Frage von Altstein, 81

Warum hat man in Finnland als erste Land auf der Welt ein BGE (Bedinungsloses Grundeinkommen) als Experiment gestartet?

Als erstes Land in Europa testet Finnland das Bedingungslose Grundeinkommen. Warum die Finnen und nicht wir Deutsche ? Sicherlich gabs in der Geschichte schon öfter Projekte wie diese - Warum konnten sie sich nicht bis heute halten ?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von wfwbinder, 47

Die Idee als solche ist nicht dumm. Natürlich gibt es viele Probleme dabei zu lösen, aber in Form einer negativen Steuer, könnte da viel draus werden. Stellen wir uns mal vor, jeder Menschen in Deutschland würde einen Betrag X überwiesen bekommen.

wir bräuchten kein Bafög mehr

wir bräuchten kein ALG II mehr

wir bräuchten keine Grundsicherung mehr

Jeder hat sowieso eine Steuer-ID die er angeben muss, wenn er von einem Arbeitgeber angemeldet wird. Also würde da automatisch der Ausgleich berechnet.

Der Chefarzt würde spätestens mit der Einkommensteuererklärung das "Bafög" seiner Kinder zurückzahlen.

Rentnern, die heute wegen Minirenten, einen Gang über die Ämter haben, blieben Papierkrieg erspart usw. usw.

Wie gesagt, in so einem System wären ein paar Dinge zu klären, wie Arbeitsanreize, aber ich glaube, wer wirklich nicht arbeiten will, mogelt sich auch heute schon durch.

Kommentar von Altstein ,

Das Hauptargument der meisten scheint der Punkt mit der Arbeit zu sein... Wobei ich der Überzeugung bin, das wenn dann die Leute die sonst immer gearbeitet haben, jetzt zu den "faulen" wechseln - die Faulen wieder einen Job hätten ;) 

Man hätte zudem bestimmt mehr Ehrenamt träger - die sich in Sport und Freizeitstätten helfen können. 

keiner Brauch mehr Angst haben, am ende des Monats nicht genügend auf dem Konto zu haben und um die Wirtschaft zu entlassten, würde der Mindestlohn auch abgesetzt werden. 

Was gäbe es noch zu beachten ?? 

Kommentar von wfwbinder ,

Es bräuchte keine Obdachlosen zu geben. Aber es wäre eine Revolution im Sozialsystem.

Antwort
von TanjaStauch, 55

Hm...

Stell dir mal vor, wir würden das in Deutschland machen. Vielleicht sogar nach der einfachen Formel: 50 % aller Einkommen in einen großen Topf und dann fair pro Kopf verteilt.

Klar. Die Faulen würden nicht mehr arbeiten. Oder wie bisher Beamte werden.

Menschen in Pflegeberufen hätten ein deutlich höheres Einkommen als bisher. Obwohl sie sich einreden können, damit Gutes zu tun.

Alle anderen richtig arbeitenden Menschen hätten ebenfalls ein höheres Einkommen als bisher.

Aber Franz Beckenbauer? Oder Uli Hoeneß? Oder ein Vorstandsvorsitzender von VW oder von der deutschen Bank? Oder ein Mafia-Boss?

Konkret: Unsere "Leistungsträger" wären die Dummen. Sie wären dann nur noch pervers extrem superreich, statt total pervers extrem superreich. Du würdest sie damit zu Stundeneinkommen von unter 1000 Euro verdammen. Sie könnten dann vielleicht nur noch 1000 Schnitzel am Tag essen, statt wie bisher 2000. Und wärst dann schuld daran, wenn sie keinen Bock mehr hätten, zu arbeiten und zu "Sozialschmarotzern" würden.

(Okay, wenn man mal rechnet, wären sie das dann weniger als heute, aber rechnen ist allgemein eher unpopulär).

Außerdem sind "Leistungsträger" schon kraft Amtes nicht die Dummen. Die Dummen sind die übrigen 99,5 % der Bevölkerung. Eben Menschen, die arbeiten. Oder Menschen, die gerne arbeiten würden. Oder Menschen, die vielleicht gerne etwas anderes Sinnvolles tun würden, wenn sie sich das leisten könnten.

Und Menschen mit innovativen Ideen könnten sich leisten selbstständig zu werden und die Idee umzusetzen, ohne langfristig die Existenz ihrer Familie zu riskieren.

Vom bedingungslosen Grundeinkommen würden fast alle Menschen in Deutschland profitieren. Aber eben nicht die paar Wenigen, die das Geld und damit die Macht tatsächlich besitzen.

Finnland hat eine andere Geschichte. Und ein ganz anderes Schulsystem. Das ist Wirkung und Ursache gleichermaßen.

Jetzt mal die Religionspsychologin:

Finnland ist weitgehend lutherisch geprägt. Luther erfand praktisch den Begriff "Bildung" (nach "Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde").

Finnen glauben, dass in praktisch jedem Menschen Göttliches = Gutes steckt (nicht nur "Faulheit", wie man das bei uns so hört). Und das dieses Gute sich entfalten dürfen sollte.

Biblisch spielt das Gleichnis der Arbeiter im Weinberg in Finnland eine große Rolle: Bedürfniss-Gerechtigkeit. (Finnen halten es für idiotisch, wenn ein Mensch tausendmal mehr Schnitzel kaufen kann, als er jemals fressen kann). 

Deutsche setzen eher auf katholische Werkgerechtigkeit. (Das Gleichnis von den Talenten: Leistungs-Gerechtigkeit - Wer mehr aus seinem Geld macht (egal wie), soll sich darüber freuen dürfen.) (und an den überflüssigen Schnitzeln ersticken).

Fazit:

Das bedingungslose Grundeinkommen wäre ein großer Beitrag zu sozialer Gerechtigkeit. Und hätte tausend andere Vorteile.

Aber das wäre fair und intelligent.

Also nichts für Menschen, die nicht fair sind oder sein wollen. 

Und nichts für Menschen, die nicht intelligent sind oder sein wollen.

Deshalb werden solch ketzerische Gedanken in Deutschland nie eine Chance haben.

Wir sollten Typen wie dich auf den Scheiterhaufen werfen oder wenigstens der NSA melden...    

 

Kommentar von Altstein ,

Dir auch einen wunderschönen Guten Morgen - btw NSA liest mit 

Kommentar von DrBrainwash ,

dein plan funktioniert nicht mal theoretisch, es würden dann alle menschen ab so 3000-4000€ brutto verlieren und nicht nur die superreichen

außerden generieren die superreichen ihr einkommen nicht durch arbeit, sondern durch eigentum

man kann natürlich auch zinsen etc in so eine topf werfen, aber dann hat niemand eigentum, sondern bringt es durch

dein plan ist total milchmädchen

Kommentar von TanjaStauch ,

Jupp, ich gestehe: Ich bin ein Milchmädchen. Und ich kann verdammt gut rechnen.

Klar: Es wird weit mehr Einkommen durch Kapital, als durch tatsächliche Arbeit erzeugt. Und dieser Anteil steigt auch in Deutschland von Jahr zu Jahr. Das ist ungefähr ziemlich exakt das, was Marx in seinem "Kapital" prognostiziert hat ("Akkumulation des Kapitals").

Längerfristig könnte man das nur ändern, wenn man diese Einkommen umverteilt.

Das bedingungslose Grundeinkommen wäre genau der notwendige Schritt. Die Alternativen, die mir einfallen, erinnern mich an Paris. An 1789. Oder an gestern.

Die Probleme wurden bisher nicht befriedigend gelöst. Aber ohne "Befriedigung" wird es keinen "Frieden" geben.  

Irgendwann wird es irgendwie eine Lösung geben. Vielleicht die Auflösung des Kapitalismus in konzentrierter Schwefelsäure.

Ich als Milchmädchen bevorzuge es sanft und gewaltlos.

Du kannst das anders sehen.

Liebe Grüße,

Tanja

Kommentar von Traveller24 ,

Stell dir mal vor, wir würden das in Deutschland machen. Vielleicht sogar nach der einfachen Formel: 50 % aller Einkommen in einen großen Topf und dann fair pro Kopf verteilt.

Machen wir schon lange. Nennt sich "Steuern" bzw "Sozialabgaben". Wir haben tatsächlich eine Umverteilung von knapp 50% und finanzieren dadurch ein Bedingungsloses Grundeinkommen in Form von allgemeinem Zugang zu Schulen, Sozialsystemen und öffentlicher Infratstruktur. Etwas, wofür man in den meisten Ländern dieser Welt bezahlen muss.

Kommentar von TanjaStauch ,

Wie gesagt, man muss da schon ein wenig rechnen.

Deine "Umverteilung" von knapp 50 % Prozent klingt gut. Sofern das von oben nach unten gemeint ist. Also von den Reichen zu den Armen. Ich persönlich habe den Verdacht, es läuft  eher vom Mittelfeld zu den Armen und Reichen. Letztlich mehr zu den Reichen.

Falls du recht hättest, bräuchten wir kein bedingungsloses Grundeinkommen. Und keine Steuerfahndung. Und keinen Knast für Uli Hoeness.

Oder andere, die den Staat und damit uns alle betrügen.

Genau genommen sollten wir dann die Reichen für ihren Reichtum ehren. Und ihnen dafür das Bundesverdienstkreuz verpassen.

Okay: Du hast recht. Genauso läuft das bei uns.

Mercedes zahlt Steuern in Deutschland.

Allerdings gibt es etliche Pommes-Buden in Stuttgart, die dort effektiv mehr Steuern zahlen. Und mehr von ihrem gigantischen Gewinn umverteilen.

Logisch, es werden in Stuttgart ja auch mehr Stück Pommes verkauft als Mercedes-Autos.

Das Mercedes bessere Steuer-Berater hat und die Kommune effektiver unter Druck setzen kann, darf man ihnen nicht zur Last legen.

Der Pommes-Verkäufer ist selbst schuld. Wäre er als "Leistungsträger" geboren, wäre er Mitglied des Mercedes-Vorstandes. Oder der Bundesregierung. Oder der Mafia.

Er hätte sich vor seiner Geburt mehr anstrengen sollen, um brauchbare Eltern (und ihr Kapital) zu erben.

Da ich genauso wenig rechnen kann wie du, gebe ich dir völlig recht.

Bescheidene Grüße,  

Tanja

Kommentar von Traveller24 ,

Deine "Umverteilung" von knapp 50 % Prozent klingt gut. Sofern das von oben nach unten gemeint ist.

Das ist auch tatsächlich so, das kann ich Dir sowohl aus den öffentlichen Daten als auch aus der persönlichen Erfahrung durchaus sagen. Ich habe im Steuerbereich gearbeitet und kenne einige Leute, auch Privatpersonen, die Millionen an Steuer gezahlt haben. Und ich kenne sowohl Steuererklärungen von Pommes-Buden besitzern als auch von Grossverdienern.

Nur ist die Umverteilung so selbstverständlich für uns geworden, dass wir sie nicht bemerken. Erzähl mal einem US-Amerikaner, dass Du in Deutschland als Arbeitsloser zum Arzt gehen kannst. Das glaubt der Dir nicht. Die BGE-Modelle, die manchmal in einzelnen Gemeinden in der dritten Welt organsiert wurden, sollten dort genau das bewirken, was wir hier als soziales Netz vom Staat gestellt bekommen. Wir haben hier schon seit Jahrzehnten wesentlich mehr "BGE" als die meisten Länder, die versuchen dasd einzuführen.

Da ich genauso wenig rechnen kann wie du,

Bitte werd nicht persönlich. Ich wurde es auch nicht.

Antwort
von Traveller24, 46

Das in Finnalnd angestrebte Modell ist weit entfern von einem Bedingungslosen Grundeinkommen. Es ist weiterhin an eine Erwerbstäötigkeit gekopplet und funktioniert wie eine Art negative Einkommensteuer und soll Niedriglohnjobs subventionieren.

Antwort
von bronkhorst, 23

So viel anders ist das in Deutschland doch auch nicht. Wer zu wenig zum Leben hat, bekommt Sozialhilfe oder ALG II oder wie immer man das nennt, entweder voll oder zum Aufstocken.

Man könnte diese Zahlung zwar im Prinzip erhöhen und auch denen auszahlen, die sich selbst finanzieren könnten - wobei Letztere dafür aber entsprechend mehr Steuern zahlen müssten, so dass es für sie auf ein sehr bürokratisches und deshalb verlustreiches Geldwechseln (Steuern rein, Bedingungsloses Grundeinkommen raus) hinausliefe.

Antwort
von Hypomanie, 81

Finnland interessiert sich für seine Einwohner, und möchte das es ihnen gut geht. Das sieht man unter anderem daran wie sie mit ihren Müttern umgehen. (die erhalten bei einer Schwangerschaft ein Packet mit Babyerstausstattung) Auch das mit der Bildung bekommen sie sehr gut hin.
Alles in allem sind sie ein Sehr fortschrittliches Land und sie haben wohl erkannt, dass Geld sehr viele Probleme macht und sie möchten diese Probleme wohl damit aus der Welt(Finnland) schaffen. :)

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