Alkohol" zu verbieten und haben damit nicht nur dem organisierten Verbrechen einen hervorragenden Nährboden geschaffen, sondern den Bezug zu und den Umgang mit Alkohol in den USA bis heute nachhaltig gestört. Ich habe da schon recht umfangreiche Feldstudien in "God's own Country" durchgeführt... ;-)

Seid nett aufeinander!

R. Fahren

Antwort
von OlliBjoern, 39

Ich hatte eben erst gelesen, dass Michel Houellebecq (frz. Schriftsteller) sagte "ohne die Prostitution, die der Ehe als Korrektiv dient, wird die Ehe untergehen und mit ihr die Familie und die gesamte Gesellschaft"

Ich persönlich halte dies für intellektuelles Geschwätz, aus folgendem Grund: die allermeisten Männer gehen nie zu Prostituierten. Nach einer Studie sind in Deutschland 18% der Männer mind. einmal zu einer Prostituierten gegangen, in Großbritannien gerade mal 7%.

Zudem ist es bei vielen dieser Männer bei einem Mal (oder wenigen Malen) geblieben, auch bei diesen Männern ist nicht klar, dass dem Besuch eine hohe Bedeutung zukommen würde.

Daher denke ich: die Bedeutung der Prostitution wird überschätzt, für 82 % spielt sie keine Rolle, und für weitere Männer nur eine geringe.

Ich vermute, dass Houellebecq (wieder mal) in seinen eigenen "provokanten" Stil verliebt ist. Dabei ist das weitgehend uninteressant (ob er ins Bordell geht oder nicht, niemand hat was dagegen...). 

Kommentar von Grautvornix ,

18 % ist nicht wenig, 2012 lebten in Deutschland  25 Millionen Männer in alter von 20 bis 60 Jahre.

Das wären also ca. 5 Mio.

Wobei es fraglich ist wer bei einer Studie zu dem Thema die Wahrheit sagt.

Kommentar von RFahren ,

So so - 18% - nenne doch bitte mal die Quelle für diese Zahl, denn in anderen Untersuchungen kommen vielfach höhere Werte dabei heraus:


Laut verschiedenen Umfragen haben im Laufe ihres Lebens die meisten Männer schon einmal für Sex bezahlt. Laut der Zeitschrift Brigitte (hier zitiert in der Süddeutschen) sind es 88%  und 47% sogar einmal jeden Monat:  

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/peinlich-aber-erfolgreich-und-keiner-wills... 


Seid nett aufeinander!

R. Fahren

Kommentar von Grautvornix ,

Die Aussage.

Ich zahle nicht für sex.

Hat genauso viel Wahrheitswert, wie die:

Neimand will eine Mauer bauen.

Kommentar von Corleone133 ,

Sehr schön zitiert, Herr Ulbricht :)

Antwort
von pritsche05, 75

Es ist richtig, es ist NUR eine Dienstleistung. Ich persönlich halte sie aber für eine wichtige Dienstleistung ! Ohne diese dienstleistung würde es seeeeehr viel mehr Vergewaltigungen geben !! Ich sehe das zumindest so.

Kommentar von Kiyota ,

Vergewaltigung wird nicht aus dem Verlangen nach Sex "ausgeübt". 

Sie wollen ihre Wut entladen und/oder ein Machtgefühl ausüben. 


http://www.frauennotruf-trier.de/index.php?id=80

Kommentar von pritsche05 ,

Nicht immer !

Kommentar von verwirrtesmausi ,

danke, also sind Frauen nur für 's eine gut?!?! also, mich darf nur mein LG anfassen, jeder hat das Recht über seinen Körper selbst zu bestimmen, und ein NEIN gehört respektiert. Punkt. Für diesen Fall gibt es S. Befr., Heftchen und Filmchen, und Onenightstands...

Kommentar von verwirrtesmausi ,

oder mann findet eine liebevolle Freundin und pflegt die Beziehung... echte Liebe mit tollem Sex gibt's gratis, wenn mann lieb ist zu ihr

Antwort
von Kiyota, 79

Vielleicht liegt es an der Ethik. Ich selbst halte auch nicht viel davon, seinen Körper zu verkaufen. Klar, manche machen es wohl gerne.. Aber manche nicht, da ist es schnell gezwungenermaßen freiwillig, unter welchen Umständen auch immer. Darüber kann man allerdings auch endlos diskutieren, wie über so vieles anderes eben auch. Ist halt Ansichtssache. 

Kommentar von RFahren ,

KEINE Prostituierte verkauft "ihren Körper" sondern ausschließlich ihre ZEIT - genau wie Dein Masseur, Arzt, Steuerberater oder Rechtsanwalt.

Seid nett aufeinander!

R. Fahren

Kommentar von Grautvornix ,

Ebend, was macht den ein Bauhelfer, der hauptsächlich mit seiner Muskelkraft arbeitet, oder Kanalreiniger der in unsere Sch....ße taucht?

Kommentar von Kiyota ,

Wie ich bereits sagte, ist das alles Ansichtssache. Aber wo blieb denn der öffentliche Diskurs, hätte jeder die gleiche Meinung? 

Antwort
von Kaesequalle, 71

Weil sich vermutlich nur wenige für den Beruf entscheiden, weil sie es wirklich wollen.

Kommentar von RFahren ,

Da würde mich mal interessieren wo Du diese Weisheit her hast? Mit wie vielen Prostituierten hast Du denn über ihre Karriereplanung und Berufswahl gesprochen?

Seid nett aufeinander!

R. Fahren

Kommentar von Kaesequalle ,

Natürlich ist das ein Klischee(wenn auch sicher kein unbegründetes), aber die Frage war warum Prostitution einen schlechten Ruf hat! Bitte, da hast du die Antwort. Klischees wie dieses sind weit verbreitet. Wenn man sich ein bisschen durch die letzten 1000 Jahre denkt, merkt man, dass der Beruf in Europa eher selten einen hochgeachteten Ruf hatte...

Kommentar von Grautvornix ,

Der Beruf ist nicht hochgeachtet, aber viele Kunden die da hin gehen schon, und ich meine damit kein Laufhaus.

Es gibt durchaus Frauen die das aus freien stücken machen, ohne irgendwen im Hintergrund der das Geld kassiert, einige machen es aus einer finaziellen Notlage heraus, andere finazieren ihr Studium damit, wieder andere machen das weil sie daran Spass haben.

Die letztgenannten sind sicher nur wenige.

Das kann man jetzt verurteilen, aber ich finde dann sind Freier, die verheiratet sind, eine hochangesehene soziale Stellung haben, und aus verschiedenen Gründen zu einer Prostituirten gehen, genaus zu verurteilen.

Wer damit nie zu hat, der glaubt es nicht was es da alles gibt, und wer da alles hingeht.

Ich meine jetzt nicht die, wo man eine schnelle Nummer für 30 € bekommt.

Auch die Entrüstung nach Sylvester in Köln, ich will das jetzt nicht verharmlosen, aber was denkt ihr wie deutsche Männer in Thailand benehmen.

Ihr würdet tagelang kotzen.

Antwort
von verwirrtesmausi, 48

weil dabei der menschliche Körper zu einer Ware verkommt, und eine persönliche Grenze gegen Bezahlung überschritten wird

Antwort
von Grautvornix, 55

Wegen der Kirche, wegen den Zuhältern, wegen den Ehefrauen, wegen Geschlechtkrankheiten, wegen der Moral, wegen den Feministen, wegen den Männern, wegen den Kindern, wegen der Hunde, und überhaupt.

Antwort
von HirnvomHimmel, 27

Wahrscheinlich, weil viele Leute lieber über Sexarbeiterinnen sprechen, als mit Sexarbeiterinnen zu sprechen.

Antwort
von Evileul, 59

Weil Kriminalität damit in verbindung gebracht wird und das teilweise nicht zu unrecht. Kenn nen puff dort gehen die leute hin um große mengen Drogen zu kaufen.

Kommentar von RFahren ,

Da "Puff" ein Sammelbegriff für alle möglichen Locations ist, kann man das nicht verallgemeinern. Ein seriöses Bordell achtet stärker darauf, dass in den Räumlichkeiten keine Drogen konsumiert oder gar verkauft werden, als eine durchschnittliche Gaststätte, da sie erfahrungsgemäß wesentlich häufiger und genauer kontrolliert werden!

Seid nett aufeinander!

R. Fahren

Antwort
von Susii01, 26

Ich finde es sexistisch und frauen feindlich.

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