Frage von hoth560, 109

Warum hat man eigentlich nach dem Gefängnis keine Chance mehr in den Arbeitsmarkt einzusteigen?

Wenn man im Gefängnis war, oder auch wenn man nur ein wenig mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist, könnte es sein, dass Arbeitgeber zögern werden, diese Person einzustellen. Warum ist das eigentlich so ?

Ich meine, die Person hat ja schon seine Strafe bekommen und seine Lektion gelernt (z.B. 3 Jahre Knast).

Wenn ich ein Arbeitgeber wäre oder ein Firmenchef, dann würde ich so Jemanden einstellen (solange er kein Blödsinn anstellt in meinem Betrieb, weil das sind ja auch nur Menschen, die arbeiten wollen für ihre Versorgung)

Beispiel: In den USA sitzen 2.217.947 Menschen in Gefängnissen, und ich habe viel gehört und gelesen, dass die später es viel schwieriger haben einen Job zu finden.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Samika68, 86

Vertrauen in jemanden zu haben, der schon mit dem Gesetz in Konflikt stand, ist schwierig.

Es ist allgemein ein Vorurteil, dass ehemalige Gefängnissinsassen in der Arbeitswelt nichts mehr taugen - das finde ich persönlich schade, denn wie sollten sie das Gegenteil beweisen, wenn man ihnen keinen Job mehr gibt?

Die Integration nach einer Gefängnisstrafe ist schwierig - nicht nur, was die Arbeitswelt betrifft, sondern das allgemeine soziale Umfeld ist voll von Vorurteilen und auch Angst.

Damit befinden sich die Menschen, die ihre Strafe in der Haftanstalt verbüßt haben in einem Teufelskreis - ohne Wohnung keine Arbeit, ohne Arbeit keine Wohnung - ohne beides keine "vernünftigen" Freunde usw.

Da wundert es mich kaum, dass viele wieder rückfällig/straffällig werden.

Ein gesellschaftliches Problem, welches schwierig zu lösen sein dürfte...

Kommentar von hoth560 ,

ja du hast recht, das ist leider so. 

Antwort
von Vivibirne, 15

Meistens haben die Arbeitgeber kein Vertrauen mehr oder haben angst dass die kunden das mitbekommen dass dort jemand arbeitet der im knast war (Vorurteile)

Antwort
von N3kr0One, 85

Das kommt doch immer auf die Tat an.
Willst du echt einem Psychopathen, der entlassen wurde, nur weil er seine Haftstrafe abgesessen hat und 20 Leute ermordet hat bei dir in der Firma haben? Meinst du deine restlichen Mitarbeiter fühlen sich wohl in seiner Nähe?

Freut mich ja, dass du an das Gute im Menschen glaubst, das Leben zeigt aber: bist du nett zu anderen, geben sie dir gerne einen 4rschtritt zurück.
Aber werde erst einmal älter..du wirst noch mitbekommen, wie die Menschen denken.
Arbeite vor allem mal in einem undankbaren Job: Callcenter Agent, Reinigungskraft, Supermarktangestellte/r etc.
Wenn du dann eine Zeit lang den Undank der Menschen kennengelernt hast und diese Leute dann schon fast als Abschaum siehst, möchtest du nicht noch den titulierten Abschaum der Menschheit in deiner Nähe haben.
Also das, was der Abschaum selbst Abschaum nennt.

Aber wie gesagt, das hängt von der Strafe ab, wenn einer illegal bei Kinox oder damals Emule gesaugt hat und dann ein paar Jahre Haft bekommen hat, würde ich das arme Würstchen, was es erwischt hat, auch einstellen.

Kommentar von Samika68 ,

Ein Psychopath, der 20 Morde begangen hat, dürfte in lebenslanger Sicherheitsverwahrung landen - der schreibt mit Sicherheit keine Bewerbungen mehr für einen Job als Schulbusfahrer.

Menschen, die im Gefängniss saßen als "titulierten Abschaum" zu deklarieren, finde ich schon ziemlich gemein.

Kommentar von N3kr0One ,

Ist ja auch etwas übertrieben dargestellt. Es reicht schon Leute einzustellen, die (vielleicht auch schon mehrfach) wegen Körperverletzung eingesessen haben.
Solche Menschen möchte ich persönlich auch nicht als Kollegen haben.
Eine falsche Aussage und sie rasten aus?

Und ich persönlich tituliere sie gar nicht als Abschaum, das sollte eher die Grundstimmung wiederspiegeln. Also die allgemeine Meinung über sie...wenn auch nicht bei und über jeden zutreffend.

Antwort
von woflx, 62

Es ist unbestreitbar, daß man mit der Einstellung eines Vorbestraften ein Risiko eingeht. Und wenn tatsächlich mal etwas passiert, ist jeder schnell dabei mit Vorwürfen wie "Hätte man ja ahnen können". Vergiß nicht, daß ein Arbeitgeber auch eine Verantwortung gegenüber den übrigen Mitarbeitern hat.

Antwort
von Nube4618, 86

Wärst du Arbeigeber, und würdest einen Mitarbeiter für langjährige Zusammenarbeit suchen, und hättest zwei Bewerber mit guten Qualifikationen: Bei einem ist alles top, beim andern soweit auch, asser dass er Vorstrafen hat. 

Wen würdest du nehmen? Denke daran, als Personalchef würdest du zur Rechenschaft gezogen, wenn es nicht klappt. Welche Fragen dann auf dich zukommem, ist wohl klar, wenn du die Person mit Vorstrafen eingestellt hast. 

Kommentar von voayager ,

Das ist eben der Mist, dass es Privatbetriebe gibt, dadurch haben einige Wenige Macht über sehr viele und der tapfere Otto-Normal-Verbraucher, unser lieber Bundesbürger merkt das noch nicht mal, dass dies mit Demokratie sehr wenig zu tun hat. In seiner Umnachtung sieht er nur die Wahlen alle 4 Jahre und gut iss.

Kommentar von hoth560 ,

Richtig voayager. Da stimme ich dir zu, weil da ist manches sehr blöd geregelt 

Antwort
von voayager, 32

Dran schuld ist der hiesige Staat mit seinen verdammten Führungszeugnissen. So was dürfte es erst garnicht geben, dann wäre die Diskriminierung von Ex-Gefangenen weg vom Tisch.

Kommentar von bastidunkel ,

Ex-Gefangene sind Kriminelle, die ihr Recht in der Gesellschaft verloren haben. Nur weil einer im Knast gesessen hat, wird er nicht zu einem besseren Menschen. Wer kriminell ist, bleibt es. Das beweisen die Rückfallquoten mehr als deutlich.

Antwort
von soissesPDF, 33

Recht und Moral sind nur bedingt kompatibel.
Rechtlich hat die Gesellschaft über die Gefängnisstrafe hinaus keinen Anspruch auf Sühne.

Moralisch gehts nach Hans Fallada "Wer einmal aus dem Blechnapf fraß", so der Titel des Buches, das wiederkommen nicht vergaß.

Antwort
von barfussjim, 21

Auf dem regulären, freien Arbeitsmarkt stehen die Chancen meist schlecht, aber im Gegenzug kann ein Ex-Gefangener auf viele staatliche Unterstützungsangebote (Jobvermittlung, Qualifizierungsmaßnahmen, Bewährungshilfe) zurückgreifen, um zunächst im "zweiten", geschützten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. 

Ich kenne mich nicht im Detail aus, aber ich behaupte, dass hierzulande die Mehrzahl der Haftentlassenen auf solche Angebote zurückgreifen kann. Eine vorzeitige Entlassung auf Bewährung ist an die Auflage gebunden einen vermittelten Job anzunehmen, damit Regelmäßigkeit ins Leben einkehrt und eine erneute Straffälligkeit verhindert wird. 

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