Warum haben manche Städte nicht ein einbuchstabiges Kennzeichen, obwohl sie die größte Stadt mit dem Buchstaben ist?

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1 Antwort

Es ist nicht prinzipiell so, dass die größte Stadt aus der Gruppe der Städte, die mit dem gleichen Buchstaben beginnen, den einen Buchstaben bekommt, diese grundlegende Annahme ist schon mal nicht zutrefend.. Es ist eher so, dass damals in den 50er Jahren, als das System eingeführt wurde, die Einbuchstabenkürzel prinzipiell an die Städte vergeben wurden, die auch einen entsprechenden Bedarf an Kennzeichen hatten. Der Sinn dahinter ist ganz einfach der, dass eine große Stadt auch eine hohe Anzahl von Fahrzeugen hat, die gekennzeichnet werden müssen. Die Anzahl der Zeichen insgesamt auf deutschen Nummernschildern ist sieben und damit begrenzt. Je kürzer nun das Unterscheidungszeichen (so heißt der Stadt- bzw. Landkreisbuchstabe) ist, desto mehr Zeichen stehen natürlich für die sog. Erkennungsnummer (der Teil nach dem Unterscheidungszeichen) zur Verfügung und desto mehr Kfz können gekennzeichnet werden. Wenn man mal die theoretische Zahl an Kennzeichen berechnet, die bei einem einbuchstabigen Unterscheidungszeichen existieren können, dann sind das 20×20×9999 = 3.999.600 (in den 50ern waren 20 Buchstaben zulässig, B,F,G, I, O und Q gab es nicht), also ingesamt knapp 4 Millionen Kennzeichen, und die sind für die allergrößten Städte mehr als ausreichend für alle Zeiten. Deswegen hat man gerade früher nicht ohne Not kurzbuchstabige Kennzeichen ausgegeben an Städte, die das gar nicht benötigten.

Prinzipiell ist es natürlich so, dass die Grundregel galt: Je größer der Zulassungsbezirk, desto weniger Buchstaben. Eben mit der Einschränkung, dass nicht unbedingt eine größere (aber nicht sehr große) Stadt einen Buchstaben bekam, nur weil der noch frei war. Und es wurde nicht immer stur nach dieser Regel verfahren, Ausnahmen gab es immer. Z.B. das erwähnte HH für Hamburg, viel größer als Hannover, das ein H bekam. Da spielte oft auch der Wunsch der Städte selbst eine Rolle, die konnten nämlich beim Bundesverkehrsministerium Einspruch einlegen bzw. eigene Vorschläge machen. Und ob man es glaubt oder nicht, es war wohl so, dass Hamburg freiwillig auf den Großstadtbuchstaben H verzichtet hat, weil sie es für wichtiger ansahen, dass die Hanstadt auch im Kennzeichen erwähnt wurde, so wurde es dann eben HH.

Jetzt kommt noch der Sonderfall hinzu, dass das jetzige System quasi in zwei Etappen eingeführt wurde, einmal 1956 auf dem Gebiet der "alten" Bundesrepublik und dann kamen 1990 die neuen Länder der DDR hinzu, die auch alle in das neue System passen mussten. Deswegen darf man hier auch nicht unbedingt "alte" und "neue" Buchstaben miteinander vergleichen, denn GE gab es ja schon lange, als G für Gera erst 1990 einfführt wurde. Und außerdem hat man das in den 90ern augenscheinlich auch nicht mehr ganz so streng gesehen, denn jetzt bekamen auch Städte ein einbuchstabiges Kürzel, die es von der Anzahl der Fahrzeuge niemals gebraucht hätten, z.B. C (Chemnitz), G (Gera), J (Jena) und Z (Zwickau). Und später dann sogar noch der provinzielle Vogtlandkreis mit einem V. Man hat das dann eben so gemacht, weil man auch keinen Nachteil drin sah, die Städte wollten das wohl gerne und es gab keine Konkurrenz, also hat man es zugeteilt.

Rostock hätte übrigens nicht R bekommen können, das ist nämlich schon Regensburg.

Ich hoffe, ich habe das halbwegs verständlich beschrieben, bei Fragen einfach fragen!

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Kommentar von tim123xx
23.01.2016, 21:20

Danke für deine Antwort!

Daran habe ich gar nicht gedacht, denn diese Städte die ich meinte, sind alle "Westdeutsch". Dort haben nur besonders große Städte das einbuchstabige Kennzeichen.

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Kommentar von DocSchneider
23.01.2016, 23:56

Kleine Korrektur: Die Maximalanzahl aller Zeichen auf deutschen Kennzeichen ist *acht* – nicht sieben!

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