Niklaus am 01.05.2007 um 9:36 Uhr
Obwohl Versicherungsvermittler doch einen ehrlichen Beruf ausüben und Menschen mit ihrer Arbeit helfen, haben sie keinen adäquaten Ruf. Woran liegt das oder sind das nur Vorurteile.
Weitere Fragen zu verwandten Themen finden Sie hier:

Sowohl Versicherungsvermittler ("Vertreter") als auch Versicherungsmakler leben vom ABSCHLUSS und Fortbestand von Versicherungsverträgen, nicht von Beratung oder Schadenregulierung. Wenn man das erst einmal (vorurteilsfrei!) verinnerlicht hat, weiß man, daß das Hauptinteresse des Versicherungsvermittlers oder -maklers darin liegt, eine oder mehrere Versicherungen an Dich zu verkaufen. Wobei der Vermittler an eine oder mehrere Gesellschaften gebunden ist, der Makler theoretisch "unabhängig" ist (aber auch er könnte "zufällig" die Versicherung empfehlen, die ihm die meiste Courtage einbringt...). Und ab jetzt kommt der menschliche Charakter ins Spiel: Ein korrekter und anständiger Vermittler oder Makler wird keine Versicherung "aufquatschen", die der Kunde nicht braucht oder will. Er wird ihn individuell beraten und bestmöglich versorgen. Er hat auch Zeit für den Kunden, wenn er nichts "bringt", sondern nur kostet: im Schadenfall, wenn Beratung erforderlich ist... und dieser Vertreter/Makler wird letztendlich auch den größten Erfolg haben! Denn seine Kunden bleiben ihm treu und empfehlen ihn weiter. Ein Schwarzes Schaf hingegen genügt, um die ganze Branche in Verruf zu bringen!

Das Problem der Branche ist sicher, dass viele nach dem Schneeball-Prinzip arbeiten. Und da wird eben verkauft, was das Zeug hält, um die vorgegebene Quote zu erreichen. Ich habe selbst mal an einer solchen Schulung teilgenommen und war erschrocken, wie heftig das abläuft.
Dennoch habe ich mit meinen Versicherungsvertretern keine negativen Erfahrungen gemacht. Sie akzeptieren meine Haltung, mich nur gegen das zu versichern, was ich für notwendig halte bzw. vorgeschrieben wird. Und allen anderen vertretern dieser Branche erteile ich eine klare und deutliche Absage. Es ist wie immer im Leben: Man selbst bestimmt, was man an sich heran läßt und was einen ärgert.

Es gibt in jeder Branche schwarze Schafe. Nur weil ich mal von einer Verkäuferin schlecht beraten/bedient wurde, sind ja nicht alle Verkäufer/Verkäuferinnen schlecht oder unfähig. Ich hatte schon gute und leider auch schlechte Versicherungsvertreter. Es ist nun mal so, aus Erfahrung wird man klug oder s.ä. Bevor ich eine neue Versicherung abschließe, höre ich mir verschiedene Angebote an, Frage im Bekanntenkreis nach welche Erfahrungen gemacht wurden. Die Arbeit machen sich viele Menschen nicht, weil "Papierkram" für viele ein Dorn ist. Dann kann ich aber nicht eine ganze Branche dafür verantwortlich machen, wenn ich mal auf die Nase falle. Nur weil ich keine Ahnung von Autos habe und mir mal eine Schüssel habe andrehen lassen, sind nicht alle Autoverkäufer Gauner, ich hätte eben jemanden mit nehmen müssen oder das Auto vor dem Kauf meiner Werkstatt vorstellen sollen.

Ich kann jetzt mal von dem Versicherungsvertreter ausgehen, der bei mir war. Abzocke war das meiner Meinung nicht gerade (Rentenvorsorgeversicherung), ist auch eine sehr gute Versicherung. Aber dieser Versicherungsvertreter hat mit mir geredet, als ob ich nicht mehr alle Tassen im Schrank haette. Ich sollte vor ihm ausrechnen wie hoch meine Rente vielleicht mal sein koennte usw. Kam mir vor wie in der Schule, hab ihm das auch gesagt, und dann kam er recht schnell zum Punkt, und wir beide waren gluecklich. Aber ich denke, es ist ein schwerer Beruf, wo man sich mit Sicherheit auch viel gefallen lassen muss.
Computermagic am 1. Mai 2007 10:19 .. na, dann warte mal ab, wenn es später mal darum geht, die Rente ausgezahlt zu bekommen; und was vor allem der Staat dann für seine diätenhungrigen Diener so alles abzweigen wird ..
Niklaus am 1. Mai 2007 10:56 Wer nichts spart bekommt auch nichts abgezogen. Ist das die Lösung?

Vide, cui fidas! (lat.:Trau, schau, wem!)
Ich glaube es liegt daran, dass auch viele schwarze Schafe darunter sind. Da hat es "Vermögensberater, die uns Bauland bei Ebbe verkaufen. Zu meinem Versicherungsvertreter habe ich volles Vertrauen, er ruft auch an, wenn zB meine Hausratsversicherung zum gleichen Preis neue leistungen als mein alter Vertrag hat und dabei verdient er nicht all zuviel wenn überhaupt.
Das Hauptproblem des Rufs der Versicherungsleute liegt wohl darin begründet, dass jahrelang Heerscharen von "ahnungslosen, gehirngewaschenen" Nebenberuflern für Strukturvertriebe durch die Gegend gezogen sind und jedem, der nicht bei drei auf dem Baum war das weltbeste Produkt verkauft hat - ob er es braucht oder nicht. Die Leute waren als Bäcker oder Metzger nicht mit ihrem Einkommen zufrieden und haben abends nebenbei (ohne es meist selbst zu wissen) ihren Freunden Krempel angedreht.
Zum Glück wird das ab dem 22.05.07 anders. Dann darf nämlich nur noch derjenige Versicherungen verkaufen, der Fachwissen und persönliche Eignung nachgewiesen hat - dann ist Schluß mit grossen Teilen der Schindludertreiberei. Einige schwarze Schafe wird es wohl trotzdem noch geben, aber es werden weniger.
Interessant bei der Frage ist übrigens ein Ranking, dass von Verbauchern aufgestellt wurde. Demnach ist in den USA der Versicherungsfachmann im gleichen Atemzug genannt worden wie Ärzte oder Anwälte - in Deutschland hingegen bewegt er sich zwischen Müllmann und Bahnhofswirt....ohne die anderen, genannten Berufe jetzt bewerten zu wollen.
Niklaus am 2. Mai 2007 16:51 Danke für diese ehrliche Antwort

u.a. auch weil jede Berufsgruppe versucht uns abzuziehen. Darin waren Versicherungsmakler besonders gut. Mir kommt keiner von denen ins Haus!
Niklaus am 1. Mai 2007 09:47 Bitte nicht pauschalieren. Versicherungsmakler sind keine Versicherungsvermittler im hermömmlichen Sinn. ein Makler ist nach § 93 HGB nur dem Kunden verpflichtet.
CHILLEDKROETE am 1. Mai 2007 10:14 Du bist also Makler.
Computermagic am 1. Mai 2007 10:23 .. sehr witzig, der Makler ist mit Sicherheit nur seinem Provit gewidmet; und von einem dieser seriösen Makler bin ich damals über den Tisch gezogen worden ..
Niklaus am 1. Mai 2007 10:55 Deutsche Sprache schwere Sprache. Profit wird immer noch mit f geschrieben. Übrigens gibt es einen Unterschied zwischen Profit und Verdienst. Den kennst du doch - oder?
Computermagic am 1. Mai 2007 20:11 toll, noch einer der sich über ein falsches Wort .. na lassen wir das ..
Ich habe selbst Versicherungskauffrau gelernt und kenne beide Seiten. Die Vermittler leben halt von Provisionen, trotzdem kann man seinen Beruf auch "ehrlich und gewissenhaft" ausüben. Leider wird dies den "kleinen " Vertretern aber immer schwieriger gemacht, da Vorgesetzte und Hauptverwaltungen immer mehr Druck ausüben, um Zahlenvorgaben zu erfüllen. Ich persönlich habe mich vor 7 Jahren deshalb aus dem Geschäft zurückgezogen. Wenn man gute Verträge abschließen möchte, hilft nur eines: Vergleichen, vergleichen, vergleichen.
Alles gesagte ist richtig. Der Druck gilt vor allen Dingen für Berater in Banken und Berater im Angestelltenverhältnis bei Versicherungsgesellschaften. Es gibt auch unabhängige Finanzvertriebe, die ihren Partnern keine Vorgaben machen. Dann hängt es wiederum von der jeweiligen Person ab, inwieweit sie sich in den Dienst des Kunden stellt und tatsächlich zum Vorteil des Kunden agiert.

.. ich persönlich kenne keinen Versicherungsvertreter, der nicht versucht hätte, mich mit seinen Verträgen abzuzocken. Einmal hatte ich zb. eine Rechtsschutzversicherung, und angeblich war alles versichert. Nachdem die ersten vier/fünf Sachen dann nicht versichert waren, habe ich mich entschlossen, keine Versicherung mehr abzuschließen - und bin bislang gut damit gefahren. Als ich den Vetreter darauf ansprch meinte der nur, ich hätte ja nichts schriftlich in der Hand. Achja, eine Lebensversicherung hatte ich auch mal, doch als die abgelaufen war, konnte man die Verträge nicht mehr finden, und Geld zurück gab es bis zum hgeutigen Zeitpunkt auch nicht ..
Niklaus am 1. Mai 2007 09:48 Sorry aber dann kennst du nicht die richtigen Menschen. Mit deiner pauschalen Antwort diskreditierst du eine ganze Berufsgruppe.
Computermagic am 1. Mai 2007 10:22 .. völlig falsch, denn für mich sind das alles .. (na lassen wir das ..). Ich habe natürlich auch schon anderes gehört, etwa von jenen, die im Schadensfall nach Hause kommen und dann erzählen, was man ankreuzen bzw. angeben muss, damits auch wirklich Kohle von der Versicherung gibt. Die Hinweise gibt es aber nur, wenn du als Frau mit nem kurzen Rock rumrennst oder schon so was wie ein Freund bist. Ansonsten wird natürlich alles so hingedreht, damit du keinen Schadenersatz bekommst. Und ich weiß, wovon ich rede ..
Bei allem Respekt, aber ich muss hier unterstellen das es sich meiner Meinung nach um eine Fiktion handelt.
Die Verträge waren bei Ablauf weg und es gab kein Geld ! Das ist aus diversen internen Gründen nicht möglich, Hardcopy Backups, Archive uvm.... !
Wohin wurden denn die Beiträge überwiesen oder per Lastschrift eingezogen ? Versicherungsprämien begründen sich nie auf eine Versicherung die es nicht gibt !
Wo war Deine Ausfertigung der Police ? Kontoauszüge, Mitteilungen über Rückkaufswert etc... ?
Schwarze Schafe gibt es überall. Unter den Ärzten, den Autoverkäufern, den Verkäufer/innen, den Bauhandwerkern, usw. Ein seriöser Makler oder Berater klärt erst einmal den Bedarf ab, bevor er ein Angebot abgibt,lässt dem Kunden auch Bedenkzeit und klärt ein, zwei Tage später noch offene Fragen. Es gibt aber auch Kunden, die lassen sich ein umfangreiches Konzept erstellen gegen lau und gehen anschliessend ins Internet oder zu ihrer Bank, um es dort auf eigene Faust umzusetzen. Dabei sehen sie die möglichen Fallstricke nicht, weil sie nur noch auf den Preis schauen und nicht mehr auf das Kleingedruckte.
Niklaus am 2. Mai 2007 10:34 Du sprichst mir aus dem Herzen. Danke
Interessant in dem Zusammenhang ist übrigens ein Gesetz, dass mit dem 1.1.08 in Kraft geht. Demnach darf man einen Vertrag mit dem Kunden nur noch abschliessen, wenn man ihm vorher eine angemessene Bedenkzeit (3 Tage werden wohl angenommen) gegeben hat.
Völlig richtig ! Man darf nicht vergessen das es auch richtig widerliche Kunden gibt die uns unangemessen behandeln. -Bei Terminen sind sie nicht da ! -Sind Beratungsresistent und unbelehrbar !
Geschichte von letzter Woche: Kundin (29) 2 Kinder, eines geb. in 2008, will kein Riester machen weil sie mal irgendwo am Stammtisch von "Experten" gehört hat, das bei Riester Verträgen Kosten anfallen und der Staat könnte die Zulagen jederzeit abschaffen etc. Wirft mir dann noch vor das ich nur Geld verdienen will und nur den Abschluß im Kopf habe, der Vater hat Sie bei dem "Kampf" gegen mich unterstützt. Nach dem Besuch waren dann denke ich beide zufrieden das sie es dem Versicherungsvertreter mal ordentlich "besorgt" haben und der "Abzocke" entgangen sind.
Eine Woche später habe ich die Kundin erneut angerufen um mitzuteilen das ich keinen Betreuungsbedarf mehr erkennen kann. Sie sagte mir dann voller Selbstüberzeugung das sie bei ihrer Bank einen Bausparvertrag abgeschlossen hat, 50 Tsd. Bausparsumme. Habe der Kundin dann aufgezeigt was sie das gekostet hat: Sie hat 720 EUR Abschlusskosten bezahlt und kassiert lächerliche 1,5 % Zinsen. Ich habe dann gefragt wo jetzt ihr Vorteil liegt, sie antwortete: " Mein Vater hat gesagt das alle Vertreter provisionsgierig sind. Die Bank bekommt keine Provision und ich komme jederzeit an mein Geld."
Dafür habe ich 40 EUR Spritgeld und 3 Stunden meiner Beratungszeit in den Sand gesetzt.
Die Kunden zerstören ihr Leben sehr oft selber weil sie eine bedarfsgerechte optimale Vorsorgeberatung mit "Abzocke" verwechseln !
Vielleicht liegts auch daran, daß Du als Vertreter selbst bei den "großen" und "seriösen" Gesellschaften fast genötigt wirst, den Leuten Zeug aufzuschwatzen, weil Du ja eine Zielerreichung hast.
Als ich bei einer namentlich nicht näher genannten großen Versicherung anfangen wollte (damals noch in den neuen Ländern), hatte ich, damit ich den Job bzw. die Ausbildung bekommen sollte die Aufgabe, eine gewisse Anzahl an Punkten zu erbringen. Die meisten Punkte gaben die sinnfreien Kapitallebensversicherungen. Hinzu kommt, daß ich sogar der näheren Verwandtschaft (egal ob arbeitslos oder nicht) Sachen aufschwatzen sollte, um meine Punkte vollzukriegen.
Also bleib mir weg mit schlechtem Ruf, den haben die Versicherungen - zumindest die Konzerne, die dahinter stehen - mit Ihren Geschäftsgebaren selbst zu verantworten!!!
Klar gibt es auch gute Vertreter, die die menschliche Seite nicht vergessen. Aber Geld machen die bestimmt keins. Darauf ist das System glaube ich nicht ausgelegt.

Ist doch klar: Sie kriegen ddesto mehr Geld, je mehr Versicherungen sie an den Mann gebracht haben. Da haben sie ein persönliches Interesse, dass der Kunde gerade von ihnen die Verishcerung nimmt:-)
Meine Meinung dazu:
Wovon leben Banken ? Wovon leben Ärzte ? Wovon leben Rechtsanwälte ? Wovon leben alle die Produkte erzeugen oder Dienstleistungen anbieten ?
Alle leben vom Verkauf !!!!!!! Diese Tatsache hat mit Seriösität, Abzocke oder Betrug nichts zu tun !!! Waffen töten auch keine Menschen...!
Nur weil ich mit dem Vertrieb von Versicherungen Geld verdiene, bedeutet es nicht, das ich nur Provisionsorientiert arbeite. Ein Arzt verdient nur Geld wenn ich krank bin, deshalb werden so oft unnötige Operationen durchgeführt, denn es gibt mehr Geld !
Rechtsanwälte erhöhen die Streitwerte künstlich um dem Mandanten gem. RVG ein höheres Honorar berechnen zu können.
Abzocke gibt es überall, mit dem Beruf hat das nichts zu tun..!
Niklaus am 6. August 2008 19:39 DH
:)

nun meine Kunden, wissen was sie an meiner Beratung haben.
Ansonsten meinen wohl die Menschen, dass ein Versicherungsvertreter nur Geld verdienen möchte und nichts leistet. Ausserdem sind die Preisunterschiede für gleichen Schutz dermaßen krass und ich finde gut, dass laut neuester Gesetzgebung, der Kunde über die Verteilung seines Beitrages informiert werden muß und ein Beratungsprotokoll unterzeichnet.
Schließlich haftet ein Versicherungsvermittler für seine Beratung und es kann nicht sein, dass ein Kunde günstig versichert sein möchte oder gar nicht und seine Meinung nicht gegenzeichnet. Damit übernimmt der Kunde Eigenverantwortung und der Vermittler haftet, wenn er falsches beraten hat.
Damit müßte der Beruf Versicherungsvermittler den allerbesten Ruf erhalten.
Dem ist nichts hinzu zufügen. Danke für deine ehrliche und gute Antwort.
Ich gestehe: ich komme aus der Branche... und ich kenne beide Seiten.