Frage von Schafpeter, 72

Warum hat Pontius Pilatus Jesus ausgehändigt?

Soll er nicht gesagt haben:

Er aber sprach zum dritten Mal zu ihnen: "Was hat denn dieser Böses getan? Ich habe nichts an ihm gefunden, was den Tod verdient; darum will ich ihn schlagen lassen und losgeben."

Doch dann hatte er Jesus trotzdem der wütenden Menge überlassen. Warum?

Antwort
von Aleqasina, 30

Pilatus hat Jesus nicht der wütenden Menge zur Lynchjustiz überlassen. Er selbst hat die Hinrichtung angeordnet. Sie wurde von seinen, den römischen Soldaten ausgeführt.

Pilatus wusste genau, dass er von den Anklägern instrumentalisiert wurde. Und er war sich unsicher, ob bei einer Hinrichtung nicht ein Aufruhr unter den Anhängern Jesu ausbrechen würde. Deswegen wollte er Jesus zunächst freilassen ("Er hat nichts getan, worauf die Todesstrafe steht.") Daraufhin folgte die Drohung der Ankläger, Pilatus selbst anzuzeigen: "Wenn du ihn freilässt, bist du kein Freund des Kaisers; jeder, der sich als König ausgibt, lehnt sich gegen den Kaiser auf."

Die ironische veralbernde Intronisation Jesu als König der Juden mit Dornen statt Lorbeekranz, Schilfrohr statt Zepter und schäbigem scharlachrotem Soldatenmantel statt Purpur zeigt, dass Pilatus die Anklage des Hochverrates durch Jesus nicht ernst nahm. Gleichzeitig machte er dadurch klar, dass er selbst über jedem König der Juden steht und mit im machen kann, was er will. Der gedemütigte "Judenkönig" Jesus stand damit stellvertretend für das ganze Volk der Juden, das von Pilatus tief verachtet wurde.

Pilatus stellte die Freilassung eines der vier Gefangenen zur Auswahl, um die Zahl der Unterstützer Jesu bzw. der anderen Gefangenen (es waren Aufständische) auszutesten und den Konflikt in die jüdische Bevölkerung zurückzuübertragen. Bzw. und Dampf aus dem kessel zu nehmen. Aber die Parteilichkeiten waren offensichtlich ziemlich klar, so das die Anordnung zur Kreuzigung erfolgte.


Kommentar von Hooks ,

Es wäre für Pilatus ein größerer Triumph über die Juden gewesen, wenn er Jesus nicht zur Hinrichtung ausgeliefert hätte.

Du kannst eindeutig in den Quellen nachlesen, daß Pilatus ihn für unschuldig hielt und genau wußte, daß die Juden in nur aus Neid zu ihm gebracht hatten.

Ja, er hatte sogar Angst vor ihm.

Er hätte seine Macht ausspielen können gegen die Juden, aber er hatte noch größere Angst, beim Kaiser angeschwärzt zu werden.

Kommentar von stine2412 ,

hooks und Aleqasina, Pilatus hatte um seinen Posten Angst, zumal die Juden mit dem Kaiser drohten.
Pilatus wurde im Jahr 26 u. Z. vom römischen Kaiser Tiberius zum
Statthalter oder Präfekten der Provinz Judäa ernannt. Präfekten wie
Pilatus waren Männer des so genannten Ritterstandes (niederer Amtsadel) im Gegensatz zu den Aristokraten des Senatorenstandes. Pilatus hatte seine Laufbahn wohl als Militärtribun oder Stabsoffizier begonnen und die Ränge in fester Reihenfolge durchlaufen, ehe er noch vor Vollendung des 30. Lebensjahres Statthalter wurde.
Der Ruf des Pilatus hatte bei Tiberius schon gelitten — bedingt durch
vorausgegangene Auseinandersetzungen mit den Juden. Und Tiberius war bekannt dafür, dass er mit schlechten Statthaltern nicht viel Federlesen machte. Den Juden gegenüber klein beizugeben wäre allerdings ein Zeichen von Schwäche gewesen. Pilatus stand also vor einem Dilemma.

Auszüge aus jw.org - wer war Pontius Pilatus.

Kommentar von Hooks ,

Hier habe ich noch etwas gefunden:

„...unter
Pontius Pilatus gekreuzigt“, mit diesen Worten aus dem christlichen
Glaubensbekenntnis ist der römische Statthalter von Judäa in die
Weltgeschichte eingegangen als ein Richter gegen Recht und Wahrheit, der
Jesus von Nazareth ans
Kreuz schlagen ließ. Dieser Römer hat vor fast zwei Jahrtausenden die
ganze Tragik aller Gouverneure zwischen Macht und Recht, aller
Unentschlossenen zwischen Welt- und Gottesreich durchkostet und sich
wegen seiner selbstsüchtigen Motive mit ewiger Schuld beladen. Deshalb
ist es nie ganz still um ihn geworden.

Wer war Pilatus? Die
Evangelien betrachten ihn als weichen Skeptiker, der sich treiben ließ.
Die jüdischen Schriftsteller Philo und Josephus schildern ihn als
unbeugsamen, rücksichtslosen, jähzornigen Soldaten, der nur an die Macht
glaubt, an seine Karriere denkt und deshalb Verbrechen begeht,
Hinrichtungen ohne Urteilsspruch vollziehen läßt und bestechlich ist.
Frank Morrison hat in einer sorgfältigen Untersuchung „Wer wälzte den
Stein?“
(Christian Wegner Verlag, Hamburg) diese beiden Charakterbilder, den
Tyrannen der weltlichen Geschichtsschreibung und den Zauderer der
Evangelien, vereinigt.

Pilatus war als Sohn einer römischen Soldatenfamilie in Spanien geboren, hatte unter Germanicus am Rhein

gedient und war mit Claudia Procula, einer unehelichen Tochter der
Claudia, der dritten Frau des Kaisers Tiberius, also einer Enkelin des
Kaisers Augustus, verheiratet. Trotz dieser engen Verbindung zum regierenden Kaiserhaus war seine Stellung in Rom
erschüttert, weil er es in den sieben Jahren seiner Statthalterschaft
in Judäa zu mehreren stürmischen Vorfällen kommen ließ, die mit der
Tradition der schmiegsamen römischen Kolonialpolitik nicht zu
vereinbaren waren. Der Emporkömmlich Pilatus hatte sich immer als roher,
eigensinniger Machtpolitiker gezeigt, der nichts von dem Takt und dem
Weitblick des Augustus an sich hatte.

Alle Anzeichen
sprechen dafür, daß der Statthalter am Abend vor dem Urteilsspruch,
während Jesus noch in Gethsemane um den Kelch des Opfertodes rang, dem
jüdischen Hohenpriester Kaiphas den Justizmord am folgenden Tag bereits
zugestand, d. h. den Urteilsspruch ohne Verhandlung nur auf Grund der
jüdischen Anklage. Der vorläufige Friede mit den Juden schien ihm dieses
Opfer wert zu sein. Die entscheidende Wandlung in der Behandlung dieses
„Falles“ am nächsten Morgen aber vollzog sich in Pilatus, als er bei
Beginn der Gerichtssitzung von seiner Frau Claudia die dringende Mahnung
erhielt: „Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten; ich habe
heute nacht im Traum seinetwegen viel erlitten.“ Da zögert Pilatus
plötzlich und ist bereit, die Anklage zu untersuchen. Hohepriester und
Hoher Rat werden verärgert, das Volk ist aufgewiegelt und unruhig.
Pilatus begibt zu lavieren. Er versucht vergeblich die Angelegenheit an
seinen Kollegen Herodes von Galiläa als den Zuständigen abzuschieben.
Unter dem starken Eindruck der Persönlichkeit Jesu während der
Vernehmung macht er immer neue Versuche, diesen zu retten; aber er kommt
mit seinen Halbheiten nicht um eine klare Entscheidung herum. Selbst
als er Barabbas, den Mörder, für Jesus eintauschen will. Alle
Diplomatie, alle Blasiertheit („Was ist Wahrheit“) und aller Appell an
das Mitleid („Seht, welch ein Mensch“) kennen ihn nicht aus der schiefen
Lage retten, in die er sich durch Komplott und Diktatur, durch Schwäche
und Unklarheit gebracht hat. Er muß das Todesurteil sprechen. Denn
stärker als Claudias Warnung ist die Drohung der Priester mit
Intervention in Rom: „Läßt du diesen los, bist du des Kaisers Freund
nicht mehr.“ Die Karriere steht auf dem Spiel.

Vergeblich bringt er
dieses Opfer, denn wenige Stunden danach entfacht sich der alte
Gegensatz von neuem, als die Juden eine Änderung der Inschrift über dem
Kreuz verlangen und Pilatus die herrische Antwort gibt: „Was ich
geschrieben habe, habe ich geschrieben.“

Starrheit und
Schwäche, Schuld und Schicksal haben einen unlöslichen Bund geflochten.
Abberufung und Verbannung waren drei Jahre danach das Ende des
Emporkömmlings Pilatus.

Bruno Lentz

Antwort
von Hooks, 18

Er hat sich um Demokratie bemüht... und das ist scheußlich schief gegangen.

Letztlich hat ihn wohl die Drohung getroffen: "... sonst bist Du des Kaisers Freund nicht!"

Kommentar von Aleqasina ,

Demokratie?

Pontius Pilatus war ein grauenhafter Despot. Obwohl die Unterdrückung und Ausbeutung der Provinzbevölkerung sein Job war, für den er bezahlt wurde, wurde er wegen seiner gewalttätigen Übergriffe schließlich vom Legaten Vitellius abgesetzt.

Kommentar von Hooks ,

Stimmt. Das war ungeschickt ausgedrückt von mir. Ich meinte die eine Sorte Abstimmung.

Ich schrieb von der Verhandlung um Jesus. Dazu lies einmal die Texte in den 4 Evangelien. Da war er sehr bemüht, ihn freizulassen, indem er das Volk aufgefordert hat, als "den einen Gefangenen, der ums Fest herum freigegeben wird", sich Jesus auszusuchen. Aber sie wählten nicht Jesus, wie er gehofft hatte, sondern Barrabas. Es wäre ihm ein kleines gewesen, dies abzuschlagen. Er war auch davon überzeugt, daß Jesus unschuldig war. Er wusch seine Hände in Unschuld, meinte er.

Aber wer gewalttätig ist, hat auch oft Angst. Und so ließ er gegen seinen Willen Jesus hinrichten, als man ihm vorwarf, er sei kein guter Untertan - eine kaum versteckte Drohung.

Antwort
von Netie, 30

Weil er des Kaisers Freund sein wollte.

"Wenn du diesen (Jesus) losgibst, bist du des Kaisers Freund nicht." Johannes 19,12

Da er das sein wollte, überlieferte er Ihn.

Antwort
von Eselspur, 34

Laut Johannesevangelium hatte er Angst vor der Menge und dass sie ihn wenn er anders handeln würde, beim Kaiser anschwärzen würden. - Nebenbei: Ein Gewalt fordernder Mob ist in der Tat gefährlich!

https://www.uibk.ac.at/theol/leseraum/bibel/joh19.html

Antwort
von KaeteK, 1
Antwort
von 666Phoenix, 11

Weil der Hohepriester und seine Gefolgsleute (also die religiösen Chefs der Juden) es so wollten und deren Meinung auch vom weltlichen Herrscher in Person des Pontius nicht so ohne weiteres missachtet werden konnte. Die Juden befürchteten das, was dann auch geschah: eine Neufassung des abrahamitischen Glaubens.

Antwort
von nowka20, 13

er befürchtete eine revolution

Antwort
von josef050153, 11

Pontius Pilatus wurde nach Palästina sozusagen strafversetzt. Damals war eine Anzeige beim Kaiser, dass sich ein Statthalter staatsfeindlich benimmt praktisch das Todesurteil


Antwort
von trivaline, 36

bin jetzt nicht ganz so bibelfest aber meines wissen wurde jesus gekreuzigt ;) 

Kommentar von Hooks ,

Ja, und zwar auf Befehl des Pilatus hin. Mit dem Spruch dazu: Ich wasche meine Hände in Unschuld.

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