Frage von ThomasAral, 39

Warum hat Frankreich und England soviele ehemalige Kolonien in die Selbständigkeit entlassen?

am unterlegenen Militär hats ja wohl kaum gelegen -- was steckt dahinter dass sie so einfach auf die riesigen Gebiete der Kolonien verzichten

Antwort
von emily2001, 39

Hallo,

während des zweiten Weltkriegs wurden viele sog. Kolonien Verbündete der Allierten. Danach war es schwer sie weiterhin als "Kolonie" zu behandeln. Manchen Kolonien hatte man auch die Unabhängigkeit versprochen, wenn sie in den Krieg eintreten würden gegen die Mächte der Achse (Deutschland, Italien, usw...). Außerdem die Aufrecherhaltung einer Infrastruktur, sowie einer Verwaltung kam den Kolonialstaaten ziemlich teuer, England insbesondere hatte sich gegenüber den Vereinigten Staaten hoch verschuldet und konnte sein "Empire nicht halten, abgesehen davon, daß es in Indien eine breite pazifizistische Bewegung gab für die Unabhängigkeit. 

Auch nach Kriegsende wurde in England die Rationierung der Lebensmitteln eine Weile fortgeführt.

Emmy


Antwort
von voayager, 39

Doch z.t. lag es auch am unterlegenem Militär der Kolonialherren, siehe Indochina, siehe Algerien, wo die Aufständischen nicht besiegt werden konnten. In Indochina erlitt Frankreich eine vernichtende Niederlage!

Davon mal abgesehen, Kolonien nach den 60-er Jahren noch halten zu wollen, wäre teuer zu stehen gekommen, denn überall in den Kolonien brodelte es. Kolonien sind aber nur interessant, wenn sie Gewinne abwerfen, andernfalls stellen sie ein Verlustgeschäft da, was sich zusehens abzeichnete.

Die Folge: die einstigen Kolonialmächte gingen immer mehr zu einem neokolonialismus über, der ihnen gute Gewinne beschert. Gemeint ist damit, dass man Kompradorenregimes teils schafft, teils unterstützt. Diese Marionettenstaaten haben eine einheimische Machtelite, die mit am Reichtum der Landesschätze beteiligt ist und eng mit den Ex-Kolonialmächten zusammenarbeitet, siehe z.B. Kongo usw.

Kommentar von andre123 ,

Gewinnbringende Kolonien wie z.B Indien hätten sich sicherlich noch gelohnt, wären aber  militärisch bei einem "Großaufstand" nicht zu halten gewesen. Vom Reputationsverlust in der Weltöffentlichkeit ganz zu schweigen

wirtschaftlich unbedeutendere Länder wie Algerien, die Westafrikanischen Staaten etc. militärisch zu halten  wäre zwar machbar gewesen , aber die Kosten die das verursacht hätte bzw zum Teil hat,  stehen  nicht in Relation zum Gewinn.

Ehemals wichtige Flottenbasen und Versorgungsstationen z. Bsp.  zum Kohle laden für die Kriegsflotte waren durch die geänderte Kriegsführung spätestens nach dem 2WK  eigentl schon nach dem 1 WK  überflüssig geworden.

Die Preise für Kolonialwaren waren so stark gefallen bzw wurden durch Kunstprodukte (bsp Kautschuk) ersetzt, daß es günstiger wurde Sie auf dem Weltmarkt zu kaufen, anstatt in den eigenen Kolonien anzubauen. 

Kommentar von voayager ,

zT. waren die Waren auf dem Weltmarkt billiger zu haben, doch das gilt nicht für alle Waren, die Baumwolle in Indien war bestimmt preiswerter in Indien zu haben, als auf dem Weltmarkt. Indien war aber einfach zu groß für das kleine GB. Dann haben natürlich so einige Bodenschätze in den Kolonien ihren Reiz, z.B. Diamanten und Gold aus dem Kongo. Da dürfte der Abschied Belgiens nicht so leicht gewesen sein.

Antwort
von Skinman, 17

Von "einfach so" kann überhaupt keine Rede sein. Großbritannien trennte sich nur äußerst widerwillig von der Vorstellung, auf alle Zeiten Kolonialmacht und Imperium zu bleiben. Als Churchill sich in den Frühstadien des zweiten Welktkriegs mit Roosevelt traf, um den Versuch zu unternehmen, die USA mit in den Krieg gegen Deutschland zu ziehen, hatte er noch ganz klar die Vorstellung von Großbritannien als Seniorpartner, während Roosevelt in seinen privaten Aufzeichnungen seinen Unwillen deutlich machte, US-Soldaten für den britischen Machterhalt in den Kolonien zu opfern. Der ganze Burma-Feldzug und alles...

Vielfach konnten die Kolonien ihre Freiheit nur in langen Bürgerkriegen und Freiheitskämpfen erringen. Und diese profitierten natürlich auch davon, dass das englische Kernland nach dem Zweiten Weltkrieg wirtschaftlich geschwächt danieder lag und andere Sorgen hatte.

Und selbst in den 50-er, 60-er Jahren hatten die Briten keine Probleme damit, einen besonders degenerierten Holocaust an Afrikanern zu verüben, um sich deren Land und Reichtümer einzuverleiben. Kikuyu in Kenya, die sogenannten Mau Mau. Geschätzte 300.000 zivile(!) Todesopfer, und das kaum ein Dutzend Jahre, nachdem sie die Nazis in Nürnberg wegen des seinerzeit eigens neu erfundenen Tatbestands  "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" verurteilt hatten.

exiledonline.com/wn-day-25-monty-python-burning-kikuyu-skit/

Mehr oder minder so halb freiwillig haben sie größtenteils nur solche Kolonien in die Unabhängigkeit entlassen, wo sie darauf abzielten, dass weiterhin anglophone britisch-stämmige Weiße das Sagen haben sollten, wie Australien, Kanada und Südafrika.

Antwort
von ponter, 33

Lies mal bitte folgenden Auszug aus dem Wikipediaartikel "Kolonie":

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Kolonie#Kolonien\_und\_Dekolonisation


Kommentar von ThomasAral ,

ja danke das wars:

a) nach 2.WK, Militär war tatsächlich nicht in der Lage die Kolonien zu kontrollieren -- Hitler hatte denen wohl doch zusehr zugesetzt

b) Kämpfer aus Kolonien haben England und Frankreich geholfen den Krieg zu gewinnen, wurden nun mit Unabhängigkeit belohnt.

c) So zu kämpfen und zu denken wie die Kolonialmächte haben einige Eliten auch während des 2.WK in diesen ehemaligen Kolonien gelernt.

.... also:  2. WK wars .

Antwort
von JBEZorg, 12

Weil der beste Weg Menschen zu kontrollieren istd enen die Illusion von Freiheit zu geben. Heutzutage werden die Kolonien weiterhin kontrolliert und ausgebeutet. Aber auf dem Papier sind sie frei. Das ist nur eine Wandel in der Politik der "Wertestaaten" gewesen. Offen und direkt Länder kolonisiert zu halten war nicht mehr comme il faut. also hat man es auf eine andere Schiene verlegt.

Antwort
von earnest, 21

Weil sich nach den Jahrhunderten des Kolonialismus endlich so etwas wie Vernunft bei den betreffenden Kolonialmächten durchsetzte? Von den Notwendigkeiten mal ganz zu schweigen ... 

Gruß, earnest

Kommentar von emily2001 ,

Diese "Vernunftausbruch" war leider von kurzer Dauer... Anstelle der Kolonialherren tummeln sich dort unzählige Konzerne/Firmen, die sich wenig um das Fortkommen/den Wohlstand der ehemaligen Kolonien scheren...

Kommentar von earnest ,

Wohl wahr - war es doch eher ein "staatlicher Vernunftausbruch". Und die wirtschaftliche Vernunft kann man den Firmen nun mal nicht absprechen: die Ausbeutung lohnt.

Antwort
von Taimanka, 31

das kann man gut ergoogeln 🙋

Kommentar von ThomasAral ,

war nicht ganz so einfach --- die einfache Antwort ist

2.WK ... aber was genau ... das ist echt schwer zu finden und eigentlich überall etwas anders

Antwort
von Miramar1234, 21

Innere Spannungen,moderneres Menschenbild ( Sklaverei Ächtung),Gruppenzwang,andere Staaten entlassen Kolonien in die Selbständigkeit,Beziehungen der Staaten untereinander.Erkenntnis,das sich verschiedene Rassen und Weltanschauungen,Religionen nicht mit den "Mutterländern",Imperien decken,und und und.Eine Erkenntnis,die Deutschland mal beherzigen sollte,bevor man den umgekehrten Fall hier einläuet und das eigene Volk kolonialisiert,gelle? LG

Kommentar von ThomasAral ,

nein das wars nicht ---- eigentlich war es Folge des 2.WK ... und damit eben doch was ich vorher ausgeschlossen hab:  Militärische Schwäche von England und Frankreich .... anfangs zumindest.  Danach konnte und wollte man da nicht barbarisch wieder in die Steinzeit zurückbomben.

Kommentar von Miramar1234 ,

War es vielleicht beides und noch viele andere Aspekte? Ich denke,es ist sehr vielschichtig,so das man nicht von richtig und falsch,sondern sowohl als auch,ausgehen kann.

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