Frage von Happiness88, 68

Warum hat der antike Philosoph Sokrates auf dem belebten Marktplatz von Athen philosophiert Was hat er dabei beabsichtigt Hat ihm das so sehr Freude bereitet?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von berkersheim, 26

Sokrates hat bei weitem nicht nur auf der Agora von Athen mit den Menschen gesprochen. Er hat auch an Gastmählern teilgenommen, wie ein späteres Bild es darstellt. Er hat auch mit seinen Schülern persönlich gesprochen. Außerdem war die Agora kein Marktplatz wie heute, wo ein paar Hausfrauen Lebensmittel einkaufen. Die Agora war ein schöner, von Säulen umgebener öffentlicher Raum zur Begegnung freier Bürger. Da wurden auch Waren angeboten und gekauft, doch da wurden auch neueste Nachrichten ausgetauscht. Es gab ja weder Fernsehen noch Radio noch Zeitungen. Das Leben fand außer Haus statt. Und was wir heute von Sokrates wissen, ist großenteils von der platonischen Schule frisiert! Philosophische Schulen wie die Akademie, die Stoa, der Kepos oder das Lykeum wurden erst später gegründet. Zur Zeit des Sokrates waren lebhafte Diskussionen auch Zeitvertreib! Und Sokrates war sicher nicht der einzige Diskussionsredner auf der Agora. Neben den prominenten Sophisten, die zahlende Schüler gewinnen konnten - was Sokrates als Orstansässiger mit festem Schülerkreis nicht nötig hatte - gab es auch unbekannte Sophisten, der erst mal Interessenten gewinnen wollten. Es gab Geschichtenerzähler und Vortragende homerischer Epen, manche davon auch als Philosophen tätig. Das war ein orientalisches Treiben mit sehen und gesehen werden.

Kommentar von Happiness88 ,

Herzlichen Dank. Wieder sehr informativ und klar verständlich. 👍🏼👍🏼👍🏼

Antwort
von Peter242, 32

Sokrates Philosphie hat sich an die einfache Gesellschaft gerichtet, vermutlich kann man diese dort am besten erreichen. Aufmerksamkeit war ihm bestimmt nicht wichtig. Er wollte die Menschen zum Nachdenken anregen um eine bessere Gesellschaft zu schaffen. (würde ich sagen nachdem ich Menon und Politeia gelesen habe)

Kommentar von Happiness88 ,

Danke sehr

Kommentar von authumbla ,

Sokrates hat sich eben nicht  an die einfache Gesellschaft gerichtet. In  ALLEN seinen Dialogen hatte er Gesprächspartner aus der Oberschicht:

Kriton ein wohlhabender Athener
Georgias: ein gefeierter Redner und Lehrer der Rhetorik
Phaidon: ein Philosoph
der vornehme Thessalier Menon von Pharsalos
Kritias: ein athenischer Politiker
Hippies von Elis: ein Sophist
Theaitetos: ein Mathematiker
Timaios: ein vornehmer und reicher Bürger der griechischen Kolonie Lokroi
Phaidros: ein vornehmer Athener aus dem Demos Myrrhinous
Alkibiades: Staatsmann, Redner und Feldherr

( würde ich sagen, nachdem ich alles gelesen habe. )

Kommentar von Peter242 ,

Nur weil Platon in den Dialogen Sokrates mit Menschen aus der Oberschicht reden lässt,  heißt es nicht, dass sich die Texte an die Oberschicht richten. 

Kommentar von Happiness88 ,

Davon hatte ich nicht gewusst. Danke 

Kommentar von Happiness88 ,

Danke sehr 😊

Antwort
von AllHailLelouch, 40

Philosophen philosophieren. Feurebach zum Beispiel hat wenn er in einem Raum gesessen hat, philosophiert ob dieser Raum wirklich existiert und ob er selbst wirklich existiert. Ich würde behaupten er hatte sich selbst Fragen gestellt und darüber philosophiert.

Kommentar von Happiness88 ,

Danke sehr!

Antwort
von authumbla, 29

Im Gegensatz zu den damals ebenfalls auf der Bildfläche und vor allem in der Öffentlichkeit wirksamen "Sophisten", von denen sich Sokrates immer klar abgegrenzt hat, war sein Beweggrund eben nicht öffentliche Aufmerksamkeit, sondern " die Wahrheit zu ergründen". Sokrates war der Meinung, dass JEDER Mensch wahrheitsfähig ist, also die Wahrheit gewissermaßen verborgen in ihm steckt.

Diese Wahrheit "zur Welt und in Erscheinung zu bringen" hat er ( in Anlehnung an den Beruf seiner Mutter" Hebammenkunst ( =Mäeutik) genannt.

Insofern sind die sokratischen Dialoge, die auf der Agora ( dem Marktplatz) stattfanden (eher also einen Ort der Versammlung politisch aktiver und interessierter Bürger ) als Wahrheitsfindungsversuche zu verstehen.

Auch, wenn man die Methode aus heutiger Sicht eher als manipulativ bezeichnen würde, lohnt es sich dennoch, sich einige der interessanten Dialoge, die von seinem Schüler Platon niedergeschrieben wurden, durchzulesen.

Kommentar von Happiness88 ,

Danke sehr für die ausführliche Antwort 😊

Antwort
von LeaSunshine, 23

Er hat das überwiegend getan, weil er Aufmerksamkeit wollte. Schließlich wollte er die Leute selbst zur Vernunft bringen, indem er diese Dialoge führte - und je mehr davon mitbekamen, desto besser.

Außerdem war es den Menschen peinlich, wenn sie, umringt von einer Menschentraube, als so "doof" hingestellt wurden und das brachte ihm Respekt und die Leute wollten sich schon vor einem solchen Dialog mit sich selber auseinandersetzen.

Antwort
von NightFighter14, 39

1. Aufmerksamkeit

2. wollte er viel diskutieren


Kommentar von MzHyde1 ,

seine Philosophie beruht auf beobachtungen. er hat auf dem marktplatz oft beobachtet.

Kommentar von NightFighter14 ,


und ich dachte immer das war der, der immer die Leute angequatscht hat um sie dann öffentlich zum diskutieren zu zwingen - und sie dann zu blamieren, weil sie seinen argumenten erliegen. Wer war dann das?! D:


Kommentar von Peter242 ,

Diese gespräche haben nie in wirklichkeit stattgefunden, Platon hat die Dialoge nur als Stilmittel benutzt.

Kommentar von authumbla ,

Ist eine unbewiesene Behauptung

Kommentar von Peter242 ,

Dann, anders: Diese Dialoge haben so nie stattgefunden und sind fiktiv. Das Platon die Dialoge als Stilmittel benutzt muss nicht bewiesen werden, das ist fakt.

Kommentar von authumbla ,

Ach, Du warst dabei??

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